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Kampftrinker der Eisenzeit


Spiegel Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 29.01.2019

Bei denGastmahlen der Kelten floss griechischer Wein in Strömen. Doch bei den Gelagen ging es um mehr als nur einen ordentlichen Rausch.


Artikelbild für den Artikel "Kampftrinker der Eisenzeit" aus der Ausgabe 1/2019 von Spiegel Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Spiegel Geschichte, Ausgabe 1/2019

Zum Feiern
»Wenn sie zu mehreren speisen, sitzen sie im Kreis«, berichtete der griechische Autor Poseidonios über die Kelten. Dabei wurde getrunken. Im Grab eines ver-mutlich reichen Kelten in Hochdorf an der Enz fand man überdimensionierte Trinkhörner, die wohl symbolische Bedeutung hatten. Auch bei echten Gelagen nutzte man Trinkhörner – sie waren praktisch, weil beim Tanzen nichts herausschwappte.


Immer, wenn Asterix und Obelix ein Abenteuer überstanden haben, ...

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... feiert ihr kleines gallisches Dorf ein Fest. Im Schein eines großen Feuers, über dem Wildschweine gegrillt werden, sitzen die Feiernden an einer runden Tafel. Sie heben Trinkhörner und Becher, die mit Wein aus Amphoren gefüllt sind. Damit stoßen sie – beim Teutates! – auf den guten Ausgang ihres jüngsten Wagestücks an.

Doch der Alkohol floss bei den Kelten – anders als in den Asterix-Comics – nicht nur zum Vergnügen. Das Festmahl war für die trinkfesten Kämpfer, Händler und Bauern der Eisenzeit vor allem eine Demonstration von gesellschaftlichem Status. »Gemeinsam trinken ist eine Form des Umverteilens «, sagt Dirk Krauße, Landesarchäologe von Baden-Württemberg. »Wer Feste gibt, unterstreicht seinen sozialen Rang.« Gastfreundschaft und Großzügigkeit könnten politische Macht-instrumente der Kelten gewesen sein.

Dass die Kelten sich gern dem hochprozentigen Rausch hingaben, war schon in der Antike ein Klischee, das griechische und römische Autoren in ihren Schriften gern verbreiteten – vor allem, um die Nachbarn im Norden aufgrund ihres Trink-gebarens als Barbaren hinzustellen. Der griechische Gelehrte Poseidonios etwa beschäftigte sich ausführlich mit den keltischen Tischsitten. Er reiste im 1. Jahrhundert v. Chr. in die griechische Kolonie Massalia, das heutige Marseille, und in den Süden Galliens.

Dort schrieb Poseidonios auf, was er über den Alltag der Kelten in Erfahrung bringen konnte. »Den Weingenuss lieben sie über alle Maßen und gießen den von Kaufleuten eingeführten Wein unvermischt in sich hinein. Aus Gier sprechen sie dem Trank dabei so übermäßig zu, dass sie berauscht einschlafen oder in Raserei verfallen«, so wird Poseidonios in der »Griechischen Welt-geschichte« seines Zeitgenossen Diodor zitiert. Die Griechen genossen ihren Wein lieber mit Wasser verdünnt, da er mitunter stark und dickflüssig war. Keltische Trinkgewohnheiten hielten sie für Kampftrinkerei.

An anderer Stelle beschreibt Poseidonios als weiteres Element des Gastmahls ein Feuer, »auf dem Kessel mit Fleisch stehen und über dem Spieße mit Fleisch hängen«, und den »Appetit eines Löwen«, den die Kelten an den Tag legen: »Sie packen die Gliedmaßen mit beiden Händen fest und knabbern diese bis auf die Knochen ab.«

Auch Bier erwähnt Poseidonios: »Die unteren Klassen trinken Weizenbier, zubereitet mit Honig, aber die meisten Leute trinken es pur. Sie nennen es Korma.« Das Reinheitsgebot war damals noch fern. Im keltischen Bier schwammen Getreidespelzen und Trübstoffe. Doch die Kelten kannten eine einfache Methode, Bier ohne Rückstand und Reue zu genießen. Poseidonios staunte und schrieb: »Die Vornehmen rasierten zwar ihre Wangen, ließen aber einen Schnurrbart stehen, bis dieser den Mund bedeckte. Infolgedessen blieb, wenn diese Männer aßen, ein Teil des Essens im Schnurrbart hängen, und wenn sie tranken, wurde das Getränk wie durch ein Sieb gefiltert.«

