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Jetzt kommen die Marsch-Befehle


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 27/2021 vom 07.07.2021

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "Jetzt kommen die Marsch-Befehle" aus der Ausgabe 27/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Jesse Marsch trainiert seit dieser Woche RB Leipzig. Vor drei Jahren war er bereits Assistent von Ralf Rangnick, danach zwei Jahre Chef-Coach in Salzburg

Am Sonntag kam Jesse Marsch (47) nach Leipzig, zu Wochenbeginn forderte er die RB-Stars beim Leistungstest. An diesem Mittwoch steht der neue Coach erstmals mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Im Vergleich zu Vorgänger Julian Nagelsmann (33) macht der US-Amerikaner vieles anders – aberreichlich Prinzipien hat Marsch auch. SPORT BILD nennt und erklärt sie.

Mentalität schlägt Talent!

Die Formel für Marsch lautet: Ein Spieler ist 30 Prozent Fußball und 70 Prozent Persönlichkeit. Ihm ist nicht so wichtig, wer das Trainingsspiel gewinnt, sondern wie sich ein Spieler gibt. Dafür beobachtet er jeden Einzelnen: Wer ist fleißig? Wer bleibt länger draußen? Wer geht wie mit seinen Kollegen in der Kabine, beim gemeinsamen Essen oder auch bei bestimmten Trainingsübungen um? Und wer orientiert sich daran, was RB spielen lassen will.

Das Ergebnis: Bei Marsch spielt oft eher derjenige, der mehr ...

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... für den Nebenmann macht als der, der allein drei Gegenspieler ausspielen kann. Als Beispiel nennt Marsch seinen Spielern gern Basketball-Legende Kobe Bryant († 41): als junger Spieler gehasst, weil er arrogant war, durch seinen Trainingsfleiß später aber geliebt.

Marsch motiviert mit der Story von Basketball-Legende Kobe Bryant

Pausenlose Energie!

Marsch hat höchste Ansprüche an sich selbst, plant jedes Training, jede Ansprache genau, er achtet sogar auf seine Körpersprache dabei. Einen Tag mit halber Kraft gesteht er sich nicht zu. Gleiches erwartet er von den Spielern. Jede Aktion muss in diesem Moment die wichtigste sein. Und: dabei die Mitspieler im Auge behalten, um ihnen zu helfen. Um die Intensität zu erhöhen und wie in Spielen zu gestalten, hat Marsch eine Regel: Trainingsübungen dauern nie länger als vier Minuten, eher zwei oder drei. b Verantwortungsgefühl stärken!

Marsch versteht seine Rolle als Führungskraft so, dass er die Eigenverantwortung der Spieler stärkt. Mit klaren Zeichen: Der Trainer verlangt Ideen der Gruppe, er will Diskussion. Bekommt er Antworten oder Anregungen der Spieler, werden die umgesetzt, damit sich die Spieler wichtig fühlen. Sein wichtigstes Element: Der „Spielerrat“, wie er ihn nennt. Also der Mannschaftsrat aus fünf, sechs Spielern. Mit ihnen bespricht Marsch alles: Trainingsübungen, Taktik, aber auch, wie man zu Spielen reisen will.

Marsch erzählt in der Kabine gern eine Anekdo- te aus seiner Zeit bei New York, wo auch schon der jetzige Leipziger Tyler Adams in seinem Team spielte. Der war gerade 16 und kam nach einem frühen Rückstand zur Seiten- linie gelaufen – mit dem Hinweis: Trainer, der Matchplan ist falsch, wir müssen über die andere Seite pressen. Die Co-Trai- ner empfanden Adams’ Einlassung als übergriffig. Marsch aber stimmte dem Youngster zu, änderte die Taktik und gewann.

Das Ziel dabei: Spieler sollen auf dem Platz allein, beziehungsweise als Gruppe Entschei- dungen treffen. Der ideale Zustand wäre, dass der Trai- ner während des Spiels überflüs- sig ist.

Ge- genwind hilft!

Marsch hält nicht viel von Kom- plimenten. glaubt, Lob von außen macht zufrieden und träge. Am liebsten ist es ihm, man wird unterschätzt. Dann kann er daraus eine Motivation für die Mannschaft ma- chen. Genau so wird er die Situation in Leipzig nut- zen. Wenn er als Nachfol- ger von Nagelsmann als Rückschritt gesehen und das Team nach den Ab gängen guter Spieler als nicht mehr titelfähig angesehen wird, spielt das Marsch in die Karten. Er wird es seiner Mannschaft als Attacke von außen verkaufen, die gekontert werden müsse.

Marsch spricht in der Kabine offen über seine Fehler

Mit fliegenden Fahnen untergehen!

Marsch zeichnet gern das Bild eines Boxers, der zwar verliert, aber voll auf Angriff gegangen ist. „Mut“ ist sein Schlüsselwort. Dass Spieler Fehler machen dürfen, lebt er vor. Der Coach stellt sich schon mal in die Kabine und sagt nach einer missglückten Auswechslung, einer erfolglosen Taktik oder einer verpufften Trainingsübung, dass er es falsch gemacht habe, aber es beim nächsten Mal besser mache.

Auch deshalb versucht der Amerikaner, immer deutsch zu sprechen, auch wenn es manchmal auf Englisch einfacher wäre. Wenn er beim Sprechen Fehler macht, möchte er korrigiert werden, um zu lernen. Das Signal an die Spieler: Versucht immer alles – und das zu 100 Prozent.

Dazu passen seine taktischen Prinzipien. Das sind die wichtigsten:

Extremes Pressing!

Die meisten Mannschaften warten auf einen sogenannten Pressing-Auslöser, also eine Schwäche des Gegners. Zum Beispiel, wenn der ballführende Spieler mit dem Gesicht zum eigenen Tor steht und sich erst drehen muss. Marschs Ansatz: Er will, dass seine Spieler schon pressen, wenn der Pass gespielt wird und nicht erst, wenn er beim Spieler ankommt. Er nennt das Timing. Denn seine Spieler müssen den nächsten Pass erahnen. Und: Er will, dass alle Spieler auf den Ball pressen und dabei die Räume um den Ball extrem eng machen. Es geht nicht darum, mögliche Passempfänger zuzustellen.

Er unterteilt sein Pressing mit den drei deutschen Begriffen „sprinten“ (aggressives Draufgehen), „ankommen“ (bis zum Ball durchlaufen und nicht nur in die Nähe), „reingehen“ (auf den Ball gehen, um ihn auch wirklich zu bekommen).

Zehn-Sekunden- Regel!

Marsch ist ein Anhänger der Spielphilosophie, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Tor zu erzielen, zehn Sekunden nach dem Ballgewinn am höchsten ist. Weil der Gegner dann noch unorganisiert ist, freie Räume da sind. Deshalb sagt er seinen Spielern: Den Ball zu verlieren kann gut sein, weil man ihn dann wieder jagen kann.

Dabei spielt eines seiner deutschen Lieblingswörter eine große Rolle: „Tiefgang“. Schnelle Pässe nach vorn und Sprints sind gefordert.

Marsch setzt auf Zehn- Sekunden-Regel und „Easy Goals“

Easy Goals!

Marsch glaubt nicht an Zauberfußball und Sternstunden einzelner Hochbegabter auf dem Platz. Seine Zielgabe an die Mannschaft: 80 Prozent der Tore sollen einfach, also nach einstudiertem Schema, fallen.