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Jubiläums-Test Musikserver: Silver Surfer


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Nie konnte man das Netz und das eigene Musikarchiv nobler und mit weniger PC-Kenntnissen nach Songs durchforsten. Auch als CD-Player, Streamer und Vorstufe ist der Burmester 111 State of the Art.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Da soll mal einer sagen, die Preußen hätten keinen Humor. Natürlich hat es etwas höchst Ehrfurcht Einflößendes, wenn man gut 30 Kilogramm Technik unter einem silbrig glänzenden Aluminiumpanzer versteckt, der allein schon 56 Pfund auf die Waage bringt. Vor allem, wenn man auch noch stolz darauf hinweist. So weit kennt man das Vorgehen bereits von deutschen Plattenspieler-Skulpturen oder süddeutschen ...

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... Luxus-Limousinen. Wenn einem aber dann nach dem Hochfahren der in dem Musiktresor verborgenen Computertechnik auf dem hochauflösenden Front-Display ein virtuelles, dreidimensional anmutendes Rad erscheint, das abgesehen von seiner dezent silbernen Farbe an eine Mischung aus Tresortür und Glücksspielautomaten erinnert, dann sieht man förmlich das Augenzwinkern dahinter. Schließlich sind es genau solche Zitate, die Schwellenangst beim unerfahrenen Benutzer ohne tiefgreifendes PC-Wissen abbauen. Beim Profi weckt es andererseits den Eindruck, dass die Entwicklung des Burmester 111 Musiccenter den Konstrukteuren leicht von der Hand ging, wenn noch Raum für souverän umgesetzte Gags war.

Aufbruch ins Neuland

Kein anderes Gerät im Programm der Berliner Manufaktur verkörpert so deutlich den geglückten Spagat zwischen den Ansprüchen der betuchten Stammkundschaft und den Anforderungen des technischen Fortschritts wie moderner Bedienanforderungen. Während der einstige ewige Rivale um die Krone im Verstärker- und CDSpielerbau, das japanische Unternehmen Accuphase, seit langen Jahren nur noch um sich selbst zu kreisen scheint und mit seiner treuen Kundschaft in Würde ergraut, spürt man bei Burmester immer noch jene ewige Aufbruchsstimmung, die 1977 zur Firmengründung führte.

Im Burmester 111 verschmelzen Geschichte und Zukunft des Unternehmens zu etwas Einzigartigem. Etwas, das sich nicht nur immenser Hörfreude verschrieben hat. Etwas, das nicht nur Besitzerstolz weckt, sondern auch mindestens doppelt so cool ist wie alle Baugruppen, die es in seinem metallischen Rumpf vereint.

Zubehör zum 111: Die Systemfernbedienung 005 muss nicht sein, das von Burmester mit App erhältliche iPad ist ein Muss für gute Bedienung. Die Antennenbox ist nur bei schlechtem Empfang nötig.


Viele Zutaten des Burmester 111 haben ein illustres Vorleben in Einzelkomponenten der Berliner. Das Musiccenter ist letztlich die Fortsetzung der bei Smartphones zu beobachtenden Technologie-Konvergenz mit extremen Mitteln. Um Themen wie Rippen, Speichern oder Streamen so nachhaltig wie möglich abzuhandeln, hat sich Burmester seiner Schlüsseltechnologien bedient und setzt so weit wie möglich auf diskret aufgebaute Schaltungen. Dazu zählen ein hochwertiges CDSchlitzlaufwerk, ein D/AWandler mit 24 Bit/192 kHz und ein Streaming-Client. Gleichzeitig eignet sich der Burmester 111 auch als Vorverstärker. Wir sprechen hier allerdings nicht von einer simplen Regelung, sondern von einer DC-gekoppelten Ausgangs stufe ohne Klang verfälschende Kondensatoren im Signalweg, die jedem Nobel-Vorverstärker zur Ehre gereichen würde.

Im Extremfall genügt also ein Paar Aktivboxen, um eine komplette High-End-Anlage nach Berliner Art zu bilden, wobei waschechte Burmester-Afficionados sicher auf der Passivschiene bleiben und zu einer Endstufe wie der Burmester 911 und zu Lautsprechern wie dem Burmester B18 oder einige Ligen höher greifen.

Um das Musiccenter zu vernetzen, sind LAN und WLAN an Bord. Die Wi-Fi-Antennen befinden sich auf der Rück seite und könnten bei einer verdeckten Installation in einem Metallschrank unter Umständen abgeschirmt werden. Deshalb bietet Burmester optional noch einen stilvoll gestalteten kleinen Antennenkasten, der sich mit seinem Verlängerungskabel an exponierter Stelle positionieren lässt.

