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„Junge, wiste ’ne Beer?“


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 06.08.2021

Ribbeck im Havelland

Artikelbild für den Artikel "„Junge, wiste ’ne Beer?“" aus der Ausgabe 9/2021 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 9/2021

Die Birnen leuchten wieder weit und breit. Im Hintergrund die Alte Brennerei

Mit seiner Ballade des „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ hat er dem kleinen Ort in der Mark Brandenburg ein Denkmal gesetzt: Der Dichter Theodor Fontane ließ sich 1889 von einer Geschichte über den Gutsherrn Hans Georg von Ribbeck inspirieren, der freigiebig Birnen an die Dorfkinder verschenkte. Nachdem von Ribbeck 1759 verstorben war, wuchs drei Jahre später, so heißt es, aus seiner Gruft ein Birnbaum und spendete weiterhin köstliche Früchte.

Heute ist von diesem Birnbaum nur noch der Stumpf zu sehen, er wurde 1911 von einem Sturm gefällt. Aber ein junges Exemplar trägt mittlerweile die ersten Früchte.

Und die Familie von Ribbeck ist zurückgekehrt: „Meine Frau und ich waren das erste Mal im Jahr 2000 hier, als mein Onkel Friedrich-Carl begann, sich im Ort unserer Vorfahren niederzu - lassen“, erinnert sich Christian von Ribbeck. „Unsere Wurzeln hier reichen bis ins ...

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... 13. Jahrhundert zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurde unsere Familie jedoch von den Nazis enteignet, der damalige Gutsbesitzer Hans von Ribbeck im KZ Sachsenhausen ermordet. Von der sowjetischen Militärverwaltung ausgewiesen, ging die Familie dann in den Westen.“ Friedrich-Carl von Ribbeck führte einen langen Prozess mit der Bundesregierung auf Rückgabe des Eigentums. Schließlich einigte man sich auf eine Entschädigungszahlung. Nachdem er 1997 die Alte Brennerei und die Remise zurückgekauft hatte, richtete er nun alles mit viel Liebe und Leidenschaft wieder her. Die Remise gegenüber dem Schloss ist heute sein Wohnhaus.

Die Nachfahren des Birnenspenders Hans Georg von Ribbeck sorgen zusammen mit zahlreichen Ribbeckern dafür, dass sich im beschaulichen Ort fast alles um die Birne dreht. Ur-Ur-Ur- Ur-Urenkel Christian von Ribbeck und seine Frau Beate helfen bei der familieneigenen Birnenessig-Produktion in der Alten Brennerei, verkaufen Birnenbrände und -likör und vermieten den großen Saal im Erdgeschoss für Veranstaltungen. „Wir haben uns in diesen wunderbaren Landstrich verliebt und uns nach langen Jahren in Wiesbaden entschieden herzuziehen. Es ist ein Geschenk, am Ort meiner Vorväter zu leben und zu arbeiten. Gut, ein Name ist eine schöne Sache, aber kaufen kann ich mir davon nichts. Wichtig ist doch, was man gelernt hat anzuerkennen, was für ein Glück man hatte, und vor allem, was man draus gemacht hat. Wir knüpfen in Ribbeck an die Vergangenheit an und lassen gemeinsam mit den Menschen hier etwas Neues entstehen.“

Es ist ein Geschenk, am Ort meiner Vorväter zu leben und zu arbeiten.“

Christian von Ribbeck

Bei einem Rundgang durch den Ort begegnet man immer wieder lebendiger Geschichte und ganz viel Kreativität.

