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Kamille statt Pille!: „Willkommen in unserem Heilgarten“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 33/2019 vom 09.08.2019

Christine und Wolf-Dieter Storl leben seit drei Jahrzehnten auf einem einsamen Hof zwischen Wäldern und Feldern im Allgäu. Unserer Reporterin Jana Henschel hat die „Kräuter-Flüsterer“ besucht – und deren beste Heilrezepte mitgebracht


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 33/2019

Schon auf den ersten Blick ein uriges Paar: Die Storls faszinieren mit ihrem Pflanzenwissen und ihrer Liebe zur Natur

Ein Team seit Jahrzehnten! Auch im Garten arbeiten die zwei Hand in Hand

Wenn das so weitergeht, ist sein Daumen gleich grün: Wir stehen im Garten und Wolf-Dieter Storl (76) zupft Blatt um Blatt von seinen Pflanzen ab, zerreibt sie zwischen Daumen und ...

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... Zeigefinger, hält sie mir zum Riechen und Kauen hin. Seine Frau Christine (64) erklärt, was das alles ist, wogegen es hilft – und ich Großstadtpflanze lerne immer neue Geheimwaffen für die Gesundheit kennen: Engelwurz ist gut gegen Erkältungen und schmeckt wie Möhre; die bittere Goldrute top bei Nierenentzündung; Schöllkraut, fischig im Geschmack, heilt Leber und Warzen.

BILD der FRAU bei den Kräuter-Flüsterern: Seit über 30 Jahren leben sie auf einem einsamen Hof in Isny im Allgäu, ernähren sich dort vom eigenen Bio-Gemüse – und kurieren Wehwehchen mit Kräutern, die vor der Haustür wachsen. In all der Zeit sammelten sie ein XXL-Wissen über die Heilkraft der Natur. 31 Bücher hat Wolf-Dieter Storl geschrieben, er hält Vorträge, gibt Seminare für Ärzte, Heiler, Therapeuten.

Heute will er uns seinen Heilgarten zeigen. Barfuß führt er durch die Beete. Kohlrabi, Kohl, Mangold, Fenchel und Kopfsalat dicht an dicht, daneben Zwiebeln, Topinambur, Rote Bete, Möhren, Borretsch. Alles Pflanzen, die „gut miteinander können“. Mischkultur nennt sich das Prinzip, das Gemüse gesund und ertragreich hält.

„Kräuter-Papst“ Storl in seinem Arbeitszimmer: Nachschlagewerke dicht an dicht

Auf der Wiese steht kniehoch Unkraut. Christine lacht. „Von wegen Unkraut! Das heißt Beikraut und ist pure Medizin. Die Menschen haben nur verlernt, es zu nutzen.“ Wir wohl auch. Die Kamille und Zitronenmelisse erkennen wir, aber von Huflattich und Beinwell(s. Kasten rechts) hatten wir bis heute null Ahnung.


„Zum Arzt geh ich nicht mehr“


„Ich war schon als Kind von der Heilkraft der Natur fasziniert“, erzählt Wolf-Dieter. „Schnitt ich mir in den Finger, legte Großmutter zerkauten Breitwegerich drauf, der die Blutung stillte. Bei Entzündungen nahm sie stattdessen warme Kartoffeln.“ Kamille statt Pille – das Motto trug auch ihn durchs Leben. Er weiß: „Viele Medikamente wirken wie Pflanzen.“ Ein Beispiel? „Tee aus Mädesüß ist so blutverdünnend und schmerzstillend wie ein Aspirin.“

In Indien hat Wolf-Dieter gelernt, wie gesund Gelbwurz und Ghee sind, bei den Medizinmännern amerikanischer Indianer viel über Kräutermedizin. 1972 verliebte er sich in Christine, die damals schon genauso interessiert an der Pflanzenheilkraft war. Beide ziehen ohne Auto und mit wenig Geld auf den abgelegenen Hof im Allgäu, bekommen Kinder (heute 32 und 34) und starten ihr Selbstversorgerleben.