Die iPad App ist der coolste und praktischste Weg, sich dem Burmester 111 zu nähern. Beim Rippen kann man mit der „Accurate“-Methode aus beschädigten CDs dank einer umfangreichen Fehlerkorrektur noch das Beste herausholen.


Musik vom Silbertablett

Funk ist auch das bestimmende Element, wenn es um optimale Bedienung des zentralen Musikarchivs geht. Zwar liegt dem Burmester 111 eine Infrarot-Fernbedienung vom Typ 067 bei. Doch dieses Relikt aus CDPlayer-Tagen ist eigentlich nur praktisch für einfache Aufgaben wie Start/Stop, Titelsprung oder Lautstärkeänderung. Wer Compact Discs rippen oder Musik von einem Online-Musikdienst wie Tidal oder Highresaudio hören möchte, sollte am besten ein Apple iPad mit der Burmester App verwenden. Damit lässt sich der Burmester 111 am besten bändigen.

Die Bedienung via App ist weitgehend intuitiv und sehr praktisch. Beim Rippen von CDs hat man nicht nur die Wahl zwischen „Fast“ und „Accurate“, was in der Regel pro CD zwischen 14 und 25 Minuten dauert. Dabei reicht die schnelle Variante für normale CDs vollkommen aus. Das akkurate Ripping ist nur für zerkratzte Scheiben gedacht.

Die Rückseite macht klar: Das Musiccenter ist nicht nur Musikserver, CD-Player, Netzwerk-Spieler, sondern auch ein High-End-Vorverstärker mit einer Vielzahl analoger und digitaler Ein- und Ausgänge.


Die Covers und Metadaten holt sich das Musiccenter aus einer Online-Datenbank, ein bequemes Editieren der Informationen ist mit dem iPad gleich zu Anfang möglich. Beim Suchen von Webradio-Stationen lässt sich das Angebot wie in einer Wurlitzer Musikbox durchblättern. Auch zur Exkursion durch die eigene Musiksammlung leistet Coverflow gute Dienste.

Man kann seinen Burmester 111 auch über den Webbrowser seines Computers verwalten. Doch das erfordert mehr Zeit, Nerven und Know-how. Allerdings bietet sich damit für Macoder PC-Benutzer eine Hintertür, durch die sie Musikdateien, die sie mit dem Rechner gerippt oder in Download-Shops wie iTunes erworben haben, auf die Festplatte des Servers kopieren. Natürlich geht das Ganze auch in umgekehrter Richtung, was sehr nützlich ist, wenn man einen MP3-Player besitzt, aber der superflache Laptop kein CD-Laufwerk mehr zum Rippen. Datensicherheit gewährleistet die RAID-1-Konfiguration mit zwei Festplatten (je 3 oder 6 TByte) zum Spiegeln der Audiodateien. Auch zwei schnelle SSDs je 1 TByte als RAID-1-Array sind erhältlich.

111 macht mehr draus

Was sich mit dem mächtigen Musiccenter aus Berlin einer bekannten Anlage entlocken lässt, überrascht selbst Kenner der Materie. Fast klang es, als hätte jemand den Verstärker getunt und größere Boxen angeschlossen, als wir den Burmester 111 über den ungeregelten Hochpegel-Ausgang einfach als Quelle verwendet haben. Gute HiRes-Streamer lösen die Obertöne feiner auf, was man aber spätestens ab 96 kHz nur noch mit ausgewählten Klassikaufnahmen mit viel Streichern wahrnimmt. Doch der Burmester-Bolide spornte auch Bassisten an, fester in die Saiten zu greifen und verlieh Bassdrums mehr Kontur, Tiefgang und Volumen. Außerdem standen die Interpreten bei jeder guten Aufnahme plastisch im Raum, stabil in der Abbildung mit viel Luft dazwischen. Dabei spielte es im Normalfall so gut wie keine Rolle, ob die Musik von der internen Festplatte kam oder via Tidal aus dem Netz gestreamt wurde.

Die stimulierende Wirkung der Formel 111 ließ sich obendrein mit praktisch jeder Musik von Yello über Marcus Miller bis zu klassischen Werken erfahren. Die von CD geripptestereoplay „Vinyl Classics Vol. 2“ klang ebenso exzellent und selbst Webradio machte mit 128 KByte/s schon richtig Spaß.

Damit entpuppte sich der Burmester 111 als King unter den Rippern und Streamern, der nicht nur klanglich mit den Sekundärtugenden eines Vorverstärkers wie dem Burmester 077 aufwartet. Das Musiccenter ist kein Schnäppchen, aber ein famoser Deal. Gespart wird hier wirklich nur am Platzbedarf.