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„Jetzt passe ich wieder in mein Lieblingskleid“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 31/2019 vom 26.07.2019

Jahrelang hat sie sich mit strengen Essregeln gequält. „Geholfen hat das aber immer nur kurz“, sagt Christin (30), „dann schlug der Jo-Jo-Effekt wieder zu.“ Die Wende kommt, als sie bei einer Hypnosesitzung lernt, auf ihren Bauch zu hören


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 31/2019

Heute strahlt Christin selbstbewusst, trägt gern wieder zarte Farben (l). Früher, mit 85 Kilo (r.), hat sie sich und ihre Pfunde meist hinter Grau und Schwarz versteckt


Friseurmeisterin Christin Köster aus Hanstedt ist gerade acht Jahre alt, als ihre Gewichtsprobleme anfangen. „Meine Mama hat versucht gegenzusteuern“, erzählt sie. „Sie hat gesund gekocht, nur wenig Süßes ...

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... erlaubt – aber sie hatte keine Chance. Ich hab den Süßkram von meinem Taschengeld gekauft und heimlich gegessen.“

Oft, bis sie Bauchschmerzen bekommt. „Ich glaube, ich war zuckersüchtig, ich konnte einfach nicht aufhören“, sagt sie. Sie leidet darunter, unternimmt schon als Teenager die ersten Diätversuche, später schluckt sie Abnehmpillen, Pülverchen und Shakes. „Aber das hat immer nur für kurze Zeit geklappt. Die Pfunde waren wieder drauf und aus Frust hab ich nur noch mehr PSYCHOLOGIEfür jeden Tag gegessen.“ Weinend sitzt sie abends mit Gummibärchen vorm Fernseher, stopft sich mit Schokolade, Keksen, Kuchen voll.

Bei einer Größe von nur 1,55 Metern und mit gerade mal 20 Jahren wiegt sie schließlich 98 Kilo. „Schlimm war das“, schüttelt Christin über sich selbst den Kopf. Ihr Mann Marcel (33) ist es dann, der ihr Mut macht: „Komm, Schatz, lass dich nicht hängen, zusammen schaffen wir das!“

Das Paar beginnt zu joggen, stellt seine Ernährung radikal auf Low Carb um und tatsächlich: Beide nehmen ab. Marcel die „20 Beziehungs-Kilo“, wie er sie nennt, sie in sieben Monaten spektakuläre 45 Kilo! „Von Kleidergröße 50 auf 36! Ich war so stolz.“

Fünf Jahre schafft es Christin, sich an die strengen Essregeln zu halten. Dann kommen die alten Probleme zurück: „Ich hatte Stress“, erzählt sie. „Ich hab mich 2013 mit einem eigenen Friseursalon selbstständig gemacht, hatte keine Zeit mehr, mein Mittagessen vorzubereiten. Da gab’s dann zum ersten Mal wieder ein Stück Kuchen.“ Schon am Morgen darauf landen Schokokekse im Einkaufswagen. „Ich war zurück im Zuckerrausch“, sagt Christin. „Wenn ich keinen bekam, hatte ich Entzugserscheinungen wie ein Alkoholiker: Zittern, Aggressivität, Schlaflosigkeit – grauenhaft. Im Januar 2019 ist Christin wieder 85 Kilo schwer, passt nur noch in Kleidergröße 44.

Leckere Vitaminbomben: Statt Zucker nascht Christin heute Erdbeeren, Trauben, Birnen (l.). Gesundes Essen gibt ihr mehr Energie für die langen Tage im eigenen Salon (o.)



„Bei Stress überkam mich ein richtiger Zuckerrausch“


Sie ahnt, dass es mit einem strikten Essprogramm auf Dauer nicht getan ist, dass sie in die Tiefe muss, die Wurzeln ihrer Naschsucht entdecken und kappen. Zufällig entdeckt sie in einer Zeitschrift einen Artikel über Hypnose. Sie beschließt: „Das versuche ich.“ Und tatsächlich findet Christin bei Hypnosetherapeutin Jessica Waldmann (38) in Hamburg (www.hypnovita.de) nachhaltige Hilfe.

