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Kampfansage


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ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 03.08.2022
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Das spiegellose R-System ist kein exklusiver Kleinbild-Club mehr. Wie zuvor Sony und Nikon öffnet nun auch Canon sein spiegelloses System für das APS-C-Format. Die Botschaft:

Canon bietet weiterhin modernste Technik im APS-C-Format, künftig aber spiegellos. Wer schon APS-C-Objektive mit Canon-EF-Bajonett hat, kann sie auch mit einer RF-Kamera kombinieren. Ein passender Adapter wird mit beiden neuen Kameras mitgeliefert.

SLR-Umsteiger und ambitionierte Fotografen will Canon mit der 1500 Euro teuren R7 gewinnen. Sie kombiniert einen 32-MP-Sensor, Bildstabilisator und hohe AF-Leistung mit guter Ausstattung. Fotografen, die den APS-C-Sensor für seinen Crop-Faktor schätzen, erhalten mit der R7 einen Zweitbody, dessen Handling und Bedienung sich in wesentlichen Punkten kaum von denen der R6 und der R5 unterscheiden, sodass die „Lernphase“ kurz bleibt. Selbstverständlich arbeitet die R7 problemlos auch mit ...

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... RF-Objektiven. Die günstigere R10 (1000 Euro) bedient mit einem 24-MP-CMOS, leichterem Body und kleinerem Ausstattungspaket das Einsteigersegment.

Zu den Kameras hat Canon zwei Zooms mit RF-Bajonett, aber APS-C-Bildkreis vorgestellt: das RF-S 4,5- 6,3/18-45 mm IS STM für 350 Euro und das 570 Euro teure RF-S 3,5-6,3/18- 150 mm IS STM. Für die Käufer der R7 dürften diese Allrounder weniger interessant sein. Weitere neue RF-S-Optiken werden sicher folgen. Allerdings erwarten wir nicht, dass Canon das RF-S-Portfolio ähnlich umfassend ausbaut, wie das bei den Kleinbildobjektiven schrittweise geschieht.

APS-C für Ambitionierte

Der Leistungsumfang der Canon EOS R7 offenbart eine klare Gruppenorientierung: Die R7 wurde unter anderem für erfahrene und ambitionierte Fotografen entwickelt. Das fällt zunächst optisch auf, denn Kompaktheit und Leichtigkeit wurden der besseren ERgonomie und der Ähnlichkeit mit den anderen R-Modellen geopfert. Die R7 hat mit 32 Megapixeln (6969 x 4640 Pixel) eine höhere Auflösung als die EOS R6 (20 Megapixel) und sogar einen Hauch mehr als die EOS R (30 Megapixel), die älteste R-Kamera.

Die Bildberechnung übernimmt in beiden Canon-APS-C-Modellen ein überarbeiteter Digic-X-Bildprozessor, der auch in teureren R-Modellen mit KB-Sensor und in der professionellen 1D X III zum Einsatz kommt. Neben den Bildformaten JPEG und RAW (14

Bit) offeriert die Kamera das moderne HEIF-Format mit 10 Bit, das praktische Compact RAW und HDR-JPEG. RAWs und HEIFs können in der Kamera bearbeitet und als JPEGs gespeichert werden. Der Digital Lens Optimizer korrigiert objektivspezifische Abbildungsfehler. Der Sensor ist beweglich eingebaut – die R7 gleicht Wackler also auch dann aus, wenn das Objektiv keine eigene IS-Einheit mitbringt. Die Stabilisierung erfolgt an fünf Achsen. Im Gespann mit der Optik findet Arbeitsteilung statt:

Die Kamera übernimmt die Roll- und XY-Achsen, die Optik die Neigungen (Gier- und Nickachse). Beim Filmen hilft zudem der elektronische Bildstabilisator, den Ausschnitt ruhig zu halten.

Flexibles AF-System

Das AF-System von R7 lockt mit denselben Schlagworten wie die hochwertigen KB-Modelle: Dual Pixel CMOS AF II und Deep-Learning-Technologien.

Diese Technik ist bei Canon für schnelle und präzise Fokussierung und eine zuverlässige AF-Verfolgung zuständig. So ist es auch nicht überraschend, dass die AF-Funktionen der R7 in vielen Details mit denen der professionellen Modelle R6, R5 und R3 vergleichbar sind.

