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Kaliberdiskussion beendet


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 15.10.2021

GESCHOSSWAHL

Keine Angst, dies wird nicht die hunderttausendste Kaliberdiskussion. Denn die Wahl des Kalibers ist nicht so entscheidend wie viele denken. Auf das richtige Geschoss kommt es an! Das in Deutschland vorkommende Wild lässt sich problemlos mit den gängigen Standardkalibern erlegen. Hier ist ein Trend zu kleineren Kalibern wie .308 Win. erkennbar, da wir traditionell eher mit Kanonen auf Spatzen geschossen haben. Einen schlechten Treffer mit einem großen Kaliber zu kompensieren, ist auch keine Lösung.

Die Kugel sucht sich ihren Weg

Grob eingeteilt gibt es zwei verschiedene Geschosstypen: Deformationsgeschosse und Zerlegungsgeschosse. Der Unterschied ist, dass Deformationsgeschosse beim Auftreffen auf den Wildkörper aufpilzen und so den Querschnitt der Gewebezerstörung vergrößern. Die Fahnen zerreißen dabei das Gewebe und sorgen für eine entsprechende Öffnung der Gefäße. Zerlegungsgeschosse ...

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... gibt es mit vielen unterschiedlichen Aufbauten. Alle haben gemein, dass sich Splitter abtrennen, sobald das Geschoss auf den Wildkörper trifft. Es teilt sich z.B. in sechs Splitter und einen Restbolzen. Dadurch wird eine höhere Augenblickswirkung erzeugt. Das bedeutet, die Energie wird schneller an das Gewebe abgegeben und die Schockwirkung ist höher. Die Splitter verteilen sich unregelmäßig. Die Zerstörung geht dadurch mehr in die Breite als bei einem Deformationsgeschoss. Dabei spielt das verwendete Geschossmaterial nicht die größte Rolle. Mittlerweile gibt es viele gute bleifreie Geschosse, die waidgerechtes Jagen problemlos ermöglichen. Egal ob mit oder ohne Blei, der Jäger sollte sich mit der Wahl seines Geschosses näher auseinandersetzen.

Zerleger auf der Drückjagd

Viele bevorzugen für die Drückjagd Zerlegungsgeschosse. Oft wird nach zwei ungeklärten Anschüssen das Jagen eingestellt. Hat das Stück dann trotz gutem Treffer nur eine kleine Todesflucht in die nächste Deckung gemacht, muss der Schütze entladen. Auch behindern unnötige Totsuchen das Nachsuchengeschehen nach einer Drückjagd, wodurch für die Nachsuchen dann weniger Zeit bleibt. Jeder weiß, dass hochflüchtige Sauen unter Adrenalin auch schusshärter sein können. Da kann es vorkommen, dass sie trotz gutem Treffer weiterflüchten. Der Schütze schießt dann eventuell erneut in einem schlechteren Winkel, da er von einem schlechten Treffer ausgeht und keine Nachsuche produzieren möchte. Dabei kann es passieren, dass das Wildbret leidet. All das sind Argumente für Geschosse, die das Wild direkt an den Platz binden.

Risiko: Gefährdungsbereiche

Doch kann man das Thema auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Bei Gesellschaftsjagden kommt der Sicherheit ein besonders hoher Stellenwert zu. Man sitzt nicht allein auf dem Ansitz, sondern hat Nachbarschützen, Treiber, Hundeführer und nicht zuletzt Jagdhunde im Revier. Daher setzen viele Hundeführer auf Geschosse, die nicht splittern und dadurch eine geringe direkte Gefährdung im Umkreis des Stückes haben. Zudem haben Deformationsgeschosse eine höhere Tiefenwirkung. Das bedeutet, die Energie wird weiter in die Tiefe abgegeben. Dadurch hat der Schütze verlässlichen Ausschuss, auch bei starkem Wild. Was gleichzeitig für Pirschzeichen sorgt. Anschüsse sind so leichter zu finden. Gleichzeitig ist die Zerstörung im Wildkörper vorhersehbarer. Denn es gibt keine Splitter, die das Zwerchfell durchschlagen und das Gescheide verletzen können. Ein Vorteil, besonders auf der Bewegungsjagd, da dort das Wild nicht immer zu 100 Prozent breit steht.

