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Karl-Heinz Streng: Was Kleines für zwischendurch


Reiterjournal - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 23.08.2019

Der Reitmeister gibt Tipps, wie Spring pferde in der Saison zwischen den Turnieren sinnvoll gearbeitet werden sollen.


Artikelbild für den Artikel "Karl-Heinz Streng: Was Kleines für zwischendurch" aus der Ausgabe 9/2019 von Reiterjournal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: Doris Matthaes

Pause bedeutet nicht Nichtstun

Ganz grundsätzlich: Pferde sind Bewegungstiere, eine Pause zwischen zwei Turnieren bedeutet daher immer eine sinnvolle Bewegung. Selbst wenn mitten in einer Saison auch mal zwei oder drei Turniere hintereinander liegen, sollte man die Pferde zwischen diesen Turnieren sinnvoll gymnastizieren, geschmeidig halten, motivieren und Vertrauen gewinnen. Kleine Sprünge bis zu etwa einem Meter Höhe strengen ein trainiertes Springpferd nicht an und ...

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... belasten es nicht. Deshalb rate ich dazu, auch zwischen den Turnieren zumindest an einem Tag eine kleine Springgymnastik einzuschieben. Das hält die Pferde elastisch und durchlässig. Denn das kommt noch dazu: Nach einem Turnier mit Parcours, in denen man vielleicht eine Distanz ausgleichen musste oder – etwa im Stechen – schnell geritten ist, muss der Reiter vor allem an der Durchlässigkeit zwischen den Sprüngen arbeiten und Vertrauen zurückgewinnen. Im Training mit Tina Deuerer und Adrian Schmid mit Reitmeister Karl-Heinz Streng zeigen wir ein paar sinnvolle Übungen für das Training in der Saison zwischen zwei Turnieren.

Die Zäumung

Übrigens, wie scharf die Zäumung bei einem Springpferd wirkt, ist ebenfalls individuell zu betrachten. Zum Beispiel kann ein Pelham zu viel feinerer Handeinwirkung verhelfen, zum Beispiel bei einer nicht so kräftigen Reiterin auf einem Pferd mit viel Vorwärtsdrang. Eine vermeintlich weichere Zäumung würde nur mehr Handeinwirkung erforderlich machen. Also: Pferd und Reiter bei dem Thema genau anschauen.

Ein Pelham kann zu feinerer Handeinwirkung führen


Beim Lösen aufs Pferd achten

Wichtig ist schon beim Lösen: das Pferd in keine Schablone drängen, sondern darauf achten, was ihm guttut. Normalerweise beginnen wir mit einem lockeren Abtraben auf großen gebogenen Linien. Ob ich das Pferd eher tief einstelle oder mehr aufs Hinterbein setze, hängt vom Exterieur ab. Wichtig ist für den Reiter das Gefühl, das Pferd vor sich zu haben. Das kann bei einem eher stürmenden Pferd durch Übergänge erfolgen, das kann aber auch individuell unterschiedlich sein. Es gibt Springpferde, die sich im Trab gar nicht so wohlfühlen, wie Cessarias Crack, den wir hier unter Adrian Schmid sehen. Solche Pferde lösen wir durch eine längere gleichmäßige Galopp-Arbeit.

Beim Lösen im Galopp (o.) sollte der Reiter das Pferd vor sich haben. Begonnen wird auf gebogener Linie

Cavaletti-Arbeit ist auch für die Arbeit zwischen Turnieren ein gutes Mittel


Cavaletti

Cavaletti sind bei der Springgymnastik ein gutes Mittel. Wir bauen die erste Reihe so auf, dass der Abstand zwischen Cavaletti eins und zwei etwa 6 Meter, zwischen zwei und drei etwa 8,5 Meter und dann etwa 11 Meter beträgt. Das wird in einem ruhigen Arbeitsgalopp mit zwei und drei Galoppsprüngen geritten. Wichtig ist hierbei, dass das Pferd gerade und im Rhythmus bleibt, leicht innen gestellt – also nach der Seite des Handgalopps, aber an beiden Zügeln. Der Reiter bleibt im Entlastungssitz auf beiden Gesäßknochen und ruhig sitzen. Das Pferd muss über den Sprüngen im Handgalopp bleiben, sonst ist es nicht im Gleichgewicht.