Der griechische Geschichtsschreiber Strabon und der römische Staatsmann Gaius Julius Cäsar verschlangen die völkerkundlichen Berichte des Poseidonios und servierten appetitliche Häppchen davon in ihren eigenen Werken. Dirk Krauße serviert die Essenz: »Man saß auf niedrigen Bänken und auf Fellen. Es gab Zweikämpfe um Fleischstücke und Schädelbecher mit Metalleinfassungen.« Für den Archäologen steht fest: »Asterix hat das treffend übernommen.«

Dennoch sind diese Schilderungen der keltischen Ess- und Trinkgewohnheiten mit Vorsicht zu genießen. »Das ist alles erst spätkeltisch«, sagt Krauße. Auch können Übertragungsfehler und Vorurteile in die Texte der antiken Autoren eingeflossen sein. Für die Griechen und Römer waren die Kelten lediglich Barbaren und galten als brutale Trunkenbolde. Überprüfbar ist das Klischee ohnehin nicht: Die Kelten selbst hinterließen keine schriftlichen Zeugnisse. »Wenn das Ethnografische durchs Griechische oder Römische geht, ist das sehr gefiltert«, gibt auch Hans-Peter Stika zu bedenken. Der Archäobotaniker erforscht an der Universität Hohenheim in Stuttgart die Nahrungsmittel der Frühgeschichte.

Zum Anreichen
Auch der Weinkessel mit den aufmerksam wachenden Löwen, den Archäologen in dem keltischen Grab in Hochdorf fanden (oben), ist riesig: Er fasste 500 Liter. Darin angesetzt war Met, auch Honigwein genannt; das Getränk entstand durch die Gärung von mit Honig versetztem Wasser.
Mit Schalen wie der goldenen, die man ebenfalls in Hochdorf fand, wurde der Wein aus dem großen Kessel in die Trinkhörner geschöpft.


Genauere Einblicke in die Trinkhörner von damals gewähren ihm und anderen Forschern die Funde des Fürstengrabs von Hochdorf. Die Grabstätte eines reichen Kelten aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. fanden Archäologen Ende der Siebzigerjahre nordöstlich von Stuttgart. Zu den Glanz-stücken der Grabausstattung zählen neun mit Gold verzierte Trinkhörner, eine Goldschale zum Schöpfen und ein Bronzekessel mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern. Neben dem Trinkgeschirr hatte man dem Verstorbenen neun große Bronzeteller, drei Bronzebecken und ein mächtiges Fleischmesser als Speisegeschirr mit auf die Reise ins Totenreich gegeben – die Ausstattung für ein umfangreiches Gelage.

Die Untersuchung organischer Reste ergab: Der Kessel könnte vor 2500 Jahren mit dem Honigwein Met gefüllt gewesen sein. »Es gibt allerdings nur Pollenreste, die auf die Aktivitäten von Bienen hinweisen«, räumt Hans-Peter Stika ein. Er und seine Kollegen untersuchen das Hoch-dorfer Gefäß derzeit mit neuen Methoden. Der Archäobotaniker hält es für wahrscheinlich, dass nur der Ansatz von Met im Kessel schwappte. »Als das Grab geschlossen wurde, war das Getränk noch nicht fertiggegoren. Das hätte ein halbes Jahr gedauert.«

Nach einem Festgelage zur Bestattung des Keltenfürsten sieht das nicht aus. »Dafür wurden keine Hinweise gefunden«, sagt Stika. »Was in der Kammer lag, war Grabbeigabe und neu mit hinein-gegeben. Alles war mit grobem Hanfgewebe abgedeckt und nicht mal mehr sichtbar.«

Auch das überdimensionierte Trinkservice erscheint eher repräsentativ als praktisch: Das größte Trinkhorn ist aus Eisen geschmiedet, mehr als einen Meter lang, es fasst 5,5 Liter. Alles spricht dafür, dass ein Gastmahl des Keltenfürsten mit einem Gefolge von acht Männern nur symbolisch dargestellt werden sollte. »Es könnte Festivitäten gegeben haben«, so Stika, »die rituell, politisch und sozioökonomisch wichtig waren, etwa zur Festigung der Gefolgschaft.« Im Hochdorfer Grab könnte diese Tradition bis in die Gegenwart sichtbar geblieben sein.

