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Jetzt ist Schluss


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 27.12.2022

Test Nikotinersatzprodukte

RATGEBER

1 Es ist nie zu spät: Acht „sehr gute“ und vier „gute“ Nikotinersatzprodukte können die erste Zeit nach dem Rauchstopp erleichtern, vor allem für stark Abhängige.

2 Wer den Grad seiner Nikotinsucht bestimmen möchte, findet auf den weltweit anerkannten Fagerström-Test zur Zigarettenabhängigkeit .

3 Wenn es mit dem Aufhören aus eigener Kraft nicht klappt: Holen Sie sich psychologische Unterstützung (mehr dazu ab Seite 48).

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Endlich Aufhören mit dem Rauchen! Das gehört zu den häufigsten Vorsätzen für das neue Jahr – und vermutlich auch zu den am schnellsten gebrochenen. Warum nur ist der Schlussstrich so verdammt schwer? Weil die Abhängigkeit von der Zigarette auf vielen verschiedenen Ebenen stattfindet. Auf der sozialen, auf der psychologischen oder einfach, weil das Bier ohne Zigarette nur halb so gut schmeckt. Und schließlich sind gerade stärkere Raucher auch ...

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... körperlich süchtig – nach dem in Zigaretten enthaltenen Nikotin. Auf dieser körperlichen Ebene setzen Nikotinersatzpräparate an.

Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays oder Pflaster mit unterschiedlichen Nikotin-Gehalten sind in der Apotheke rezeptfrei verkäuflich: Zwölf solcher apothekenpflichtigen Arzneien haben wir auf ihre Inhaltsstoffe getestet und ihre Wirksamkeit anhand von Studien begutachten lassen. Zwei Drittel schneiden in der Endnote mit „sehr gut“ ab, der Rest mit „gut“. Und das Beste dabei: Für alle Nikotinersatzprodukte ist die Wirksamkeit ausreichend belegt und sie können die Chance, die Raucherkarriere zu beenden, erhöhen. Das attestieren unsere beiden Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt, in ihrem wissenschaftlichen Gutachten zur Studienlage der Testprodukte.

So funktioniert der Nikotinersatz

Mit dem schnellen Glück aus der Zigarette kann der Nikotinersatz allerdings nicht ganz mithalten: Inhaliert die rauchende Person das Nikotin direkt aus dem Glimmstängel, dann erreicht es innerhalb von sieben bis zehn Sekunden ihr Gehirn. Dort sorgt es für das große Wohlgefühl durch die Freisetzung von Botenstoffen wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen.

Nikotin wirkt vielfältig: Es hellt die Stimmung auf, beruhigt, dämpft das Hungergefühl und verbessert die Aufmerksamkeit. Schon nach 30 Minuten lässt seine Wirkung jedoch nach. Die nächste Zigarette muss her, damit der Nikotinspiegel konstant bleibt. Bleibt sie aus, machen sich Entzugssymptome breit wie Gereiztheit, Unruhe oder Konzentrationsschwäche.

Genau an der Stelle kommen unsere Testprodukte ins Spiel. Ihr Prinzip: Sie ersetzen das Nikotin aus den nicht gerauchten Zigaretten und lassen sich in ihrer Dosierung schrittweise herunterfahren. So federn sie zumindest für die erste schwere Zeit eines Rauchstopps die körperlichen Entzugssymptome ab. Mit dem klaren Vorteil, dass diese Präparate nur das Nikotin ersetzen, nicht aber die rund 4.000 weiteren, teilweise krebserregenden Schadstoffe aus der Zigarette. Ihr Nachteil: Das Nikotin aus Pflaster, Kaugummi & Co. gelangt sehr viel langsamer in den Organismus als aus der Zigarette.

Pflaster halten Nikotinspiegel konstant

Nikotinpflaster bleiben jeweils 16 bis 24 Stunden auf der Haut kleben. Ihr Pluspunkt ist, dass sie den Nikotinspiegel konstant halten und auf diese Weise unkontrolliert aufflackernde Entzugssymptome vermeiden. Pflaster eignen sich vor allem für stark Nikotinabhängige und lassen sich nach Bedarf mit Kaugummis oder Lutschtabletten kombinieren. Das erhöht die Erfolgsaussichten laut unseren Gutachtern zusätzlich um bis zu 36 Prozent.

„Nikotinkaugummis und Co. sind eine gute Investition in die eigene Gesundheit. Und auf Dauer allemal billiger als Weiterzurauchen.“

Christine Throl ÖKO-TEST-Projektleiterin

WISSEN

Entzugsmittel auf Rezept

In der zweiten Reihe

Neben den rezeptfreien Nikotinersatzprodukten gibt es auch drei verschreibungspflichtige Arzneistoffe zur Rauchentwöhnung: Das ursprünglich als Antidepressivum entwickelte Bupropion, den Wirkstoff Vareniclin und das erst seit 2020 zugelassene Cytisin. Cytisin ist ein pflanzliches Alkaloid, das im Samen des Goldregens vorkommt und Nikotin strukturell ähnelt. Laut medizinischer Therapieleitlinie zur Tabakabhängigkeit sollten Ärzte die verschreibungspflichtigen Arzneien jedoch erst dann anbieten, wenn Nikotinersatzprodukte erfolglos waren.

