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Kann ich Cutting? Dressurreitende Redakteurin testet Westerndisziplin Cutting


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 24.07.2019

Cutting ist eine Westernreit-Disziplin. Viel mehr wusste Redakteurin Karolin Leszinski nicht, als sie zusagte, das mal auszuprobieren. Alles, was sie dann noch hörte, war „gut festhalten“, „Atmen nicht vergessen“ und ein Lachen.


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Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 8/2019

Was soll schon passieren?“ denke ich, nehme einen kräftigen Schluck Wasser aus der Flasche und schnappe mir meinen dunkelblauen Reithelm mit Swarovski-Steinchen. In Jeans und Karo-Hemd stapfe ich über den Schotterweg, vorbei an zwei dicken Pickups. Heute werde ich ein Cowgirl sein und die Westernreit-Disziplin Cutting testen. In meinem Kopf erklingt der Soundtrack „Spiel mir das ...

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... Lied vom Tod“.

Ich betrete die Sevencorner Ranch in der Nähe von Pfeffenhofen an der Ilm. Oberbayerisches Idyll, weite Wiesen in hügeliger Landschaft. Es ist eine kleine Ranch, alles aus Holz. Quarter Horses stehen mit gesenkten Köpfen dösend in ihren Paddocks und genießen die Sonne. An einer der Außenboxen hängen die Umrisse der USA mit den Stars and Stripes. Auf dieser Ranch soll also mein Cutting-Selbstversuch stattfinden.

Meine Kuh ist schwarzweir

Cutting ist eine sogenannte Rinderdisziplin, bei der man mit dem Pferd ein Rind aus der Herde heraustreibt und daran hindert, zur Herde zurückzukehren. Dabei soll das Pferd die Arbeit selbstständig übernehmen. Es sind spektakuläre Szenen, die sich dabei abspielen, wenn die Pferde katzenartig hin- und herspringen, tief geduckt, immer das Rind im Blick, die Beine tief im Sand vergraben – ich habe mir unzählige solcher Videos vor meinem Testritt angesehen. In Amerika ist Cutting ein Zuschauermagnet und gehört nach Tennis und Golf zu den höchstdotierten Sportarten des Landes. In Deutschland steckt es vergleichsweise in den Kinderschuhen.

Ich treffe Manfred Seif, den Pächter der Ranch, Matthias Liegl und Gerhard „Gerry“ Säuberli von den Royal Bavarian Cutters, sowie ihre Frauen Ernestine samt Baby und Carmen. Sie alle werden mir heute einiges über Cutting erzählen und mich bei meinem ersten Cutting-Versuch so gut wie möglich unterstützen. Ich bin keine zwei Minuten auf der Ranch und schon habe ich einen Cowboy-Hut auf dem Kopf.

Wie gut ich reiten könne, hatte mich Matthias Liegl vorher in einer WhatsApp gefragt. Ich fand das eine schwierige Frage. Ich reite mein Leben lang. Gut? Naja, war schon mal besser, bin halt Büromensch, bisschen steif geworden. Ich reite gerne Dressur, früher auch mal Turniere. Ich komme zurecht. Aber hilft mir das heute? Ich saß noch nie im Westernsattel, ergänze ich. Das reicht ihm an Information.

Rinder werde ich heute keine zu Gesicht bekommen. Ich werde an einer Cutting-Maschine arbeiten. Das ist zum einen die sicherere Variante für jemanden wie mich, erklärt mir Matthias. Na gut, denke ich. Die Cutting-Maschine ist zum anderen ein Trainingstool der Cutter. Nicht jede Ranch hat ständig Rinder zur Verfügung, um die Pferde an ihnen zu trainieren.