Die Empfindlichkeit reicht von -5 bis 20 EV. Das AF-System deckt den Sensor der R7 komplett ab und ermöglicht somit auch am Bildrand Mustererkennung und Objektverfolgung. Ohne erfasstes Objekt deckt der horizontale AF-Bereich jedoch nur 90 Prozent ab, was in der Praxis selten auffällt. Die R7 bietet maximal 5915 Felder bei manueller AF-Feld-Vorwahl und reduziert die Anzahl der AF-Felder bei automatischer Vorwahl auf leichter beherrschbare 651.

Der Autofokus arbeitet wahlweise als One-Shot-AF (AF-S) oder als kontinuierlicher Servo-AF (AF-C).

Für die Wahl der AF-Felder stehen der ganze Bildbereich, mehrere AF-Zonen, Spot, Einzelfeld sowie Einzelfeld mit erweiterter Umgebung zur Wahl. Mit aktuellen Algorithmen ausgestattet, erkennt die Kamera Menschen, Augen, Gesichter, Katzen, Hunde und Vögel sowie Fahrzeuge (Rennwagen und Motorräder). Wachsende Distanz zum Motiv lässt die Genauigkeit beim Erkennen, Erfassen und Verfolgen sinken – zaubern kann die R7 an dieser Stelle nicht. Auch scheint die Mustererkennung, mehr Zeit mit Personenbildern trainiert zu haben. Insgesamt aber kann der AF überzeugen. In der Regel findet die Kamera ihre Motive sehr schnell und verfolgt sie zuverlässig.

Zur Anpassung der AF-Nachführung an die Bewegungen des Motivs gibt es vier Presets (Case 1-4) und eine Automatik. Die zugrundeliegenden Parameter sind „AI Servo Reaktion“ und „Nachführung – Beschleunigung/Verzögerung“. Diese Presets lassen sich individuell anpassen.

Die AF-Felder sind per Joystick gut zu steuern, obwohl der Rahmen etwas schneller durchs Bild wandern dürfte.

Auch die AF-Feldauswahl per Touchbedienung funktioniert super: Wenn zugleich die Touch-Auslösung aktiviert ist, schießt man ein Foto mit nur einer Berührung. Mit der Touch-and-Drag- AF-Funktion trifft man sehr schnelle Motive nicht immer, aber sonst erleichtert diese Funktion das Fokussieren bewegter Objekte stark, weil sie schneller als der Joystick ist. Bei Sessions mit mehreren Personen hilft es, den AF-Bereich einzugrenzen: Dann sucht die Kamera nach Gesichtern und Augen innerhalb des definierten Bildausschnitts.

ISO-Vergleich: JPEG gegen RAW

Die Abbildungsqualität der R7-JPEGs startet auf hohem Niveau. Bis ISO 800 bleibt sie recht stabil, und es treten kaum auffällige Verluste auf. Das Rauschen wird immer herausgerechnet, das führt bei ISO 1600 und ab ISO 3200 zu noch stärkerem Detailverlust. Bei ISO 3200 ist der Leistungsabfall deutlicher wahrzunehmen als bei ISO 1600.

Mit dem RAW-Format erreicht man bei allen ISO-Empfindlichkeiten eine bessere Detailwiedergabe. Bei ISO 100 ist der qualitative Vorsprung auf JPEG nicht groß – auch weil die JPEGs gut sind. Der Abstand wächst aber mit der Empfindlichkeit. Ab ISO 1600 fällt das feine Luminanzrauschen in den RAWs stärker auf, störend ist es aber erst ab ISO 3200 und sollte dann reduziert werden.

Weniger ist mehr

Die Oberseite ist sehr aufgeräumt, aber alles Wichtige ist schnell angepasst. Gut, dass die R7 einen Direktzugriff für die Wahl der ISO-Empfindlichkeit bietet.

Dynamik

Das HEIF-Bildformat beherrscht auch die R7. Es belegt 20 bis 25 Prozent weniger Speicher als JPEG und wird mit 10 Bit statt mit 8 Bit gespeichert. Abgesehen vom reduzierten Speicherverbrauch erkennen wir nur wenige Vorteile von HEIF. Zwar enthalten die HEIF-Aufnahmen bei vergleichbarer Auflösung weniger ausgefressene Lichter und zulaufende Schatten als JPEGs. Doch die Bilder muss man konvertieren. Will man diese Zeit investieren, lohnt sich RAW mehr: Dieses Format liefert vergleichbare Dynamik und bessere Detailwiedergabe. Wer es einfach will, kann auch auf HDR-JPEG ausweichen: Hier erstellt die Kamera ein Foto aus einer Belichtungsreihe mit ±1 bis ±3 als Grenzwerte. Die HDR-Bilder wirken künstlich, aber oft etwas weicher – vermutlich eine Folge der Interpolationen.

