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KAPITEL VORGESCHICHTE: Hafen der Welt


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 20.03.2020

Sie sind gewiefte Händler und kühne Seefahrer. Von einer phönizischen Kolonie steigt Karthago zur Großmacht im westlichen Mittelmeer auf


Geburt eines Imperiums

Artikelbild für den Artikel "KAPITEL VORGESCHICHTE: Hafen der Welt" aus der Ausgabe 4/2020 von G Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 4/2020

Schauerliches Grinsen Maske aus einem Grab. Bis heute ist ihre Funktion rätselhaft


Reiterstatuette Die Figur wurde in der Region des heutigen Barcelona gefunden


Bärtige Schutzgötter? Amulette aus Glaspaste. Das Material war eine phönizische Spezialität


BILDNACHWEIS: AKG/LESSING, BRIDGEMAN/RICCIARINI (3)

Goldschmuck Das Edelmetall kam wahrscheinlich von der Westküste Afrikas


Geld entscheidet Kriege. Der griechische Politiker Hermokrates rät deswegen ...

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... 415 v. Chr. den Syrakusern, die Beistand gegen die anrückenden Athener benötigen, sich an die Karthager zu wenden: »Imstande dazu sind sie am ehesten von den jetzt Mächtigen, wenn sie nur wollen; denn Gold und Silber besitzen sie in Menge, wodurch ja der Krieg und alles andere besten Erfolg verspricht.«

Ausgerechnet Karthago! Die Großmacht aus Afrika beherrscht damals schon seit fast zwei Jahrhunderten große Teile Siziliens. Und gerade mit der sizilianischen Metropole Syrakus führt es immer wieder Kriege um die Vorherrschaft auf der Insel. Diese ist für Karthago einer der wichtigsten strategischen Stützpunkte.

Karthagos Expansion, die aus einer phönizischen Handelsstadt das punische Reich werden ließ, setzt um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. ein. Damals löst sich Karthago, gegründet um 815 v. Chr., vom Einfluss seiner Mutterstadt Tyros und übernimmt die Führung aller phönizischen Städte im westlichen Mittelmeer. Der Name Poeni (Punier/Phönizier) avancierte so zum römischen Synonym für die Karthager. Diese hinterließen keine literarischen Quellen, die bis heute überdauerten, sodass Historiker auf die Nachrichten von Griechen und Römern angewiesen sind. Die »innerste Antriebskraft« für die karthagische Expansion sieht der Historiker Werner Huß, einer der besten Kenner Karthagos, in dem »Drang, große Reichtümer nach Karthago zu holen«.

Global Player: Vom tropischen Afrika bis in den kalten Norden Europas

Das Mittelmeer reicht Karthago als Wirtschaftsraum bei Weitem nicht. Es errichtet Stützpunkte an der Atlantikküste Afrikas und Spaniens, schickt Expeditionen nach Britannien und nach Gabun am Äquator. Silber, Gold, Kupfer, Eisen, Zinn - die Karthager trachten in erster Linie nach Metallen. Sie erobern nicht nur Städte und Landstriche, sondern auch Bergwerke und beuten die Bodenschätze rücksichts- los aus. Ihre prosperierende Stadt ist schon bald der wichtigste Umschlagplatz für Waren aller Art im westlichen Mittelmeer.

Zeichen der Göttin Votivstein der punischen Fruchtbarkeitsgöttin Tanit.


Opferstätte Der Tofet. Hier fanden Archäologen die Überreste verbrannter Kinder.


Reichtum will geschützt werden. Mit einer schlagkräftigen Kriegsflotte sichert Karthago seine Handelsschifffahrt, eine immer größer werdende Armee besorgt die Expansion an Land. Ein starkes Militär hilft, Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Und es bringt bedrängte Städte dazu, Karthago um Hilfe zu rufen. Meistens erhört es den Ruf. Eine Großmacht entsteht.

Eroberten Gebieten gesteht Karthago eine relativ große Autonomie im Inneren zu. Wichtig sind Steuern, Soldaten, Gehorsam. Je nach Status als »Abhängige« oder »Untergebene « werden zur Kontrolle auch karthagische Verwaltungsbeamte eingesetzt.

In Karthagos Armee dienen ursprünglich nur eigene Bürger. Die »Heilige Schar« von 2500 Kriegern bildet das Kernaufgebot. Mit der Expansion aber wächst die Zahl der fremden Truppenteile. In karthagischen Armeen kämpfen schließlich nordafrikanische Numider und spanische Iberer neben Kelten und Italikern, Griechen und Libyer neben Sarden, Ligurern und Etruskern, um nur einige zu nennen. Alle erhalten Sold, ob als Verbündete oder Söldner, wenn auch wohl in unterschiedlicher Höhe.

