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Jobreport: DIE KNÄCKEBROTPIZZA- CONNECTION


PROTRADER - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 17.12.2019

Fernab der Heimat verhilft ein Fassi-Ladekran einem kleinen Bauunternehmen seit geraumer Zeit zu einem lukrativen zusätzlichen Geschäftsfeld. Nach dem Wechsel zum neuen Fassi F315RA.2.25 und seinem Aufbau auf einen höchst modernen Truck aus Schweden entstand eine Kombination mit erstaunlichen Fähigkeiten


Artikelbild für den Artikel "Jobreport: DIE KNÄCKEBROTPIZZA- CONNECTION" aus der Ausgabe 12/2019 von PROTRADER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PROTRADER, Ausgabe 12/2019

Branche Ladekrane

Jobreport Die Knäckebrot-Pizza-Connection

Die Kombi Volvo FH500 und Fassi F315 bei der Arbeit als Vorhut des Leitungs-Verlegetrupps zwischen Eningen unter Achalm und St. Johann auf der schwäbischen Alb


Norbert Grundmann auf dem Kransitz. Nur hier oben hat er einen hinreichenden Überblick ...

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... über die Ladefläche des FH500. Um die Arbeit dort oben möglichst komfortabel zu gestalten, ließ sein Chef den Sitz mit einem Regenschutz und einer Sitz - heizung ausstatten


Am letzten Novembermontag des Jahres liegt ganz Süddeutschland unter einer dichten Nebeldecke. Nur in den Höhenlagen scheint die Sonne am frühen Nachmittag kurz davor, sich partiell bis zum Boden durchzukämpfen. Bei diesem ungemütlichen Wetter ist Norbert Grundmann mit seinem Volvo FH 500 ungefähr auf halber Strecke zwischen Eningen und St. Johann auf der schwäbischen Alb unterwegs, um im Auftrag seines Arbeitgebers, der Firma Herbert Popp, beim Bau einer Stromleitung logistische Unterstützung zu leisten.

Neue Geschäftsfelder dank Kranlogistik

Popp ist eigentlich ein ganz normales, handwerklich geprägtes Bauunternehmen mit 10 Mitarbeitern. Von Abbruch- über Erdarbeiten, GaLaBau bis hin zur Montage von Leitplanken erstreckt sich das übliche Tätigkeitsfeld. Mit dem hochspezialisierten Bau von Leitungstrassen hat man normalerweise nichts zu tun – wäre man nicht vor Jahren bei der Demontage von Fundamenten im Umfeld einer Umspannanlage von Mitarbeitern der „SPIE SAG” angesprochen worden, ob man sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne. Man konnte. 18 Jahre ist das inzwischen her. Seit dieser Zeit hilft Popp der Spie Sag, einem bundesweit tätigen Dienstleister rund um die energietechnische Infrastruktur, beim Bau temporärer Zufahrtswege.

Entscheidendes Merkmal für den Kauf: Die Kransäule des Fassi F315 verfügt über ein Endlos-Drehwerk


Die von beiden Unternehmen derzeit ausgeführten Arbeiten sind Teil der Revisionsarbeiten an der Stromtrasse Reutlingen-Herbertingen, einem 61 Kilometer langen, noch aus den 1920er Jahren stammenden Abschnitt der Hochspannungsleitung vom rheinischen Braunkohlerevier zu den Wasserspeichern in den Alpen. Statt wie bislang einen 380- und einen 220-Kilovolt-Stromkreis soll die neue Leitung zwei 380-Kilovolt-Kreise umfassen, außerdem werden 220 alte gegen 181 neue Strommasten getauscht. Das macht auch die Betonierung neuer Fundamente nötig. Zudem erfordert jeder Mast die Anlieferung von durchschnittlich 60 Tonnen Stahl. Betonmischer, Sattelzüge und Mobilkrane müssen ergo beim Bau der neuen Leitungen die einzelnen Maststandorte erreichen können. Das zu gewährleisten, ist die Aufgabe von Popp. Damit die schweren Fahrzeuge nicht im Matsch versinken und möglicherweise üble Flurschäden verursachen, verlegt das eigentlich in der Eifel ansässige Unternehmen zur Zuwegung jeder Baustelle hölzerne Fahrbohlen, die nach Abschluss der Arbeiten wieder eingesammelt werden müssen.

Logistische Unterstützung beim Leitungsbau: Hölzerne Fahrbohlen sorgen dafür, dass die Baufahrzeuge nicht im Matsch versinken


Unterstützung beim Leitungsbau

Grundmann hat an diesem Montag nur noch wenige Fahrbohlen auf der Ladefläche, als er mit seinem Truck am verabredeten Treffpunkt ankommt. Doch nachdem er die anstehenden Manöver erklärt hat, beginnt er in Sichtweite eines der alten Masten vom Ende eines asphaltierten Feldwegs ausgehend unmittelbar mit der Arbeit. „Sichtweite” ist hier allerdings nur als theoretischer Wert gemeint: In der dicken Suppe ist der Mast nur dank dahinter stehender Sonne schemenhaft zu erkennen. Grundmann ficht das nicht an. Für seine Arbeit reicht die Sicht allemal. Mit seinem am Heck montierten Fassi F315RA.2.25 und dem standardmäßig angebauten Greifer packt er einen Stapel Fahrbohlen und beginnt vom Lkw aus nach hinten voranschreitend mit ihrer paarweisen Platzierung auf dem weichen Boden am Waldrand.

