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KARL! _ GLEICH FÜNF AUKTIONEN GEHEN DEM MYTHOS LAGERFELD NACH.


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Wohn!Design - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 27.10.2021

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Bildquelle: Wohn!Design, Ausgabe 6/2021

„Die Kollektion offenbart seinen Geschmack als Dekorateur, Ästhet, Designer und Humanist. Doch – was seltener ist – sie lüftet den Schleier über dem Menschen, der er war“, äußert sich Pierre Mothes, Vice-President Sotheby‘s Frankreich zu Karl Lagerfelds Nachlass. Das Auktionshaus wird ab diesem Herbst die Sammlung aus den Häusern und Wohnungen des Couturiers in Paris, Köln und Monaco zum Verkauf anbieten. Mehr als 1.000 Objekte spiegeln die Vorlieben Lagerfelds wider, der sich nach Lust und Laune in seinen verschiedenen Locations aufhielt, um dort zu arbeiten. Und um zu leben? Angesichts der Fülle von Büchern, die an allen Orten sofort auffallen – es sollen insgesamt 300.000 gewesen sein – stellt sich allerdings die Frage, wie der Modedesigner zusätzlich zu seinen vielseitigen Tätigkeiten für verschiedene Fashion-Häuser Muße fand, die Kunstbände zu erwerben, geschweige denn, darin zu lesen? Nur ...

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... eine von vielen unglaublichen Facetten, mit denen der Deutsche jahrzehntelang die Branche und das Publikum faszinierte. „Mit der Aura eines Rockstars, der bei allen Generationen Anklang fand, machte er seinen Namen und seinen Look in den 2000er-Jahren zu einer Marke. Im Laufe seiner Karriere stellte er immer wieder neue Regeln auf, die dafür sorgten, dass er nie aus der Mode kam und nie in Vergessenheit geriet.“

Lagerfeld kam aus wohlhabenden hanseatischen Verhältnissen. Sein Vater besaß die Kaffeesahne-Marke „Glücksklee“. Bereits Anfang der Fifties zog Karl nach Paris. Mitarbeiter eines Büros seines Seniors kümmern sich um den damals 19-Jährigen. Anstatt wie geplant, zurück in Deutschland Abitur zu machen, besucht Lagerfeld lieber eine Pariser Zeichenschule. Der Rest liest sich wie ein Märchen und ist bekannt: 1954 gewinnt er mit einem Mantelentwurf den Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats in Paris und fängt im Anschluss als Schneider bei Pierre Balmain an. Weitere Stationen sind Jean Patou, 1965 wird er künstlerischer Leiter bei Fendi, ab 1983 bringt er Chanel zurück an die Spitze der Modewelt – und arbeitet seit 1991 parallel für Dior und an seinem eigenen Prêt-à-porter-Label. Der Deutsche avanciert damit zu einer Leitfigur der Luxusbranche. Er lebt und arbeitet überwiegend in Paris, doch Lagerfeld besaß auch Refugien in New York, Vermont, Monte Carlo, Biarritz, Rom, ein Schloss in Frankreich sowie eine Villa im Hamburger Stadtteil Blankenese. Jeder kann sich angesichts der Abbildungen hier auf diesen Seiten vorstellen, dass der gebürtige Hamburger ein unersättlicher Sammler war, der sich für ganz unterschiedliche Epochen und Stile interessierte. In den 1980er-Jahren begeistert er sich für die Protest-Design-Bewegung Memphis mit ihren sehr plakativen Einrichtungsobjekten in Bonbonfarben. „Später interessiert er sich für französisches Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts, das er als eine Art Ideal von Eleganz und Raffinesse ansah.“ Tatsächlich ist es so, und es ist Lagerfeld, der sich immer wieder nur mit dem Besten zufrieden gibt – lange bevor die Qualität mancher Künstler, Manufakturen und Objekte von Zeitgenossen erkannt und gewürdigt werden. Anfang der 1970er-Jahre beginnt er, sich für Art déco zu interessieren, es bleibt seine Liebe fürs Leben. Für ihn repräsentiert dieser Stil „die Wurzeln der Modernität, dieser Modernität, nach der ich unermüdlich suche“, so Lagerfeld. „Karl hat sich seinen Geschmack für alle wichtigen ästhetischen Strömungen des 20.

