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Jubiläums-Test: Lautsprecher: Klangmonument


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Nubert lässt die Pyramide wieder aufleben. Die wuchtige 717 soll die Tradition der Rundumstrahler fortsetzen. Ausreichend Substanz ist vorhanden: Die Lautsprecherskulptur wiegt über siebzig Kilo.


Artikelbild für den Artikel "Jubiläums-Test: Lautsprecher: Klangmonument" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Eigentlich ist Nubert eher für pragmatische Lautsprecherkonzepte bekannt. Der erfolgreiche Boxenhersteller aus Schwäbisch Gmünd setzt im Wesentlichen auf eher schlichte Modelle, die sich dank Direktvertrieb vor allem durch ihr hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis auszeichnen. Darüber hinaus können viele Nubert-Lautsprecher mit interessanten Technikdetails aufwarten. Dazu zählen zum Beispiel die asymmetrisch ...

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... angeordneten Hochtöner, durch die sich Kantendispersionen verringern, oder die Klangwahlschalter, mit denen sich die Lautsprecher an die Raumakustik oder den persönlichen Geschmack anpassen lässt.

Wie passt eine so ungewöhnliche Konstruktion wie die nuPyramide 717 in dieses Konzept? Tatsächlich ist es so, dass ein Lautsprecher dieser Art sogar mit zu den ersten Modellen zählt, die von Nubert überhaupt entwickelt und angeboten wurden. Schon 1977 stand die 707, ein Rundstrahler in der Form eines viereckigen Pyramidenstumpfs, im Programm. Sie galt damals als High-End-Modell und war der mit Abstand teuerste Lautsprecher von Nubert. Später gab es noch eine kleinere Version und neben der rundstrahlenden auch eine direkt strahlende Variante. Erst Anfang der Neunzigerjahre beendete ein Lieferengpass die Produktion der Pyramiden, weil der Schreiner, der jahrelang die extravaganten Gehäuse geliefert hatte, den Betrieb aufgab.

Zum 40. Jubiläum wollte man das durchaus geschätzte Lautsprecherkonzept endlich wieder neu aufleben lassen. Laut Hersteller war es gar nicht so einfach, einen Zulieferer zu finden, der das aufwendige Gehäuse mit den vielen schrägen Kanten so herstellen kann, dass es den hohen Qualitätsanspruch von Nubert erfüllt. Bei einem italienischen Möbelbauer wurde man schließlich fündig. Er produziert die neue Pyramide mit der notwendigen Sorgfalt: Der Rahmen besteht wahlweise aus echtem Mahagoniholz oder hochdichter Faserplatte (HDF), die in den Hausfarben Weiß oder Schwarz lackiert wird. An den Gehrungen, die alle mit höchster Präzision ausgeführt sind, ist selbst für Laien die extrem hohe Fertigungsqualität erkennbar. Komplettiert wird das Gehäuse durch vier Seitenwände aus mitteldichter Faserplatte (MDF), die mit schwarzem Kunstleder überzogen sind. Alle vier Seiten der Pyramide haben außerdem eine abnehmbare Verkleidung aus schwarzem Stoff.

Satte 9 kg bringt dieser wuchtige Zehn-Zoll-Ultra-Langhub-Tieftöner auf die Waage. In der nuPyramide kommen gleich zwei dieser Monster zum Einsatz.


Voll ausgestattet

Wie ihr Urahn ist die 717 als Rundumstrahler konzipiert. Bei der Neuauflage verzichtete man allerdings aus Gründen der Klangbalance auf die seitlichen Mittel töner. Die neue Pyramide spielt auf der Vorder- und Rückseite mit einer vollen Drei-Wege-Bestückung aus Tief-, Mittel-, und Hochtöner, seitlich ist dazu jeweils noch ein zusätzlicher Hochtöner platziert. In Summe ist die Box also mit acht Schallwandlern ausgestattet und lässt sich nicht nur als Rundumstrahler, sondern auch als Direktstrahler betreiben.

Im Rundumstrahlmodus sind alle Treiber aktiv. Die beiden gegenüberliegenden 10-Zoll-Tieftöner mit Glasfaser-Sandwichmembran bilden einen Bipol, arbeiten also in Phase, und erzeugen mit ihrem kräftigen Antriebssystem ein äußerst mächtiges Bassfundament, das den Lautsprecher laut Messergbnis sogar bis unter 20 Hz spielen lässt. Um den Bass zu solchen Spitzenleistungen zu bringen, muss er allerdings nach oben hin entlastet werden. Die beiden 6-Zoll-Mitteltöner, die ebenfalls eine Glasfaser-Sandwichmembran haben, setzen daher bereits bei ungewöhnlich tiefen 130 Hz ein und decken den Bereich bis 2 kHz ab.

