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Jubiläums-Tests: Standlautsprecher: Alles fließt


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Organischste Form, größtes Alu-Gehäuse, doch mit Superlativen hält sich die Muon nicht auf. Der Auftrag: die perfekte Punktschallquelle. Die zweite Version bringt die Stereophonie zur Perfektion.


Artikelbild für den Artikel "Jubiläums-Tests: Standlautsprecher: Alles fließt" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Wie kommt man bitte auf so eine Form bei einem Lautsprecher? Das werden sich damals viele Besucher der HIGH END gefragt haben, auf der die KEF Muon in ihrer ersten Version präsentiert wurde. Die Antwort ist einfach: Ein Lautsprecherhersteller möchte nichts weniger als die perfekte Box bauen, und er lässt seinen Entwicklern völlig freien Lauf, stellt das Budget auf „unendlich“ und heuert zudem noch einen ...

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... renommierten Industriedesigner an.

So sehr die gebogen-wellige Form der Muon die Handschrift des Designers Ross Lovegrove trägt, so sehr ist sie doch von den Akustikern vorgegeben. Denn KEF ging es nicht darum, einfach nur noch eine weitere Superbox zu schaffen, sondern die Philosophien des Hauses von der Punktschallquelle bis zur perfekt gleichmäßigen Schallabstrahlung ohne Kompromisse zu verwirklichen.

Form folgt perfekter Funktion

Tatsächlich ist das Wort „Box“ wohl für kaum einen Lautsprecher so falsch wie hier. Jede Schallwand einer viereckigen Kiste nimmt nämlich Einfluss auf den Klang, sie bündelt ihn frequenzabhängig mehr oder minder stark auf einen Halbraum und ruft an ihren Kanten Diffraktionen hervor.

Um die Schallabstrahlung der Muon davon vollkommen zu befreien, ist sie so weit wie möglich verrundet. Und in der Mitte tailliert, was die Abstrahlung und damit das Bühnenbild im wichtigen Mittelhochtonbereich perfektionieren soll und im Bass und Grundton mit zunehmender Breite wiederum etwas Schallbündelung erzeugt.

Industriedesigner Ross Lovegrove entwarf die Form nach akustischen Vorgaben.


Neues von der Blade

Mit einem Haufen Chassis bestückte Superboxen leiden oft an ungenauer, ja zuweilen sogar zerrissener Abbildung. Damit das der Muon nicht passiert, wird ab 360 Hz – also praktisch alles, was räumlichkeitsrelevant ist – aus dem mittleren Koaxial-Chassis wiedergegeben, dem UniQ. Er basiert auf dem Zwei-Wege-Chassis, das für den Konzeptlautsprecher Blade erdacht wurde, und ist in der neuen Muon per fortgesetztem Waveguide an deren Schallwandform angepasst. Der Hochtöner sitzt damit samt Antrieb in der Mitte eines ringförmigen Konus-Mitteltöners, der wiederum den Abstrahlwinkel des Hochtöners mitbestimmt.

Unter dem zentralen Punktstrahler-Chassis nimmt ein Grundtöner Platz, der mit seiner 25-cm-Hartpapiermembran nicht einmal eine Oktave füllt, nämlich bis zu 200 Hz hinunter. Damit verhält sich die Muon im gesamten abbildungsrelevanten Bereich wie eine kompakte Drei-Wege-Konstruktion mit Punktstrahler.

Zwei Schalen aus je drei Schichten, anschließend ohne sichtbare Naht zusammengefügt: Die Skulptur fordert höchstes Handwerkskönnen.


Der 6-fach-Trick

Im Tiefton folgt die mehr als mannshohe Skulptur auf den ersten Blick einem Superboxen-Ansatz mit nicht weniger als sechs Chassis. Doch den Entwicklern um Dr. Jack Oclee-Brown, die die neue Version der Muon bestückt und abgestimmt haben, ging es keinesfalls um die Menge an Bass, sondern um dessen Kontrolle im Raum. So erzeugen die vier frontseitigen Tieftöner bereits eine gewisse Richtwirkung: in Ansätzen wie ein Zeilenstrahler, der Raumprobleme in der Vertikalen umgehen kann.

