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KANTEN FRÄSEN KABELLOS!


selbermachen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 05.11.2021

WERKZEUG UND TECHNIK

Starten wir mit einer kleinen Begriffsdefinition. Ob man nun von einer „Kantenfräse“ oder einer „Einhandfräse“ spricht – in beiden Fällen ist dieselbe Geräteklasse innerhalb der Oberfräsenfamilie gemeint: kompakte, aufs Wesentliche reduzierte Fräsen mit vergleichsweise weniger durchzugsstarkem Motor, als er in „großen“ Oberfräsen verbaut wird. Während der Begriff „Einhandfräse“ auf die Bedienung dieser Geräte abzielt, nennt der Terminus „Kantenfräse“ deren hauptsächlichen Einsatzzweck.

Im Handwerk kommen solche Aggregate meist als Zweit- oder gar Drittfräse zum Einsatz, wenn es darum geht, Brettkanten eine Fase oder eine Abrundung zu spendieren. Doch natürlich eignen sich Kantenfräsen auch für die Anfertigung von Nuten oder Taschen im vollen Material. Allerdings fehlt ihnen die Taucheinheit großer Oberfräsen, mit denen sich der rotierende Fräskopf in das Holz absenken lässt. ...

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Bildquelle: selbermachen, Ausgabe 12/2021

Die Bauart der Fräsen ähnelt sich. Lediglich Bosch verfolgt ein ganz eigenes Konzept
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... Also muss vorgebohrt werden oder aber man fährt von der Kante aus in das Material hinein.

DIE NEUE FREIHEIT

Bequemes Fräsen dank Akkubetrieb

„Die höheren Kosten einer Akku-Kantenfräse entlohnt diese mit maximal gutem Handling!“

Ralf Glaser, Holzwerker und Technikredakteur bei selber machen

SO HABEN WIR GETESTET

Beim Fräsen kommt es nicht nur auf Leistung an, sondern vor allem darauf, wie gut sich diese Kraft beherrschen lässt. Uns interessiert vor allem das Handling der Kandidaten.

BELASTUNGSTEST

Hier fliegen die Fetzen! Ein Abrundfräser mit 12 mm Radius, auf volle Frästiefe eingestellt, dazu die maximale Drehzahl vorgewählt – und dann mit dem schnellstmöglichen Vorschub rein ins Material. Dabei muss die Fräse alles abrufen, was in ihr steckt. Bei dieser Übung ist weniger die maximal abrufbare Leistung interessant, denn so extrem wird man eine Oberfräse in der Praxis kaum belasten. Allerdings erlaubt der Test Rückschlüsse auf die Qualität der Regelelektronik und deren Fähigkeit, die Drehzahl auch bei hoher Belastung konstant zu halten. Da trennt sich die Spreu vom Weizen!

NUTFRÄSEN MIT PARALLELANSCHLAG

Bis auf die GKF12 von Bosch Professional kommen alle Fräsen im Test mit einem Fräsanschlag. Dessen Qualität zeigt sich vor allem beim Einfahren ins Material und beim Austritt aus dem Werkstück. Schließlich liegt der Anschlag in beiden Fällen noch nicht mit der kompletten Breite an, während beim Einfahren des Fräsers ein Drehmoment entsteht. Ist dieses Drehmoment im Einhandbetrieb zu beherrschen? Oder verläuft die Fräse, sodass die Nut aus der Flucht läuft? Um den Schwierigkeitsgrad hoch zu halten, haben wir hier in europäische Kirsche gefräst – ein nicht eben leicht zu bearbeitendes Hartholz. Zudem wurde mit 6 mm Frästiefe eine immense Zustellung gewählt.