1977: Der Urahn

Noch ohne vorgestelltem „nu“ im Modellnamen gehörte die Pyramide zu den ersten Lautsprechermodellen, die von der damals noch jungen Nubert electronic GmbH überhaupt angeboten wurden. Die 707 war als Rundumstrahler ausgelegt und galt als echter High-End-Lautsprecher mit beachtlichen Leistungsdaten. Das Konzept stieß auf großes Interesse, daher wurde die Serie mit einer kleineren Version, der 700, und direkt strahlenden Varianten erweitert. Bis man Anfang der Neunzigerjahre wegen eines Lieferengpasses die Produktion beenden musste, gehörten die exklusiven „Ton möbel“, wie sie Nubert auch bezeichnet, zum Programm. Neben dem 2,20 m hohen Obelisken zählen die Pyramiden zu den außergewöhnlichsten Konstruktionen, die in Schwäbisch Gmünd bislang entstanden sind.

Ein Blick in die Vergangenheit: Dieser Prospekt preist die Vorzüge der Pyramide. Er dürfte ungefähr um das Jahr 1980 herum entstanden sein.


Die Frequenzweiche ist im Sockel der Pyramide eingelassen. Klangwahlschalter und die Option, zwischen Direkt- und Rundumstrahlmodus zu wechseln, machen die Schaltung extrem kompliziert.


Darüber übernehmen die auf allen vier Seiten eingebauten 1-Zoll-Gewebekalotten und sorgen dafür, dass die Box auch im Hochton über einen weiten Frequenzbereich gleichgmäßig in alle Richtungen abstrahlt.

Es geht auch direkt

Zusätzlich kann man die neue nuPyramide in den sogenannten Direktmodus umschalten. Dann spielt sie primär nur mit dem vorderen Drei-Wege-System und verhält sich so eher wie ein konventioneller Lautsprecher. Allerdings hat man es sich bei Nubert nicht nehmen lassen, den Direktbetrieb mit den restlichen Schallwandlern, die noch verfügbar sind, zu optimieren. Warum sollte man auch auf die Unterstützung des zweiten Tieftöners verzichten?

Die beiden Basstreiber passen übrigens nur mit Müh und Not in das Gehäuse und berühren sich fast an der Rückseite. Auch für die zwei mächtigen Reflexrohre, die an der Unterseite austreten, ist gerade noch Platz in der Box. Hier wird wirklich jeder Millimeter ausgenutzt. Ein solider Stand sockel lässt den Bassreflexrohren nach unten hin jedoch genügend Freiraum und beherbergt zudem die äußert aufwendige Frequenzweiche. Die für Nubert schon fast obligatorischen Klangwahlschalter und die Umschaltmöglichkeit zwischen Rundum- und Direkbetrieb, führen dazu, dass die Weichenschaltung extrem komplex ist und eine Unmenge an Bauteilen benötigt.

Auch die beiden seitlichen Hochtöner werden im Direktmodus eingesetzt, spielen dann aber erst ab 8 kHz und gleichen damit die Bündelungseffekte des frontalen Hochtöners aus, der – genau wie im Rundumstrahlmodus – schon ab 2 kHz spielt. Außerdem ist der Mitteltöner so abgestimmt, dass sich sein Abstrahlverhalten durch gewollte Kantendispersionen verbreitert. Durch diese beiden Kniffe weist die Pyramide auch im Direktbetrieb ein besonders homogenes Abstrahlverhalten auf.

Vorsicht: Gewitter!

Im Praxistest entfesselte die nuPyramide gleich zu Beginn ein gewaltiges Bassgewitter. Der Lautsprecher sollte schließlich gleich zeigen, ob er halten kann, was seine imposanten Spezifikationen versprachen. Schon mit den ersten Takten von „Fine Days“, gespielt von Hellmut Hattler im Duett mit Fola Dada (stereoplay -Album „Perfektes Timing, Vol. 1“, Ausgabe 06/2015), war die Box über jeden Zweifel erhaben. So kraftvoll und konturiert hört man Hattlers Bassläufe sonst eher selten. Das muss man dem Hersteller einfach zugestehen: Nubert weiß, wie Bass geht.

Spannend war der Unterschied zwischen Direktbetrieb und Rundumstrahlmodus, der sich im Hörraum insbeson dere in der Raumtiefe niederschlug. Während sich die Stereobühne im Rundumbetrieb weit nach hinten öffnete, wirkte sie im Direktbetrieb zwar deutlich kompakter, aber nicht weniger stimmig aufgeteilt. Dafür legte die Box noch einmal deutlich an Präzision und Feindynamik zu.

Genau genommen bekommt man mit der nuPyramide also zwei Lautsprecher. Einer spielt etwas luftiger und räumlicher, der andere noch dynamischer und präziser. Gut sind beide!