Mäßige Vorteile, höhere Risiken

Denn die Wirksamkeit der drei Mittel ist im Vergleich mit dem Nikotinersatz laut der in unserem Auftrag geprüften Studienlage entweder ähnlich (Bupropion) oder nur mäßig überlegen (Vareniclin, Cytisin). Alle drei bringen jedoch höhere Risiken mit: So gehören Schlafstörungen und Angstzustände zu den häufigen Nebenwirkungen, die Einnahme von Cytisin kann außerdem den Blutdruck erhöhen und eine Gewichtszunahme bewirken.

Kaugummis, Pastillen und Sprays wirken schneller

Das Nikotin aus Kaugummis, Tabletten, Sprays und Inhalern geht schneller ins Blut als aus Pflastern. Sie werden den Tag über je nach Bedarf gelutscht, gekaut oder gesprüht. Damit vermitteln sie Anwendern das Gefühl, die Nikotinzufuhr selbst kontrollieren zu können und geben dem jetzt unterbeschäftigten Mund etwas zu tun. Allerdings bergen diese Produkte auch selbst ein gewisses Suchtpotenzial.

Je stärker Raucher von Nikotin abhängig sind, desto mehr profitieren sie von einer Unterstützung durch Nikotinersatzprodukte. Wunder sind dennoch nicht zu erwarten: Schaffen es ohne Nikotinersatz-Therapie elf von 100 Personen, mindestens zwölf Monate mit dem Rauchen aufzuhören, sind es mit Nikotinersatz 17 von 100, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf Basis der aktuellen Studienlage errechnet. Die Nikotinersatzpräparate steigern die Erfolgsaussichten eines Rauchstopps also um gut die Hälfte. Immerhin.

Umstrittener Zusatzstoff Titandioxid

Warum sind vier Kaugummis oder Lutschtabletten trotzdem nur „gut“? Weil sie umstrittene Hilfsstoffe enthalten wie BHT oder das Weißpigment Titandioxid. Titandioxid ist in Lebensmitteln seit August dieses Jahres EU-weit verboten, da es in Verdacht geraten ist, das Erbgut zu schädigen. In Arzneimitteln ist es bislang noch erlaubt. Die Pharmaunternehmen sind jedoch angehalten, den Stoff so zügig wie möglich durch Alternativen zu ersetzen. Noch steckt Titandioxid in Zehntausenden Arzneimitteln. Dass Nikotinersatzpräparate auch ohne auskommen, zeigen die „sehr guten“ Nicotinell-Lutschtabletten.

TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben zwölf Nikotinersatzprodukte in der Apotheke eingekauft: Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays und einen Inhalator, allesamt rezeptfreie Arzneimittel. Die Produkte sollen Raucher bei der Entwöhnung unterstützen und die Entzugssymptome lindern. Dabei haben wir Produkte mit mittleren Nikotindosen ausgewählt, die je nach Schwere der Nikotinabhängigkeit in unterschiedlichen Phasen der Entwöhnung einsetzbar sind. Unsere wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt, haben für uns Studien zur Nikotinersatztherapie gesichtet: Wie wirksam sind die Produkte? Welche unerwünschten Wirkungen können sie haben? Informieren die Beipackzettel über alle nötigen Warn- und Gebrauchshinweise? Anhand des Beipackzettel haben wir überprüft, ob die Produkte bedenkliche oder umstrittene Hilfsstoffe wie Titandioxid oder eventuell hormonwirksames BHT enthalten. Ein spezialisiertes Labor hat in unserem Auftrag die Verpackungen und Pflaster auf chlorierte Verbindungen untersucht. Damit ein Arzneimittel eine sehr gute Bewertung erhält, sollte in unseren Augen primär seine Wirksamkeit durch entsprechende Studien belegt sein. Außerdem sollte es die Anwender nicht unnötig mit problematischen Hilfsstoffen belasten.

Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: BHT = Butylhydroxytoluol. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führt zu Abwertung um zwei Noten: Titandioxid. Zur Abwertung um eine Note führt: Butylhydroxytoluol (BHT). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege & Beipackzettel. Ein Testergebnis Hilfsstoffe, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testergebnisse Hilfsstoffe oder Weitere Mängel, die „gut“ sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Einkauf der Testprodukte: August 2022. Dieser Test löst den Test Nikotinersatzprodukte aus dem ÖKO-TEST Magazin 1/2020 ab. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.