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Jetzt spricht der Trainer des Jahres


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 42/2021 vom 20.10.2021

SPORT BILD-AWARD 2021

TRAINER DES JAHRES

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Thomas Tuchel mit dem SPORT BILD-Award 2021 als Trainer des Jahres im Presseraum des FC Chelsea auf dem Trainingsgelände in Cobham vor den Toren Londons: ?Ich nehme den Preis stellvertretend für mein ganzes Trainerteam an?

Warum er der Mannschaft seine Schuhe schenkte Wie es monatelang ohne Familie in London war Wie er über einen möglichen Haaland-Wechsel denkt

SPORT BILD: Herr Tuchel, herzlichen Glückwunsch zum SPORT BILD-Award als Trainer des Jahres. Erklären Sie uns mal bitte, wie man es schafft, in 123 Tagen aus dem Tabellenneunten der Premier League einen Champions- League-Sieger zu formen?

THOMAS TUCHEL (48): (lacht) Keine Ahnung. Wenn uns das vorher jemand aufgetragen hätte, hätten wir gesagt: Es geht nicht. Ich fühle mich daher auch nur bestätigt, sich nicht zu viele konkrete Ziele zu setzen – denn vielleicht setzt du sie dir sonst auch zu niedrig. Wir wollen jeden Tag das Maximum geben, um nachher so viel wie möglich zu erreichen. Dass es uns zu so einem Erfolg führt, war aber natürlich nicht absehbar, als wir hier reingegangen sind

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... der Nacht zu Heiligabend bei Paris St-Germain freigestellt worden. Was haben Sie in dem Moment gemacht, als die Anfrage vom FC Chelsea kam?

Telefon-Anrufe sind bei mir oft schwer, weil es ständig irgendwo auf lautlos gestellt rumliegt. Ich war an dem Tag in Paris, die Kinder waren zurück in der Schule. Wahrscheinlich kam ich gerade vom Spaziergang mit dem Hund aus dem Wald, als ich aufs Handy geschaut habe und eine Nachricht meines Managers drauf hatte, dass Chelsea sich gemeldet hätte.

War Ihnen sofort klar, dass Sie zusagen?

Es wäre jetzt einfach zu sagen, ich wusste es von der ersten Sekunde an. Aber ganz so einfach war es nicht. Das Bauchgefühl hat schon gesagt: Wow, Premier League. Wow, Chelsea. Wow, London. Ich konnte zunächst aber noch nicht so fassen, wie konkret die Anfrage ist. Ich habe gelernt, mir einen Schutzschild zuzulegen und nicht auf eine SMS sofort emotional voll draufzuspringen, sondern mal abzuwarten, ob sich der Verein prinzipiell erkundigt oder auch mehrere Kandidaten hat. Daher war ich erst mal reserviert – aber grundsätzlich sehr positiv eingestellt.

Und dann?

Als ich gemerkt habe, wie konkret es war und wie positiv unser Gespräch mit Chelsea verlief, war es innerhalb von 72 Stunden entschieden.

Wie haben Sie die Zeit genutzt, um sich vorzubereiten?

Natürlich habe ich mal den Spielplan gecheckt: Liverpool auf Platz vier war acht Punkte vorn. Leicester auf Platz drei beinahe schon unerreichbar. Ich würde lügen, wenn wir uns nicht gefragt hätten: Okay, was ist, wenn wir gut sind und es aber nur auf Platz fünf schaffen? Aber die Vorfreude und die Lust aufs Abenteuer haben überwogen – und nicht Ängste oder Sorgen.

Jetzt sind Sie der erste Trainer der Fußballgeschichte, der es mit zwei Klubs hintereinander ins Champions-League-Finale geschafft hat!

Das war nicht ganz freiwillig mit den zwei Klubs (lacht).

In Mainz haben Sie damals als Nachwuchstrainer die Profi- Mannschaft erst vier Tage vor dem Bundesliga-Start übernommen und direkt ein paar Umgangsregeln an die Tafel geschrieben wie: „Wir begrüßen uns per Handschlag.“ Bei Chelsea auch?

