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Jetzt will Ebert Gold wie Fichtel


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2021 vom 21.07.2021

FECHTEN

LEONIE EBERT & ANJA FICHTEL

Artikelbild für den Artikel "Jetzt will Ebert Gold wie Fichtel" aus der Ausgabe 29/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 29/2021

„Da Anja früh große Erfolge hatte, wusste sie immer, wie ich mich fühle“

Leonie Ebert

SPORT BILD: Frau Fichtel, Leonie Ebert ist Deutschlands große Florett-Hoffnung bei Olympia in Tokio. Wann haben Sie Leonie zum ersten Mal fechten sehen?

ANJA FICHTEL (52): Ich war B-Jugendtrainerin im Fechtzentrum Tauberbischofsheim. 2012 hieß es: Da kommt ein zwölfjähriges Mädchen aus Würzburg, und die sei so toll. Und das war sie. Egal in welche Gruppe ich sie bei Spielen steckte, sie hat immer alle geschlagen. So schnell, so flink, so geschmeidig. Ich dachte nur: Wow!

LEONIE EBERT (21): Ich kam da in diese riesigen Hallen. Sah die Weltmeister und Olympiasieger wie Anja. Ich war einfach nur fasziniert von diesem Ort.

Wie half Ihnen Anja?

EBERT: Sie stand mir zur Seite, gerade als ich sehr jung war und versuchte, bei den Älteren mitzumischen. Da Anja so früh selbst große Erfolge ...

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... hatte, wusste sie ganz genau, wie ich mich fühle. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie mir in den Kopf reinschauen konnte. Wenn ich in die Halle kam und Anja sah, ging es mir sofort besser. Anja hat immer gesagt: Gehe deinen Weg! Vertraue auf dich! Mache dein Ding! Wenn mir das eine Olympiasiegerin sagt, dann vertraue ich ihr natürlich.

FICHTEL: Ich habe jetzt ein Kärtchen von Leonie gekriegt, mit dem sie sich bei mir bedankt hat. Da kriege ich gleich Gänsehaut. Ich bin vor ihr den Wegge- gangen und weiß, wie schwer es ist. Daher ist sie stark in meinem Herzen verankert. Leonie, wenn du auf der Bahn in Tokio stehst, dann weißt du, dass ich in Gedanken bei dir bin.

EBERT: Anja arbeitet ja nicht mehr als Trainerin. Daher kann ich nur sagen: Ich vermisse dich sehr, Anja!

Woran haben Sie früh erkannt, dass aus Leonie etwas werden könnte?

FICHTEL: Leonie ist unheimlich sportlich und quirlig. Dazu kommt ihr Mut. Außerdem ist sie so diszipliniert und stets ihr größter Kritiker. So war ich ja auch. Wenn alle anderen sagen: „Boah! Das ist super.“ Dann weiß man selber: Ne, da ist einfach noch mehr drin. Leonie ist innerlich eine ganz Zarte, unglaublich sensibel und einfühlsam. Doch da drin steckt auch ein riesiges Kämpferherz. Aus dieser Mischung kann dann Größeres werden.

Gab es über die Jahre jemals ein Sparring?

FICHTEL: In dem Moment, als ich Leonie habe rennen sehen, wusste ich schon: Nein, das lasse ich lieber (lacht). Alles hat seine Zeit. Manche Blöße muss man sich nicht mehr geben.

EBERT: Wenn du im Training etwas vorgemacht hast, hattest du immer so eine Reichweite. Langer Arm, großer Ausfallschritt. Da weiß ich gar nicht, ob ich dich jemals getroffen hätte. So schnell hätte ich dir gar nicht hinterherrennen können.

Anjas Erfolge, wie zweimal Olympia-Gold 1988, waren vor Ihrer Geburt, Frau Ebert. Haben Sie sich Videos ange- schaut?

EBERT: Ich habe im Internet gesucht und nichts gefunden. Doch jeder in Deutschland kennt dieses Olympia-Bild, wo drei deutsche Frauen 1988 auf dem Podium stehen – und Anja ganz oben. Legendär! Hast du die Videos, Anja?

„Auf der Bahn in Tokio bin ich in Gedanken bei dir, Leonie“

Anja Fichtel

FICHTEL: Früher auf Videokassetten. Ich bin überhaupt nicht der Typ, der sich das nach Jahren immer noch angucken würde. Das ist die Vergangenheit! Ich finde es schön, wenn man wirklich im Moment lebt.

Sie wurden damals mit 20 Olympiasiegerin, Leonie ist jetzt 21. Was geben Sie ihr mit?

FICHTEL: Sie muss sich bewusst sein, dass sie das Ding rocken will. Mit dieser Überzeugung muss sie ihren Traum leben und sich dafür zerreißen. Ich sage immer: Verlieren darf man, aber nur, wenn man gekämpft hat. Das Gefecht beginnt bei 0:0, und warum sollte die andere besser sein als die Leonie? Warum?

EBERT: Das ist so ein typischer Satz von Anja! Das verbinde ich mit ihr: Auf der einen Seite dieser Wirbelwind, auf der anderen Seite ist sie jemand, der immer, egal wie es stand und ob sie zurücklag, so hart gekämpft hat und so sich zerrissen hat und am Ende dann immer gewonnen hat.

FICHTEL: Das ist krass!

EBERT: Es hat mich total geprägt, wie du mir immer gesagt hast: Ich gebe alles bis zum Ende. So lebe ich heute.

Wie hat sich das Training verändert?

FICHTEL: Es war damals brutal! Das Training ging im Anschluss an Schule, Studium oder Job vom Nachmittag bis um halb neun. Vor Weltmeisterschaften und Olympia sind wir sechs Wochen quasi gequält worden – von früh bis nachts. Ich behaupte, dass wir fechtspezifisch damals wesentlich mehr trainiert haben. Emil Becks Devise war: Du lernst Fechten nur über Fechten.

EBERT: Wir machen dafür heute mehr Athletiktraining, und es wird mehr auf Regeneration geachtet. Ihr wart damals 30, 40 Top-Leute, hattet viel mehr Trainingspartner als ich heute. Ich muss die mir oft im Ausland suchen.

FICHTEL: Da hatten wir es leichter, weil wir in jedem Training eine kleine Weltmeisterschaft hatten. Wir sind von Beck quasi auf die Bahn geschmissen worden, und wer durchkam, war Weltspitze. Leonie muss sich allein durchbeißen. Das ist schwieriger.

EBERT: Die Erwartungen von außen spüre ich natürlich. Aber es war schon immer so, dass ich mir den größten Druck selbst gemacht habe. Ich möchte mich in Tokio für den Kampf belohnen.

Wann haben Sie das letzte Mal gefochten, Frau Fichtel?

FICHTEL: Das ist einige Jahre her. Vor zwei Jahren habe ich rechts eine neue Hüfte gekriegt. Der Leistungssport hat da seine Spuren hinterlassen. Besonders der krasse Ausfallschritt. Wenn man immer hundert Prozent gibt, ist es irgendwann soweit. Es war aber trotzdem eine tolle Zeit. Seit der OP geht es mir auch wieder bombe.