Die Cuttingmaschine ist der Kompromiss, der mehrmals die Woche zum Einsatz kommt, wenn Pferde oder Reiter noch in der Ausbildung sind oder kurz vor einer Show. „Es geht in erster Linie um die Position, um die Genauigkeit der Pferde“, sagt Manfred Seif. „An der Cuttingmaschine kann ich Dinge wiederholen und üben, dass das Pferd durch meinen Sitz genau an der Fahne stoppt – das brauche ich später bei der Rinderarbeit. Da kann ich sagen: ok mein Pferd stoppt, wenn diese Kuh stoppt, kann es aber mit meinem Bein noch ein, zwei Schritte vorschieben, sodass es vor der Kuh ist und die Kuh wieder abdriftet und ich sie immer wieder abtreiben kann. Die Maschine ist dafür da, Kondition, Kraft und Genauigkeit zu trainieren.“

Wie so eine Cuttingmaschine aussieht, erfahre ich jetzt. Wir betreten die Reithalle. 22 mal 25 Meter groß ist sie, alles aus Holz, tiefer Sand, mehr braucht Manfred Seif nicht für seine Arbeit mit den Pferden. 30 mal 30 seien die Idealmaße beim Cutting, erklärt Gerry Säuberli.

An einer Bande hängt ein schwarzweißes Stoff-Fähnchen regungslos am Seil in der Mitte der Bahn. Das ist also meine Kuh: ein schwarz-weißes Fähnchen.

Aus der Langeweile geboren

Cutting ist aus den USA nach Europa herübergeschwappt. Wie alle Westerndisziplinen. Die Entstehungsgeschichte ist schnell erzählt. Die Cowboys mussten früher die Rinder aus der Herde separieren, wenn sie beispielsweise krank waren oder geimpft werden mussten. „Das war die tägliche Arbeit der Cowboys. Und abends war ihnen langweilig und dann gab’s Gespräche wie ‚hast du gesehen, wie ich das Rind raussortiert hab’ und der andere sagt ‚das kann ich besser’. So ist dieser Sport entstanden“, erzählt Manfred mit rauchiger Stimme und Zigarette in den Fingern. Er ist ein hagerer Mann, mit sonnengegärbter Haut, Jeans, Cowboyhut. Früher fuhr er Hundeschlittenrennen, sehr erfolgreich in Deutschland und in Alaska. Bis zu 60 Hunde hatte der gebürtige Rheinländer. Aber als die Winter schlechter wurden, schmiss er hin. „Wenn man aber nun gewöhnt ist, 365 Tage im Jahr für Tiere zuständig zu sein, wird einem langweilig. Dann hat meine Frau gesagt: ‚Jetzt mach irgendwas, von mir aus kauf‘ dir ein Pferd!‘ Das hab ich dann gemacht.“ Obwohl er zuvor noch nie auf dem Pferd gesessen hatte. Das war 2002. Wie er in den Papieren las, handelte es sich bei seinem ersten Pferd um ein Cuttingpferd. Kurze Zeit später fand in der Nähe ein Cutting-Turnier statt. „Das hab ich mir angeguckt und dachte: Das ist was für dich. Ich habe mir direkt noch ein Pferd gekauft.“ Während er seinen Dachdeckerbetrieb am Laufen hielt, arbeitete er sich in die Cutting-Kunst ein und baute kurzerhand einen Stall nach seinen eigenen Ansprüchen: Die Sevencorner Ranch. Sie ist über die Jahre gewachsen. Heute bildet er selbst Cutting-Pferde aus, reitet Shows und das mit Erfolg.

Carmen hilft mir die langen Chaps anzuziehen.


Früher fuhr Manfred Schlittenhunderennen, dann schmiss er hin und begann mit Cutting.


Meine ersten Runden im Sattel von Chec. Ein ständiges Bedürfnis, ihn zu loben.


Gerry zeigt mir, wie ich das Horn zum Bremsen einsetze. Nach vorne drücken und den Hintern in den Sattel pressen. Ohne Hand in der Hosentasche.


So geht das. Manfred Seif zeigt mir vor meinem Cutting-Selbstversuch, was auf mich zukommt.


