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Jorge Lorenzo: LORENZO ENDAM E?


Top in Sport MotoGP - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 16.08.2019

Dass es für den fünffachen Weltmeister nach dem gescheiterten Ducati-Experiment auch bei Honda schwer werden würde, lag auf der Hand. Aber Rücktrittsgerüchte deuten auf eine ernstzunehmende Krise hin.


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Bildquelle: Top in Sport MotoGP, Ausgabe 5/2019

Es ist nicht das Jahr des Jorge Lorenzo. Und es ist auch nicht das erste Nicht-Lorenzo- Jahr. Umso dringender stellt sich die Frage, ob es das letzte sein könnte.

Als der Mallorquiner 2017 nach neun Jahren im Yamaha- Werksteam den Wechsel zu Ducati wagte, konnte dem neutralen Beobachter bereits Böses schwanen: Der Umstieg von der betont umgänglichen YZR-M1 auf die Desmosedici, die einen bestimmten, darüber ...

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... hinaus auch noch nicht gerade einfach umzusetzenden Fahrstil erfordert, ist per se eine gewaltige Challenge. Umso mehr für einen Piloten, der bis dahin Zeit seines MotoGPLebens nichts anderes als die Yamaha kennengelernt hatte.

Dass sechs Jahre zuvor mit Valentino Rossi ein Mann auf genau diesem Weg scheiterte, der mit zuvor auch schon Honda gleichermaßen erfolgreich war wie dann mit mit Yamaha, hätte eine Warnung sein können. Fürs Rennfahrerverständnis ist es damit dann aber eher eine Herausforderung. Umso mehr für einen so selbstbewussten und ehrgeizigen Jorge Lorenzo, dessen Wunsch, aus Rossis Schatten – und damit zwangläufig von Yamaha weg – zu treten, enorm gewesen sein dürfte. Wenn ihm gelingen würde, was dem Superhelden missglückte, nämlich mit Ducati Erfolge zu feiern, hätte er sich ein Denkmal gesetzt. Ohne noch einmal darauf herumreiten zu wollen: Lorenzos zwei Jahre bei Ducati wurden zu einem Desaster, geprägt von fehlendem Speed, daraus resultierenden Panikreaktionen, die ihrerseits in Führungsrunden mündeten, welche wiederum zu oft von einem, dem überspannten Bogen geschuldeten, Sturz gefolgt wurden. Sein Abschied nach zwei Jahren lag nahe, dass er ausgerechnet beim Honda-Werksteam unterkommt, vielleicht nicht ganz so. Und wieder roch es eher nach der nächsten harten Zeit als nach einem Comeback Lorenzos auf die Sonnenseite der MotoGP: Zu dominant ist sein Teamkollege Marc Marquez, zu klar ist dessen Status als einzige Nummer eins, zu sehr ist das Motorrad einzig auf diese zugeschnitten. Und vor diesem Hintergrund: Zu groß sind die Erwartungen an einen verdienten Mehrfach-Weltmeister wie Jorge Lorenzo. Nicht zuletzt von ihm an sich selbst.

Und der bisherige Saisonverlauf bestätigt alle Befürchtungen: Den Saisonstart erlebte Lorenzo nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Zu behaupten, dass das eher eine Darstellungs- als eine Tatsache gewesen sein könnte, um eventuelle durchwachsene Resultate abzufedern, ist verlockend, aber eben nicht mehr als eine Behauptung. Die aber ohnehin letztlich redundant wäre – denn auch nach der offiziellen vollständigen Regenerierung tauchte #99 selten in der vorderen Hälfte des Feldes auf – in dem kurzen Zeitfenster, dass ihm blieb, bevor er sich erst bei Testfahrten in Barcelona und dann maßgeblich im Training in Assen so schwer verletzte, dass er mehrere Rennen aussetzen musste. Dass er in den verbleibenen WMLäufen auftrumpfen kann, ist in Summe aller Faktoren nahezu ausgeschlossen. Dass ein 32-Jähriger angesichts der Tatsache, dass neben der tiefen Enttäuschung des Ducati-Desasters nun auch an der Stätte der wohl letzten großen Chance neue Rückschläge und auch in zunehmender Frequenz Verletzungen in den Knochen sitzen, sich noch länger als nötig quält, scheint alles andere als naheliegend.

Kein Wunder, dass längst Rücktrittsgerüchte über Jorge Lorenzo die Runde machen. Die eher knapp formulierte Absage des Honda-Teamchefs Alberto Puig („Ich weiß davon nichts“) kann an solchen Mutmaßungen wenig ändern, zumal auch seine weiterführenden Einlassungen eher einstudiert als überzeugend klingen: „Das Team wartet auf ihn. Sicherlich ist es nach so einer Verletzung nicht einfach, aber wir wissen, dass er das Herz eines Champions hat. Er wird darum kämpfen, dass er in guter Form zurückkehrt und neue Motivation hat.“

Etwas weniger nach offizieller Pressemeldung klingen dagegen die Einlassungen von Hondas deutschem Testfahrer Stefan Bradl, der in den Rennen für den Spanier einspringt und seinerseits die Stärke des Stammfahrers auf eine Art und Weise betont, dass man die Nachfrage nach einem Karriereende in diesem Kontext eigentlich kaum stellen mag: „Jorge hat angekündigt, die Honda für alle fahrbarer zu machen – nicht zuletzt für sich selbst. Und ich denke, dass er die Kraft und Erfahrung hat, um HRC eine neue Richtung zu geben. Im Moment muss er sich allerdings anpassen – und dann werden sich in Zukunft gute Gelegenheiten ergeben.“

Wie gewiss eine Zukunft von Jorge Lorenzo bei Honda und vermutlich gleichbedeutend in der MotoGP wirklich ist? Nach dieser Saison wissen wir wohl mehr und vermutlich wird sogar Jorge selbst dann erst klarer in die Zukunft blicken können.

Henning Sonnenschein

Verletzungen sorgen bei Lorenzo in einer schweren Zeit für zusätzlichen Verdruss.



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