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JUBILÄUM 40 JAHRE X-YACHTS: 40 Jahre X-Yachts: Kein Satz mit X …


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 120/2019 vom 20.11.2019

Ein mutiges Trio in Dänemark gründete 1979 eine Werft, die bis heute erfolgreich und immer wieder trendsetzend ist.


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 120/2019

Niels Jeppesen, Birger Hansen und Lars Jeppesen (v. l.) schufen mit der X-79 ein Boot, das knap 500 Mal gebaut wurde


Vor 40 Jahren war dieses Boot revolutionär. Die kleine, aber rasante X-79 raste damals auf den Regattabahnen allen anderen davon. Bei dem dänischen Traditionsrennen „Rund Seeland“ kam der Prototyp der X-79 zwei Stunden vor der nächsten Konkurrenz ins Ziel, auch sonst zeigte sie der damals etwas verschlafenen Segelwelt ihr markantes Heck und damit auch, wie die Boote der ...

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... Zukunft aussehen – am anderen Ende der Welt taten es die neuseeländischen Konstrukteure Bruce Farr und Laurie Davidson. Genau wie der Däne Niels Jeppesen es mit seiner X-79 getan hatte, zeichneten sie Schiffe mit breiten Hecks und flachen Unterwasserschiffen, die von den traditionsbewussten Seglern damals eher abfällig als „Hochseejollen“ abgetan wurden. Dennoch, auf den Regatten surften sie allen anderen davon: Ein neuer Trend war geboren.

Begonnen hatte es – in Dänemark – schon kurz vor dem spektakulären Debüt der X-79. Ein Jahr vorher hatte Niels Jeppesen, ein damals 23-jähriger Mathe-Student auf Lehramt, die ähnlich rasante „Banner 30“ gezeichnet und mit seinem Bruder, dem Bootsbauer Lars Jeppesen, und dem gemeinsamen Freund Birger Hansen als Projekt für eine kleine dänische Werft realisiert. Sie zeigt schon die Kernmerkmale der X-79: leicht und breit, mit flachem Unterwasserschiff und oben einem vielseitig trimmbaren 7/8-Rigg. Nach der Banner 30 kam noch die größere Ravage 36, auch ein sehr gutes Boot, welches jedoch nur in kleiner Stückzahl gebaut wurde.


„Ursprünglich war die X-79 zehn Zentimeter kürzer, aber es war nun einmal das Jahr 1979.“


So ermutigt, wollte das Trio endlich ein ganz eigenes Projekt realisieren. Im Februar 1979 zeichnete Niels die X-79, Lars war unterdessen auf einem mehrmonatigen Segeltörn im Mittelmeer unterwegs. So kam es, dass Niels und Birger bereits die Form für das neue Boot fertig gebaut hatten, und zwar auf dem Bauernhof der Jeppesen-Eltern, als der Bootsbauer im Team, Lars, von seinem Törn zurückkam.

Ursprünglich war die X-79 zehn Zentimeter kürzer, aber es war nun einmal das Jahr 1979. Dadurch ergab sich schon ein Ansatz für den Namen – es musste etwas mit der Zahl 79 sein, und so passte es besser, wenn das Boot tatsächlich 7,90 Meter lang ist. Das „X“ kam sozusagen als Unbekannte in der Gleichung dazu, vorgeschlagen vom Mathematiker Niels.

Die knallrote Baunummer 1 der X-79, von den dreien so erfolgreich auf dem RennenRund Seeland gesegelt, wurde gleich nach dem Zieldurchgang verkauft; in den folgenden Jahren folgten etwa 500 weitere X-79, die immer noch als Klasse aktiv ist. Es war der Beginn dieser wunderbaren Geschichte namens X-Yachts.

