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Kampf um den: TEMPELBERG


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Juden, Christen, Muslime: Alle erheben Anspruch auf dasHerzstück Jerusalems. Eine Doku beschäftigt sich mit seinen Geheimnissen


Artikelbild für den Artikel "Kampf um den: TEMPELBERG" aus der Ausgabe 27/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2018

Auf dem Tempelberg erhebt sich seit 1327 Jahren der Felsendom. Hier soll einst der erste jüdische Tempel gestanden haben


Die Altstadt Jerusalems versinkt im Nebel von Tränengasgranaten. Detonationen hallen durch die Nacht, Steine und Brandgeschosse fliegen durch die Luft, Männer skandieren aufgebracht Parolen. Eine Straßenschlacht in Jerusalem am Fuß des Tempelbergs, an jenem Ort, der für Juden und Muslime heilig ist. Immer wieder kommt es hier zu Ausschreitungen wie zuletzt ...

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... im Juli 2017, als ein Streit über verschärfte Kontrollen am heiligen Bezirk zur blutigen Eskalation führte. Die israelischen Behörden hatten Metalldetektoren an den Zugängen errichtet, nachdem drei arabische Israelis von dort aus zwei israelische Polizisten erschossen hatten. Viele Palästinenser empfanden die Kontrollen als Provokation und Versuch, den Einfluss auf das Areal auszuweiten.

Genau zu dieser Zeit arbeitete die Filmemacherin Simone Jung bereits an ihrer Doku für die Reihe „Geheimnisvolle Orte“ über das Areal um Felsendom und Klagemauer. „Hätte ich während der Dreharbeiten über Gefahren nachgedacht, wären viele Sequenzen nicht entstanden“, sagt die 51-Jährige. „Für den Tempelberg eine Drehgenehmigung zu bekommen ist, zumindest seit Juli 2017, nahezu unmöglich.“ In den letzten Jahrzehnten ist ein bedenklicher Wettstreit um den heiligen Hügel in Jerusalems Altstadt entbrannt. Was macht ihn zu einem der am härtesten umkämpften Orte auf dieser Welt? Juden, Christen, Muslime: Für sie alle steht Jerusalem auf heiligem Boden. Den Grundstein für diese Idee legte der israelitische König Salomo. Er gab im 10. Jahrhundert vor Christus ein „Haus für den Herrn“ in Auftrag, dem Alten Testament zufolge genau auf jenem Felsen, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak für Gott opfern sollte. In dem mit Gold verzierten Hauptraum standen die Bundeslade und ein leerer Thron. Auf ihm saß nach Vorstellungen der Israeliten Gott – unsichtbar für alle. So jedenfalls steht es in der Bibel. Archäologisch belegen lässt sich jedoch nichts: Auf dem Tempelberg dürfen keine Ausgrabungen vorgenommen werden.

Spirituelles Zentrum

Ein zweiter Tempel entstand unter Herodes nach der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil. Seit seiner Zerstörung im Jahr 70 durch die Römer ist das Judentum ohne zentrales Heiligtum. Bis heute beten seine Anhänger an der weltberühmten Klagemauer, einem Bruchstück der Westmauer des früheren Tempelplatzes. Als das Christentum zunehmend Einfluss gewann, wurde Jerusalem unter Kaiser Konstantin erneut zum geistigen Zentrum: als Ort von Tod und Auferstehung Christi.

Heute erheben sich auf dem Tempelberg die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom, erbaut von muslimischen Umayyaden. Sie hatten im Jahr 638 in der Stadt die Macht übernommen und machten Jerusalem auch zur Heiligen Stadt des Islam. Von dem Felsen aus, auf dem sich heute der Felsendom erhebt, soll Prophet Mohammed in die sieben Himmel aufgefahren sein und Gottes Offenbarung erhalten haben.

Seitdem treffen in der Stadt Gläubige dreier Religionen aufeinander – gerade am Tempelberg nicht immer auf friedliche Art. Dokufilmerin Simone Jung spürte der Frage nach, warum sich hier die Fronten verhärten: „Ich wollte wissen: Weshalb ist es für Nichtmuslime verboten, auf dem Tempelberg oder auf Al-Aqsa zu beten? Und was sind die Gründe dafür, dass jüdische Gläubige dort beten wollen?“ Viele der Menschen, die sie vor Ort traf, seien resigniert. „Die meisten wollen in Ruhe leben, arbeiten, ihre Kinder in Frieden aufwachsen sehen. Und sie wollen nicht Spielball sein für politische Machtinteressen“, berichtet Jung. „Vielleicht schaffen es ihre Kinder, sich die Hand zu reichen. Wenn es eine Lösung geben sollte irgendwann, dann geht das nur mit gegenseitigem Respekt.“

Heiligste Stätte des Judentums: die Klagemauer. Auf dem Tempelberg selbst dürfen Juden nicht öffentlich beten


FOTOS: FROESE/GETTY IMAGES, MAURITIUS; INFOGRAFIK: NATIONAL GEOGRAPHIC

Der HEILIGE FELSEN Jerusalems

Für Juden ist er der Tempelberg, für Muslime der Haram asch-Scharif: Geschichte eines umstrittenen Ortes