Dass der Hochdorfer Kessel mit einem Rauschgetränk gefüllt gewesen war, überraschte die Archäologen. Denn bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. war der Höhepunkt keltischer Feste das Kochen und Verteilen von Fleisch. Dann stellten die Fürsten das Festtagsmenü um. Als »Wechsel der Statussymbole « beschreiben das die Archäologen Sabine Rickhoff und Jörg Biel: »Im Mittelpunkt elitärer Gastmähler stand von nun an nicht mehr die kulthaft ritualisierte Zubereitung des Fleisches, sondern der zeremonielle Genuss von Alkoholika.« Ausgerechnet die Griechen – die später über die Trinksitten der Kelten lästerten – lehrten ihre Nachbarn die Kunst des Gelages. Als Vorbild diente das griechische Symposion. Dabei lagen die Gäste auf Speisesofas, sogenannten Klinen, schöpften Wein aus einem in der Mitte aufgestellten Kessel und amüsierten sich mit geistreichen Reden, Gedichten und Liedern. Je länger das Symposion dauerte, umso orgiastischer ging es auf den Klinen zu.

PROST!

Die Kelten bevorzugten gewürzten Alkohol. Das war nicht nur eine Frage des Geschmacks.

Wein war zu Zeiten der Kelten meist stark gesüßt oder gewürzt. Das lag daran, dass der Rebensaft von den Anbaugebieten im Süden erst weite Strecken zurücklegen musste, bevor er in keltischen Gegenden getrunken werden konnte. Wein aus Massalia, dem heutigen Marseille, musste erst über Rhône, Rhein und Neckar verschifft werden. In der keltischen Siedlung auf dem Ipf nahe Bopfingen im heutigen Baden-Württemberg trank man nachweislich Wein von der Adria, aber auch Weinreste aus Kampanien fanden Archäologen im heutigen Süddeutschland.Oft war der Wein längst sauer, wenn er beim Käufer ankam. Doch sogar in den Erzeugerländern wie Italien kippte der Wein schnell und wurde zu Essig, da man den Gärungsprozess noch nicht aufhalten konnte. Dann peppte man den teuren Tropfen wieder auf:mit Eiweiß oder Kalk, mit Gewürzen, Rosenblättern oder Honig. In diesen Aromen ging der ursprüngliche Geschmack des Weines unter.

Bier hatte viele Gesichter und Namen. Bei den Römern hieß es Cervisia nach Ceres, der Göttin der Feldfrüchte.Die Kelten nannten ihr Bier Korma, es wurde aus Gerste oder Weizen gebraut. Beide Sorten konnten süß schmecken, wennHonig oder Früchte hinzugegeben wurden. Aber die Kelten bevorzugten anscheinend eine bittere Note. Wie spanische Archäobotaniker heraus-fanden, war in vielen vor geschichtlichen BierenBeifuß enthalten, auch im einst keltischen Hochdorf an der Enz fand man dieses Kraut in Bierresten. Hans-Peter Stika erklärt: »Beifuß schmeckt sehr bitter, aber es dient der Bekömmlichkeit.« Heute kennt man es nur noch als Gewürz am Gänsebraten.

Das scheint den Kelten gefallen zu haben.

Hochdorf ist das älteste Grab, in dem ein Möbel vorhanden war, auf dem man nicht nur sitzen, sondern wie auf einer griechischen Kline liegen konnte. Auch andere antike Formen tauchten fortan bei den Kelten auf. Das Grab einer keltischen Fürstin im westfranzösischen Vix war eine Schatzkiste für die Archäologie. Die Grabkammer enthielt einen 480 Gramm schweren Halsring aus Gold, der aus dem Mittelmeerraum stammte, griechische Tonschalen, etruskische Bronzegefäße und einen riesigen Krater – ein Mischgefäß für Wasser und Wein. Der Krater von Vix ist 1,64 Meter hoch und fasst mit 1100 Litern mehr als doppelt so viel Flüssigkeit wie der von Hochdorf. An seinen Seiten waren Voluten angeschmiedet. Diese schneckenförmigen Verzierungen sind von griechischen Säulen bekannt.

Das Feiern auf mediterrane Art war in Vix und Hochdorf also en vogue. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, zeigte über Rituale der Ess- und Trinkkultur, dass er zur keltischen Elite gehörte. Mit Kesseln, Schmuck und Schalen kamen auch Trinkspiele über die Alpen. Bei den Griechen und Etruskern war der sogenannte Kottabos beliebt.