Mädchen sind anders

Neben dem Cutting gibt es noch weitere Rinderdisziplinen, zum Beispiel das Rodeo, bei dem die Kuh freigelassen wird und der Cowboy sie mit dem Lasso einfängt, oder das Teamund Cattle-Penning, bei dem auf Zeit bestimmte Rinder aus einer Herde heraus- und in einen Panel in der Bahn gelotst werden. Cutting aber ist die Königsdisziplin. „Das Faszinierende ist der Moment, in dem man die Hauptaufgabe dem Pferd überlässt“, sagt Gerry. „Man steuert zwar mit den Beinen gewisse Linien und das Tempo, aber diese Geschwindigkeit der Turns, die Reaktion des Rindes und das in Verbindung mit der selbstständigen Arbeit des Pferdes, das ist unheimlich faszinierend. Auch schon das Heraustreiben des Rindes aus der Herde ist spannend, weil viel schiefgehen kann. Es ist eine der schwierigsten Sportarten, weil so viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen.“

Gerry erzählt, wie unterschiedlich Rinder ticken können: Kühe laufen in der Regel besser, Bullen sind eher faul, verlieren schneller den Respekt vor dem Pferd, Bisons sind zu mächtig für die Rinderarbeit, Cebus zu vorhersagbar, am besten sind „frische“ Rinder von der Weide, die noch keinen Menschenkontakt hatten. An ihnen könne das Cutting-Pferd am besten seinen Cowsense zeigen. „Der Cowsense ist einfach erklärt ein Spieltrieb“, sagt Manfred. „Dieses sich selbstständig bewegen wollen, einen Ball schubsen, mit dem Rind spielen wollen, das steckt in ihnen. Die meisten Cuttingpferde sind unheimlich schlau.“ Ein Pferd mit Cowsense ist der wichtigste Mitarbeiter eines Cowboys. Im Turniersport ist die Formel: Ohne Cowsense kein Cutting. Der Cowsense wird weitergezüchtet und in der Ausbildung weiter gefördert. Der Großteil der Cuttingpferde in Europa stammt aus Amerika. So wie Chectacular, mein Pferd für heute.

Der kleine Quarter steht auf der Stallgasse und Manfred schmeißt ihm den Westernsattel auf den Rücken. Ich habe von Manfred zwei Paar Chaps in die Hand gedrückt bekommen, „die müssten Ihnen passen“. Das erste Paar scheidet aus, das zweite passt. Gerry schaut mir zu, wie ich versuche, die langen Lederlappen unter Kontrolle zu bekommen, seine Frau Carmen hat Erbarmen und hilft mir. Die Chaps gehen bis zum Boden – ich gehe unweigerlich wie eine Kopie von John Wayne.

In der Reithalle bereitet Manfred Seif seinen Wallach vor. Das Aufwärmprogramm: Schritt, Trab, Galopp, Übergänge, linke Hand, rechte Hand, ein lockeres Dressurprogramm. Brav spult „Chec“ es ab.

Chectacular ist zehn Jahre alt. Er ist in den USA geboren, dort von einem bekannten Trainer ausgebildet worden. Mit zwei geht es los für die Pferde dort. „Man röntgt die Wachstumsfugen und wenn sie geschlossen sind, kann man anfangen zu arbeiten“, sagt Manfred Seif. „Die Arbeit eines jungen Pferdes sieht so aus: Es wird ein Rind in die Arena gestellt. Der Reiter geht mit diesem zweijährigen Pferd zu diesem Rind und wartet darauf, dass sich dieses Rind bewegt. Wenn sich das Rind bewegt, bewegt sich das Pferd spiegelbildlich. Dann wartet man, bis das Rind sich wieder bewegt. Das sind die ersten Schritte. So geht es über Wochen und Monate weiter. Dann das gleiche Spiel im Trab über Wochen, dann wird das erste Mal am Rind galoppiert.“ So sah auch Checs Grundschule aus. Zwei Shows ging er noch in den USA, dann kaufte ihn ein Profi aus Italien, der ihn an Manfred weitergab.

Ein Frauenpierd

Ist Chec ein gutes Cuttingpferd, möchte ich wissen. Gerry lacht. „Sagen wir mal so, Manfreds Laufbahn ist besser als die vom Chectacular. Er ist ein solides Pferd, auf das bisschen sensibel. Aber er ist ein Pferd, wo man auch dich draufsetzen kann.“ Achso. „Der Chec ist eigentlich ein Frauenpferd. Der muss mal schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben. Wir haben lange gebraucht, aber ich mag ihn einfach, er lässt sich bequem reiten, ist immer bei der Sache. Den braucht man nicht zu treiben, der läuft von alleine“, beschreibt Manfred Seif den Quarter.