Nee, nee. Das wäre, glaube ich, kein guter Start gewesen. Aber es ist schon lustig: Bei manchen Dingen, die ich früher gemacht habe, denke ich mir heute: Du warst ganz schön mutig, dafür dass du nie ein Bundesliga-Spiel gemacht oder gecoacht hast! Das Entscheidende ist damals wie heute, dass es natürlich kommen muss und nicht aufgesetzt sein darf.

Nach dem 1:0-Finalsieg gegen Manchester City sind Sie Schampus spritzend in die Kabine getanzt und haben der Mannschaft Ihre Schuhe geschenkt. Warum?

Ich habe vor dem Spiel nach einem kleinen Aufhänger gesucht, der weggeht von Taktik und Motivation – einem kleinen Glücksbringer. Die Schuhe hatte ich von Nasser Al-Khelaifi, dem Präsidenten von Paris, geschenkt bekommen, weil er wusste, dass ich genau wie er viel laufen gehe. Mein Assistent Benjamin Weber hat mich dann gefragt, ob ich die Schuhe tragen würde, wenn wir ins Champions-League-Finale kommen. Ich habe gesagt: Okay, mache ich.

Haben Sie 2020 mit PSG gegen Bayern aber nicht! Ihr Fuß war gebrochen …

Ja, und zweitens wurde der Sieger damals in Portugal in Turnierform ausgespielt. Wir waren bei der Anreise erst im Viertelfinale. Und ich habe gesagt: Die Schuhe nehme ich nicht mit, da bin ich zu abergläubisch. Und als wir dann im Finale waren, habe ich gekniffen, weil ich mein Viertel- und Halbfinal-Outftit behalten wollte. Dann haben wir verloren, und ich habe immer gesagt: Ich hätte die Schuhe anziehen sollen.

Haben Sie dann mit einem Jahr Verspätung.

Ja, kurz vor dem Anpfiff habe ich zur Mannschaft gesagt: Leute, Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, ich habe die Schuhe an, dieses Mal klappt es! Die haben mich angeschaut und nur gedacht: Was ist los? Nachher war es dann natürlich ein großes Thema. Ich wollte die Schuhe der Mannschaft geben, aber die hat nur gesagt: Nein, Coach. Wenn wir noch mal im Finale sind, dann musst du sie noch mal anziehen.

„Das Foto mit meiner Familie habe ich auch im Büro“

Sie haben nach Abpfiff sehr emotional mit Ihrer Frau Sissi und Ihren beiden Töchtern Emma und Kim auf dem Platz gefeiert. Wir haben das Foto dabei. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie es sehen?

Es war unglaublich, das zusammen erleben zu können. Ich habe das Foto auch in meinem Büro. Meine Familie ist natürlich stolz ohne Ende. Es war ein großer Schritt für uns, die Familie im Januar in Paris zu lassen und durch die Corona-Regeln und den Brexit nicht zwischendurch zurückkommen zu können. In dem Wissen zu gehen war sehr schwer. Gleichzeitig war ich unendlich dankbar, dass es mir meine Familie ermöglicht hat. Es war ein großes Geschenk, weil ich mich hier komplett auf Fußball einlassen konnte. Ich habe mit meinen drei Co-Trainern in einem sonst leeren Hotel gelebt. Beim Finale waren dann auch meine Eltern und viele Freunde, meine 90-jährige Oma hat zu Hause mitgefie- bert, da habe ich mir eher noch Sorgen gemacht, dass es nicht zu aufregend wird ... Dann eine Woche später zu ihr zu fliegen und sie in den Arm zu nehmen – das ist das Beste.

Durch den Sieg sind Sie einer von sieben deutschen Trainern, die die wichtigste Vereinstrophäe geholt haben. Jupp Heynckes, den Sie selbst mal als „Legende“ bezeichnet haben, hat uns über Sie gesagt: „Thomas ist einer der besten Trainer in Europa. Er strahlt Leidenschaft pur aus, und es ist eine Freude, seinen Weg zu verfolgen. Ich habe Hochachtung!“

Das bedeutet mir extrem viel. Er hat mir vor und nach dem Finale auch zwei Nachrichten geschickt, die ich nie vergessen werde, und ist ein großes Vorbild. Ich war in meiner Jugend Gladbach-Fan, und er war Trainer der Borussia. Das gehörte für mich immer wie selbstverständlich zusammen. Und dann hat mich irgendwann meine Mama im Ski-Lager in den Ferien angerufen – ich war 13, 14 Jahre alt – und gesagt, dass Jupp Heynckes zu Bayern wechselt. Da war für mich der Tag gelaufen, da war ich so sauer!

