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Jubiläums-Test Plattenspieler: Ruhe und Kraft


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Mit seinem eleganten, dezenten Äußeren strahlt der Miracord 70 Ruhe aus. Ein wenig unscheinbar auch sein Tonabnehmer. Doch nimmt man ihn in Betrieb, kommt man aus dem Staunen nicht raus.


Artikelbild für den Artikel "Jubiläums-Test Plattenspieler: Ruhe und Kraft" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Vor gut einem Jahr brachte ELAC den Miracord 90 auf den Markt: einen massiven, tollen Plattenspieler, der den traditionsreichen Namen Miracord anlässlich des 90. Firmenjubiläums wieder zum Leben erweckte. Das Interesse der Kunden war enorm, die Presse begeistert (stereoplay vergab in Ausgabe 3/17 ein Highlight). Aber mit einem Preis von zunächst 2000 und später – nach einer nötigen Anpassung – 2500 Euro war der ...

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Vor gut einem Jahr brachte ELAC den Miracord 90 auf den Markt: einen massiven, tollen Plattenspieler, der den traditionsreichen Namen Miracord anlässlich des 90. Firmenjubiläums wieder zum Leben erweckte. Das Interesse der Kunden war enorm, die Presse begeistert (stereoplay vergab in Ausgabe 3/17 ein Highlight). Aber mit einem Preis von zunächst 2000 und später – nach einer nötigen Anpassung – 2500 Euro war der Miracord 90 vielen Interessenten eben auch zu teuer. Doch Hilfe naht! Mit dem Miracord 70 steht nun ein kleineres Modell für knapp die Hälfte des Preises bereit.

1200 Euro ruft ELAC für den Miracord 70 auf und betritt damit eine prominent besetzte Preisklasse, in der so ziemlich jeder namhafte Hersteller ein leckeres Gerät anbietet. Wer den Miracord 70 aber erst einmal live gesehen (und vor allem gehört!) hat, der wird sich um die Zukunft dieses Plattenspielers keine Sorgen machen.

Understatement

Beim 70 ist alles etwas schlanker als beim Miracord 90, etwas einfacher. Das betrifft sowohl den Tonarm als auch den montierten und justierten Tonabnehmer. Mir persönlich gefällt der Miracord 70 optisch gerade deshalb besser als sein großer Bruder. Die Abmessungen sind ein wenig freundlicher, das Ganze verströmt Understatement und sieht dennoch sehr hochwertig aus. Für einen so überschaubaren Preis bekommt man äußerst selten einen Plattenspieler, der so toll und so hochwertig aussieht.

Zu dem hervorragenden Eindruck trägt auch das Gewicht von 10 Kilo bei, auch wenn dieses natürlich, steht der Miracord erst einmal auf seinem Platz, in der Wahrnehmung nur noch eine indirekte Rolle als Erinnerung, als Gewissheit, spielt. Präsenter ist die Optik. Hauptverantwortlich dafür: das Chassis und der Teller.

Das Gehäuse ist aus MDF und trägt eine hübsche, schwarz glänzende Acryl-Auflage. Das sieht nicht nur gut aus, ein Materialmix ist auch resonanztechnisch immer sinnvoll. Eingerahmt wird das Chassis von einer Kunststoffleiste im Alu-Look, was dem Miracord eine elegante Note gibt. Der Plattenspieler ruht auf vier effektiven, indes nicht in der Höhe verstellbaren Füßen aus einer weißen Gummimischung, die auf Filzgleitern stehen.

90 Jahre: Vom Plattenspielerpionier zu Boxen und zurück

In den Kieler Werken von ELAC wurden seit dem Jahr 1948 Plattenspieler gebaut, und zwar jahrzehntelang in enormen Stückzahlen. Mit den Geräten der Miracord-, Miraphon- und Mirastar-Reihen avancierte ELAC in den 1950ern zum Marktführer für Plattenspieler und beschäftigte zeitweise 5000 Mitarbeiter. Doch neben Größe herrschte auch Erfindergeist: Das Prinzip des Moving-Magnet-Tonabnehmers (MM) wurde von ELAC erfunden und patentiert, ebenso machte man sich mit Plattenwechslern einen Namen.
Links oben der Miraphon 12 mit eingebautem Verstärker im Koffergehäuse der 50er-Jahre. Der Miracord 40 (oben rechts mit Acrylglas-Teller/Zarge) von 1964 war mit Endabschaltung, MM-Tonabnehmer und stabilem Armlager schon echtes HiFi.