FRÄSEN IN STIRNHOLZ

In Faserrichtung zu fräsen ist keine Raketenwissenschaft. Beim Fräsen in Stirnholz dagegen kommt es auf Fingerspitzengefühl an. Die Gefahr ist hier groß, Ausrisse zu produzieren. Vor allem die „Wendepunkte“ sind kritisch, wenn der Fräser auf die nächste Brettseite hinüber wechselt. Ein solches Szenario ist keineswegs konstruiert. Beim Zaunbau etwa kommt es durchaus vor, dass man dem

Abschluss eines Balkens eine zierende Abrundung verpassen will. Die besondere Schwierigkeit der Übung besteht darin, dass sich dabei nur noch ein kleiner Teil der Fräsen-Standfläche nutzen lässt. Da kommt es auf eine gute Balance der Fräse an.

SCHABLONENFRÄSEN

Oft kommt es vor, dass man eine Nut in weitem Abstand von der Kante anfertigen will und diese diagonal verlaufen oder eine Rundung aufweisen soll. Dann hilft ein Parallelanschlag wenig – eine Schablone muss her. Die Grundplatte der Fräse liegt dann direkt an der Schablone an. Ist die Grundplatte rund oder weist die Schablone selbst eine Rundung auf, besteht sogar nur punktueller Kontakt. Lässt sich die Fräse dann sauber führen? Bleibt bei einer Verdrehung der Fräsabstand konstant? Lässt sich die Bodenplatte austauschen und liegt auch eine runde Platte bei, die das Fräsen von Innenrundungen erlaubt? Hier zeigt sich, wie gut das Konzept einer Fräse durchdacht ist.

TASCHENFRÄSEN FREI HAND

Seien es nun Schlitz- und Zapfenverbindungen oder Schwalbenschwanzflicken, mit denen sich Holzrisse stabilisieren lassen: Oft räumt man mit der Oberfräse eine Tasche grob aus, um dann per Stecheisen die Feinarbeit zu erledigen. Hier zählt vor allem ein freier Blick auf den Anriss – die Effektivität des Spanauswurfs ist von zentraler Bedeutung. Hier zeigt sich aber auch, wie gut sich eine Fräse wirklich beherrschen lässt. Entwickelt sie beim Einfahren ins Holz ein Eigenleben? Oder fügt sie sich willig der Hand des Anwenders?

DIE RICHTIGEN SCHAFTFRÄSER

Auch die beste Oberfräse ist nur so gut wie die Schneidwerkzeuge, die man in sie einspannt. Hier gibt es riesige Unterschiede – preislich und natürlich auch in Sachen Qualität. Darauf sollten Sie achten!

TIPP

An erster Stelle der Überlegungen sollte der Schaftdurchmesser der verwendeten Fräser stehen. Beim Einfahren ins Material entstehen Biegekräfte. Je größer der Durchmesser des Schaftes ist, desto besser kann der Fräser diesen Kräften widerstehen. Dann läuft der Fräser ruhiger, mit geringerer Wucht und liefert ein besseres Fräsergebnis. Wählen Sie daher Fräser mit dem größten in Ihrer Fräse nutzbaren Schaft – bei den meisten Fräsen in diesem Test sind das 8 mm. Lediglich in der Ryobi lassen sich nur Fräser mit 6 beziehungsweise 6,35 mm Durchmesser nutzen. Solche „zölligen“ Schäfte sind in den USA Standard, hierzulande aber nur mit einer sehr eingeschränkten Auswahl an Profilen zu bekommen. Bleiben Sie daher besser im metrischen System!

Fräser im Einzelkauf sind teuer. Für ein Exemplar guter Qualität gehen schnell 30 Euro über den Ladentisch. Verschwenden Sie dennoch kein Geld mit billigen Fräsern. Besonders bei Fräswerkzeugen gilt, dass Sie dann zweimal kaufen. Ein großes Einsparpotenzial bietet dagegen der Setkauf. Empfehlenswert: Das Fräserset mit Duracut-Beschichtung der deutschen Firma ENT (circa 120 Euro).

