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Jubiläums-Test: Vor-/Endstufenkombi: Autorität


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Octaves Top-Vor-/Endstufenkombi repräsentiert nicht nur den Stand moderner Röhrentechnik, sondern auch echte Superlative: 66 Kilogramm und 400 Watt. Pro Monoblock, versteht sich!


Artikelbild für den Artikel "Jubiläums-Test: Vor-/Endstufenkombi: Autorität" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Redaktionskollege Alexander Rose ist der richtige Mann mit der richtigen Statur für einen richtigen Männerjob: Octaves Jubilee Mono SE kommt gerade mit einem vernehmlich ächzenden Rollwagen aus dem Labor und soll nun imstereoplay -Hörraum abgeladen werden. Dazu sind vier kräftige Hände nötig, zumal ja noch ein zweites der 70 Zentimeter hohen Röhrenmonster transportiert werden muss. So schweißtreibend geht es normalerweise nur ...

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Redaktionskollege Alexander Rose ist der richtige Mann mit der richtigen Statur für einen richtigen Männerjob: Octaves Jubilee Mono SE kommt gerade mit einem vernehmlich ächzenden Rollwagen aus dem Labor und soll nun imstereoplay -Hörraum abgeladen werden. Dazu sind vier kräftige Hände nötig, zumal ja noch ein zweites der 70 Zentimeter hohen Röhrenmonster transportiert werden muss. So schweißtreibend geht es normalerweise nur bei Lautsprechertests zu!

Der Vorverstärker HP 700 nebst Netzteil ist dagegen ein 13-Kilo-Klacks, der unter einem Arm mitläuft. Nichtsdestotrotz ein für seine Gattung wuchtiges Gerät, dessen Tragegriffe deshalb praktisch sind. Und er darf und soll „technisch“ aussehen, wie auch seine superschweren Spielpartner. Denn das hier sind Männerspielzeuge, wie sie im Buche stehen. Zum Auspacken empfehlen wir Gurte und Holzfällerhemd – und nach getaner Arbeit ein Bier.

Dass dieses (Hör-)Vergnügen – denn genau das ist damit versprochen – nicht nur sein Gewicht, sondern auch seinen Preis hat, ist klar. Aber der ist relativ: Ein besagter Summe entsprechender Wert fährt in Hunderttausender-Stückzahlen auf unseren Straßen herum. Dass die Investition in Edelröhrentechnik aus dem beschaulichen Karlsbad sicherlich eine deutlich längere Nutzungsdauer verspricht als eine Edelkarosse, ist wohl das schlagkräftigste Argument für eine Verstärkerkombi, die Röhrentechnik in modernste elektronische Steuerung und Überwachung „einhüllt“ und damit ein Maß an Perfektion bietet, die über viele Jahre in stets unbesorgtem Ein- und Ausschalten gipfelt. Obwohl hier immerhin satte 16 Stück superstarke Endröhren vom Typ KT120 ein paar Hundert Watt abliefern.

Aber Hubraum ist ja bekanntermaßen durch nichts zu ersetzen außer durch noch mehr Hubraum. Und zum Glück ist die Spaßbremse Downsizing noch nicht bis in die Audiotechnik vorgedrungen. Die Autorität eines turbo geladenen 6,3-Liter-Achtzylinders gilt zu Recht als legendär, ebenso wie sein Verbrauch. Octaves „16-Zylinder“ Jubilee Mono SE quittiert sanften Druck auf die beiden Steuerschalter dagegen mit je knapp 300 Watt, zusammen also 600 Watt – ohne Musiksignal, versteht sich.

Wer Sprit – das heißt: Strom – sparen möchte, findet freilich bei den beiden Octave-Monos ebenso die gewohnte Eco-Mode-Taste vor wie beim erwähntem Achtzylinder. Und „tankt“ im röhrenschonenden Standby-Betrieb damit um mehr als die Hälfte weniger, weil die Anodenspannung und die Heizung der 16 Endröhren ausgeschaltet werden. Und da behaupte noch einer, Röhren wären nicht umweltfreundlich.

Schonbetrieb

Octave-Chef Andreas Hofmann hat überdies noch eine weitere Sparidee in die beiden Wuchtbrummen eingebaut. Und die ist so praxisgerecht wie pfiffig: Wer nur ein wenig im Verkehr „mitrollen“ möchte, benötigt die ungeheure Leistung ja gar nicht. Ein Schalter senkt dann den Ruhestrom der Endröhren auf die Hälfte ab. Das reicht zum Hintergrund-Musikhören, schont die guten KT120 und spart obendrein Strom.

Die beiden Modulschächte der HP 700 können auch eine transistorierte MC-Verstärkerstufe oder MC-Übertrager aufnehmen.


Am Stromverbrauch sind die drei Eingangsröhren, die im Inneren des Gehäuses sitzen, nur vernachlässigbar beteiligt. Je eine von insgesamt drei Doppeltrioden des geläufigen Typs ECC82 werkelt als Eingangs-Buffer, Spannungsverstärker und schließlich als Treiber. Für die in puncto Steuerleistung an den Gittern der Endröhren vergleichsweise genügsame, reine Pentodenschaltung des Push-Pull-Endröhrentrakts genügt eine ECC82. Weniger gut für die Energiebilanz der Pentodenschaltung ist hier allerdings die aufwendige Speisung des Röhrengitters Nummer zwei mit einer leistungsfähigen Extra-Stromversorgung, die man getrost Halbleitern überlassen kann. Im Signalweg sind die Jubilee Monos aber definitiv „reine“ Röhrenverstärker.

