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JÖRG GEBHARDT: Mit Salz unterwegs nach Triest


Modellwerft - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 13.11.2019

Eigenbau: Die »Piran-Braccera« im Maßstab 1:35


Artikelbild für den Artikel "JÖRG GEBHARDT: Mit Salz unterwegs nach Triest" aus der Ausgabe 12/2019 von Modellwerft. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Modellwerft, Ausgabe 12/2019

In der Märzausgabe der ModellWerft des Jahres 2013 erschien mein Bericht zur Trabakul. Sie war mein erstes Fahrmodell mit Lugersegeln und zeichnete sich sogleich durch gute Segeleigenschaften aus.
Die Trabakel waren die meistverwendeten Frachtsegler in der nördlichen Adria vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert. Mit ihren bescheidenen Maßen bis 25 Meter Länge und dem geringen Tiefgang, konnten sie die kleinen Häfen an der istrischen oder dalmatinischen Küste anfahren. Das überlange Ruder diente zur Kurshaltung und zeigte im Flachwasser ein mögliches Auflaufen ...

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In der Märzausgabe der ModellWerft des Jahres 2013 erschien mein Bericht zur Trabakul. Sie war mein erstes Fahrmodell mit Lugersegeln und zeichnete sich sogleich durch gute Segeleigenschaften aus.
Die Trabakel waren die meistverwendeten Frachtsegler in der nördlichen Adria vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert. Mit ihren bescheidenen Maßen bis 25 Meter Länge und dem geringen Tiefgang, konnten sie die kleinen Häfen an der istrischen oder dalmatinischen Küste anfahren. Das überlange Ruder diente zur Kurshaltung und zeigte im Flachwasser ein mögliches Auflaufen an. Die Schiffe ankerten häufig in Strandnähe um Agrargüter zu laden. Dabei fuhren die Karren mit der Ladung ins flache Wasser.

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Eine wichtige Rolle spielten die „trabacoli de legna“. Sie brachten Feuerholz nach Venedig. Dort fand es in den Haushalten und in der Glasindustrie Verwendung. Ein großer Teil dieses Bündelholzes wurde an Deck transportiert. Dabei mussten die Segel um ein Reff reduziert werden

Namensherkunft

Häufig werden Trabakel auch Bracceras genannt. Die Bezeichnungen sind fließend, denn die Braccera ist die kleinere Ausführung, maximal 15 Meter lang und meist nur mit einem Mast versehen. Auf einer Reise durch Slowenien sah ich im Museum der Hafenstadt Piran erstmals Fotos und Modelle der Piran-Braccera (Bild 1). Diese Schiffe wurden zum Transport von Salz nach Triest oder Venedig eingesetzt. Im Umland von Piran gab es ausgedehnte Salzfelder. Lange herrschte die Republik Venedig über die Stadt und den Salzhandel. Nach 1806 gehörte Piran zu Österreich-Ungarn und der Salztransport wurde nun über Triest abgewickelt.
Heute gibt es kein einziges dieser Schiffe mehr. Die ehemaligen Salinen sind zu einem Naturreservat umgewandelt worden. Die Piran-Braccera hat ein besonderes Rigg. Sie ist mit Lateinersegeln ausgestattet. Der Fockmast steht sehr weit vorne und ist zum Bug geneigt. Dieser Fall ist notwendig, denn durch die Länge der Rute für das Segel ist die Anbringung einer Vorstag nicht möglich. Ich habe das Modell nur nach den Fotos gebaut und mich dabei bei den Proportionen verschätzt. Die Segel wurden viel zu klein. Man kann es auf Bild 11 erkennen. So musste ich die Ruten und Segel nochmal herstellen.
Der Plan für die Braccera wurde von dem kroatischen Modellbauer Joso Rumora gezeichnet. Bei seiner Braccera endet der Vordersteven als Männerkopf, wobei oft der Eigner wiedergegeben wurde. Die Piran-Braccera hatte diese Ausführung nicht.

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Der Bau ging recht zügig, denn ich hatte ja 2013 den gleichen Rumpf hergestellt. Auf dem Bild 2 sehen wir die kopierten Mallen auf einer Sperrholztafel. Ich verwende wieder Pappelsperrholz von 5 mm Stärke. Die Mallen werden recht dicht stehen. So besteht keine Gefahr, dass ich später nach der Beplankung Dellen in den Rumpf schleifen werde. Auf dem Bild 3 ist die Mallenkonstruktion auf einer Bauhelling über Kopf aufgeleimt und aufgenagelt. An den Enden wurde massives Balsaholz aufge bracht. Hier muss noch der eiförmige Abschluss mit der Raspel ausgeformt werden. Hinter dem Rumpf steht die größere Schwester, die Trabakul.