Dabei galt es, den letzten Schluck aus der Trinkschale, die Neige, gegen ein Ziel zu schleudern, etwa eine Metallscheibe, die auf einem Stab balancierte. Wer die Scheibe zu Fall brachte, gewann einen Preis. Der Archäologe Dirk Krauße glaubt, dass auch die Kelten sich mit Kottabos vergnügten. »Unter den Funden des Kleinaspergle, eines bei Ludwigsburg im 5. Jahrhundert v. Chr. angelegten reichen Grabes, gibt es zwei griechische Trinkschalen mit Beschädigungen an den Henkeln«, sagt Krauße. »Diese Abnutzungen könnten beim Kottabos-Spiel entstanden sein.«

Griechen, Römer und Etrusker schauten sich in der florierenden Import-Export-Welt der Antike umgekehrt auch bei den keltischen Nachbarn manches ab. Beliebtes Utensil bei Orgie, Bacchanal und Symposion war das keltische Trinkhorn, das die Kelten bevorzugt aus dem Horn eines Auerochsen anfertigten. »Eine praktische Erfindung«, sagt Dirk Krauße, »man konnte damit tanzen, oh-ne etwas zu verschütten. Die Hörner konnten auch mal hinfallen und zerbrachen nicht.« Etrusker und Römer liebten diese Form des Becherns so sehr, dass sie Eleganz und Ausgelassenheit vereinten und Trinkhörner aus Glas blasen ließen.

WER WAREN DIE KELTEN?

Die Kelten haben Spuren in einem riesigen Gebiet hinterlassen.Vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, von der Iberischen Halbinsel im Westen über das heutige Frankreich, Oberitalien und den Balkan bis nach Kleinasien breitete sich die keltische Kultur über 2500 Kilometer aus. Dabei pflegte jede Gruppe ihre Eigenarten, bisweilen war den Stämmen nur die Sprache gemein. In Europa war die Eisenzeit stark von den Kelten geprägt. Heute unterscheiden Historiker die Zeit derHallstattkultur (8. bis 5. Jahrhundert v. Chr.) nach einem Fundort im Salz-kammergut und die Zeit derLatènekultur (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) nach einem Fundort in der Schweiz. Die Römer, die den Kelten den Namen »Gallier«, die Tapferen, gaben, eroberten das keltische Kerngebiet in Mitteleuropa. Nach der Zeitenwende ging die keltische Kultur in der römischen Lebensweise auf.

Zum Liegen
Von den Griechen schauten die Kelten offenbar die Mode ab, beim Essen auf Sofas – »Klinen« – zu liegen. In Hochdorf fand man eine eiserne Kline mit reichen Verzierungen.


Aber wer bei den Kelten bekam etwas von dem teuren, vom Mittelmeer importierten Wein? »Es gibt nicht viele Weinamphoren in den frühkeltischen Fundstellen nördlich der Alpen«, sagt Dirk Krauße. »Deshalb glaubten wir bis vor Kurzem, dass nur die Eliten Wein getrunken hätten.« Dann entdeckten Archäologen auch Weinrückstände in keltischer Gebrauchskeramik. Offenbar schaute auch der einfache Kelte tief ins Trinkhorn. Wo aber sind all die Weinamphoren geblieben, die angeliefert worden sein mussten, um die keltische Unterschicht zu berauschen? Möglich, dass der Rebensaft auch in Lederschläuchen importiert wurde. Gut für die Händler, schlecht für die Archäologie: Die Schläuche zerbrachen unterwegs nicht. Doch das Leder ist im Laufe der Jahrhunderte restlos vergangen.

Während die Herrscher das Gastmahl vor allem als Statussignal nutzten, trank die Bevölkerung vermutlich eher zum Vergnügen – aber dennoch mit Sinn und Verstand. Denn Bier, Wein und Met sorgten nicht nur für Stimmung. »Alkohol hat vielerlei Vorteile«, meint der Archäobotaniker Patrick McGovern von der University of Pennsylvania. McGovern erforscht die ältesten Alkoholfunde der Welt. »Bier zum Beispiel tötet Bakterien ab. Überdies ist es nahrhaft. Enzyme in unserer Leber können Alkohol in Energie umwandeln.« McGovern betont auch die bewusstseinsverändernden Effekte von Bier und Wein. Gerade der Alkoholrausch könne die Spiritualität der Menschen in der Vergangenheit befördert haben, sagt der Forscher. Ohne Alkohol, da ist sich McGovern sicher, sähe unsere Zivilisation heute anders aus.

Mit Alkohol bauten die Kelten ganz neue gesellschaftliche Kontakte auf, jedenfalls laut Poseidonios: »Die Kelten laden Fremde mit zu ihren Festen ein, und nach dem Essen fragen sie, wer sie sind und welche Dinge sie benötigen.« Der wahre Zaubertrank des Asterix machte nicht übermenschlich stark, sondern über alle Maßen gesellig. Keine schlechte Eigenschaft für ein Volk, das europaweit Handel trieb.