„Die Aufstellung von Pep im Finale hat uns überrascht“

Und dann haben Sie im ersten Spiel mit Mainz 05 als Bundesliga-Trainer direkt gegen ihn und Leverkusen gespielt.

Ja, ich war total aufgeregt, wusste nicht, wie mir geschieht – und dann kommt Jupp Heynckes vor und nach dem Spiel (2:2; d. Red.) zu mir und war so nett und natürlich und hat mir direkt das Du angeboten. Das hat mich wahnsinnig beeindruckt.

Haben Sie realisiert, dass Sie heute in einer Reihe mit Trainern wie Heynckes, Lattek, Cramer, Hitzfeld, Klopp und Flick stehen?

Nein, habe ich nicht. Vielleicht ist es aber auch etwas Gutes, dass man das – während man weiterarbeitet – gar nicht so merkt. Sonst würde man vielleicht mal weiche Knie bekommen. Für mich selbst bleibt es der Job, jedes Spiel zu gewinnen und bestmöglich zu gestalten. Und es bleibt auf eine Art auch normal, man hinterfragt sich weiter und wird nicht zu ehrfürchtig.

War es denn eine Genugtuung nach dem verlorenen Finale zuvor? Christian Heidel, Ihr ehemaliger Manager in Mainz, sagte mal: „Niederlagen tun Thomas körperlich weh!“

Ja, das tun sie wirklich. Es ist ganz schwer für mich, Niederlagen zu verarbeiten, und immer wieder aufs Neue ein Prozess. Ich spüre aber keine Genugtuung, es ist eher eine unglaubliche Erleichterung und ein wahnsinniges Glücksgefühl – und gleichzeitig hat man Angst, dass man es schnell wieder verliert. Den Moment des Abpfiffs im Finale so herbeizusehnen, weil man führt – und ihn ein Jahr zuvor gar nicht haben zu wollen, weil man noch ein Tor braucht –, mehr schwarz und weiß geht kaum.

2015 hatten Sie mit Pep Guardiola in München zwei legendäre Abendessen, mithilfe von Gläsern und Salzstreuern haben Sie über Taktiken diskutiert. Michael Reschke, damals wie Guardiola bei Bayern, sagt: „Das war wie Cicero gegen Sokrates.“ Sehen Sie sich so?

(lacht) Ich nehme das mal als Kompliment, wobei Philosophen im Fußball – das ist ja nicht immer ein Kompliment, das wird ja auch schnell mal zum Schimpfwort. Es war mein erstes Treffen mit Pep, ein reines Vergnügen. Ich hatte zuvor wahnsinnig viel gelernt von seinen Spielen mit Barcelona, die für mich das Nonplusultra waren. Als wir da saßen, habe ich ihn gefragt, warum er gegen Gladbach mit einer Viererkette aufbaut und nicht mit einer Dreierkette. Er hat es mir erklärt, und ich habe das Glas genommen und gesagt: Aber die spielen doch so. Er hat es verschoben und gesagt: Nein, dieser Spieler muss da stehen und dieser auf jeden Fall hier. Und ich habe das alles aufgesogen und gespürt, mit welcher Intensität, Detailverliebtheit und Überzeugung er coacht und welchen Erfahrungsschatz er hat.

Wie groß ist die Gefahr, alles pedantisch bestimmen zu wollen und es am Ende als Trainer zu überdrehen?

Das ist die ganze Zeit da, auf jeden Fall. Es ist die Kunst, das Rad zu drehen und zu drehen – mit dem Trainerteam zusammen auch mal so weit, bis es nicht mehr geht –, aber es ist immer eine andere Geschichte, was sie ihrer Mannschaft erzählen. „Less is more“, weniger ist da immer mehr. Ich erwarte auch von mir, den Transfer zu schaffen aus den Dingen, die man weiß und glaubt zu wissen über das Spiel, das eigene Team und den Gegner und das runterzubrechen und in einfachen Sätzen auf den Platz und in die Mannschaftssitzungen zu bringen.