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Bild 4 zeigt uns wieder den Rumpf. Zur Stabilisierung wurde er mit eingenuteten Leisten versehen. Die hintere Seite wurde bereits mit Balsaholzleisten beplankt. Ich verwende Balsaholz von 2 mm Stärke, das ich mit der Kreissäge in Streifen von 10 mm Breite zurecht säge. Diese Streifen werden gewässert und vorgebogen. Während der Leim – ich verwende Ponal wasserfest – abbindet, fixiere ich sie mit kurzen Pins. Die Balsaholzplanken sind miteinander und mit den Mallen verleimt.
Auf Bild 5 sehen wir, dass der Rumpf im oberen Bereich mit einer schönen Beplankung versehen wurde. Die Brettchen wurden leicht auf Abstand gesetzt, um die Linienführung deutlicher hervortreten zu lassen. Die Steven und der Kiel wurden angesetzt. In der Schiffsmitte wurde der Kiel für die Aufnahme des Zusatzkiels verbreitert. Nach meiner Erfahrung braucht ein kleines Fahrmodell im Maßstab 1:35 immer einen Zusatzkiel. Auch eine Rudervergrößerung ist notwendig. Der Unterwasserteil des Modells wurde mit Epoxidharz und Gewebe laminiert.
In Bild 6 wurde der Rumpf von der Helling getrennt. Die Mallen wurden herausgebrochen und der Innenausbau wurde begonnen. Das Fahrmodell wurde mit zwei Servos ausgestattet. Das größere Servo mit Hebelarm wird die Segel anlenken, der kleinere wird über eine Schubstange das Ruder betätigen. Auf dem Schiffsboden wurde Walzblei festgeharzt. Ein Vereinsmitglied ist als Dachdecker tätig und von ihm erhalte ich gelegentlich Abfallstücke. Die Decksbalken wurden an die vorgegebene Leiste geleimt. Abstandsleisten sorgen für eine gleichmäßige Ausführung. Der Holzring auf dem Innenkiel wird den Großmast aufnehmen, der Fuß des Fockmastes wird vorn ins Massivholz gesetzt.

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Arbeiten am Deck

Es geht weiter mit Bild 7. Inzwischen wurde das falsche Deck mit 3 mm starken Pappelsperrholzplättchen geschlossen und die Decksplanken wurden aufgeklebt. Hier sehen wir sehr deutlich, dass der Fockmast weit, weit vorne steht. Er ist zum Bug geneigt, da wegen der Länge der Rute des Lateinersegels kein Vorstag angebracht werden kann.
Auf dem Bild 8 zeige ich, wie ich die Decksplanken herstelle. Ein 5 mm starkes Lindenholzbrettchen wird auf beiden Seiten mit Acryllfarbe geschwärzt. Danach schiebe ich es immer wieder durch die Tischkreissäge und schneide mir Planken von 1 bis 1,2 mm Stärke. Ja, Sie haben es erkannt! Die Säge hat keine Schutzvorrichtung mehr. Das sollte nicht sein!

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Auf dem Bild 9 wurde das Deck konfektioniert. Die Pfosten wurden angebracht und die Ladeluke wurde hergestellt. Sie ist meine einzige Zugangsmöglichkeit zum Inneren des Modells und unter ihr werden Empfänger und Akku gelagert. Sie ist als Deckel ausgebildet und schließt ganz dicht. Der Mittelfisch, eine Längsversteifung auf den Decksplanken, wurde ausgebildet und Keilringe wurden um den Mast gesetzt. Am Bug sieht man das geschnitzte Auge. Dieses Symbol findet man bei vielen Schiffstypen im Mittelmeerbereich.
Auf dem Bild 10 wurde das Modell farblich gestaltet. Bei der Farbauswahl habe ich mich an das eine Modell im Museum gehalten. Die Besatzung besteht wieder aus umgearbeiteten Soldatenfiguren. Die Besegelung wurde nach dem ersten Einsatz geändert. Das Großsegel ist jetzt vorn angeschlagen und ein neues größeres Großsegel samt Rute wurde hergerichtet. An Deck liegt die graugefärbte Rudervergrößerung. Sie wird beim Einsatz angesteckt. Wir sehen einige Details auf dem achterlichen Deck. Der Steuermann steht etwas vor der beweglichen Pinne und hat keinen Kontakt mit ihr. Auf dem Mittelfisch ist ein kleines Wasserfass gelagert. Es muss für die Versorgung der Besatzung ausreichen, aber die Fahrten einer Braccera haben jeweils nur Tage, nicht Wochen gedauert. An der Bordwand steht ein kleiner Herd. Es wurde im Freien gekocht. Das Essen war wenig abwechslungsreich.
Neben dem Niedergang fallen zwei kurze Planken auf. Nach dem ersten Fahreinsatz musste ich die Luke abnehmen und diesen Decksbereich wegtrennen, denn das Ruderservo war ausgefallen. Nun sieht man diese Reparaturstelle. Mich stört sie nicht. Wir Modellbauer bauen so und so zu schön. Diese Schiffe waren im harten täglichen Einsatz.

Fahreinsatz

Die erste Ausfahrt im November war enttäuschend. Das Modell driftete über den Teich. Irgendwann hatte ich es wieder. An diesem Nachmittag war eben kein Wind und die Segelausführung stimmte nicht.
Auf dem Bild 11 kann man es sehen. Ich hatte die Braccera nur nach Fotos gebaut und mich verschätzt. Die Ruten und Segel waren zu klein. Das Boot musste wieder in die Werkstatt und wurde umgebaut. Das hintere Segel kam nach vorne, hinten wurde ein neues Segel angeschlagen. Diese Veränderung hat viel bewirkt. Trotz ihrer bauchigen Form segelt die Braccera recht schnell.
Sie taucht halt nicht viel ins Wasser ein. Stärkeren Wind kann sie gut vertragen und wird wohl oft mit an den Teich dürfen. Auf dem Bild 12 segelt dieSweti Vit gemeinsam mit ihrer Halbschwester, der Trabakul. Die Bilder 13 und 14 zeigen das Boot beim Einsatz auf meinem bevorzugten Modellgewässer.

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