Wer als karthagischer General scheitert, hat sein Leben verwirkt

Der Oberbefehl liegt bei karthagischen Feldherren. Sie stammen aus den höchsten Schichten der Gesellschaft und können während ihrer Amtszeit nahezu autonom agieren. Doch die Autonomie hat ihre Grenzen: Nach Abschluss des Feldzuges muss der General vor dem Staatsgerichtshof der »104« Rechenschaft ablegen. Wird er hier als unfähig eingestuft und verurteilt, hat er sein Leben verwirkt.

Die »104« bilden laut Aristoteles die »bedeutendste Behörde« in Karthagos Staatsverfassung. Wer sich hier als Feldherr verantworten muss, sitzt seinen Standesgenossen aus den wichtigsten Familien gegenüber. Sie bestimmen das Schicksal der Stadt und folgen dabei wohl in erster Linie ihren eigenen handels- und machtpolitischen Interessen. Überdies teilen sie alle Staatsämter unter sich auf und streiten ständig um den größten Einfluss.

BILDNACHWEIS: BRIDGEMAN, BRIDGEMAN/ BUFFETRILLE

Der Kothon: Das maritime Herz von Karthago

Er wurde im ganzen Mittelmeerraum bewundert: der Kothon. Der Doppelhafen entstand im 4. Jahrhundert v. Chr. Schätzungsweise 235 000 Kubikmeter Erde mussten ausgehoben werden, um dieses kleine Weltwunder zu errichten. In der Mitte des kreisrunden Kriegshafens mit seinen Werftgebäuden lag auf einer Insel das mehrstöckige Gebäude der Admiralität, berichtet der antike Chronist Appian.

Der Flottenstützpunkt war Sperrgebiet und durfte von Ausländern nicht betreten werden. Wer im Handelshafen anlegte, musste einen direkten Weg in die Stadt nehmen. Flankiert wurden die Kaianlagen von Speichern und Lagerhäusern. Die Zufahrt zu beiden Hafenbecken konnte im Notfall durch eine Kette versperrt werden. Östlich der Hafeneinfahrt ragte eine Mole ins Meer, die zusätzlichen Schutz bei schwerem Wetter bot.


»Dann ward die Glut im Innern dunkler, und man erkannte brennendes Fleisch« Flaubert in seinem Roman »Salambo« über die Menschenopfer


An der Verwaltungsspitze des republikanisch verfassten Staates stehen zwei Sufeten, die jährlich gewählt werden - ähnlich wie die römischen Konsuln. Antike Berichterstatter nennen sie trotzdem »Könige«. Sie vertreten Karthago nach außen, haben das Gerichtswesen, die Gesetzgebung und die Staatsfinanzen unter ihrer Kontrolle. Sie berufen den Senat ein und leiten dessen Sitzungen.

Der Todesort des Tofet: Hier werden Karthagos Kinder den Göttern geopfert

Die 300 Mitglieder des Senates entscheiden vor allem über Krieg und Frieden. Ein 30-köpfiger Senatsausschuss bildet den »Heiligeren Rat«, über den der Römer Livius berichtet: »Seine Macht ist außerordentlich groß, sodass sogar der Senat von ihm beherrscht wird.«

Die Volksversammlung wählt Feldherrn und Sufeten, sie kann Verbannungen aussprechen und weitere Entscheidungen treffen. Alle Bürger sind stimmberechtigt.

Die phönizischen Hauptgötter Melkart und Astarte gehören auch zum karthagischen Pantheon. Allerdings nimmt hier ein anderer die höchste Position ein: Baal schamim, der »Herr der Himmel«. Wichtig ist auch Baal Hamon, vor allem aber die Göttin Tanit. Die Götter werden in Gebeten angerufen, Opfer sollen ihre Gunst bewirken - auch Menschenopfer.

Die Karthager glauben, zu bestimmten Zeiten hätten die Vornehmsten ein noch makelloses Mitglied ihrer Familie, also ein kleines Kind, zu opfern. Tatsächlich wurden Knochen von Kindern im Bereich des Tofet genannten Opferplatzes gefunden. Das Opfer wird nachts im heiligen Hain des Baal Hamon dargebracht, so Werner Huß. Aber: »Das Kind wurde nicht etwa lebend dem Feuer übergeben, sondern zunächst vom Priester auf geheimnisvolle Weise getötet«, dann einer Statue in die Arme gelegt und von dort in die Flammen fallen gelassen.

Gustave Flaubert schildert in seinem berühmten Roman »Salambo« von 1862 allerdings fantasievoll, wie Kinder in Karthago dem Götzen Moloch geopfert werden, und er prägte so unser Bild von dem grausamen Feuerritus.

LESETIPP

Werner Huß: »Karthago«. C. H. Beck 2008, € 8,95

BILDNACHWEIS: AKG/SOTHEBYS, GETTY/DE AGOSTINI; KARTE: INTERFOTO/FLOIGER/AGENTUR2