Von M bis Szenenerkennung

Der mechanische Verschluss der R7 bietet 1/8000 s als kürzeste Verschlusszeit an, der elektronische schafft 1/16 000 s und ermöglicht auf Wunsch auch lautloses Auslösen mit der „Funktion Leiser Aufnehmen“. Mit dem mechanischen Verschluss schießt die R7 Serien mit bis zu 15 Bildern pro Sekunde. Schneller arbeitet der elektronische Verschluss, sein Limit liegt bei 30 B/s mit AF-Nachführung. Zudem bietet die R7 eine RAW-Burst-Funktion:

Dann fotografiert sie mit dem elektronischen Verschluss 30 RAWs in Folge und speichert sie in einer einzigen Datei. Mithilfe der Canon-Software kann man die einzelnen Belichtungen nachträglich wieder extrahieren. Zusätzlich lässt sich die Voraufnahmen-Funktion aktivieren. Sie legt bei halb gedrücktem Auslöser permanent Bilder im Pufferspeicher ab. Sobald der Auslöser ganz durchgedrückt wird, speichert die Kamera auch die Bilder aus den letzten 0,5 Sekunden vor dem Durchdrücken als RAW-Serie in einer Datei ab.

Als kleines Entgegenkommen finden Einsteiger an der R7 neben AV, Tv, M, P und Custom-Belichtungsprogrammen auch die „grüne“ (Voll-)Automatik und Szenenerkennung. Letztere umfassen Presets wie Porträt, Gruppenfoto, Mitziehen oder Panorama. Bei der Panoramafunktion handelt es sich um das gute alte Schwenkpanorama mit den Richtungen waagerecht und senkrecht, das man noch aus Kompaktkameras kennt. Die R7 nimmt nicht nur die Serie auf, sondern berechnet auch gleich das Panoramabild. Dank Bildstabilisierung klappt das sogar aus der Hand erstaunlich gut. Die maximale Größe für Panoramabilder gibt Canon mit 123,6 Millionen Bildpunkten an. Zu den R7-Spezialitäten zählen ferner Fokus-Bracketing und -Stacking sowie Mehrfachbelichtungen.

Sucher und Monitor

Sowohl die R7 als auch die R10 werden mit einem OLED-Sucher ausgeliefert, der eine Auflösung von 786 432 RGB-Bildpunkten hat. Zum Vergleich: Der Sucher der R6 arbeitet mit 1 230 000 RGB-Bildpunkten, R3 und R5 erreichen mit je 1 920 000-RGB-Pixeln ohnehin eine andere Dimension. Der R7-Sucher vergrößert effektiv 0,7-fach (KB). Ganz so fein wie ihre KB-Geschwister kann die R7 die Motive im Sucher also zwar nicht darstellen, doch in den meisten Fotosituationen genügt die verfügbare Auflösung vollauf. Von Haus aus ist die Darstellung im OLED-Sucher etwas kontrastreicher, und die Farben sind lebendiger – doch das alles kommt ohne Übertreibungen aus.

Falls Ihnen die Darstellung nicht zusagt, können Sie die Simulation eines optischen Suchers aktivieren. Dann zeigt die Kamera ein Bild mit natürlicherer Anmutung und höherer Dynamik an.

Der Nachteil: Die Darstellung der Auswirkungen von Veränderungen der Belichtungskorrektur- und Weißabgleicheinstellungen wird dabei vernachlässigt. Einen kleinen Vorteil bietet der OVF-Modus in strahlendem Sonnenschein, weil das Bild heller ist und die Belichtung ausgeglichener. Auf flüssige Darstellung umgestellt (von 60 auf 120 B/s) zieht der Sucher beim Schwenken weniger Schlieren – allerdings steigt der Stromverbrauch. Der R7-Monitor hat eine Auflösung von 540 000 RGB-Pixeln, was im Alltag generell ausreicht, selbst bei der Verwendung der Lupenfunktion zum manuellen Scharfstellen. Beim Transport der Kamera kann man den Monitor zuklappen, um die Glasoberfläche zu schonen. Die Touchfunktionalität des Monitors deckt neben AF-Funktionen nahezu die komplette Bedienung der Kamera ab.

