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Jubiläums-Test: Röhren-Endstufe: Elde: Legenden


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Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Luxman präsentiert zum 90. Firmenjubiläum einen Verstärker, dem ein Platz unter den Audio-Legenden schon jetzt sicher ist: Die MQ-300 huldigt einer Röhre, die seit langer Zeit Kultstatus besitzt.


Es war 1984, als die Röhrenspezialisten von Luxman Single-Ended-Monoblöcke namens MB-300 herausbrachten: ausschließlich für den japanischen Markt und für den damals astronomischen Preis von 1,1 Millionen Yen. In den Fassungen der Endröhren steckte eine uralte amerikanische Leistungstriode, die unter japanischen Insidern absoluten Kultstatus genießt: die Western Electric 300B, inzwischen ein gesuchtes ...

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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

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... Sammlerstück.

Ein Objekt der Begierde für Triodenfans: die Western Electric 300B, hier aus der letzten AT&T-Fertigung von 1988


Bei abgenommener Schutzhaube präsentiert sich das Röhren-Ensemble in ganzer Pracht.


Bereits die nackten Zahlen sprechen für sich: Die MQ-300 bringt 29 Kilogramm auf die Waage und ist satte 46 Zentimeter breit. Der bis auf den Netztrafo in Dual-Mono-Technik gebaute Stereoverstärker kommt serienmäßig mit dem derzeit wohl penibelsten und dem Vorbild ähnlichsten Nachbau der WE300B daher: der ebenfalls in Japan gefertigten TA-300B von Takatsuki. Diese direkt geheizte Triode wird zu einem Paarpreis von etwa 2000 Dollar gehandelt.

In ihrer grundlegenden Schaltungsstruktur gleicht die MQ-300 ihrem alten Vorbild, doch kommen nun natürlich aktuell noch gefertigte Röhren zum Einsatz. Zwei Anodenfolger mit intern zu nur einem Triodensystem parallel geschalteten, kräftigen Doppeltrioden des Typs 6SN7GTB steuern, gekoppelt über Ölpapier-Kondensatoren, das Gitter der 300B an, deren Ruhestrom „automatisch“ (wie man zu dieser Schaltung sagt) mithilfe eines kräftig dimensionierten Kathodenwiderstands eingestellt wird. Die bewährte, gegenkopplungsfreie Schaltung bietet 300B-Kennern keine Überraschungen, ebenso wenig wie das sehr aufwendige Netzteil.

Kanalgetrennt erzeugen zwei Gleichrichter vom Typ 5AR4 die Anodenspannungen, die von nachfolgend je einer Siebinduktivität sowie hochwertigen Siebkondensatoren geglättet werden. Um konstante Heizspannungen kümmern sich Regler; auch die 300Bs werden mit fünf Volt Heizgleichspannung versorgt, naturgemäß in Bezug auf Restbrumm ein kritischer Punkt bei direkt geheizten Röhren. Erstaunlich freilich, dass die MQ-300 keinen Pegelsteller am Eingang aufweist, der bei japanischen Röhren-Endstufen eigentlich immer obligatorisch gewesen ist.

Luxman-Trafos

Eintakter dieses Typs stehen und fallen mit der Qualität ihrer Ausgangsübertrager. Schon immer galten die schweren Luxman-Trafos als herausragend, was auch der linear bis hinunter zu zehn Hertz reichende Übertragungsbereich eindrucksvoll beweist, ein Novum bei dieser Technik.

Unbedingt erwähnenswert ist auch das Chassis selbst: eine zwölf Millimeter starke, massive und säuberlich ausgefräste Aluplatte, die ein schön lackiertes Stahlblechgehäuse krönt, das Ganze schließlich umfasst von feinstem Rosenholz. Ganz zu schweigen von den „Innereien“, ein durchweg frei verdrahteter Aufbau in höchst beeindruckender, akribischer Handarbeit unter Verwendung feinster Bauteile.

Klangzauberei

Was eine Endstufe ausmacht, die selbst im esoterischen „Trioden-Universum“ als außergewöhnlich gelten muss, demonstriert Luxmans MQ-300 mit spielerischer Leichtigkeit: zauberhafte, intensivste Klangfarben, ungeheuer weit aufgespannte Bühne, seidige Transparenz. Und vor allem ein Maß an Harmonie und eingängiger Stimmigkeit, die beim Zuhörer für ein musikalisches Erlebnis sorgen kann, wie man es sonst nur in der Wirklichkeit des Konzertsaales empfindet. Dass auch Dynamik weniger mit schierer Power, sondern mehr mit einem „leicht“ laufenden Lautsprecher zu tun hat, der schon den leisesten Hauch von elektrischer Spannung in Töne umsetzt, beweist dieses durchweg faszinierende Gerät ebenfalls mit Bravour.

Für 300B-Fans ist die Freiverdrahtung mithilfe von Keramik-Lötstützpunkten ein Muss. Rechts eine der vierpoligen 300B-Fassungen.


Und wie oft kommt es vor, dass dem Zuhörer eines sage und schreibe 22.000 Euro teuren Acht-Watt-Verstärkers der snobistisch-genießerische Gedanke kommt, das Ding sei jeden einzelnen Cent davon wert? Sie merken sicher: Wir sind nicht nur hin und weg, sondern dem Charme der MQ-300 völlig verfallen. Kompliment an Luxman. Von Herzen.

Luxman MB-300: Monos mit der Western Electric 300B

Von den zwischen 1984 und 1985 ausschließlich für den japanischen Markt gebauten Monos wurden gerüchteweise nur 250 Stück angefertigt, die mit Original-Western-300Bs mit Luxman-Aufdruck ausgestattet waren. Auf dem Gebrauchtmarkt tauchen die für 100 Volt Netzspannung spezifizierten Verstärker nur selten auf, ihr Preis liegt je nach Zustand oberhalb von 10.000 US-Dollar. Im damaligen, allseits hoch gelobten Design kamen eingangsseitig die Doppeltrioden 6AQ8 und 12BH7 zum Einsatz, als Gleichrichter diente je eine Mullard-CZ-37. Die auch damals stupende Fertigungsqualität führt dazu, dass bei der Restauration oft nur die Netzteil-Kondensatoren getauscht werden müssen. Die heutzutage obsolete Western-Röhre wird von glücklichen Besitzern der MB-300 meist durch eines der zahlreichen 300B-Remakes ersetzt. Als derzeit wohl penibelster Nachbau der WE300B darf die in der MQ-300 verwendete TA-300B von Takatsuki gelten.