„Wir gruben den verwilderten Garten um, legten 1,20 Meter breite Beete an und säten Gemüse.“ Bis heute hält ihr Garten sie fit und gesund. Sie investieren nur eine Stunde Arbeit pro Tag. Aber dafür viel Humus! Wolf-Dieter nimmt eine Hand Kompost, steckt die Nase rein: „Der Duft des Lebens, das Geheimnis des guten Gartens.“

Leise summen die Bienen. Der stattliche Mann mit dem Rauschebart harkt Erde. „Das spart Gießwasser, weil Wasser im krümeligen Boden schwerer verdunstet.“ Christine erntet den Spinat fürs Abendessen. „So viele Vitamine!“

Egal zu welchem Leiden man sie befragt: Christine weiß sofort das passende Kraut. „Als Wolf-Dieter sich den Arm brach, haben wir zwei bis drei Mal am Tag einen Beinwell-Öl-Umschlag drumgewickelt, dazu trank er täglich drei Tassen Ackerschachtelhalmtee für die Knochenbildung.“ Wolf-Dieter nickt. „Der Arm heilte schneller als im Gips. Beim Arzt war ich ewig nicht mehr.“

Nur auf das Pflanzenheilmittel in Sachen Verdauung schwört der Mann bis heute alleine: „Bei mir wirkt da am besten eine Flasche Bier.“

Unberührte Natur: So idyllisch leben die Pflanzen-Flüsterer auf ihrem Hof anno 1180 im Allgäu

BUCH-TIPP

Wolf-Dieter Storl hat 31 Bücher geschrieben. Im jüngsten gibt seine Frau Christine ihr Heilwissen über Pflanzen speziell für Frauen weiter. „Unsere grüne Kraft“, Gräfe und Unzer (16,99 Euro).

Christine Storl verarbeitet den Spinat auf einem Ofen, der noch mit Holz geheizt wird

4 Wunderwaffen aus dem Garten der Storls

1 HUFLATTICH-TEE

* Wirkt bei Husten, Bronchitis, Heiserkeit, Entzündungen der Atemwege. 2 EL getrocknete Huflattichblätter mit 1/4 l kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, abgekühlt trinken.

2 KOHL-UMSCHLAG

* Entzündungshemmend bei Kniebeschwerden, Tennisarm, Schleimbeutelentzündung, Rheuma, Gicht, Sehnenscheidenentzündung. Ein Blatt Bio-Kohl waschen, trocken tupfen, per Nudelholz auf der Arbeitsplatte walken, bis Saft austritt und das Blatt weich wird. Auf die Körperstelle legen, feuchtwarmes Baumwolltuch darüber, mit einer elastischen Binden fixieren. Über Nacht einwirken lassen.

3 BRENNNESSELSUPPE

* Die jungen Pflanzen stärken das Immunsystem, wirken harntreibend, verbessern unreine Haut, Rheuma, Gicht oder Harnwegsentzündung. Sie enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als Zuchtgemüse. Für 4 Portionen 200 g Blätter mit 1 l kochendem Wasser übergießen, abgießen, das Wasser auffangen. 1 Zwiebel schälen, würfeln, in 2 EL Olivenöl glasig dünsten, Brennnesseln grob zerkleinert zugeben. 1 EL Mehl drüberstäuben, nach und nach mit dem aufgefangenen Wasser ablöschen. 1–2 Gemüsebrühwürfel zugeben, Salz, Pfeffern, etwas Muskatnuss dazu. Pürieren, mit einem Klecks Sauerrahm servieren.

4 SPITZWEGERICHPFLASTER

* Hilft bei Schürfoder Schnittwunden sowie juckenden Mückenstichen. Einige Wegerichblätter zwischen den Fingern zerreiben, bis Pflanzensaft austritt, oder die Blätter kurz kauen. Auf die Wunde auftragen und antrocknen lassen.


Fotos: Photoproduction Hanselmann (6), Gräfe und Unzer Verlag/Lisa Storl (4)