Video in 4K Die Videofunktionalität der R7 ist nicht ganz so umfangreich wie die der EOS-Modelle R5 und R3. Unter anderem fehlen die Video-RAW-Optionen. Die maximale Videoauflösung der R7 ist 4K (3840 x 2160 Pixel) mit 60 B/s – sofern die Kamera auf das NTSC-Format eingestellt ist. Da jedoch in Deutschland das PAL-System vorherrschend ist, reduziert sich die maximal verfügbare Bildfrequenz auf 50 B/s. Mit Full-HD (1920 x 1080 Pixel) kann die Kamera auch mit doppelter Frequenz filmen. Zudem gibt es eine Crop-Option auf circa 55 Prozent der Sensorfläche für den 4K-Modus.

Doch wesentlich spannender ist die 4K-Fein-Einstellung. In diesem Modus nimmt die Kamera die Videos ohne Crop und im Oversampling-Verfahren auf: Der R7-Sensor liefert dazu 7K-Auflösung. Zwar sinkt die Bildfrequenz dabei auf 25 B/s, die Detailzeichnung verbessert sich jedoch deutlich. Um die Qualität der Filme zu maximieren, empfehlen wir zusätzlich, als Komprimierung IPB statt IPB-Light zu wählen und den Bildstil von „Standard“ (im Auslieferungszustand) auf „Feinzeichnung“ umzustellen – das ist auch fürs Fotografieren ratsam. Die R7 kann während der Filmaufnahmen mechanische und elektronische Bildstabilisation kombinieren.

Die Aufnahmeeinstellung fürs Filmen können getrennt von den Foto-Einstellungen verwaltet werden. Die Kamera passt die dargestellten Funktionen und Parameter automatisch an die Position des Hauptschalters an, der auf „Foto“ oder „Video“ stehen kann. Vor allem die flexiblen Optionen für AF-Modi, die somit quasi doppelt vorhanden sind, ermöglichen eine optimale Anpassung an die Szenen und Motive.

Reaktionsschnell

Das AF-System reagiert schnell und überzeugt durch präzise Verfolgung von Motiven. Das gilt sowohl für Einzelbilder als auch für Serien. Mit 15 bis 30 B/s Serientempo ist die Kamera auch für dynamische Motive gut gerüstet. Nicht jede Aufnahme ist dann auch tatsächlich scharf, aber die Fehlerquote ist niedrig.

Gehäuse im typischen R-Look

Optisch reiht sich die R7 nahtlos in die R-Familie ein. Wie bei jedem neuen Modell gibt es hier und da Änderungen, doch die Grundformen sind unverkennbar R-lastig. Der kleinere APS-C-Sensor spart nicht automatisch Gewicht. Das trifft zum Teil auf die R10 zu, die mit etwa 430 Gramm die leichteste EOS im Portfolio ist. Die besser ausgestattete R7 bringt etwas mehr als 600 Gramm auf die Waage. Zum Vergleich: Die RP wiegt etwa 500 Gramm, die R 580 Gramm, die R6 680 Gramm.

Allerding hat von den APS-C-Kameras nur die R7 einen Witterungsschutz – das geringe Mehrgewicht bietet also auch ein nützliches Extra.

Der sanft nach oben gezogene Handgriff lässt den Fingern ausreichend Platz – die Kamera liegt auch mit schwereren Objektiven noch sicher in der Hand. Der Body aus Magnesiumlegierung und Kunststoff ist sehr gut verarbeitet. Der Griff ist so nach vorne gezogen, dass auch längere Finger genügend Platz zum Umgreifen haben.

Bedienung mit Tasten und Touch

Wie bei allen R-Kameras verbindet das Bedienungskonzept der R7 die Steuerung mit Rädern und Tasten und mit Touch-Befehlen. Die mechanischen Bedienelemente konzentrieren sich auf der rechten Kameraseite, wo sie mit Daumen und Zeigerfinger gut erreichbar sind. Das Layout ähnelt stark dem der R6, enthält aber ein paar Neuheiten. Insgesamt wirkt alles übersichtlich und aufgeräumt.

Neu an beiden APS-C-Kameras ist der mechanische AF/MF-Schalter auf der Front neben dem Bajonett mit einer in der Mitte integrierten Taste für die Schärfenkontrolle. An sich ist der Schalter eine Möglichkeit, bequem und flott zwischen MF- und AF-Modi umzuschalten. Doch man kommt nicht so einfach an ihn heran. Mit etwas Übung gelingt es am besten mit dem kleinen Finger – jedoch nicht ohne Umgreifen.