Galoppsprünge verkürzen (l.) oder die Kurzkehrtwendung (M.) nach dem Galoppieren mit erneutem Angaloppieren (r.) helfen, den Vorwärtsdrang besser zu kontrollieren.

Galopp verkürzen

Die Pferde kommen häufig mit viel Vorwärtsdrang vom Turnier nach Hause. Deshalb sind die Übungen zur Kontrolle und Durchlässigkeit wichtig. Zunächst übt der Reiter, die Galoppsprünge mit Schritt-Galopp-Übergängen zu verkürzen und mehr zum Treiben zu kommen. Ein gutes Mittel ist auch Zulegen und Einfangen im Galopp in kurzen Reprisen von fünf oder sechs Galoppsprüngen. Ist das gelungen, reitet er die Cavaletti-Reihe nochmal an, diesmal im verkürzten Galopp, der allerdings nicht schleppend sein darf, sondern deutlicher auf die Hinterhand gesetzt. So kann er die 6-Meter-Distanz mit zwei Galoppsprüngen, die 8,5-Meter-Distanz mit drei, die 11-Meter-Distanz mit vier Galoppsprüngen reiten. Rhythmus, Anlehnung und Handgalopp müssen dabei gleich bleiben. Eine Weiterführung der Übung ist ein Durchparieren etwa 20 Meter nach der Reihe, eine zentrierte Kurzkehrtwendung und das Anreiten von der anderen Seite. Wichtig ist, dass die Hilfen des Reiters zum Aufnehmen des Pferdes abgestimmt sind und nicht nur von der Hand ausgehen. Die Nase kann dabei durchaus vor der Senkrechten bleiben

Galoppsprünge verändern können

Beim Parcoursreiten ist es wichtig, dass der Reiter die Galoppsprünge verkürzen und verlängern kann. Das üben wir auch an den Gymnastiktagen zwischen den Turnieren. Nach der Übung mit den Cavaletti reiten wir zunächst wieder auf der ganzen Bahn und variieren die Größe der Galoppsprünge. Das Pferd muss sich dabei an Kreuz und Schenkel aufnehmen lassen. Auch auf die treibende Hilfe muss das Pferd beim Zulegen leicht reagieren. Auf diese feine Hilfengebung kommt es im Parcours später an.

In-Outs fördern die Reaktionsfähigkeit. Sie können durch Cavalettistangen unterbrochen werden.

Die Übung kann in beide Richtungen geritten werden

In-Outs mit Trabstangen

Sogenannte „In-Outs“ sind Hindernisfolgen, bei denen das Pferd keinen Galoppsprung dazwischen macht, sondern nach dem Landen gleich wieder abspringt. Das kräftigt die Muskulatur, fördert die Reaktionsfähigkeit und die Bascule, also das Aufwölben des Rückens. Wir stellen zwei in der Mitte etwa 60 Zentimeter hohe Kreuzsprünge auf, ziemlich eng zusammen, damit das Pferd aufmerksam sein und über den Rücken springen muss: etwa 2,80 Meter. Der Reiter galoppiert ruhig im Springsitz heran und sitzt auch hier ruhig und auf beiden Gesäßknochen. Wenn das Pferd diese Übung gelassen absolviert, stellen wir – allerdings leicht versetzt – drei Cavaletti zwischen zwei In-Outs auf Bodenhöhe auf: 1,20 Meter bis 1,30 Meter Abstand, im Trab zu absolvieren. Der Reiter pariert sein Pferd nach den In-Outs durch, trabt im Entlastungssitz aber an der Hand über die Stangen, galoppiert dann gleich wieder an, um genauso ruhig die nächsten In-Outs anzureiten. Zwischen In-Outs und Trabstangen liegen etwa 20 Meter bis 25 Meter. Bei dieser Übung sollte der Reiter so wenig treiben wie möglich. Normalerweise sollte das Pferd sowohl In-Outs als auch Trabstangen von alleine anziehen, so dass der Reiter still sitzen und eher passiv bleiben kann. Falls beim Pferd Spannung aufkommt, lösen wir sie mit einer längeren Galoppstrecke oder einem Mittelgalopp auf einer großen gebogenen Linie.

