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Jubiläums-Test Plattenspieler: Güldene Klänge


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Die Wiener Philharmoniker feiern Geburtstag – und Pro-Ject liefert den perfekten Plattenspieler zum 175sten. Zwei Österreicher treffen sich hier auf Topniveau. Eine Botschaft an die weite Welt.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Die Wiener Philharmoniker sind in Österreich nicht nur ein Orchester. Sie sind eine Institution. Als ob man sich einer Königin nähert. Huldvoll haben die Musiker einem besonderen Anwerben nachgegeben. In ihrem Namen darf Pro-Ject einen Plattenspieler bauen: ein besonderes Exemplar zum 175. Geburtstag des Orchesters. Das kommt einem Ritterschlag gleich.

Hier zeigt sich die Kunst des Chefs von Pro-Ject: Heinz ...

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... Lichtenegger ist ein großer Pragmatiker, Politiker und Charmeur. Er hat die Wiener Philharmoniker auf seine Seite gezogen und ihnen einen der schönsten Plattenspieler der Gegenwart versprochen. Und er hat Wort gehalten. Wir haben diesem Meisterwerk mit Sehnsucht entgegengeblickt. Als es unser Lager erreichte, waren wir schon angesichts der Verpackung fasziniert. Das war kein gewöhnlicher Karton, sondern eine stabile Holzkiste, die Magie ausstrahlte. Nennen Sie uns pathetisch, aber es erinnerte an die Bundeslade von Indiana Jones. Eine große Kiste mit dem Brandzeichen der Wiener Philharmoniker und der stattlichen Ziffer 175.

Große Inszenierung

Die Nummer wird uns des Öfteren begegnen. Sie ist Teil der großen Inszenierung. Drei weitere Zahlen sollte man wissen. Pro-Ject verlangt für diesen Plattenspieler 7000 Euro, momentan einer der teuersten Plattenspieler im Katalog. Gebaut werden nur 175 Exemplare, strikt limitiert. Wer einen ergattert, bekommt eine besondere Ehre: Der Name des Besitzers und die Seriennummer werden auf eine Plakette graviert und auf der Rückseite eingelassen. Die technische Basis ist weitaus günstiger zu haben. Der Wiener 175er basiert auf dem oft gelobten Classic, der erst kürzlich den EISA-Award abgeräumt hat, der aber bei erschwinglichen 1400 Euro liegt. Was haben die Ingenieure von Pro-Ject angestellt, dass der Preis beim 175er so in die Höhe gewachsen ist?

Viel, sehr viel mehr wurde dem Wiener Jubiläumsmodell spendiert. Da ist vor allem das Grundkonzept: Der „175 – The Vienna Philharmonic Recordplayer“ besteht aus Materialien von Musikinstrumenten. Der Korpus und die Zarge sind beispielsweise im Finish einer Geige oder eines Cellos zu haben. Die Top-Platte und Details des Tonarms bestehen aus vergoldetem Metall wie bei den Blechblasinstrumenten. Wer den Einschaltknopf drückt, soll das Gefühl erhalten, er würde einen Flötenknopf berühren. Und dann noch so ein wunderbares Detail: Der Griff am Kopf des Tonarms wurde der Klappe einer Klarinette nachempfunden.

Man merkt dem 175er eine umfassende Liebe für die Details an. Das hat aber nur relativ kleine Auswirkungen auf den Klang. Wer nach mehr sucht, wird beispielsweise beim Tonarm fündig. Hier spendiert Pro-Ject sein großes Modell aus der S-Shape-Serie. Der Name ist Programm, der Tonarm ist in S-Form geschwungen, aber mit güldenen Details aufgewertet. An der Spitze prangt ein MCSystem von Ortofon. Auch hier mit dem Aufdruck „175“ singularisiert, im Kern aber ein Modell aus der Cadenza-Serie. In der feinen Zugabe gibt es eine Headshell aus massivem Messing, eine Plattenklemme, eine Ledermatte für das Vinyl, eine Staubschutzhaube, ein wirklich gutes Cinchkabel und sogar eine Präzisionswaage für das Auflagegewicht.

Bildschön und hochwertig

Pro-Ject hat Wort gehalten und für die Wiener Philharmoniker einen bildschönen, hochwertigen Plattenspieler entworfen. Technik und werbewirksames Konzept funktionieren kongenial zusammen.

Aber wie klingt er? Und noch wichtiger: Darf man nur Aufnahmen der Wiener Philharmoniker darüber hören? Nein, jede Klangkost ist erlaubt, und sei es Punk. Wir haben uns trotzdem der Tradition gebeugt und als erste schwarze Scheibe eine Aufnahme mit den Wienern aufgelegt: Sir Georg Solti dirigiert Strauss’ „Ein Heldenleben“. Schon bei den ersten Takten war klar: Hier spielt ein Superplayer mit Saft und Schub. Und er zeigt das perfekte Gespür für die Spielkultur der Wiener Philharmoniker. Wie der 175er den Streicherteppich auslegte – das war luxuriös. Wie wuchtig und zugleich samtig beispielsweise die Cello-Gruppe klang. Hier haben sich die Wiener Philharmoniker tatsächlich einen ebenbürtigen Mitspieler ihrer zutiefst eigenen Klangwerte ausgesucht. Dann das feine Blech: Das klang wunderbar zielstrebig aus der Boxenebene.

Wir verlassen Österreich für eine der ganz großen neuen Jazz-Aufnahmen. Till Brönner und Dieter Ilg bilden die kleinste vorstellbare Jazz-Kombination: ein Trompeter und ein Kon trabassist. Gemeinsam sind sie Gold wert. Ihr Album „Nightfall“ ist in 24 Bit und 96 Kilohertz erschienen, ebenso auf LP. Was klingt besser: das digitale Master oder die analoge, schwarze Scheibe? Ein Härte test für den 175er. Schon der erste Track machte es klar: Till Brönner stimmt „A Thousand Kisses Deep“ nach dem Song von Leonard Cohen an. Im digitalen Master herrscht wunderbare Ruhe, aber auch ein Hauch von Glätte. Der Pro-Ject hingegen zeigt den vollen Korpus, die Eleganz im Spiel des Trompeters.

Überhaupt ist „Eleganz“ für den 175er das geheime Codewort. Er kann sie optisch zeigen und zugleich an unsere Ohren wiedergeben. Das ist eine der erfreulichsten Neuschöpfungen der vergangenen Jahre.

Spitzenleistung: Pro-Ject spendiert eine Sonderauflage des Ortofon-MC-Systems. Zudem treibt der Motor über Doppelriemen an.