„Ursprünglich haben wir die Fahrbohlen mit einem unserer Bagger ausgelegt”, erinnert sich Geschäftsführer Thorsten Heuser später, „doch vor elf Jahren haben wir uns für diesen temporären Wegebau erstmals einen eigenen Lkw geleistet.” Ausgestattet mit Fassi-Ladekran und Greifer konnte der Arbeitsfortschritt damals deutlich beschleunigt und der Aufwand für die Anfahrt des Baggers eingespart werden. Doch schon geraume Zeit war er sich darüber im Klaren, dass Kran und Fahrzeug ihre besten Jahre hinter sich hatten. „Der Kran hatte am Ende derart viele Hübe auf dem Buckel, dass wir uns schon gewundert haben, dass er überhaupt noch funktionierte. Zum Schluss gab es allerdings häufiger Probleme mit den vom Schwenken betroffenen schlauchgeführten Hydraulikleitungen”, erinnert sich Heuser. „Darum habe ich mich beim Kauf des neuen Krans für ein Endlosschwenkwerk entschieden, das eine Drehdurchführung für die Hydraulik besitzt. Das machte zwar die Wahl eines etwas größeren Kranmodells nötig, aber so können wir jetzt im Bedarfsfall auch locker schwere Kabeltrommeln an den Haken nehmen.”

Lkw-Steuerung per Funk

Bei der Einholung von Angeboten für das neue Fahrzeug erkundigte sich Heuser beim örtlichen Volvo-Vertrieb auch nach einem „Drive by Fassi” genannten Feature, das der Kranspezialist aus Italien gemeinsam mit Volvo entwickelt hat. Es erlaubt bis zu einer Geschwindigkeit von 10 Kilometern in der Stunde, moderne Volvo- Trucks auch außerhalb der Fahrerkabine mit einer Fernbedienung zu steuern. Ursprünglich dazu geschaffen, den Lkw ohne Einweiser rückwärts oder durch Engpässe zu manövrieren, lässt sich das System natürlich auch in solchen Situationen nutzen, wo der Fahrer ansonsten ständig zwischen Außenbereich und Kabine wechseln müsste.

Genau das ist bei der Arbeit von Grundmann der Fall. Zwar erreicht der F315 mit seinen insgesamt fünf Ausschüben beim Auslegen der rund fünf Meter langen Massivholzbohlen eine stattliche Reichweite von 14,6 Metern und kann so drei Bohlen hintereinander auslegen. Dann aber muss der Volvo nach hinten versetzt werden. Für Grundmann bedeutet das, von seinem Baustoff- Kransitz herunterzusteigen, die Stützen einzufahren, anschließend das Fahrerhaus zu entern, ohne Einweiser rund 15 Meter zurückzusetzen, das Fahrerhaus wieder zu verlassen, die Stützen erneut auszufahren und zu guter Letzt die Leiter zum Kransitz wieder hinaufzusteigen. Zwei mal drei Fahrbohlen bzw. weniger als zehn Minuten später beginnt das Spiel von Neuem.

Beim Auslegen der Fahrbohlen macht sich der F315 richtig lang. Bis zu drei der Fünf-Meter-Bohlen kann er hintereinander reihen


Voll ausgefahren erreicht der Fassi-Ladekran eine Reichweite von satten 14,6 Metern. Das vereinfacht die Arbeit erheblich


„Da weiß man am Ende des Tages, was man geschaff t hat”, scherzt Grundmann. „Das ständige Hinauf- und Hinunterklettern der Leiter konnte einen schon Nerven kosten – lässt sich aber nunmal nicht vermeiden. Sonst hat man keinen Überblick, was auf der Ladefläche passiert.” Das wollte Heuser bei seiner Neuanschaff ung nach Möglichkeit abstellen. Nicht nur, dass diese Arbeitsweise den Fahrer ermüdet und vergleichsweise zeitintensiv ist, „auch das Unfallrisiko steigt mit jedem Auf- oder Abstieg über die Leiter.” Mit dem erst vor wenigen Wochen ausgelieferten neuen Truck hingegen kann Grundmann sich beim Auslegen der Fahrbohlen etappenweise vorarbeiten, ohne den Kransitz zu verlassen.

Aus Fortschritt wird Progress

Bei der neuen ungestörten Arbeitsweise könne sich Grundmann, wie er versichert, viel besser auf die Arbeit konzentrieren. Das Ganze ginge ihm nun besser von der Hand. Grundvoraussetzung dafür wäre natürlich, „dass auch die Abstützungen ohne manuelles Eingreifen ausgefahren werden können und die Bodenplatten fest montiert sind.” Einzig die Ladekapazität des Trucks setzt dem neuen Ablauf Grenzen. Maximal 25 Fahrbohlen bringt Grundmann mit einer Fuhre zur Baustelle, dann muss er erneut ins Lager nach Eningen, um Nachschub zu holen. „Bei dem Wetter ist man dann auch wieder froh, wenn man ins warme Fahrerhaus kommt.” Doch zu seinem Glück, gesteht er, habe ihm sein Chef für den Steuerstand am Kran eine Sitzheizung spendiert. „Da lässt es sich da oben schon eine ganze Zeit aushalten.”

Rauf auf den Kran, runter vom Kran – ein ermüdender Vorgang. Dank „Drive by Fassi” ist damit Schluss! Mit bis zu 10 Kilometern in der Stunde kann der Volvo FH500 mit der V7-Fernsteuerung vom Hochsitz aus gesteuert zurücksetzen



Fotos | P eter Leuten