Das hintere Pärchen spielt über ein elektronisches Verzögerungsglied und ist invertiert, die entstehende Schallauslöschung ähnelt also einer nierenförmigen Abstrahlung. Diese sorgt dafür, dass Raumresonanzen deutlich weniger angeregt werden, und macht auch eine wandnahe Platzierung der Superbox möglich. Wer etwas mehr Bassmasse wünscht, etwa bei riesigen Lofts oder der Verwendung von schluckenden Leichtbauwänden, kann die hinteren Tieftöner abschalten.

Alu aus zwei Güssen

An Aufwand nicht zu überbieten ist die Gehäusekonstruktion: Der scheinbare Monolith wird aus zwei geformten Alu-Schalen zusammengesetzt, die jeweils doppelwandig ausgelegt und mit einer zwischenliegenden Bedämpfung versehen sind. Die beiden Hälften werden so zusammengefügt, dass keine Naht sichtbar ist. Intern hat die Muon eine Dreiteilung des Gehäuses für die Tieftöner und zusätzliche Kammern für Grundton und Mittelton.

Verschachtelt: Hochton


Im Schnitt erkennt man das hintere Volumen für den Hochtöner und dass die Schwingspulen maximal weit voneinander entfernt sind.


Groß, größer, Muon

Eine gebannt-ehrfürchtige Stille machte sich imstereoplay -Hörraum breit, bevor über die Muon die ersten Takte von Verdis „La Traviata“ (Farao), dirigiert von Zubin Mehta, erklangen. Es war schnell klar, dass hier eine eigene Klasse von Lautsprechern spielt: So plastisch, losgelöst und ätherisch hatte man das Vorspiel mit den feinen Violinklängen noch nie gehört. Bis in den allertiefsten Basskeller völlig schlackenfrei und impulsgenau auf Aktivboxenniveau die ersten Einsätze des vollen Orchesters. Indes setzte mit dem Chor die Erkenntnis ein, dass der Raum mit der Muon überfordert war, die Chorsänger drängten deutlich zu stark in Richtung Zuhörer, und einige Tester bemerkten sogar einen Mangel an Luft und Offenheit in den höchsten Höhen. Also hieß es Boxen rücken, was hier nicht so einfach ist, wie es klingt: Erst bei über 3,6 Metern Basisbreite und 4,5 Metern Hörabstand traten Stimmen in angenehme Distanz, öffnete sich der holografische Raum ins Unendliche aller drei Dimensionen.

Amber Rubarths akustisch aufgenommenes Intro von „Losing My Religion“ zeigt im Test, ob ein tiefer Raumeindruck allein aus den tieftönigen Hintergrundgeräuschen enstehen kann. Und siehe da, ab der ersten Sekunde war die dreidimensionale Magie da, der bis in die tiefsten Frequenzen atmende Raum und die perfekt holografischen Instrumente und Stimmen. Die hatten zuweilen einen Anflug von Breitband-Charme ohne allzu großes Funkeln in den Höhen. Die Muon konzentrierte sich vor allem auf den musikalischen Gehalt und den Raum. Die Großzügigkeit des Panoramas erinnerte an eine riesige Horn-Aufstellung, projizierte aber bei Wagners „Meistersinger“-Quintett (dirigiert von Marek Janowski) einen deutlich wärmeren und sanfteren Panorama-Raum in den eigentlich zu kleinen Hörraum, in dem die Stimmen atemberaubend realistisch eingebettet waren, ohne übertrieben herausgeschält zu wirken.

Typisch englisch marschierten zum Abschluss Sir Georg Solti und das London Philharmonic Orchestra zu Elgars „Pomp and Circumstance“ durch den Hörraum: Abermals hätte jeder noch so erfahrene Tester gewettet, in einem Konzertsaal oder zumindest der weltbesten 3D-Sound-Projektion zu sitzen, doch hier erklang nur Stereo von LP. Die Muon mag nicht der hochauflösendste Lautsprecher der High-End-Geschichte sein, doch mit ihrem perfekt dreidimensionalen, ultrarealistischen Raum bringt sie die Stereophonie zu später Perfektion. Wer diesen Raum einmal gehört hat, vergisst ihn nie wieder.

Und Mittelton-Sektion bestehen aus vielen Elementen.