Ganz und gar nicht billig, aber im wahrsten Sinne des Wortes preiswert sind die sogenannten Spiralnutfräser. Diese kommen aus der CNC-Technik, lassen sich aber problemlos in einer handgeführten Oberfräse nutzen. Deren größter Vorteil besteht in ihrem ziehenden Schnitt und der Spirale, die den Spanauswurf wesentlich verbessert. Gute Exemplare kosten 30 bis 50 Euro. Doch wer einmal damit genutet hat, wird sich für die Investition beglückwünschen.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN

Viel Licht, aber auch ein wenig Schatten – die perfekte Fräse war beim Test nicht dabei. Die Testsieger von DeWalt und Makita stechen jedoch eindeutig hervor!

Bei Elektrowerkzeugen steckt der Teufel im Detail. So war es auch bei diesem Test. Oft entscheidet eine Summe von Kleinigkeiten über die Platzierung im Ranking. Die gute Nachricht : Jede der getesteten Fräsen erlaubt ein sauberes Arbeiten. Das Potenzial, ein Fehlkauf zu werden, lässt sich keinem der Modelle unterstellen. Doch natürlich gibt es Unterschiede, die sich, wenig überraschend, auch im Kaufpreis widerspiegeln. Man bekommt, wofür man bezahlt. Doch gemessen am Preis liefert jede der getesteten Fräsen einen (noch) fairen Gegenwert. Das fiel uns beim Blick durch die Lupe auf:

FRÄSTIEFEN-FEINEINSTELLUNG: DeWalt, Bosch und Ryobi bieten eine Feineinstellung der Frästiefe über Gewindespindeln. Bei DeWalt ist das Gewinde ins Gehäuse gefräst und läuft butterweich – top!

FRÄSTIEFEN-EINSTELLUNG: Bei Hikoki und Makita wird die Frästiefe über ein Zahnrad verstellt – es funktioniert, doch die Konkurrenz kann es besser

SPANTRANSPORT: Die Bosch GKF12 führt die Abluft des Motors nicht auf die Frässtelle, sodass sich die Späne in der Grundplatte sammeln. Sie ist eine reine Kantenfräse und trotz ausreichender Kraftreserven für das Nutfräsen nicht zu empfehlen

ÜBERGEWICHT: Der große Akku mit Schaft der Ryobi bedingt eine ausladende Bauweise. Dadurch entsteht eine Kipptendenz vom Werkstück weg

FRÄSPARAMETER & STRATEGIEN

Die Maschine ist das eine, doch will man Brandflecken und Ausrisse vermeiden, kommt es auch darauf an, wie man sie führt. Eine häufige Beobachtung aus der Praxis: Ungeübte fräsen meist viel zu defensiv!

INFO

DREHZAHL & VORSCHUB

Viele Oberfräsen bieten eine Drehzahlvorwahl an. Doch welche Drehzahl ist die richtige? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, da sie auch von anderen Faktoren abhängt. Hier wäre das zu bearbeitende Holz und vor allem der Vorschub zu nennen. Doch keine Sorge: Um die richtige Drehzahl zu finden, benötigen Sie weder einen Taschenrechner noch komplizierte Tabellen. Stattdessen hilft ein einfacher Merksatz: Ein Fräser will Späne produzieren! Will heißen: Jedes Mal, wenn die Schneide eines Fräsers ins Holz fährt, sollte sie so viel Holz abschälen können, dass ein Span entsteht. Dreht der Fräser zu schnell oder ist der Vorschub zu gering, wird stattdessen Staub produziert. Statt Späne entsteht dann vor allem Reibungshitze – hässliche Brandflecken am Werkstück sind die Folge. Zudem geht die Standzeit des Fräsers in die Knie. Hitze ist der Feind der Schärfe! Beginnen Sie am besten mit einer Testfräsung an einem Reststück und mit voller Drehzahl. Wenn kein Span produziert wird, schieben Sie die Fräse schneller vor. Immer noch kein Span? Reduzieren Sie die Drehzahl. Es ist nicht kompliziert.