Jahrhunderts immer bewahrt“, ergänzt Mothes, der die Auktionen verantwortet und selbst längst ein Lieblingsobjekt ausgemacht hat: „Das Rentier von Sougawara. Er war ein Meister in seinem Fach und hat Eileen Gray in die traditionelle japanische Lacktechnik eingeführt. Er war ein Pionier für Lack-Arbeiten zur Zeit des Art déco. Entsprechende Persönlichkeiten zu entdecken und über sie zu forschen, fand Karl Lagerfeld immer schon faszinierend.“ Zu Beginn dieses Jahrtausends arbeitet Lagerfeld mit zeitgenössischen Designern wie Marc Newson, Martin Szekely und Konstantin Grcic oder Maarten Van Severen an der Kreation futuristischer Designobjekte. „Er blieb jedoch zeitlebens seinen Lieblingskreateuren Louis Süe und André Mare treu, deren Kredo »Entwicklung der Tradition« war.“

Nur sein letzter Wohnsitz in Louveciennes birgt eine unerwartete Inneneinrichtung: Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts mit deutschen Objekten der 1920er-Jahre: Gerhard Schliepsteins „Prinz“ und „Prinzessin“ (oben auf einem Schminktisch) kennen Porzellanfans, doch Objekte wie seine Stehleuchte, alle drei Entwürfe formte Rosenthal aus, sind absolute Raritäten. Lagerfeld hat gleich mehrere von den Leuchten und kombiniert sie mit der Crème de la Crème der deutschen Werbegrafik wie Lucien Bernard – seine Plakate sind Blue Chips in Sammlerkreisen – und Ludwig Hohlwein. „Für dieses Haus wählte er Möbel von Bruno Paul aus“, so der Kunstexperte (oben ein Schminktisch des deutschen Modernisten mit zwei Stühlen). „Paul war Architekt und Designer, und Mies van der Rohe war einmal Lehrling bei ihm. 1908 entwirft Paul für die Deutschen Werkstätten einfache und praktische Typenmöbel in Serienfertigung.“ Mit großer Wahrscheinlichkeit fand das Lagerfeld nicht wirklich spannend. Normierte Möbel? Einfach grässlich! Wir können ihn leider nicht mehr fragen. Aber es ist doch auffällig, dass der Modedesigner bei all seiner Sammelleidenschaft ein Gebiet komplett außen vorließ: das Bauhaus. „Es ist schwer zu sagen, warum er kein großer Sammler des Bauhauses war“, antwortet Mothes auf unsere Frage des Warum? „Er sammelte jedoch Fotografien aus dieser Zeit. Auch in seinen persönlichen Modekreationen zollte er dem Bauhaus Tribut.“ Gesammelt hat er es dennoch nicht, und vielleicht wird so ein Schuh daraus: Die deutsche Kunstschule ist der Antipode zum französischen Art déco. Standardmöbel auf der einen Seite mit der Intention, günstige Einrichtungen für jedermann zu schaffen – exquisiter Luxus, raffinierte Handwerklichkeit und kostbare Materialien dagegen in Paris. In dieser Liga spielte in Deutschland niemand. Selbst Objekte wie die Schliepstein-Figuren von Rosenthal, die dem französischen Schönheitsideal sehr nahekommen, ließen sich hierzulande in höheren Stückzahlen nicht verkaufen. Wer deutsches Art déco sucht und sich damit beschäftigt, entdeckt sie dennoch, weil sie outstanding sind. Genauso wie die Möbel von Bruno Paul, der nach seiner Jugendstilzeit zu einem wichtigen Vertreter der dekorativen Zwanziger wurde. Knallige Farben – in der Auktion gibt es eine schräge Kommode in Sonnengelb – Freude am Dekor und wirklich glamourös. Ganz Lagerfeld...

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