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KAMMER DES SCHRECKENS?


Sound & Recording - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 07.02.2020

Schülerband-Trauma oder Studio-Äquivalent? Kammer des Schreckens oder wie im Himmel? Was ist heute möglich an kostengünstigen Drum-Aufnahmen außerhalb des professionellen Studios?


DRUMS IM PROBERAUM AUFNEHMEN

Artikelbild für den Artikel "KAMMER DES SCHRECKENS?" aus der Ausgabe 1/2020 von Sound & Recording. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sound & Recording, Ausgabe 1/2020

DIY-Recording ist längst kein Geheimtipp mehr und war es eigentlich auch nie. Selbst erfolg - reiche Bands wie z. B. Heisskalt haben ihr letztes Album Idylle (Sound&Recording 01+02.2019) DIY aufgenommen - mit Erfolg. Aber auch sie haben sich dafür in ein Studio eingemietet und sich eine ganze Woche Zeit genommen. Wie kann das aussehen, wenn der finanzielle, aber auch der zeitliche Aufwand - ...

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... immerhin sind die meisten Musiker immer noch Hobbymusiker und gehen im Alltag einer geregelten Arbeit zu humanen Zeiten nach - noch geringer gehalten werden soll? Wir haben uns ein Wochenende Zeit genommen, den Proberaum zum Studio umfunktioniert und dort Drums für drei Lieder aufgenommen.

Planung ist die halbe Miete und der erste Schritt für erfolgreiche Aufnahmen. In unserem Fall teilen sich drei Bands den Raum, jede mit festen wöchent - lichen Terminen. Da die Aufnahmen aus arbeitstechnischen Gründen nur am Wochenende stattfinden konnten, war der erste Anruf einem Probetagtausch geschuldet. In der Regel sollte man sich so gut kennen und auch freundlich gesinnt sein, damit dem nichts im Wege steht.

Wie sieht es mit anliegenden Proberäumen aus? Die Leute dort kennt man in der Regel schon sehr viel weniger, und im Allgemeinen sind Proberäume gerade so gut gedämmt, dass man anliegende Bands nur dann nicht mehr hört, wenn man gerade selbst Lärm macht. In der Regel kein Problem, aber für Aufnahmen gar nicht ideal. Also werden auch diese Räume bzw. deren Nutzer abgeklappert und im Zweifel Bestechungs - getränke organisiert. Das ist nicht nur sympathischer als ein 50-Euro-Schein, sondern auch effektiver und günstiger.

Die Optionen werden erst miteinander vergleichen - die Zeit dazu muss man mitbringen.


Die Snare wurde noch etwas gedämpft.


Weil noch zwei Kanäle und zwei Großmembraner übrig waren, wurden diese am Ende auf Kopfhöhe vor den Drums positioniert. Die Absicht war, die Spuren extrem zu komprimieren und unter den fertigen Mix zu mischen.


Zum Aufnehmen werden Mikros benötigt. In den meisten Proberäumen finden sich bereits ein paar SM57 oder andere Dauerbrenner. Um ein Schlagzeug angemessen zu mikrofonieren, heißt es aber, Freunde und Bekannte abzuklappern. In unserem Fall ließ sich damit bereits ein respektables Mikrofon-Set zusammenstellen, das insgesamt von drei Seiten kam (Mikrofonständer und Kabel nicht vergessen!). Im Notfall lassen sich Mikros auch vom eventuell vorhanden Musikverleih oder aus einem wohlgesinnten Musikladen organisieren. Die Preise fangen hier bei ca. 5 Euro pro Mikro und pro Tag an, Großmembraner sind natürlich teurer, aber die Summe hält sich in Grenzen.

Je nach Setup des Schlagzeugs und auch der Musikrichtung wird hier schon eine stattliche Summe an Eingangskanälen benötigt. Unser bereits vorhandenes PreSonus Quantum-Interface mit acht analogen Eingängen war ein guter Start, aber um Träume wahr werden zu lassen, fehlten noch zwei weitere. Für vier weitere Kanäle und ein optisches ADAT-Kabel fand sich auch hier ein Sponsor, und am Ende standen damit sogar zwölf statt anfangs geplanten zehn Kanälen zur Verfügung.

Alternativ hätte man auf die Option ausweichen können, z. B. die Snare- oder Bassdrum oder Tom- Mikrofone über ein Live-Mischpult, welches im Raum bei den Proben zum Einsatz kommt, zusammenzu - legen. Nachteile sind, dass diese beim Mix nicht mehr separat zu bearbeiten sind.

Für viele Genres funktioniert übrigens die Recorderman- oder Glyn-Johns-Mikrofonierung mit lediglich vier Mikros exzellent, bei denen man auch - richtig angewandt - keine Phasenprobleme bekommt (siehe: www.soundandrecording/drum-recording).

EQUIPMENT KOSTET, FREUNDE NICHT.

DAS BERUHT ABER BITTE AUF GEGENSEITIGKEIT.

Fehlt noch ein Engineer, falls sich in der Band selbst niemand ausreichend mit der Materie auskennt. Auch solche Menschen finden sich in der Regel in jedem Musiker-Dunstkreis. Wann immer es möglich ist, sollte der Engineer nicht nur ein Freund der Band sein, sondern auch ein Freund des Musikgenres. Das verspricht mehr intrinsische Motivation - also mehr Geduld, Engagement und mehr gute Laune. Außerdem kann er mit frischen Ohren auch wertvolle Tipps zum Sound und zu kompositorischen Feinheiten geben, kann also im Idealfall auch eine Produzentenrolle einnehmen. Selbstverständlich können auch andere Personen des Vertrauens bei Sound- oder kompositionstechnischen Fragen zu Rate gezogen werden. Über Musik zu reden ist zwar bekannterweise wie zur Architektur zu tanzen, hilft aber am Ende doch irgendwie immer.

