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Jubiläums-Test: Plattenspieler: Alles aus Alu


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Die frühen Technics waren fürs Studio konzipiert und wurden zu HiFi-Legenden. Jetzt kommen sie zurück: der SL-1000R mit einem Aluminiumgehäuse, wie es die analoge Welt noch nicht gehört hat…


Geräte aus dem professionellen Bereich haben es im Laufe der HiFi-Geschichte immer wieder geschafft, im Heimbereich zu Legenden zu werden: Man denke etwa an die BBC-Monitore LS 3/5a. Für Plattenspieler ist eine solche Erfolgsgeschichte allerdings äußerst rar, obwohl die klassischen technischen Tugenden wie Gleichlauf und Rumpelabstand in Heim und Studio dieselben sind.

Zu den frühen Crossover-Produkten im ...

Artikelbild für den Artikel "Jubiläums-Test: Plattenspieler: Alles aus Alu" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

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... Analogbereich zählte der Technics SP-10, der als erstes direkt angetriebenes Laufwerk ab 1969 Studios und Rundfunkanstalten im Sturm eroberte. Laufwerk, Ansteuerung und Armeinheit waren baulich streng getrennt, um individuell in Studiotische eingebaut zu werden.

Unter dem Subteller erkennt man den oberen Ring Stator-Elektromagnete.


Der in drei Achsen befestigte Arm lässt sich mit dem großen Ring im Ganzen in der Höhe justieren.


Die beiden Tellerelemente sind miteinander verschraubt, liegen aber ohne direkte Verbindung nur dank ihres Gewichts und dreier Zapfen auf dem kleineren Subteller auf. Eine dämpfende Schicht aus Spezialgummi sorgt als Basis des Tellers fürs Eliminieren letzter Resonanzanteile.

So stark ist der Motor

Der Antrieb wurde nach den Erfahrungen mit dem SL-1200G für den schweren Teller neu entwickelt: Die Elektromagnete sitzen in Form von Luftspulen fest auf der Platine, jeweils neun Stück ringförmig nach oben und nach unten angeordnet, beide Schichten um 20 Grad zueinander versetzt. Eisenkerne gibt es nicht. Die beiden Ringrotoren sind mit Permanentmagneten darüber und darunter angeordnet und erzeugen dank der zwölfpoligen Ansteuerung der Statormagnete eine besonders gleichmäßige Kraftentfaltung bei gleichzeitig hohem Drehmoment.

Einen leichten Teller zu beschleunigen ist keine Kunst, doch die 7,9 Kilogramm bewegt man in weniger als einer Sekunde nur mit hohem Drehmoment auf Solldrehzahl, das der Hersteller mit 0,39 Newtonmeter angibt. Und ebenso schnell wieder zur Ruhe bringt, denn der Direktantrieb wirkt gleichzeitig als Bremse, wenn man den „Start/Stop“-Knopf drückt – eines der wenigen Details, das äußerlich an die Studio/DJ-Gene des Technics-Spielers erinnert. Immerhin 40 Kilo bringt das Gesamtpaket auf die Waage und ist doch kein klassischer Masse-Vertreter: Das Gehäuse ruht auf Absorberfüßen, die es gegenüber Trittschall unempfindlich machen sollen.

1969: SP-10 und SL-1000 – erste Direkttriebler der Geschichte

In der frühen Blütezeit des Plattenspielers waren Antriebsmotor und Teller meist getrennt. Die damaligen Motoren waren nicht in der Lage, das ungünstige Verhältnis aus hohem Drehmoment und geringer Drehzahl mit Stabilität auf die Platte zu bringen, also sorgten Riemen, Reibrad und Co. für Untersetzung.
1969 brachte der Technics-Mutterkonzern Matsushita unter den Markennamen National, Technics und Pana sonic den ersten Direkttriebler heraus, bei dem Motor- und Tellerachse identisch sind. Eine rein elektronisch-analoge Sensorregelung hielt die Drehzahl – meist – konstant, Quarzgesteuerte Regelung gab es erst in der Mk2 Version. Das Einbaulaufwerk SP-10 wurde gemäß den Studioanforderungen mit externem Netzteil und „nackt“ verkauft, Arm, Armbasis und Gehäuse konnten im Baukastensys tem dazu bestellt werden. Den Schlusspunkt setzte der SP10Mk3 von 1981, der bis Ende der 1980er gebaut wurde, im Prospekt-Bild ein SL-1000 Mk3 mit einer Zarge aus resonanzfreiem, Technics-exklusiven Verbundmaterial.

In das aus dem Vollen gedrehte Alu-Hauptteil werden die Laufwerkseinheit und getrennt eine Armbasis eingelassen. Auf Wunsch lassen sich noch zwei weitere, identische Basen außen andocken. Der S-förmige Arm, der aus Magnesium gefertigt ist, lässt sich mit einer riesigen Schraubeinheit im Ganzen in der Höhe verstellen, um den vertikalen Winkel perfekt an die Bauhöhe des Tonabnehmers anzupassen.

Studio oder HiFi? Beides!

Fast die gesamte Testerriege fand sich imstereoplay -Hörraum ein, um die Frage zu ergründen, ob der SL-1000R eher seine Profi- oder seine High-End-Gene klanglich zeigen würde. Peter Gabriels „San Jacinto“ versprüht sonst klanglich schnell den künstlichen Charme der 1980er, klang aber über den Technics, das eingebaute Ortofon Quintett Blue und die angeschlossene KEF Muon überwältigend modern: staubtrockene, souveräne, ultratiefe Bässe und eine räumlich weite, bedächtige Ruhe im Klangbild, wie man es vielleicht eher von einer analogen Bandmaschine als von einem Plattenspieler erwartet hätte.

Spätestens beim Vorspiel II von Wagners „Walküre“ (dirigiert von Haitink) lösten sich alle HiFi-philosophischen Fragen von selbst auf: Dass eine analog umgepresste Digitalaufnahme so warm und räumlich spielen kann, hätte man schon nicht vermutet, aber der Technics bildete zugleich die etwas saubere Akkuratesse der Studioaufnahme perfekt ab und hinterließ die Hörer mit offenem Mund. Für Jubelstürme sorgte auch das legendäre „Reunion“-Konzert der Weavers, dessen Raumtiefe mit dem subsonischen Stampfen schlicht perfekt war und das seine Stimmschönheit entfaltete, ohne die historisch-minimalistische Aufnahmetechnik zu beschönigen.

Ein Plattenspieler, der in seiner Geschichte wurzelt, aber für die Ewigkeit gebaut ist.