Fontane im Schloss

Obwohl nicht nachgewiesen ist, dass Theodor Fontane jemals in Ribbeck war, erwähnt er in seinem Gedicht ein „Doppeldachhaus“ und nimmt so Bezug auf das Schloss derer von Ribbeck. Das eindrucksvolle Gebäude im neoarocken Stil wurde mit öffentlichen itteln renoviert und beherbergt heue unter anderem ein Restaurant mit afé, Veranstaltungsräume – und das nlässlich des 200. Geburtstages des chriftstellers im Jahr 2019 eröffnete ontane-Museum. Hier kann man nicht ur auf den Spuren des großen Dichers wandeln, der Schlossbaugeschichte nd der Gründerzeit nachspüren oder as Havelland erkunden. Christian on Ribbeck: „Mich hat ja die begehbare iesen-Birne beeindruckt. Aber auch ie Präsentation zum ehemaligen reibhaus-Anbau von Schloss Ribbeck st faszinierend. Und in bequemen Sesseln kann man sich Texte Fontanes nhören. Insgesamt sehr sehenswert! nschließend sollte man dem Deutchen Birnengarten im Schlosspark einen Besuch abstatten. Die Ministerräsidenten aller 16 Bundesländer haben hier jeweils einen Birnbaum für hr Land gestiftet.“ Ein Symbol für die iedervereinigung, aber auch für die Aufgeschlossenheit und den Gemeinschaftssinn der 400 Einwohner von Ribbeck.

Bei einem Rundgang durch den Ort begegnet man immer wieder lebendiger Geschichte und ganz viel Kreativität. Die Alte Schule wird von einem Förderverein betrieben und beherbergt ein historisches Klassenzimmer, das Marion-Etten-Theater von Claudia und Hans Serner und ein Café, das – ebenso wie das nahe Café Theodor – Köstliches aus Birnen anbietet. Im sorgsam dekorierten Alten Waschhaus zaubert Marina Wesche den besten Birnenkuchen weit und breit.

Im ehemaligen Pfarrhaus wohnt der Schauspieler Gernot Frischling – zusammen mit Reimund Groß bietet er szenische Führungen durch das Dorf und erzählt witzige und skurrile Geschichten von Menschen, Gebäuden und Birnbäumen. Christian von Ribbeck gehört zum Vorstand des Kulturvereins, der in der Gutsscheune regelmäßig zu Theater und Programmkino einlädt.

Kreativität und Kulinarik wird auch im Landhaus Ribbeck großgeschrieben. Außerhalb des Ortskerns inmitten eines prächtigen Gartens gelegen, bieten Claudia und Thomas Jung nicht nur „Romantik-Übernachtungen“, sondern auch Köstliches im überregional bekannten Café Monet sowie Mal- und Tangokurse an.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

(Theodor Fontante)

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«

Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.«

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht

Sangen »Jesus meine Zuversicht«,

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:

»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,

Der wußte genau, was er damals tat,

Als um eine Birn’ ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

„Es ist diese Mischung, die Ribbeck für mich so besonders macht“, fasst Christian von Ribbeck zusammen. „Es gibt einen Heimatverein, der Osterfeuer veranstaltet, die Freiwillige Feuerwehr, ein engagiertes und kreatives Dorfleben. Viele Reisende sind erstaunt, wie schön und lebendig Ribbeck geworden ist.“ Dazu trägt nicht zuletzt auch die Alte Brennerei bei: Der mächtige Ziegelbau mit dem hohen, von einem Storchennest gekrönten Schornstein, beherbergt die Essigmanufaktur der Familie von Ribbeck sowie einen Veranstaltungsraum. „Hier produzieren wir unseren Birnen-Balsamessig komplett von Hand. Balsam, weil er nur 3,5 Prozent Säure hat, deswegen kann man ihn auch als Aperitif trinken. Wir lassen gern auch probieren, da kommt dann der Aha-Effekt.“ Christian von Ribbeck schmunzelt. „Besonders gut ist Balsam- Essig, wenn man ihn mischt: ein Teil Essig, zwei Teile Soda oder Prosecco, garniert mit Minzeblättern und Birnenschnitten – ein tolles Sommergetränk. Hier füllen wir auch die Edelbrände ab, die wir im Elsass brennen lassen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass hier noch einiges entstehen wird.“

Der alte Ribbeck würde sich sicher freuen, wenn er wüsste, dass seine Leidenschaft für Birnen durch die Generationen weitergetragen wurde und nun sein Ribbeck prägt.

Anja Daume

Weitere Infos

www.vonribbeck.de

www.waschhaus-ribbeck.de

www.alteschule-ribbeck.de

www.theaterderfrische.de

www.schlossribbeck.de

www.landhaus-ribbeck.de