1 Die Kombination aus Audiox D6 in der Bassdrum und Sennheiser e602 davor war unangefochtener Soundsieger der zur Verfügung stehenden Optionen.


2 Das Sennheiser e602 ist eigentlich ein Bassdrum-Mikrofon, macht sich aber auch an den Toms gut. Zwei davon belasten allerdings ein Stativ recht ordentlich - das vielleicht erste Mal weltweit, dass Alkohol für mehr Balance sorgte!


Das Setup. Der ca. 20 m² große Raum war bereits mit sechs ca. 1,00 x 0,6 m großen und ca. 20 cm tiefen Breitbandabsorbern an Wänden und Decke ausgestattet, und an einigen kahlen Stellen wurden provisorisch noch Akustikschaumstoffmatten verteilt. Damit ist der Raum eher trocken und hat wenig bis keinen eigenen Klangcharakter. Zum Aufnehmen ist dies aber nicht die schlechteste Voraussetzung.

Um- und aufgebaut wurde bereits am Tag vor den eigentlichen Aufnahmen. Interfaces und PC werden vor dem Raum platziert, um den Schallpegel einigermaßen entfliehen zu können, obwohl sich die Tür wegen einem Strang von Kabel nicht wirklich schließen ließ

Ein Mittelklasse-Schlagzeug wurde durch ein ebenfalls geliehenes Tama Starclassic getauscht, das dann in der Mitte des Raums platziert wurde. Das Stimmen des Schlagzeugs sollte nicht unterschätzt werden. Zu bedenken gilt: In welcher Tonart sind die Lieder, und dem folgend, auf welche Tönhöhen macht es Sinn, die Toms zu stimmen (siehe auch www.sticks.de)?

An der Snare wurden zunächst drei Optionen miteinander verglichen. Man entscheidet sich für den Klassiker SM57, welches anschließend noch vom sE Electronics V7 X am Teppich ergänzt wird. Ähn - liches galt für die Bassdrum - aus der Erfahrung wird zunächst das Audix D6 innen platziert und mit drei Mikrofonen vor dem Resonanzfell in Kombination verglichen. Hier fällt die Entscheidung auf das Sennheiser e602.

An den Kesseln werden die zur Verfügung stehenden restlichen e602 positioniert, unter die Hi-Hat kommt ein Audio-Technica AT2021, was dort wunderbar funktioniert, als Overhead kommen die sE Elec - tronics SE8 zum Einsatz, und weil am Ende noch zwei Kanäle und zwei AT2020 übrig waren, wurden diese etwa in Kopfhöhe vor das Set in XY-Mikrofonierung aufgestellt. Selbstverständlich darf nicht versäumt werden, auf die Phasen zu achten.

Kontrolle gehört wird die kompletten Aufnahmen lang leider nur über diverse Kopfhörer, was aber angesichts des halligen Flurs nicht nur praktischer in der Logistik war, sondern auch besser, um den Klang bewerten zu können.

Achtung: Aufnahme! Nachdem am Freitagabend alles aufgebaut, alle Phasen gecheckt und korrigiert wurden, wurde am Samstagmorgen nur noch einmal kontrolliert, ob soweit noch alles stimmt und sich kein Mikrofonstativ gesenkt hat oder Ähnliches. Somit kann man sich relativ entspannt zwei volle Tage den Aufnahmen widmen. In unserem Fall hat dafür der Samstag bereits ausgereicht, obwohl der Drummer wenig Studioroutine hatte und einige Fills und Beats parallel zu den Aufnahmen neu überdachte und teils korrigierte.

In der DAW hat unser Engineer zu jedem Song ein Projekt mit jeweils vier Drums-Spuren vorbereitet, und aus den besten Aufnahmen wird im Anschluss die finale Drums-Spur zusammengeschnitten. Strophe, Refrain, Bridge etc. und bei Bedarf auch einzelne Takte werden getrennt voneinander aufgenommen. Das bedeutet natürlich auch, dass die Übergänge im Mix sauber bearbeitet werden müssen.

Das Ergebnis klingt amtlich! Bassdrum, Toms und Snare klingen besonders wertig. Das Tama Starclassic hat sich allemal bezahlt gemacht, und auch die Mikros haben ihren Beitrag geleistet. Die Overheads und das Stereopaar vor dem Set überzeugen nicht hundertprozentig, aber auf jeden Fall wird man auch mit ihnen gut arbeiten können. Eventuell liegt dies am Raum, der wenig Eigencharakter hat und in der Größe doch etwas beschränkt ist. Ein Software- Hall wird hier sicher Abhilfe schaffen.

Obwohl viele Teile einzeln und separat aufgenommen wurden, hat der Schlagzeuger »seine « Drums händisch und eigens eingespielt. Es musste nichts programmiert werden, und der Sound ist ein Unikat. Das fühlt sich nicht nur für den Schlagzeuger gut an, sondern macht auch Lust auf das Recorden der Instrumente, der Vocals und natürlich auf den fertigen Mix.

Vielen Dank an: Connor Shafran, René Peltsch, Stephan Lembke, Axel Mikolajczak und allen Musikern aus den anliegenden Räumen!