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Jubiläums-Test: Vollverstärker: Kraft der Zwei


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Mit dem Vollverstärker MA252 addiert McIntosh erstmals einen Zwitter aus Röhren und Transistoren zum Portfolio des Hauses. Und trifft mit der Retro-Optik des Newcomers voll ins Schwarze.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Falls Sie ein McIntosh-Kenner sind, dürfte Ihnen beim Anblick des MA252 ein ausgeprägtes Déjà-vu-Erlebnis beschert sein. Denn dieses vorne abgeschrägte, verchromte Edelstahl-Chassis mit der prominent seitlich angebrachten Modellbezeichnung ist sowohl in der älteren als auch in der neueren McIntosh-Geschichte ein guter Bekannter. Wir kennen es von der MC75 und der MC275, beides historische Röhren-Amps von McIntosh, die ...

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... sich aktuell in Form von Remakes nach wie vor im Bauprogramm des Traditionsherstellers finden.

Dass die Amerikaner jetzt mit dem Röhren-/Transistor-Hybrid an diese auf Chassis basierenden „alten“ Verstärkerkonzepte anknüpfen, könnte auch bedeuten, dass McIntosh auf dieser Basis weitere Geräte plant. Und damit optisch wieder einmal goldrichtig liegt, gelingt es doch so, das für McIntosh-Fans so wichtige Retro-Design mit der aktuellen Audiotechnik erfolgreich zu vermählen.

Erstmals in der Firmenhistorie baut McIntosh mit dem Vollverstärker MA252 nun einen Hybriden mit Eingangsröhren und Transistor-Ausgang. Letzterer übrigens ganz konventionell und nicht mithilfe der ansonsten üblichen McIntosh-Ausgangstrafos.

Offiziell ist die MA252 mit zweimal 100 Watt an Acht-Ohm-Lasten spezifiziert, wie bei McIntosh üblich eine etwas zurückhaltende Angabe, die selbst bei unserer strengen Messung an der Ein-Prozent-Klirrgrenze imstereoplay -Testlab deutlich übertroffen wurde. Merke: Von Kleinleistungs-Verstärkern halten die Amerikaner genauso viel wie von Hubraum-Downsizing bei ihren Ford-Pickups. Befürchtungen, mit der für McIntosh neuen Hybrid-Technik könnten deutliche Leistungseinbußen einhergehen, sind also kein Thema, selbst hier nicht bei diesem für McIntosh-Verhältnisse recht kompakt gebauten Hybriden. Und das war nur eine der vielen guten Nachrichten zum MA252.

Die weniger gute Nachricht für sicherlich so manchen McIntosh-Fan manifestiert sich spätestens nach dem Einschalten des MA252; präziser gesagt, genau dann, wenn die vier Röhren sattgrün aufleuchten und dahinter – an der Vorderseite des Kühlkörper-Blocks – das in den typischen McIntosh-Farben „schreibende“ OLED-Display erstrahlt. Es dauert dann nur noch Sekunden, bis sich ein schier überwältigendes „Haben will“-Gefühl einstellt, das einfach nicht mehr weichen möchte. Und genau das war jetzt die – einzige – schlechte Nachricht zur MC252.

Bildschön: Illumination

Es sind nicht die Röhren, die hier das grüne Leuchten verursachen, vielmehr haben die pfiffigen Designer entsprechende LEDs unmittelbar in der Röhrenfassung montiert. Und es gelang ihnen dabei, exakt den alten, durchaus speziellen McIntosh-Grün-Farbton zu treffen. Beim Ansprechen der Schutzschaltung und während einer extrem kurzen Aufwärmphase schaltet die Illumination dann auf Orange um, was kaum weniger gut aussieht.

Die Röhrenkäfige sind lediglich aufs Chassis gesteckt und lassen sich auch abnehmen.


In den vier Fassungen stecken alte Bekannte, nämlich allseits gerne benutzte Doppeltrioden vom Typ 12AX7A (ECC83) und 12AT7 (ECC81), die nun eine voll transistorierte, direkt gekoppelte Ausgangsstufe antreiben. „An all analog design“, wie McIntosh betont. Die alles andere als hässlichen Drahtkäfige sind über den Röhren im Chassis nur gesteckt und lassen sich abnehmen.

Den meisten Platz zwischen den Kühlrippen nimmt ein kräftiger Netztrafo ein, weit oben angeordnete Lautsprecherklemmen garantieren kurze Verbindungswege zu den beiden Endstufen. Die zum Einsatz kommenden modernen Transistoren sollen keine Warmlauf-Effekte mehr aufweisen und deshalb sofort gut klingen. Röhrenkenner wissen ja, dass das häufig auftretende Phänomen schlechteren Klangs unmittelbar nach dem Einschalten ohnehin eher die Halbleiterzunft betrifft. Bei der MA252 ist das aber tatsächlich nicht der Fall, sie präsentiert sich unmittelbar nach dem Hochlaufen schon in bester Form.

