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JETZT MIT ETFS EINSTEIGEN? Nach dem Ölpreiscrash


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 28.05.2020

Auch beim Öl setzt der Coronacrash neue Maßstäbe. Einen negativen Ölpreis gab es zuvor noch nie. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob sich dadurch gute Einstiegsmöglichkeiten bei Öl-ETFs bieten. Besonders ein Hochdividendenwerte-ETF glänzte zuletzt mit prognostizierten Ausschüttungsrenditen von 15 bis 20 Prozent. Oder ist da doch nicht alles (schwarzes) Gold, was glänzt …?


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Bildquelle: Traders, Ausgabe 6/2020

Rolf Scheuermann
Rolf Scheuermann ist promovierter Asienwissenschaftler und arbeitet im Wissenschaftsmanagement. Durch seinen Finanzblog www.etf-yogi.de ist er jedoch vielen seiner Leser unter diesem Namen besser bekannt. Auf ...

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Rolf Scheuermann
Rolf Scheuermann ist promovierter Asienwissenschaftler und arbeitet im Wissenschaftsmanagement. Durch seinen Finanzblog www.etf-yogi.de ist er jedoch vielen seiner Leser unter diesem Namen besser bekannt. Auf dem Blog stellt er Privatanlegern seinen langfristig orientierten Investmentansatz vor und schreibt über seine Erfahrungen mit ETFs.
contact@etf-yogi.de

Der Ölcrash in der Corona-Krise: Was ist passiert?
Erst gibt der Ölpreis nach, weil die OPEC-Länder sich nicht auf eine Drosselung einigen können. Schließlich gibt es doch eine halbherzige Übereinkunft, aber die geringere Nachfrage aufgrund der Coronapandemie schlägt trotzdem voll durch. Flugzeuge parken am Boden, der Verkehr ist eingeschränkt und auch bei der erdölverarbeitenden Industrie gibt es Kurzarbeit. Der Ölpreis stürzt gewaltig und die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) notiert kurzzeitig sogar im Minus. Verkäufer zahlten also dafür, dass ihnen jemand Öl abnimmt. Der ETF-Anbieter WisdomTree sah sich genötigt, die Ausgabe zweier Short-Leveraged-ETPs auf WTI erst einmal auszusetzen. Corona hat den ohnehin bereits an Vorerkrankungen leidenden Ölmarkt voll erwischt.

Ein guter Zeitpunkt für Öl-ETFs?
Der erfahrene Anleger erinnert sich da natürlich sofort an Carl Meyer von Rothschilds Börsenweisheit: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.“ Und lauter können die Kanonen wohl kaum donnern als zuletzt beim Öl.

Ist der Ölpreis niedrig, sinkt in der Regel auch der Kurswert von Master Limited Partnerships (MLPs) in den USA. Diese Unternehmen, die im Bereich der Energieinfrastruktur von Öl und Gas tätig sind, locken bereits in normalen Zeiten mit hohen Dividenden, da sie aus steuerlichen Gründen den Löwenanteil ihrer Gewinne an Anleger ausschütten.
Ein Beispiel ist der Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF (WKN: A1T96S), der viermal im Jahr ausschüttet (März, Juni, September, Dezember) und ein Fondsvolumen von mehr als 200 Millionen Euro aufweist. Er ist ein Hochdividendenwerte-ETF und MiFIDII- konform. Aber worin investieren Anleger hier genau? Der synthetisch replizierende ETF bildet den Morningstar MLP Composite Index abzüglich Gebühren, Aufwendungen und Transaktionskosten ab. Er ermöglicht so ein Investment in 30 Unternehmen, die in den USA im Bereich von Förderung, Transport, Speicherung und Weiterverarbeitung von Erdöl und Erdgas tätig sind. Mit etwa 40 Prozent Gewichtung in den Top-5-Unternehmen ist der ETF allerdings sehr konzentriert. Ein direktes Investment in US-amerikanische MLPs ist steuerlich nicht einfach, was der ETF aber durch seine synthetische Swap-Konstruktion löst. Sie hat aber leider auch ihren Preis: Zusätzlich zu einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,5 Prozent im Jahr fällt eine Swap-Gebühr von jährlich 0,75 Prozent an. Mit laufenden Kosten von insgesamt 1,25 Prozent bewegt sich der passive ETF damit preislich fast auf dem Niveau aktiv gemanagter Fonds.