Manfred zeigt mir mit Chec die Manöver an der Cuttingmaschine. Imposant, wie sich Chec in den Sand wühlt, die muskulöse Hinterhand tief unterschiebt. Chec hat den Schweif eingeflochten. „Im Training macht man das, damit sie sich nicht in den Schweif treten“, erklärt mir Gerry, „auf dem Turnier muss der Schweif aber offen bleiben.“

Es wird ernst

Manfred ist fertig, im ruhigen Schritt kommt er auf mich zu. Es wird ernst. Ich steige auf. „Achtung, Suchtfaktor!“, ruft mir Carmen von der Bande aus noch lachend zu als ich mit Chec im Schritt losreite. Ich muss ihn erst mal kennenlernen, die Hilfengebung verstehen. Ich drehe im Schritt meine ersten Runden. Das scharfe Gebiss, das Chec im Maul hat, flößt mir größten Respekt ein. Wie ein rohes Ei halte ich die Lederzügel in den Händen. Immer wieder kraule ich Chec am Widerrist, lobe ihn – ich glaube, so viel wurde er noch nie getätschelt. Ich habe das dringende Bedürfnis, mich vorab zu bedanken für das, was er gleich ertragen und an Fehlern verzeihen muss. Chec wirkt ein wenig gelangweilt, ich beende meine Lobhudelei.

Gerry erklärt mir, wie Lenkung, Gas und Bremse funktionieren: Zum Halten soll ich mit einer Hand das Horn festhalten, es nach vorne drücken und mich dabei tief in den Sattel hineindrücken. Krummer Rücken? Egal, meine Sitzbeinhöcker soll ich spüren. Ansonsten gilt, möglichst wenig mit dem Bein zu arbeiten, ich soll mal einen Impuls geben, aber dann das Bein wieder locken hängen lassen. Chec reagiert auf feinste Hilfen. Zum Lenken dirigiere ich ihn mit dem Bein, zur Verstärkung kann ich auch die Hände nach links und rechts schieben, durch den Zügel, der am Hals anliegt, reagiert Chec prompt. Der Westernsattel ist hart und das Horn erinnert mich daran, dass ich dringend an meiner Handhaltung arbeiten muss. Ich reite ein paar Übergänge in den Trab und Galopp, dann ist es soweit. Meine Kuh, das Fähnchen, wartet schon.

Hin und her saust die Cuttingmaschine, Chec ist im Automodus, seine Reiterin im Rausch.


Ich halte meine erste Cutting-Trophäe in der Hand. Ja, nur ein Symbol, stolz bin ich dennoch (o.). Entspannte Runde auf der Sevencorner Ranch.


Manfred ist am Drücker, er wird sie per Knopfdruck gleich hin und herschnellen lassen. Ich soll gerade auf die Cuttingmaschine zureiten, sodass etwa ein Meter Abstand zwischen Fähnchen und Pferd ist. Chec spitzt wachsam die Ohren, der Kopf ist tief. Er weiß genau, was kommt. „Gut festhalten!“ und „Atmen nicht vergessen!“ hör ich Carmen und Gerry von der Bande aus rufen. Sie lachen. Dann drückt Manfred das erste Mal auf den Knopf.

Viel zu schnell

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Waren es zwei Minuten? Drei? Ich denke an meine letzte Fahrt mit der Wilden Maus auf dem Oktoberfest, gemeinsam mit meinem Sohn. Die ständigen Richtungswechsel mit Chec hatten Ähnlichkeit. Am Anfang ließ es Manfred noch sachte angehen, sodass Chec auf Höhe des Fähnchens trabte und stoppte. Dann wurde es immer schneller, kürzer. Galopp, stopp, zurück, stopp, ein Galoppsprung, stopp, zwei, stopp. Hin. Her. Stopp. Checs Kraft und Energie zu spüren, berauschend.