ZUSTELLUNG

Als Faustregel für die Zustellung (also die Frästiefe in einem Durchgang) gilt: maximale Zustellung ist gleich halber Fräserdurchmesser. Abhängig vom Schaftdurchmesser können Sie auch etwas tiefer gehen (allerdings bei reduziertem Vorschub). Bei einem dünnen Schaft bleiben Sie dagegen besser auf der konservativen Seite. Über den Grenzbereich müssen Sie sich keine Gedanken machen. Kommt der Fräser an sein Limit, macht er Sie unüberhörbar mit lautem Kreischen darauf aufmerksam.

GLEICHLAUF & GEGENLAUF

Oft wird behauptet, dass man mit dem Fräsen im Gleichlauf bessere Ergebnisse erzielen könne. Vergessen Sie das! Aus Sicherheitsgründen sollten Sie grundsätzlich im Gegenlauf fräsen (siehe Illustration rechts). Die Berufsgenossenschaft im Schreinerhandwerk verbietet das Gleichlauffräsen nicht ohne Grund. Seien Sie nicht mutiger als erfahrene Profis!

TESTFELD OHNE AUSREISSER

Der Test ergab erhebliche Leistungsunterschiede, die sich aber auch im Kaufpreis widerspiegeln. Einen Fehlkauf riskiert man mit keiner der Fräsen. In die Kaufentscheidung spielt natürlich auch die Frage hinein, ob man eventuell bereits Akkus aus dem Ökosystem des Herstellers besitzt.

Bosch professional GKF12

Die Bosch professional GKF12 ist eine reine Kantenfräse und hat offensichtlich auch nicht den Ehrgeiz, etwas anderes sein zu wollen. Bosch hat dieses Gerät kompromisslos auf den Einsatzzweck der Kantenbearbeitung hin optimiert. Dafür benötigt man keine großen Kraftreserven. Konsequenterweise reicht dann auch ein kleiner Akku mit 12 V Spannung, der kaum halb so viel wiegt wie die Akkupacks der Konkurrenz. Der Balance der GKF12 tut das spürbar gut. Der Gewichtsschwerpunkt liegt unterhalb des Formschwerpunktes. In Kombination mit einem riesigen Standfuß entsteht eine Fräse mit null Kipptendenz. Schade nur, dass die Drehzahl mit etwa 13.000 min -1 recht niedrig ist – die mögliche Vorschubgeschwindigkeit bleibt so moderat. Trotzdem: Als Zweit-oder Drittfräse ist die GKF12 allemal eine Überlegung wert!

DeWalt DCW604NT

Schon beim ersten Anfassen vermittelt die DeWalt DCW604NT den Eindruck von Wertigkeit. Das ins Gehäuse gefräste Gewinde ergibt in Kombination mit einem großen Drehring eine butterweich laufende Frästiefen-Feineinstellung – die mit Abstand beste Detaillösung im Test. Beim Arbeiten setzt sich der positive Eindruck fort. Die Fräse ist sehr durchzugsstark und läuft dabei angenehm ruhig, und das sowohl was Vibrationen als auch was das Betriebsgeräusch angeht. Auch dank des kleinen Akkus ist die Balance sehr gut, was sich insgesamt positiv auf das Handling auswirkt. Die Fräse verhält sich im besten Sinne gutmütig und tut klaglos, was der Nutzer von ihr will. Dank des mitgelieferten Zubehörs inklusive Tauchfräseinheit kommt die DeWalt auch als Hauptfräse infrage.

Hikoki M1808DAW2Z

Das Fräsaggregat der Hikoki M1808DAW2Z bietet die komplette Vollausstattung: Softstart, Motorbremse, Drehzahlvorwahl, Sicherheitsschalter … Letzterer ist sogar so platziert, dass man ihn – ausreichend große Hände vorausgesetzt – mit dem Zeigefinger aktivieren kann, um die Fräse dann mit dem Daumen zu starten. Top! Auch in Sachen Durchzug und Laufruhe gibt sich die Hikoki keine Blöße. Allerdings ist die Grundplatte so ausgeformt, dass das Gerät die Späne in hohem Bogen aus der Fräse befördert. Die Konkurrenz schießt wesentlich flacher. Etwas kritisch ist auch der Fräskorb. Dessen harte Kanten verhaken sich in der gebürsteten Oberfläche des Fräsenkörpers und gestalten die Frästiefen-Einstellung unkomfortabel. Die 8-mm-Spannzange ist einer Fräse dieser Preisklasse unwürdig.