Apropos Strom: Man kann sich leicht vorstellen, dass bei diesen in jeder Hinsicht extremen Endstufen allein die Trafo-Sektion für einen Großteil des Gesamtgewichts sorgt. Plus natürlich monströse Ausgangsübertrager, die der Leistung solcher Röhrenboliden gewachsen sind und auch bei hoher Aussteuerung zu keinen Extra-Verzerrungen beitragen.

HP 700: Modularkonzept

Der Vorverstärker HP 700 ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches, hoch komplexes Gerät. Er bietet zwei Modul-Steckplätze, die entweder für Phono- oder Hochpegel-Eingangsmodule genutzt werden können. Er lässt optional die Montage einer Klangreglereinheit, einer Balanceregel- und einer Phonosektion zu. Er besitzt drei verschiedene, frei wählbare Verstärkungsfaktoren sowie eine veränderbare Ausgangsimpedanz und ist mit Ausgangsübertragern ausgestattet. Und er weist zusätzliche symmetrische Ein- und Ausgänge auf, wobei auf Wunsch auch ein Phono-MC-Modul mit symmetrischen Ein- und Ausgängen zur Verfügung steht.

Octaves Auswahl an Phonomodulen umfasst dabei auch MC-Eingangsübertrager aus eigener Fertigung, die via Schalter an hoch- und niederohmige MC-Abtaster angepasst werden können. Line- sowie Phono-RIAA-Stufe sind in Röhrentechnik ausgelegt. Während im RIAA-Amp je eine ECC83, eine ECC81 und eine ECC88 verbaut sind, verlässt sich die Line-Stufe auf eine ECC82 sowie zwei EF800. Die ebenfalls via Röhre funktionierende, optionale Klangregelung benutzt auch eine ECC88.

Octaves HP 700 ist ein höchst ausgeklügeltes und absolut praxisgerechtes Gerät, dessen Ausstattung praktisch vollständig an die Kundenbedürfnisse angepasst werden kann. Das Foto zeigt unsere Testversion mit Klangregelung und (oben rechts) MC-Phonomodul.


Hörpraxis

Im Alltagsbetrieb erweist sich der HP 700 als perfektionistisch ausgelegte Maschine. Jeder Schaltvorgang gelingt, begleitet von sanftem Relais-Klicken, praktisch lautlos. Der mit dem frontseitigen Drehschalter anwählbare Verstärkungsfaktor passt den HP 700 präzise an die Anlage an, wobei unser Testmuster sowohl mit einem Phono-MC-Modul als auch mit den Eingangsübertragern ausgestattet war. Die MC-Trafos sind bei „leisen“ Abtastern auch in Bezug auf den besseren Störspannungsabstand erste Wahl und beweisen nebenbei, dass Octave auch bei diesem speziellen Thema keinen Klangvergleich scheuen muss. Die Güte der Phonostufe ist über jeden Zweifel erhaben.

Die Klangregelung – sie ist auf eine Kanaldifferenz von nur 0,3 Dezibel spezifiziert – haben wir mithilfe der Überbrückungstaste ignoriert, nicht jedoch die wertvollen Balanceregler. Je nach akustischer Situation im Raum sollte man sich nie scheuen, sie zu benutzen. Beim HP 700 gelingt das feinfühlig und hörbar ohne Beeinträchtigung des Klangbildes, das von der Kombi mit immenser Breite und Tiefe reproduziert wird.

Aber noch viel beeindruckender sind die pure Energie und die unerschütterliche Stabilität, die hier in jedem Ton zu stecken scheinen und sich sogar schon bei ganz leisen Pegeln manifestieren. Man muss es eigentlich so formulieren: Trotz ihrer gewaltigen Leistungsreserven arbeiten diese Monos höchst differenziert, wenn gefordert auch zart, subtil und mit unglaublicher Feindynamik.

Doch hinter den ausdifferenzierten, feinen und extrem weiträumig dargestellten Klanggespinsten lauern stählerne Muskeln und falls nötig immenses Beschleunigungsvermögen. Und damit eine Autorität und notfalls schiere Gewalt, die dem Lautsprecher keine Chance mehr auf das geringste Eigenleben lässt. Der Witz ist: Selbst bei kleineren, in puncto Strom wenig anspruchsvollen Lautsprechern sind diese Autorität und Unerschütterlichkeit sofort wahrnehmbar. Selbst der Klang einer eher kompakten Zwei-Wege-Box (wir benutzten auch die höchst erstaunliche Graham LS6F, getestet instereoplay 3/2018) ließ nun einen viel größeren Lautsprecher vermuten!

Das Fazit ist sonnenklar: Wer sich diese technisch unglaublich solide ausgeführte Verstärkerkombi leisten kann, dem steht ein erhabenes Musikerlebnis bevor, wie man es nur höchst selten zu Ohren bekommt.

Der symmetrische Anschluss der Monos via XLR ist vorzuziehen.


Ruhestrom auf komfortable Art

Die negative Gittervorspannung bestimmt den Ruhestrom einer Röhre. In den Octave-Monos sind pro „Push“- und pro „Pull“-Seite der Gegentaktendstufe je vier KT120 parallel geschaltet. Um die acht Röhren gleichmäßig zu belasten und den korrekten Arbeitspunkt einzustellen und zu prüfen, verfügen die Jubilee Monos auf dem Bedienfeld der Oberseite über ein Display, das einen dem Strom äquivalenten Spannungswert anzeigt. Mithilfe eines Wahlschalters kann jede Endröhre so bequem und kinderleicht über (Schraubenzieher-) Potentiometer eingestellt werden.

Dahinter steht freilich erheblicher Aufwand, da ja im Netzteil insgesamt acht einzeln trimmbare, negative Gittergleichspannungen erzeugt werden müssen. Darüber hinaus werden die Endröhren elektronisch überwacht, im Falle eines Röhrenschadens schaltet sich die Jubilee Mono SE einfach ab.