Zudem ist die AF/MF-Funktionalität zur Zeit ausschließlich mit den neuen APS-C-Zooms verfügbar, nicht aber mit den RF-Rechnungen für den KB-Bildkreis. Umprogrammieren lässt sich nur die Taste in der Mitte, nicht der Schalter selbst.

Auf der Kameraoberseite bietet die R7 einen Direktzugriff auf die ISO-Einstellung – das ist neu im R-System, denn bisher hat man auf die ISO-Werte über die M-Fn-Funktionstaste zugegriffen. Eine kleine Änderungen mit großem praktischer Nutzwert. Die M-Fn-Taste ist weiterhin in unmittelbarer Nähe des Auslösers platziert. Über sie erreicht der Fotograf den „Dual-Dialog“ und kann dann mit zwei Wahlrädern die fünf Funktionen ISO-Wert, Aufnahmeart, AF-Servo/AF-S, Weißabgleich und Blitzbelichtungskorrektur einstellen (Standard) – oder die Taste neu belegen. Der Dual-Dialog lässt sich editieren. Außerdem sitzen auf der Oberseite das für Canons R-Kameras typische vertikale Einstellrad und ein Belichtungsmodusrad, eine Lock- sowie eine Video-Start/Stop-Taste.

Auf der Rückseite hat Canon den Joystick mit einem Drehrad kombiniert und zur neuen Schaltzentrale ausgebaut. Zugegeben, es hat etwas gedauert, bis der Daumen die neuen Bewegungsmuster gelernt hat – aber jetzt wollen wir diese Lösung nicht mehr missen. Während der Joystick als Solist die AF-Feldwahl prima im Griff hat, deckt das Duo die Navigation im Haupt- und Quick-Menü sowie die Anpassung der Einstellungen fast vollständig ab. Die ebenfalls vorhandene Wippe bleibt fast arbeitslos; sie ist allerdings meist dann bequemer, wenn man auf das Display guckt und die Parameter nachjustieren will.

In der Praxis konnte die Touchbedienung erneut voll überzeugen. Sie kann fast alles, reagiert präzise und schnell auf die Eingaben. Sinnvollerweise deaktiviert die Kamera die Touch-Navigation selbstständig, wenn der Fotograf durch den Sucher sieht. Dann sind nur die Touch-AF-Funktionen aktiv. Um die AF-Felder nicht mit der Nase zu verändern, kann der Touch-sensible Bereich eingeschränkt werden.

Eine weitere Stärke des Bedienkonzepts ist die Anpassbarkeit an die Bedürfnisse des Fotografen. Viele der vor- handenen Bedienelemente lassen sich umprogrammieren, unter anderem die Steuerringe der RF-Objektive. Die Drehrichtung der Räder kann umgekehrt werden – das gilt auch für Objektivringe –, und die Ansichten im Sucher und auf dem Display sowie das Q-Menü lassen sich individuell anpassen.

Ober- und Untergrenzen für ISO-Werte und Belichtungszeit? Kein Problem.

Falls man immer nur zwischen zwei Info-Darstellungen hin und her schaltet, kann man die Auswahl sogar direkt auf diese beiden Favoriten beschränken. Ähnliches ist für die AF-Feld-Voreinstellungen möglich.

Konnektivität

Neben USB-Typ-C- und HDMI-Anschluss bringt die R7 mit WLAN und Bluetooth auch eine drahtlose Datenübertragung und den Fernzugriff per Smartphone mit. Über den USB-Anschluss kann die Kamera auch geladen werden. Einen Blitz hat die R7 nicht, sehr wohl aber die E-TTL-Steuerung externer Blitze, was für diese Kamera und die angepeilte Käufergruppe sinnvoller ist. Die R7 hat einen neuen längeren Zubehörschuh mit der Option, externe Geräte mit Strom zu versorgen.

Die Akkulaufzeit ist sehr lang. Fürs Speichern der Bilder stehen in der R7 zwei UHS-II-Kartenslots bereit.

Bildqualität

Unsere Tests beziehen sich auf die Einstellung „Feindetails“. Bei gutem Licht spielt die R7 die Stärken der höheren Auflösung gekonnt aus. Interessanterweise betont sie die Kanten bei ISO 100 etwas stärker als bei höheren Empfindlichkeiten; der Punkteabstand zu ISO 400 ist zum Teil damit zu erklären.

Insgesamt fallen die Signaloptimierungen in der „Feindetails“-Einstellung behutsam aus. Die Bilder wirken natürlich und selbst bei höheren ISO-Empfindlichkeiten nicht kaputtgerechnet.