Mit dem breiten Heck und dem flachen Unterwasserschiff setzte die X-79 einen Trend, der sich bis heute fortsetzt


Nach der 79 folgte die X-102, ein 3/4-Tonner. Auch dieses Modell gewann gleich auf Anhieb mehrere Regatten in seiner Klasse


Die X4.0 soll hingegen beide Welten vereinen und setzt auf Elemente aus der Performance- und Cruising-Linie


1979 war auch sonst ein turbulentes Jahr. Die Seglerwelt schließlich erlebte mit dem tragischen Fastnet-Rennen jenes Jahres ihr historisches Drama, als ein so nicht vorhergesagter Orkan über das Regattafeld in der Irischen See fegte und Tod und Verwüstung brachte.

Die erste Erdölkrise machte den europäi schen Verbrauchern, aber auch der Bootsbranche, schwer zu schaffen. Im Laufe der 1980er-Jahre musste die traditionelle Mittelschicht ihre Gürtel immer enger schnallen. Während das Yuppietum aus London nach Europa schwappte und einige wenige Yachten immer größer wurden, mussten andererseits bekannte Werften aufgeben: Westerly in England, Kelt in der Bretagne oder auch Bianca im idyllischen dänischen Rudkøbing, zum Beispiel.

Ganz anders X-Yachts. Von dem Erfolg der X-79 beflügelt, gründete Niels Jeppesen mit seinem Bruder Lars und dem gemeinsamen Freund Birger Hansen die Firma X-Yachts in Haderslev, die zunächst sehr erfolgreiche IOR-Regattaboote auf den Markt brachten. Die Dänen schafften damit das, was von vielen als unmöglich angesehen wurde: schnelle IOR-Boote an ein breites Publikum zu verkaufen. Ansatzweise ähnlich gelang dies zu etwa der gleichen Zeit nur noch Dehler mit dem Dreivierteltonner DB 1, der gemeinsam mit dem Regattasegler Berend Beilken entwickelt worden war. Auch Jeppesens endgültiger Durchbruch, nach dem Anfangserfolg der X-79, gelang mit dem DreivierteltonnerSoldier Blue , der auf Anhieb den Pokal von 1981 gewann. Daraus entstand die kommerziell erfolgrei- che Serienversion X-102, dem vermutlich einzigen IOR-Racer der Segelgeschichte mit Achterkajüte. Es folgten etliche erfolgreiche Regattayachten, welche die Pokale nur so einsammelten. Und immer noch aktiv und populär ist die bereits 1985 vorgestellte Einheitsklasse X-99. Der Ruf von X-Yachts war schon damals derart, dass von der X-99 an die 100 Stück verkauft wurden – nur aufgrund der Zeichnungen, bevor das erste Exemplar überhaupt schwamm. Neuere X-Einheitsklassen sind die von der ISAF als internationale Klasse anerkannte X-35, von der 2007 bereits 200 Stück in Flotten rund um die Welt segelten, und die größere X-41.

Das Portfolio der Werft setzt sich heute aus drei Linien zusammen. Schiffe wie die Xp 44 stellen die Performance-Linie dar. Sie sind hauptsächlich für den Einsatz auf der Regattabahn ausgelegt


Schiffe wie die Xc 45 sollen eher im Cruising-Segment angesiedelt sein und sind etwas komfortabler ausgeführt, aber noch immer schnell unterwegs


Als die IOR-Formel ab Mitte der 1980er-Jahre immer unbeliebter wurde, schaffte X-Yachts mühelos die Umstellung in das darauffolgende IMS-Zeitalter. Auch unter dieser Formel blieben X-Yachten weltweit konkurrenzfähig und galten darüber hinaus bald auch als schnelle Familienboote. So ist die dänische Werft bis heute unter den Marktführern für schnelle, moderne Boote zu finden.