Waren Sie überrascht, dass Guardiola im Finale ohne Stürmer und defensives Mittelfeld gespielt hat?

Ohne Stürmer nicht, das hat er öfter schon mal gemacht. Aber über die Personalie, dass weder Fernandinho noch Rodri gespielt haben, waren wir überrascht. In 46 der 47 Spiele zuvor war immer einer von ihnen auf dem Feld.

Sie erfahren jetzt zu Recht viel Anerkennung. Heidel hat mal gesagt: „Als Jürgen Klopp in Mainz gegangen ist, haben ihn alle verehrt. Als Thomas gegangen ist, haben ihn alle respektiert.“ Reicht Ihnen das, oder haben Sie den Wunsch, auch geliebt zu werden?

Das möchte schon jeder, glaube ich. Nicht nur ein Fußballtrainer von seinem Publikum. Aber man kann es ja nicht erzwingen: Sie können Ihre Frau ja auch nicht zwingen, Sie zu lieben. Sie liebt Sie, oder sie liebt Sie nicht. Ich kann am Ende auch nur so sein, wie ich bin, und mein Bestes geben. Mit Kloppo zu konkurrieren bei dem, was seine größte Gabe ist – die Leute emotional gefangen zu nehmen und dass sich alle so nah bei ihm fühlen, obwohl sie ihm vielleicht gar nicht so nah sind –, ist sehr schwer. Das Bild nach außen von mir scheint manchmal auch ein anderes zu sein, als es das Bild nach innen ist. Ich glaube schon, dass es uns im Innenleben unseres Klubs gelingt, mit viel Humor und einem sehr ehrlichen und offenen Ansatz, die Menschen mitzunehmen, um eine Atmosphäre herzustellen, dass wirklich alle mithelfen, so erfolgreich wie möglich zu sein. Nur mit professionellem Respekt hätten wir die Punkte nicht geholt in Mainz, Dortmund, Paris und hier bei Chelsea.

„Wir haben die Latte für unsere eigenen Erwartungen jetzt ziemlich hoch gelegt“

„Jupp Heynckes schrieb mir zwei Nachrichten, die ich nie vergesse“

In der Länderspielpause haben Sie für die Mitarbeiter zuletzt Weißwürste mitgebracht und sogar selbst gekocht!

Ja, unsere Köche wollten die Würste hier erst braten und zerschneiden. Da musste ich Ihnen zeigen, wie man das macht (lacht).

Lassen Sie uns über Ihre drei deutschen Spieler sprechen: Was sind die nächsten Schritte, die Sie von Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger erwarten?

Wir haben die Latte für unsere eigenen Erwartungen jetzt ziemlich hoch gelegt. Der Anreiz, gegen uns zu spielen und uns zu besiegen, hat sich erhöht. Wir müssen uns weiter verbessern, um mal mindestens das Gleiche zu liefern. Für Kai und Timo bedeutet das: Die Anpassungsphase ist abgeschlossen. Sie wissen, um was es jetzt hier geht. Sie haben sich ihre Sporen verdient, ihre Rolle gespielt bei einem großen Erfolg. Und jetzt geht es darum weiterzumachen – und das machen sie auch. Ich bin sehr zufrieden mit beiden.

Und Rüdiger?

Toni hat sich außergewöhnlich etabliert seit dem ersten Tag, an dem wir angekommen sind. Er ist absoluter Führungsspieler und spielt auf einem unglaublich hohen Niveau.

Haben Sie ihm einen Wechsel zum FC Bayern schon ausgeredet?

Dann kriegt er aber richtig, wenn er das macht (lacht)!

Es heißt, in England haben Trainer mehr Einfluss auf Transferpolitik. Ist das so?

Man spürt den Respekt schon in der Anrede „Manager“. Für mich persönlich sind die Kommunikationswege hier superangenehm. Es gibt im Grunde nur Marina (Granovskaia; d. Red.) als Geschäftsführerin und Boss. Und es gibt Petr Cech, der das Bindeglied ist zwischen Mannschaft, dem Board und mir. Und das war es! Wir drei können uns sehr, sehr schnell abstimmen. Der tägliche Kontakt fand in der Transferperiode zwischen Marina und Petr statt, der immer wusste, was ich gerade mache. Ich durfte eigentlich Trainer bleiben und habe das gemacht, was ich möchte und am besten kann: auf dem Platz sein und mit der Mannschaft arbeiten.