Auf monochromen Siemenssternen messen wir bei ISO 100 für hohe und niedrige Kontraste 2381 und 2119 LP/BH.

Auch die Messwerte auf den farbigen Dead-Leaves-Feldern sind hoch: 1416 bei hohen und 1360 LP/BH bei niedrigen Kontrasten. Mit diesem Ergebnis übertrumpft die R7 sogar die R6.

Während die Auflösung auf den Siemenssternen bis ISO 800 hoch bleibt und teilweise sogar durch die Optimierungen noch zunimmt, werden die Dead-Leaves-Strukturen mit steigender ISO-Empfindlichkeit immer detailärmer abgebildet. Bis ISO 800 bleiben die Verluste dennoch insgesamt im Rahmen und visuell verkraftbar. Erst bei ISO 1600 erfolgt ein starker Knick. Feine Strukturen verlieren dann merklich an Zeichnung. Noch bleiben die Aufnahmen allerdings nutzbar – ein paar Abstriche muss man akzeptieren. Bei ISO 3200 lässt die R7 noch einmal kräftiger nach, die Messungen bescheinigen der Kamera erneut einen deutlichen Verlust bei den Dead-Leaves-Werten: 687 und 517 LP/BH. Die Auflösung der Siemenssterne ist hingegen mit 2126 und 1562 LP/BH weiterhin stabil. Visuell können die Fotos nicht mehr überzeugen. Die Problemzonen sind die Strukturen mit geringem Kontrast, hier geht die Zeichnung zurück.

Das Rauschen fällt ab ISO 3200 stärker auf, wird aber von der Signalverarbeitung auf vertretbarem Niveau gehalten – allerdings auf Kosten der Details. Positiv: Die Artefakte sind nicht zahlreich und nicht hässlich. Die Signalverarbeitung macht kaum etwas kaputt.

Fazit

Eine Revolution ist die Canon R7 nicht, denn technisch ist vieles schon von den KB-Modellen der R-Reihe bekannt.

Aber diese Kamera ist ein sehr seriöses Argument für das kleinere Format und eine gelungene Antwort auf die spiegellose APS-C-Konkurrenz von Nikon und Sony. Statt auf Kompaktheit setzt Canon auf Größe und erreicht damit eine Systemkohärenz, die SLR-Umsteiger und Besitzer von mehreren Bodys schätzen werden. So liegt die Kamera gut in der Hand, und die Kamerabedienung ist sofort vertraut. Etwas gespart hat Canon am Sucher und an den Videofunktionen. Die AF-Fähigkeiten sind dagegen auf hohem Niveau. Die Bildqualität überzeugt ebenfalls bis ISO 1600. Erst ab ISO 3200 leistet die R7 sich Schwächen. Kauftipp APS-C.

Wadim Herdt

Panorama leicht gemacht

Schwenkpanoramen boten bisher nur einige Kompaktkameras. Die Canon R7 kann das auch: Man schwenkt sie ruhig horizontal oder vertikal, während sie Fotos in Serie schießt. Diese werden zu einem Panorama zusammengerechnet. Das ist einfach und klappt erstaunlich gut. Unser Bild haben wir aus der Hand geschossen und konnten keine Stitchingfehler -finden. Man sollte bei weniger gutem Licht aber ein Stativ oder eine andere Stütze verwenden.

Drahtlos steuern und teilen

Für den drahtlosen Zugriff auf die Kamera muss die App Canon Camera Connect installiert werden. Die Verbindung beider Geräte klappt dank Schritt-für-Schritt-Anleitung recht schnell und einfach.

Die Fernsteuerung per App bietet Foto- und Video-Modi. Man kann im Remotezugriff die wichtigsten Einstellungen wie Blende, Belichtungskorrektur, ISO-Empfindlichkeit, AF-Feld oder AF-Punkt steuern. Unklar bleibt, warum der AF-Button zuerst extra über die Einstellungen aktiviert werden muss. Zudem geht viel Platz durch dicke „Balken“ über und unter dem Live-Bild verloren – vor allem, wenn man das Smartphone quer hält. Auf Anpassungen und Veränderungen der Szenerie reagiert die App mit Verzögerung. Über die Galerie-Funktion kann die App auf die Speicherkarte zugreifen, wo sich die Fotos bewerten und rudimentär bearbeiten lassen. Der Export auf Smartphones ist in reduzierter Größe oder in originaler Auflösung möglich, aber nur für JPEGs. RAW und HEIF müssen über die Kamera konvertiert werden.