Hebt man den Glasteller ab, findet man eine Aussparung für Motor, Pulley und Subteller im Chassis. Der Subteller besteht aus Kunststoff, nicht wie beim Miracord 90 aus Aluminium, beiden gemein sind die vier Absorber, die den direkten Kontakt zwischen Glas- und Subteller herstellen. Ein weiterer Unterschied: Der Riemen setzt beim 70er nicht am Platten-, sondern am Subteller an. Optisch ist der außen laufende Riemen ohnehin nicht jedermanns Sache, bringt er doch immer ein wenig Unruhe mit sich.

Arm dran

Für die nötige Energie und einen ordentlichen Gleichlauf sorgt ein Synchronmotor der Firma Premotec. Dieser bringt den 2,6-kg-Plattenteller auf Touren. Im Unterschied zu landläufien Glastellern kann man durch den des Miracord 70 nicht durchschauen: Auf der Unterseite ist eine dünne Keramikschicht aufgetragen, die den Teller schwarz erscheinen lässt. Das sieht sehr elegant aus.

Das Gewicht des Tellers wird im Lager aus Stahl und Sinterbronze von einer Keramikkugel getragen. Insgesamt entsteht bis hier ein sehr guter Eindruck. Man sollte daher das Augenmerk auch gar nicht auf die Unterschiede zwischen Miracord 70 und 90 legen, damit wird man dem 70 nicht gerecht. Der Miracord 70 wirkt völlig eigenständig und nicht wie ein 90, an dem so lange herumgespart wurde, bis der Preis passte. Und das ist vielleicht die beste Nachricht.

Auch wenn er den Nutzer womöglich nicht zum Staunen bringt, ist der 9-Zoll-Arm solide, wenn auch einfach. Er besteht aus Aluminium, was man erst auf den zweiten Blick sieht. Antiskating wird per Drehrad eingestellt, das Gegengewicht ist angenehm leichtgängig, ohne instabil zu sein. Zudem ist der Arm in der Höhe feinjustierbar. Auf frühen Messefotos hatte der Miracord 70 den Arm des großen Bruders. Dass hier nun gespart wurde, um den günstigen Preis von 1200 Euro zu halten, ist jedoch kein Grund zur Sorge.

Eine elegante Erscheinung, die einen höheren Preis vermuten lässt: Der Miracord 70 ist dezenter als der 90 und naturgemäß an einigen Stellen etwas einfacher gehalten.


Der Glasteller ruht auf vier Absorberelementen. Für die Kraftübertragung vom Motor zum Subteller ist ein geschliffener Flachriemen verantwortlich. Der Arm ist in der Höhe verstellbar.


Auch nicht, dass im Headshell ein Audio Technica AT95E sitzt. Ja, das ist kein Auflösungswunder, das günstige MM-System überrascht einen aber immer wieder.

Ein Plattenspieler mit justiertem Tonabnehmer ist im Grunde Plug and Play. Man muss nur noch ein Phonokabel und die Erdung anschließen, und schon geht’s los.

Aleikum Salam, hey!

Es ist immer ein etwas feierlicher Moment, wenn sich der Tonabnehmer zum ersten Mal auf eine auf dem Testgerät liegende Schallplatte absenkt. Den Anfang machte Freddie Hubbards Konzert in Onkel Pös Carnegie Hall aus dem Jahr 1978 – und die Kombi aus Miracord 70 und AT95E blies uns förmlich weg! Dieses Setup macht erstaunlichen Druck, legt viel Energie in jeden Ton und ist subjektiv sehr schnell. Nach kurzer Zeit ist bereits klar, dass das AT95E hier deutlich über sich hinauswächst. Was an Qualität in diesem Tonabnehmer schlummert, wird eben immer erst auf einem sehr guten Laufwerk in einem sehr guten Arm deutlich. So staunten wir bei Queens „Mustapha“ nicht schlecht, wie viel Dampf hier aus den Boxen kam!

Der temporeiche Rocker, der so harmlos anfängt, erklang sehr voluminös und druckvoll, mit einem erstaunlichen Bassfundament. Und da der Miracord 70 selbst Klassik völlig glaubwürdig zu den Ohren transportierte, steht fest: ELAC hat beim Miracord 70 alles richtig gemacht. Er ist ein rundum und restlos überzeugender Plattenspieler!