Wie oft haben Sie schon über Erling Haaland gesprochen?

Wir haben ein paarmal über Erling Haaland gesprochen, auch in der Transferperiode. Es schien dann aber absolut unrealistisch und überhaupt nicht machbar. Wir sprechen natürlich regelmäßig drüber, weil er ein fantastischer Spieler ist und die prägende Figur bei Dortmund, die in der Champions League ein großer Rivale für uns sind, klar.

Ist es vorstellbar, dass Haaland nächstes Jahr zu Chelsea kommt? Oder ist die Position durch die Verpflichtung von Romelu Lukaku besetzt?

Sie meinen eine Doppelspitze Lukaku und Haaland?

Hätten Sie die gern?

Da können wir gern drüber reden (lacht)!

Wäre es fahrlässig, bei einem Spieler wie Haaland nicht dabei zu sein, wenn er auf den Markt kommt dank seiner Ausstiegsklausel?

Ich glaube, dass wir bisher nie richtig ernsthaft dranwaren. Aber mal sehen, was in den nächsten Wochen wird.

Was reizt Sie in der Zukunft noch: Bayern, Dortmund, Nationaltrainer?

Seit ganz langer Zeit bin ich einfach nur glücklich, wo ich bin, und mache mir überhaupt keine Gedanken, ob ich noch einen nächsten Schritt machen muss oder was woanders besser passen könnte. Ich habe die Aufgabe und den Wunsch, hier solange wie möglich zu sein. Ich bin hier sehr glücklich: Der Klub, die Mannschaft, die Liga, die Stadt – das ist absolut top im Moment. Deshalb: Wir wollen noch um ein paar Titel kämpfen. Jetzt.

Ist der englische Meistertitel für Sie genauso viel wert wie die Champions League?

Einem Trainer bedeutet jede Meisterschaft extrem viel, das war auch schon in Paris so. Von außen kann man schnell urteilen – das könnte mir auch passieren –, wer sonst außer Paris soll in Frankreich und wer sonst außer Bayern soll in Deutschland Meister werden? Aber wenn du da mal drei Jahre drinsteckst und jeden dritten Tag um 21 Uhr gegen Gegner spielst, die überperformen, weil es für sie das Spiel des Jahres ist – dann wirst du auch wieder demütig und merkst, was es dazu braucht, um über einen so langen Zeitraum erfolgreich zu sein. Es ist ganz anders, eine Meisterschaft zu gewinnen als die Champions League, wo es immer auch um Losglück, Verletzten-Situation etc. geht.

Das heißt?

Eine Meisterschaft in England ist natürlich eine Riesen-Herausforderung. Aber sind wir mal ganz ehrlich: Die letzten Jahre haben Manchester City und Liverpool das Rennen unter sich ausgemacht, sich gegenseitig hochgeschaukelt und uns gezeigt, wie gut man über einen sehr langen Zeitraum sein muss. Wir müssen, bevor wir anfangen zu träumen, erst mal diese Lücke schließen.

„Eine Doppelspitze Lukaku und Haaland? Da können wir gern drüber reden!“

Das ganze Interview im Video bei SPORT BILD.de

Die Preisübergabe an Thomas Tuchel fand vergangene Woche auf dem Trainingsgelände des FC Chelsea in Cobham statt, rund 40 Autominuten südwestlich von der Londoner Innenstadt gelegen. Das gesamte Interview wurde aufgezeichnet und ist ab sofort bei SPORT BILD.de abrufbar. Tuchel kam direkt vom Training mit seiner Mannschaft, die er am Tag zuvor noch mit Weißwürsten aus der Heimat überrascht hatte – die er sogar selbst zubereitet hatte. Tuchel lacht: „Unsere Köche wollten die Würste hier erst braten und zerschneiden. Da habe ich ihnen gern gezeigt, wie man sie richtig macht.“ Den Award, den er als Teamleistung für seinen ganzen Staff ansieht, wird er im Trainerzimmer aufbewahren.