Nun schreitet Chec gemütlich und schnaufend durch die Bahn. Cutting ist ein Kraftakt. Mein Gesicht scheint Bände zu sprechen. „Und? Macht‘s süchtig?“ fragt Carmen. Eindeutig: Ja! „Na, dann reitest du das nächste Mal ein Turnier“, meint Matthias und lacht. Ich bin zu glücklich, um Einspruch einlegen zu können.

Eine Cutting-Prüfung auf dem Turnier dauert exakt zweieinhalb Minuten. „Cutting ist kein Einzelsport, es ist ein Teamsport, das wissen viele nicht“, erklärt Gerry Säuberli. „Viele sind der Meinung, wenn ich da reinreite, bin ich der Hauptact mit meinem Pferd. Aber einen großen Anteil haben die Helfer außen rum. Hinten sind die Herdholder, die mithelfen, dass die Rinderherde nicht nach vorne schießt. Wir haben vorne die Turnbacks, die unterstützen, wenn ein Rind mal zu schnell ist oder der Cutter in eine missliche Lage gerät.“

Wie lange dauert es, ein guter Cutter zu werden? „Ich mach das seit drei, vier Jahren und ich fühle mich manchmal immer noch wie ein blutiger Anfänger“, lacht Gerry. „Ich glaube, man ist im Cuttingsport nie wirklich fertig, weil man immer was dazulernen kann. Es gibt immer wieder neue Situation, neue Erfahrungen. Durch die Rinder, den Boden, die Helfer.“ Gerry war Freizeitreiter, begeisterter Wanderreiter, als er das erste Mal mit dem Cutting in Berührung kam. Er hatte einen Quarter und nahm in seiner Nachbarschaft an einem sogenannten Schubskurs – das sind Schnupperkurse im Cutting – teil. „Mein Quarter wollte von Rindern nichts wissen. Aber als auf der Anlage die ersten RBC-Turniere stattfanden, hab gesagt, ich bin da“, erzählt er von seinen Anfängen in der Cutting-Szene. Er stellte sich als Helfer zur Verfügung, aber keiner wollte ihn, „weil sie dachten, ‚der hat ja keine Ahnung‘ und ich hatte auch keine Ahnung“, erzählt Gerry lachend. Im zweiten Jahr kam er aus der Arena nicht mehr raus. „Im dritten Jahr hab ich mir mein Cuttingpferd gekauft.“

Chec hat für heute seine Arbeit getan und wir setzen uns zusammen in die Sonne. Manfreds Paella wird nun Thema, sie scheint legendär zu sein. Manfred winkt ab, „da müsst ihr mir schon etwas mehr Zeit geben“. So rasant der Cuttingsport ist, so gemütlich geht es drumherum zu.

Unsere Fotografin Ludwiga von Korff und ich machen uns auf zu unseren Autos. Vorbei an den Pickups verlassen wir die Sevencorner Ranch. „Wann immer Sie ein Turnier reiten möchten, Sie können jederzeit meinen Chec haben“, sagt Manfred Seif zum Abschied. Ich bin gerührt. Und kann es kaum erwarten …

Lust auf Cutting?

Der RBC hat ein Programm entwickelt, um den Cutting-Sport in Deutschland noch populärer zu machen. „Unsere Mitglieder, die Trainer, aber auch Amateure, bieten an ihren Standorten Rinderkurse an“, erklärt Gerry Säuberli. Diese Schnupperkurse gibt es schon lange und nicht nur beim RBC. „Diese ‚Schubs-Kurse’, wie wir sie nennen, sind immer sehr gut besucht, aber damit das Interesse nicht im Sande verläuft, bieten wir diesen Teilnehmern an, im nächsten Schritt bei uns in der ‚Any horse any Rider’-Klasse starten zu dürfen.“ Die ersten zwei Starts sind dabei kostenlos. Die Reiter sollen das volle Erlebnis bekommen, Blut lecken und im Idealfall den Wechsel zu einem Profi-Trainer schaffen, der hilft, das richtige Pferd zu finden und die Betreuung auf dem Turnier übernimmt.www.rbc-cutting.de

Dem Sonnenuntergang entgegen reite ich mit Chec nur in Gedanken. Die grüne Wiese tut‘s auch.



FOTOS: LUDWIGA VON KORFF