„Ich habe mich ernst genommen gefühlt“, berichtet sie. „Auch als ich von meinem Verdacht erzählte, zuckersüchtig zu sein. Alle anderen haben mich da immer nur belächelt.“ Mit der Expertin geht sie in zwei Sitzungen in langen Gesprächen der Frage nach: „Wer bin ich ohne Essen und was gibt es mir?“ Und im wohlig-ruhigen Zustand der Hypnose erkennt Christin ihre unterbewussten Gefühle: „Als Kind habe ich mich oft hilflos gefühlt. Ich wollte Menschen, denen es schlecht ging, helfen, war aber viel zu klein. Das Essen hat meinen Kummer getröstet, darüber hatte ich selbst die Kontrolle. Es gab mir Sicherheit“.

Christin beginnt, sich selbst besser zu verstehen. „Ich musste mein Gewissen aufräumen, um nie wieder alles in mich hineinzufressen.“ Sie beendet Freundschaften, die ihr nur Kraft rauben, entschuldigt sich bei Menschen, die sie meint, früher enttäuscht zu haben. Außerdem isst sie heute vegetarisch – „das aber als Protest gegen die Massentierhaltung“. Seit der Hypnose sei ihr Leben viel aufgeräumter, sagt sie und das zeigt sich auch auf der Waage: 71 Kilo und Kleidergröße 40! „Ich traue mich wieder in Shorts und trage schöne Sommerkleider, fühle mich einfach rundum wohl!“

Den fiesen Zucker ersetzt Christin heute durch frische Früchte: „Kirschen, Erdbeeren, Wassermelonen, Ananas und Äpfel mag ich am liebsten.“ Kleidergröße 38 ist jetzt ihr nächstes Ziel – und nicht mehr weit …

Bewegung (auf dem Rad oder Skirollern) macht Christin wieder Spaß – und den Kopf herrlich frei


„Essen wieder zur Bauchsache machen“

Olf Stoiber (41)

Hypnosetherapeut, Heilpraktiker für Psychotherapie und Präsident des Deutschen Verbands für Hypnose e. V.

BILD der FRAU: Mal ehrlich, ist Hypnose nicht Hokuspokus?
Olf Stoiber: Nein. Sie ist auch kein Zustand völliger Willenlosigkeit und Umprogrammierbarkeit. Hypnose ist ein Zustand der Entspannung, in dem die Aufmerksamkeit nach innen gelenkt wird. Man muss auch gar nicht dran glauben. Zweifel schärfen sogar die Sinne.
Warum und wie hilft sie?
In unserer Leistungsgesellschaft haben wir oft den natürlichen Draht zwischen Kopf und Bauch verloren. Wir versuchen alles über „Ich will“, also über eine bewusste Kopfentscheidung zu steuern, sollten aber viel häufiger auf „Ich kann“ oder „Ich brauche“ hören. Auf unbewusste Bauchbedürfnisse. Durch die Hypnose nehmen wir unser Unterbewusstsein besser wahr.
Was bedeutet das fürs Abnehmen?
Hunger ist ein unbewusstes Bedürfnis, wir versuchen unser Essverhalten aber über den Kopf zu steuern, sagen zum Beispiel: „Ich will auf Kohlenhydrate verzichten.“ Durch strenge Verbote machen wir eine Bauchsache zur Kopfsache und geraten in einen Teufelskreis: Körper und Geist sind nicht im Einklang, wir befriedigen unsere Bedürfnisse nicht, setzen uns unter Stress und nehmen zu. Hypnose kann Essen wieder zur Bauchsache machen. Außerdem ist es möglich, emotionales Essverhalten, dessen Gründe in der Kindheit liegen, zu hinterfragen.