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KÄUFE IM NETZ: So passt’s mit der Rücksendung


Guter Rat - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 10.01.2019

WIDERRUF Ausprobieren und retour – die Platzhirsche im Onlinehandel sehen das kulant. Anderswo ist es mitunter gut, seine Rechte als Verbraucher zu kennen


Artikelbild für den Artikel "KÄUFE IM NETZ: So passt’s mit der Rücksendung" aus der Ausgabe 2/2019 von Guter Rat. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Guter Rat, Ausgabe 2/2019

Klamotten in verschiedenen Farben und Größen bestellen, anprobieren und sehen, was zur vorhandenen Garderobe passt – der Rest geht zurück. Für viele Kunden ist das völlig normal, dank der EU-weit geltenden 14-tägigen Widerrufsfrist. Aber wie geht es dann weiter? Zehn Fragen, zehn Antworten.

1 DIE FRIST BEGINNT ERST, WENN DAS PAKET WIRKLICH DA IST
Die 14-tägige Widerrufsfrist beginnt am Tag nach dem Zugang der Ware. Letzteres bedeutet, dass die Sendung ...

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1 DIE FRIST BEGINNT ERST, WENN DAS PAKET WIRKLICH DA IST
Die 14-tägige Widerrufsfrist beginnt am Tag nach dem Zugang der Ware. Letzteres bedeutet, dass die Sendung zumindest in die Sphäre des Empfängers gelangt sein muss, sei es durch Einwurf in den Briefkasten oder die Annahme durch ein Mitglied des Haushalts. Wenn der Paketbote den Auftrag hatte, die Sendung bei einem bestimmten Nachbarn abzugeben oder sie auf dem Grundstück zu deponieren, ist die Bedingung des Zugangs ebenfalls erfüllt. Anders dagegen, wenn die Sendung bei einem x-beliebigen Nachbarn oder einem Paketshop abgegeben wurde: Die Frist beginnt erst, nachdem das Paket beim Adressaten angekommen ist. Bei Teillieferungen beginnt die Frist mit dem Eintreffen der letzten Sendung aus der Gesamtbestellung.

2 OHNE BELEHRUNG BLEIBT MEHR ALS EIN JAHR ZEIT
Grundsätzlich müssen Onlinehändler ihre Kunden über das Widerrufsrecht korrekt informieren, andernfalls verlängert sich die Frist zur Ausübung des Widerrufs auf ein Jahr und 14 Tage. Weitere Pflicht: Neben der Widerrufsbelehrung müssen die Händler den Kunden auch ein Widerrufsformular zu Verfügung stellen.

PRAXIS Dass eine Widerrufsbelehrung heute vergessen wird, dürfte nur bei sehr unerfahrenen Onlinehändlern vorkommen. Normalerweise wird die Belehrung bereits mit der Auftragsbestätigung versandt; sie kann aber auch stattdessen der Lieferung beiliegen.

3 WIDERRUF UND RÜCKSENDUNG SIND ZWEI PAAR STIEFEL
Das Prinzip »Widerruf durch Zurückschicken « hat seit dem Inkrafttreten der Verbraucherrechte- Richtlinie 2014 offiziell ausgedient. Die Rücksendung reicht nicht aus. Der Widerruf muss gegenüber dem Verkäufer stets separat erklärt werden, auch wenn das Paket dem Postboten gleich wieder zur Rücksendung mitgegeben wurde.

PRAXIS Diese gesetzliche Vorgabe ist grundsätzlich einzuhalten – allerdings machen es vor allem die etablierten Versandhändler den Kunden oft etwas leichter, indem sie beispielsweise adressierte Rücksendeaufkleber beilegen, aus denen die zur Retourenbearbeitung notwendigen Daten hervorgehen. Wer unsicher ist, findet auf der Website des Verkäufers meistens die benötigten Informationen; ansonsten hilft ein Blick in die AGB.

4 DER WIDERRUF SOLL KEINE HÜRDE DARSTELLEN
Auf welchem Weg der Kunde seinen Widerruf dann erklärt, kann er sich selbst aussuchen: telefonisch, per SMS, E-Mail, Fax oder Brief, wobei die elektro- nischen Übermittlungsformen aus Beweisgründen vorzuziehen sind. Nicht vorgeschrieben, aber hilfreich ist die Angabe der Kunden- bzw. Auftragsnummer. In den Widerrufsformularen der Händler sind diese Angaben meist schon aufgedruckt. Auch die Formulierung des Widerrufs bleibt dem Kunden freigestellt. Der Widerruf braucht keine Begründung und kann selbst mit schlichten Formulierungen wie »Ich habe es mir anders überlegt « zum Ausdruck gebracht werden.