Makita DRT50ZJX2

Mit der netzbetriebenen Kantenfräse RT0700 bietet Makita ein seit Jahren bewährtes System, das fast als „das Original“ für diesen Typ gelten kann. Die auf Akkuantrieb basierende Version DRT50 setzt auf dasselbe Ökosystem. Wenig überraschend, dass man sich beim Griff in den voluminösen Makpac-Koffer sofort zu Hause fühlt. Alles ist wertig verarbeitet, intuitiv bedienbar und mit kleinen Abstrichen auch sehr gut durchdacht.Zu den Abstrichen zählen die auf ein Zahnrad basierende und etwas hakelige Frästiefen-Einstellung. Auch die „Einschlitz“-Spannzange für den 8-mm-Schaft fällt hinter das ansonsten sehr hohe Niveau des Zubehörs zurück. Das Fräsaggregat selbst ist ebenso durchzugsstark wie laufruhig. Dank Tauchfräseinheit ist die DRT50 auch als Hauptfräse empfehlenswert.

Ryobi R18TR-0

Die Ryobi R18TR-0 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Fräse punktet mit cleveren Details. Die Einstellung der Frästiefe basiert auf einer Trapezgewinde-Spindel und funktioniert zwar nicht leichtgängig, aber sehr präzise. Der stabile Parallelanschlag stellt die Lösungen der Mitbewerber in den Schatten. Jedoch führt der mit Schaft ausgestattete Akku zu einer ausladenden Bauweise. Noch dazu befindet sich der „Überhang“ auf der dem Werkstück abgewandten Seite, was eine merkliche Kipptendenz bewirkt. Das Fräsaggregat ist durchzugsstark und dreht sehr hoch. Eine Drehzahlregelung, mit der sich diese Kraft etwas zähmen ließe, ist leider nicht vorhanden. Schade ist auch, dass sich keine Fräser mit 8-mm-Schaft nutzen lassen. Gemessen am Kaufpreis leistet die Ryobi jedoch Überzeugendes. Wer bereits Ryobi-Systemakkus besitzt, macht mit dieser Fräse nichts falsch.

TESTKRITERIEN UND BENOTUNG

Die Gewichtung der Noten in den einzelnen Testkriterien wurde auf den eigentlichen Einsatzzweck der Fräsen abgestimmt – die Kantenbearbeitung. Wer eine Kantenfräse als alleinige Fräse nutzen will, wird Punkte wie „Kraftreserven“ eventuell höher werten und dann zu einem abweichenden Urteil kommen.

INFO

HANDLING (50 %) Eine Kantenfräse kauft man wegen der Möglichkeit einer einhändigen Bedienung. Da eine Hand frei bleiben kann, spart man sich eventuell das Festspannen des Werkstücks – die Arbeit geht viel schneller vonstatten. Das Handling der Fräsen ist daher das mit Abstand wichtigste Kriterium – das Testergebnis in dieser Disziplin wird daher mit 50 % in die Endnote gerechnet. Bewertet werden hier Punkte wie Standfestigkeit und Balance,die Laufruhe, wie leicht sich Fräser wechseln lassen oder wie schnell und präzise die Frästiefe einzustellen ist.

KRAFTRESERVEN (20 %) Bei der Kantenbearbeitung wird vergleichsweise wenig Material abgenommen, sodass Kantenfräsen nicht viel Leistung bringen müssen. Zwei Testkandidaten bringen jedoch Zubehör mit, die den Einsatz als Tauchfräse erlaubt. Hier sind Kraftreserven gefragt. Die mögliche Leistung der Testkandidaten wurde also überprüft, das Ergebnis geht aber nur mit 20 % in die Endnote ein. Eine höhere Wertung würde sonst reine Kantenfräsen benachteiligen.