Nach den reinen, frühen Regattajahren hat sich X-Yachts seither deutlich weiterentwickelt, hin zum „Performance Cruiser“. Und wie bei fast allen Werften hat sich die durchschnittliche Schiffsgrö- ße im Laufe der letzten Jahre auch bei X-Yachts kräftig nach oben entwickelt. X baut heute vornehmlich große, luxuriöse Reiseyachten, die aber auch immer noch sehr schnell sind: „Unsere Yachten bieten ein ganz einmalig tolles Segelerlebnis, sind aber auch perfekt dazu geeignet, die Familie glücklich zu machen“, sagt Chefdesigner Niels Jeppesen. Wie das möglich ist? Die Regatta-Gene sind immer noch spürbar: X-Yachten sind, in Technik und Ausstattung, ihrer Zeit immer noch ein Stück voraus. Dies gilt für alle Modelle – die der leistungsorientierten XP-Linie ebenso – wie für die Cruising-Linie XC für sportliches und zugleich erschwingliches Blauwasser-Segeln.

Die neue X6 ist die erste und größte Yacht einer völlig neue Linie. „Dieses Boot hat die reinste X-DNA“, schwärmt Niels Jeppesen. Der Chefdesigner ist heute der Kopf des Unternehmens. Seit sein Bruder Lars und Birger Hansen sich zur Ruhe gesetzt haben, führt Niels die Werft nach wie vor von Erfolg zu Erfolg. Meistens arbeitet er in seinem Büro im englischen Hamble am Ufer des Solent, doch in der heutigen Zeit mit schnellem Internet ist die Kommunikation auf Distanz kein Problem. Zumal er auch mehrmals im Monat persönlich auf der Werft im jütländischen Hafenstädtchen Haderslev vorbeischaut.

Die 20 Meter große X6 ist das derzeitige Flaggschiff der Werft und ein typisches Produkt dieser modernen Welt: eine Fahrtenyacht, aber eine ganz besondere. Die konsequente Verwendung modernster Materialien und Bautechnologien eröffnet auch für das Design neue Möglichkeiten. Außerhalb ausgetretener Pfade zu denken und dies bis in die logische Konsequenz, ist das, was Niels Jeppesen als „X-DNA“ bezeichnet. Im Ergebnis ist die X6 eine durch und durch moderne Fahrtenyacht – eine Segelmaschine, die sich genau in der Mitte ansiedelt zwischen den eher traditionellen, schweren Yachten von Hallberg-Rassy, Oyster oder Contest und solchen mehr auf Leistung und Daysailing ausgelegten Yachten von Solaris oder Nautor.

Die Werft hat die Baunummer 1 der X-79 erworben und sie detailverliebt renoviert. Zum 40. Geburtstag segelte die erste X aller Zeiten wieder im gleichen Farbdesign und mit der gleichen Crew


Im Laufe der ersten 40 Jahre wurden fast 60 verschiedene Modelle bei X-Yachts entwickelt und gebaut. So unterschiedlich sie auch waren und sind, der „X-Gedanke“ ist ihnen eigentlich allen anzusehen. Nämlich stets ohne Konventionen und Einschränkungen das jeweils optimale Boot für ein tolles Segelerlebnis zu kreieren. Dass dies Niels Jeppesen und seinem Team auch nach 40 Jahren immer wieder neu gelingt, ist schon sehr bemerkenswert.

Die Mehrheit von X-Yachts gehört heute Ib Kunøes Holding „Consolidated Holdings“, deren Gesamtumsatz 25 Milliarden DKK (etwa 3,3 Milliarden Euro) beträgt und die 8.000 Mitarbeiter vor allem in Europa beschäftigt.

Die Baunummer 1 der X-79, die gleich nach der ersten Regatta verkauft worden ist, befindet sich mittlerweile wieder im Besitz von X-Yachts. Lars Jeppesen und Birger Hansen holten sie persönlich in England ab und restaurierten das Boot. Schließlich segelten alle drei in diesem Jahr wieder mit dem Boot, das sie vor 40 Jahren auf einem Bauernhof in Dänemark bauten.


Fotos: Mikkel Groth/X-Yachts

Fotos:X-Yachts

Fotos: X-Yachts

Fotos: X-Yachts