5 RÜCKSENDUNG – VIELFACH MUSS DER KUNDE ZAHLEN
Nachdem der Kunde den Widerruf erklärt hat, bleiben ihm 14 Tage Zeit, die Ware zurückzusenden – im Prinzip reicht es aus, wenn er das Paket am letzten Tag der Frist auf die Post gibt. Fällt dieser Tag auf einen Sonn- oder Feiertag, verlängert sich die Frist dann sogar bis zum nächsten Werktag. Die Rücksendekosten sind nach der gesetzlichen Regelung vom Käufer zu tragen; dies gilt auch, wenn es sich um Ware handelt, die per Spedition verschickt werden muss. Tipp: Hinsichtlich der Speditionskosten ist es sinnvoll, beim Verkäufer nachzufragen, ob er gegen Kostenübernahme eine Abholmöglichkeit bieten kann – mitunter ist das günstiger.

VERSANDRISIKO Das Risiko der Rücksendung trägt der Händler, wie bereits bei der Hinsendung. Der Kunde muss gegebenenfalls jedoch nachweisen, dass er die Sendung aufgegeben hat; die Einlieferungsbelege sollten daher bis zur Rückerstattung des Preises aufbewahrt werden.

6 GELD ZURÜCK – AUCH DAFÜR GIBT ES FRISTEN
Was die Frist für die Rückerstattung des Kaufpreises betrifft, kann man sich an die 14-Tage-Regel halten, die sich quer durch die gesamte Prozedur zieht: Ebenso wie bei der Widerrufs- und Rücksendefrist bleiben dem Verkäufer 14 Tage Zeit, die Erstattung auf den Weg zu bringen, nachdem er die Ware zurückerhalten hat. Die Erstattung erfolgt auf dem Zahlungsweg, den der Kunde gewählt hat, also beispielsweise durch die Rückbuchung auf ein Kreditkarten- oder PayPal-Konto.

7 WIDERRUF UND VERSANDKOSTEN: GETEILTES LEID IST HALBES LEID
Nach der EU-Richtlinie muss der Händler dem Kunden auch die Portokosten der Lieferung erstatten, wenn er dafür Versandkosten berechnet hat. Diese Erstattung der sogenannten Hinsendekosten ist allerdings auf den vom Händler gebotenen Standardversand beschränkt; Expresszuschläge oder Nachnahmekosten, die auf Wunsch des Kunden hinzukamen, braucht der Händler nicht zu erstatten. Dass die Kunden grundsätzlich die Kosten der Rücksendung tragen müssen, mag als gerechter Ausgleich angesehen werden – dient nebenbei jedoch der Eindämmung von Missbrauch.

8 SONSTIGE KOSTEN: VERSAND UND TEILWIDERRUF
Betrifft der Widerruf nur einzelne Artikel aus einer umfangreicheren Bestellung, muss der Verkäufer die Hinsendekosten nicht erstatten, soweit diese als Pauschale auch beim Einzelkauf angefallen wären. Bei einer Berechnung nach Gewicht oder Menge muss der Verkäufer die anteiligen Hinsendekosten erstatten.

9 »AB DREI STÜCK« – EINS BEHALTEN, ZWEI ZURÜCK
Betraf der Teilwiderruf Artikel, die einer mengenmäßigen Rabattstaffel unterlagen, kann der Händler bei der Erstattung der anteiligen Kosten den gewährten Rabatt wieder abziehen, wenn der Kunde z. B. letztendlich nur ein Exemplar behält.

10 STREIT ÜBER RÜCKSENDUNGEN – WAS ZU VIEL DES GUTEN IST
Das Widerrufsrecht hat den einen Zweck, den Kunden die Möglichkeit zu geben, die Ware in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob sie für seine Zwecke geeignet ist, zum Beispiel durch die Anprobe von Kleidern. Diese Möglichkeit des Ausprobierens erlaubt derzeit auch noch die (kurzzeitige) Inbetriebnahme. So könnte man zum Beispiel durchaus mit einem Akkuschrauber ein Probeloch bohren, wenn man eigene Bohrer verwendet und das Gerät dabei nicht verschmutzt – sonst kann der Händler Wertersatz fordern.

AUSBLICK Nach EU-Plänen soll der Wertersatz für Gebrauchsspuren künftig komplett abgeschafft werden; allerdings soll auch das Widerrufsrecht entfallen, wenn die Ware schon gebraucht wurde.

Thilo Ries


FOTO: ALAMY