Als weitere Besonderheit bei der MA252 muss die Kombination einer hochmodernen Schutzschaltung mit Röhren gelten. Die patentierte „Power Guard“-Technologie überwacht das Ausgangssignal des Verstärkers und nimmt, so McIntosh, in Echtzeit winzige Justagen an der Eingangsschaltung vor, um harsches Clipping zu vermeiden. Ein Zustand, der freilich nur an der Lastgrenze eintreten dürfte.

Komplett ausgestattet?

Ein DAC? Streaming? Fehlanzeige, denn die MA252 ist ganz bewusst als durchweg analoger Vollverstärker ausgelegt. Der darf zwar nicht als Anschlusswunder gelten, ist aber im positivsten Sinne doch wieder komplett. Zum Angebot zählen nämlich sowohl Phono-MMEingang als auch Kopfhörer-Ausgang, beides in Form von hochgelobten Modulen aus dem großen McIntosh-Baukasten. Auf den Subwoofer-Ausgang möchte in den USA auch niemand mehr verzichten, ebenso wenig wie auf ein ausgefuchstes Betriebssystem mit Features wie Eingangsbenennung oder Pegel-Justage für Zuspieler; alles geregelt via Fernbedienung und Bildschirmmenü, versteht sich. Aber ehrlich gesagt: Es macht viel mehr Spaß, den Schönling mithilfe der beiden altertümlichen Drehknöpfe auf dem „Pult“ zu bedienen; auch so lassen sich die wichtigsten Menüpunkte erreichen. Und die für einige Kundengruppen obligatorischen Klangsteller kann man natürlich ausschalten.

Ebenso auf der Haben-Seite der Ausstattung finden wir außer zwei normalen Hochpegeleingängen auch ein Paar symmetrische Buchsen sowie die bei McIntosh schon immer üblich gewesenen Kommunikationsschnittstellen zu anderen McIntosh-Geräten in Form von Klinkenbuchsen. Und womöglich haben die Amerikaner ja noch weitere Komponenten in der Optik der MA252 in petto, derzeit erleben wir ja eine regelrechte Produkt-Offensive von McIntosh.

Ein Menü für Genießer

Bereits kurz nach dem Einschalten liefert der Newcomer dann ein Menü für Genießer der Drei-Sterne-Klasse ab: Durchweg angenehm, ausgewogen und mit lässig hingeworfener, völlig unangestrengter Dynamik lässt die MA252 keinerlei Zweifel an ihrer edlen Abstammung. Dabei produziert sie eine überraschend tiefe und breite Klangbühne, die durchweg stimmig wirkt und viel Atmosphäre produziert: Im Ton tendenziell eher schlank, aber mit federnder Härte im Bass spielt der Hybrid dabei stets knackig, verblüffend flink und muskulös. Fakt ist, der bewährte „Familienklang“ steckt drin in diesem für Mc Intosh-Verhältnisse „kleinen“ Vollverstärker. Bewiesen ist ferner, dass sich diese für McIntosh neue Technik nicht hinter derjenigen der Boliden des Hauses verstecken muss.

Die Lautsprecherklemmen sitzen dort, wo sie hingehören, nämlich nahe bei den Endstufen. Am Chassis ganz rechts: der Phonoeingang für MM-Tonabnehmer plus Erdungsklemme.


Vielmehr taucht unweigerlich die Frage auf, ob der Neuling in puncto Preis/Leistung nicht sogar auf der Überholspur unterwegs ist. Denn den berühmten McIntosh-Zauber, dem man sich ja kaum entziehen kann, beherrscht die MA252 nicht minder perfekt als ihre großen Geschwister.

Das „Haben will“-Gefühl bleibt

Auch der MM-Phonoeingang verdient eine dicke Empfehlung und könnte mit einem MCÜbertrager nochmals aufgewertet werden.

Ach ja: Das eingangs erwähnte „Haben will“-Gefühl ist immer noch da. Seufz…Das ist gar nicht gut fürs Konto…

Alte Bekannte und schwere Vorbilder

Die 1961 erstmals gefertigte McIntosh MC275 ist ein Röhrenklassiker, wie er im Buche steht. Das geht so weit, dass inzwischen sogar die technisch weiter entwickelten Remakes der 275 (heute baut McIntosh die sechste Generation des 75-Watt-Verstärkers, siehe Bild rechts) selbst schon Kultstatus genießen. Die mit der KT88 als Endröhre arbeitende Urversion wurde bis 1973 gebaut, dann traten auch bei dem US-Traditionsunternehmen die Transistoren ihren Siegeszug an. Erst 1993 wurde die MC275 wieder neu aufgelegt; diese erste Neuproduktion umfasste 4500 Stück, die bereits bei Fertigungsbeginn komplett ausverkauft waren. Auch in ihrer neuesten Inkarnation hat die MC275 nichts von ihren Reizen eingebüßt.