Mögliche MiFID-II-konforme Alternativen existieren mit der thesaurierenden Anteilsklasse des Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP ETF (WKN: A1T79J) oder dem ausschüttenden L&G US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF (WKN: A1XE2P). Letzterer ist mit einer TER von nur 0,27 Prozent pro Jahr zwar deutlich billiger, weist bisher aber auch nur ein Fondsvolumen von rund zehn Millionen Euro auf und käme für den Autor deshalb als langfristiges Investment eher nicht in Frage.

Wie sicher sind die Ausschüttungen?
Die hohen Ausschüttungen des Invesco-ETF machen ihn vor allem für einkommensorientierte Anleger attraktiv. Aufgrund der hohen Preisschwankungen bewegte sich die prognostizierte Ausschüttungsrendite im Zuge des Crashs zwischen 15 und 20 Prozent. Bei einem Investment von 100.000 Euro wären damit theoretisch Bruttoausschüttungen von 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr möglich. Innerhalb weniger Jahre hätten Anleger so das investierte Kapital wieder eingespielt.
Doch es gibt ein Problem. Die Ausschüttungshöhe hängt durchaus auch vom Ölpreis ab – und in der aktuellen Situation bestehen da berechtigte Zweifel. Selbst vor dem Coronacrash lagen die Ausschüttungsrenditen oft um die zehn Prozent, sanken aber über die letzten fünf Jahre kontinuierlich. Die aktuellen Prognosen der Ausschüttungsrenditen beispielsweise von der Extra-ETF-Webseite sind eben auch nur das: Prognosen. Nachdem sich die jüngste Märzausschüttung mit 0,57 Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 1,12 Euro fast halbierte, wurde die Ausschüttungsprognose für dieses Jahr bereits nach unten korrigiert. Weitere Korrekturen im Laufe des Jahres sind durchaus möglich. Sicherheitshalber würde der Autor also eher eine potenzielle Ausschüttungsrendite um die zehn Prozent ansetzen, was natürlich immer noch ordentlich wäre. Sollte sich der Ölmarkt wieder normalisieren, sind kurz- bis mittelfristig auch wieder höhere Ausschüttungen möglich. Doch für Buy-and-Hold-Anleger bleiben Fragen zur Nachhaltigkeit. Öl wird langfristig sicher noch in vielen Bereichen eine wichtige Rolle spielen. Durch die fortschreitende Energiewende ist jedoch zu erwarten, dass die Nachfrage nach Öl mittel- bis langfristig sinkt, und das dürfte den Ölpreis niedrig halten. Auch politisch gibt es hier viele Unwägbarkeiten. Da sind weitere Dividendenkürzungen im Bereich des Möglichen, vor denen selbst Big Player wie Royal Dutch Shell nicht gefeit sind. Wie bekannt wurde, senkt das Unternehmen dieses Jahr zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg die Dividende.

Fazit
Mit der hohen prognostizierten Ausschüttungsrendite ist der Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF für einkommensorientierte Anleger eine Überlegung wert. Bei diesem, aber auch bei anderen MLPund Öl-ETFs sieht der Autor jedoch hohe Risiken und die Gefahr, dass die Branche als Ganzes dauerhaft Schaden nimmt. Anleger sollten deshalb aufpassen und nicht nur auf die hohen Ausschüttungen schielen. Denn diese sind erstens keinesfalls sicher und zweitens sollte man auch die Gesamtrendite unter Berücksichtigung möglicher Kursveränderungen nicht außer Acht lassen.
Die schlechte Performance der letzten Jahre allein ist natürlich noch kein Grund, die Finger von Öl-ETFs zu lassen. Es zeigt aber eindrücklich, wie stark sie vom Ölpreis abhängig sind. Natürlich könnte man nach dem Crash nun von Einstiegspreisen sprechen. Leider lässt sich das aber erst in ein paar Jahren abschließend beurteilen. Schließlich kann es sich hier genauso gut auch um Verwerfungen durch den beginnenden Paradigmenwechsel handeln, die das Zeitalter der regenerativen Energieträger einläuten. Der Autor selbst wird die Ölbranche deshalb zwar nicht meiden, sieht aber auch nach wie vor wenig Anlass, sie durch gezielte Investitionen überzugewichten.