AUSSTATTUNG (20 %) Hier geht es um die Funktionen und die technische Ausstattung des Fräsaggregates selbst. Pluspunkte gibt es für das Vorhandensein von Bedienelementen wie einer Drehzahlregelung oder einem Sicherheitsschalter. Zudem führen auch elektronische Funktionen wie ein Softstart oder eine Motorbremse zu einer Aufwertung, auch wenn sich hier gewisse Überschneidungen mit dem Kriterium „Handling“ ergeben.

PREIS/LEISTUNG (10 %) Der allgemeine Testeindruck und das mitgelieferte Zubehör wird in Relation zum Kaufpreis gesetzt. Die Wertung ist nicht sehr hoch, schließlich kauft man ein Werkzeug einmal, nutzt es aber jahrelang.

DATEN UND FAKTEN

Die beiden bestplatzierten Fräsen lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das DeWalt aufgrund seines noch etwas besseren Handlings für sich entscheiden konnte. Doch auch die anderen Maschinen sind durchaus eine gute Wahl.

SINNVOLLES ZUBEHÖR

TIPP

Wer den Nutzwert einer Oberfräse verbessern will, sollte zuerst in Schaftfräser investieren. Hier erfahren Sie, was sonst noch Sinn macht.

TAUCHFRÄSKORB

Trotz Akkubetrieb sind vier der fünf Fräsen in diesem Test durchzugsstark genug, um auch als Erstfräse infrage zu kommen. Voraussetzung dafür ist ein Tauchkorb. DeWalt und Makita bieten hierfür jeweils eigene Lösungen an. Leider ist die Ryobi für diese Nutzung nicht geeignet. Die Fräse von Hikoki wäre dagegen stark genug, um auch als Tauchfräse gute Dienste zu leisten – wenn Hikoki denn ein passendes Zubehörteil anbieten würde. Zum Glück ist die Hikoki mit dem Tauchkorb von Makita kompatibel, der sich auch einzeln kaufen lässt (circa 40 Euro).

PARALLELANSCHLAG

Die mitgelieferten Anschläge für das Kantenfräsen sind mit Tauchkörben nicht kompatibel. Gönnen Sie sich einen zum Korb passenden Parallelanschlag – am besten einen mit Feineinstellung.

VERSATZ-FRÄSADAPTER

An geraden Kanten ist das Fräsen von Falzen kein Problem – dafür gibt es Parallelanschläge. Bei Rundungen muss dagegen ein Falz-fräser mit wechselbaren Anlaufrin-gen her. Aber diese sind ganz schön teuer. Hier haben Kantenfräsen die Nase vorn, denn mit ihnen lassen sich Versatz-Fräsadapter (etwa bei Makita auch „Führungsrolle“ genannt) nutzen. Dank dieser günstigen Anbauteile kann man jeden Nutfräser im Nu zum Falzfräser umfunktionieren, und das sogar mit einem stufenlos verstellbaren Fräsversatz!

KOPIERRINGE

Tauchfräsen eignen sich im Grunde hervorragend für die Arbeit mit Schablonen. Zumindest, wenn diese gerade Kanten haben. Bei Rundungen ist der Versatz zwischen Grund- platte und Fräser häufig zu groß, sodass die Schablone nicht sauber kopiert werden kann. Hier helfen sogenannte „Kopierringe“ (bei Makita und DeWalt im Lieferumfang). Kopierringe sind Metallhülsen, die unter der Grundplatte der Fräse herausragen. Im Inneren dreht sich der Fräser, die Außenkante der Hülse fährt die Schablone in geringem Abstand ab. Lohnend ist die Anschaffung gleich eines ganzen Sets, sodass sich Nutfräser verschiedener Durchmesser nutzen las- sen (etwa von Katsu, um 40 Euroj

Text Ralf Glaser