Durch alle Widerstände hindurch

Deformationsgeschosse können auch besser mit Hindernissen in der Flugbahn umgehen. Auch wenn man alles Menschenmögliche unternimmt, um nur zu schießen, wenn kein Hindernis zwischen Mündung und Ziel ist, es kann auf der Drückjagd passieren, dass ein Ast im Weg ist. In einem solchen Fall würde ein Zerlegungsgeschoss bereits beginnen zu splittern. Je nachdem, wie weit das Hindernis vom Ziel entfernt ist, kommt nur noch der Restbolzen oder wenige Splitter ohne viel Wirkung an. Bei einem Deformationsgeschoss ist die Tötungswirkung auch bei einem bereits aufgepilzten Geschoss noch recht hoch, besonders auf den normalen Drückjagdentfernungen.

„Einen schlechten Treffer mit großen Kalibern zu kompensieren, ist auch keine Lösung.“

Die Gewichtsklassen

Ein weiterer Faktor bei der Wahl des Geschosses ist das Gewicht. Besonders bei bleifreien Geschossen gibt es oft mehrere Geschossgewichte für ein Projektil. Das Barnes TTSX im Kaliber .308 Win. gibt es in 130 -, 150 - und 165 Gramm. So kann der Jäger das Gewicht wählen, das am besten zu seiner Jagdart und Waffe passt. Denn ein schnelles Geschoss bedeutet auch, dass weniger Vorhaltemaß benötigt wird. Auch sprechen die meisten Geschosse mit weniger Gewicht schneller an, da sie eine höher V0 haben. So gibt es Jäger, die das Hornady ETX auf der Drückjagd in 125 Gramm schießen und auf dem Ansitz in 165 Gramm. Denn ein Nachteil eines schnelleren Geschosses kann die Hämatombildung sein. Aber irgendeinen Tod muss man sterben!

Lösung: Mittelweg?

Einen Mittelweg hat z.B. die Firma Sax versucht. Das Geschoss ist sehr leicht und besitzt eine hohe Geschwindigkeit. Beim Auftreffen auf den Wildkörper deformiert das Geschoss in Fahnen. Diese reißen allerdings im Laufe der Penetration ab und erzeugen zusätzliche Wundkanäle.

Wirkung von kurzen Läufen

Einige Hersteller haben erkannt, dass schnellere Geschosse bei der Nutzung von Schalldämpfer und kurzen Läufen besser funktionieren – z.B. RWS Short Rifle oder Hornady Superformance. Hier ist es wichtig, dass die Waffe mit dem gewählten Geschoss auch funktioniert. Nicht jedes Geschoss mit jedem Gewicht fliegt präzise aus jeder Waffe. Auch ist es nicht ratsam, eine Drückjagdmunition mit einem Nickelmantel aus dem gleichen Lauf wie eine Ansitzmunition mit einem Kupfermantel zu verschießen. Denn die Mischung der Mantelmaterialien im Lauf kann zu Fehlschüssen führen.

Übung statt Material

Viel wichtiger als die ganzen technischen Feinheiten ist der Umgang mit der Waffe. Ein guter Treffer führt immer zum waidgerechten Erlegen. Hier ist es aus meiner Sicht wichtiger, dass man gut geübt in die Drückjagdsaison startet, als nach wenigen unerfreulichen Jagden wieder die Munition zu wechseln und ihr die Schuld zu geben.

Eike Mross ist Jahrgang 1989. Er besitzt seinen Jagdschein seit dem Jahr 2008. Er hat Forstwirtschaft in Göttingen studiert. Er ist zudem Redakteur, Eike stammt aus dem Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe. Er ist leidenschaftlicher Sauenund Rehwildjäger. Seine weiteren Interessen sind die Wildbiologie sowie Bau-und Fallenjagd. Er schreibt für uns über Themen der Jagdpraxis, testet Neuheiten und neue Jagdmethoden.