Kleine Sprünge in schneller Abfolge regen den Kopf an.


Reihenfolge variieren

Unsere modernen Sportpferde sind schlau, wir müssen ihren Kopf schulen und trainieren. Die nächste Übung schult die Konzentration des Pferdes, weil es sich schnell auf einen Weg zum Sprung einstellen muss. Wir stellen drei kleine Sprünge in eine Reihe, Höhe etwa 80 Zentimeter. Der Abstand beträgt 6 und 11 Meter, bei dieser Höhe und in ruhigem Tempo mit zwei und drei Galoppsprüngen zu reiten. Danach kann der Reiter auf 24 Meter mit sieben Galoppsprüngen gerade einen kleinen Steilsprung anreiten oder mit einer Wendung auf 25 Meter. Wir variieren dann beide Wege im Wechsel – und reiten die Distanz auch von der anderen Seite, also auf die Dreier-Reihe.

Kombinationen sollten im Training nicht zu hoch aufgebaut werden, wenn das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter fehlt. Wichtig ist ein guter Rhythmus.

Die passende Kombination

Vertrauensverluste zwischen Reiter und Pferd entstehen auf Turnieren häufig in Kombinationen. Ich rate daher, im Zuge des Trainings zwischen den Turnieren mit der Gymnastik auch eine Kombination aufzubauen. Wichtig ist dabei, dass sie nicht zu hoch und passend im Rhythmus ist. Eher ein bisschen zu eng als zu weit, damit der Reiter nicht viel Druck braucht und eher ruhig sitzen kann, und immer mit zwei Galoppsprüngen – das fällt dem Pferd am leichtesten, also etwa auf 10 Meter bis 10,50 Meter

Im Fluss

Wenn alle diese Übungen gut klappen, reiten wir sie hintereinander wie einen kleinen Parcours, daraus wird die optimale Übung für ein kontrolliertes Parcoursreiten mit einem konzentrierten und durchlässigen Pferd, das optimal vorbereitet zum nächsten Turnier kommt und dann vielleicht erfolgreich ist.

Zur Person

Karl-Heinz Strengist einer der wenigen geprüften Reitmeister und einer der gefragtesten Ausbilder in der Republik – und das in Springen und Dressur. Der heute 76-jährige Westfale kam in den 70er-Jahren als junger Bereiter vom Dortmunder Reiterverein und vom Turnierstall Günther Jucho nach Baden-Württemberg. Dort als erstes zum Reitclub Mosbach und an den Turnierstall Baumann in Mosbach. In Dortmund trainierte er lange Jahre beim Dressurderbysieger Udo Nesch. Die Große Kreisstadt im Neckar-Odenwald-Kreis ist bis heute seine Heimat. „Kalli“ Streng hat als Pferdewirtschaftsmeister unzählige junge Profis ausgebildet und damit dem Reiterland Baden-Württemberg einen Stempel aufgedrückt wie kein Zweiter. Er war 15 Jahre lang Landestrainer der Springreiter und ist heute noch für die Senioren verantwortlich. Insgesamt bekleidet er jetzt 40 Jahre offizielle Trainerämter. Für seine Verdienste insbesondere um die Berufsreiterei hat Streng vom Deutschen Berufsreiterverband, dessen Ehrenmitglied er ist, die Felix-Bürkner-Medaille bekommen, im Mai 2017 wurde ihm das Reiterkreuz in Gold verliehen. Er steht bis heute unermüdlich in der Reitbahn oder der Halle, wird in der ganzen Republik in Ställe gerufen. Bundes-Disziplintrainer Heiner Engemann greift bei seinen U25-Lehrgängen oft auf den sorgfältigen Reitmeister als Co-Trainer für Springgymnastik zurück. Neulich wurde Streng sogar mit seiner Dressurschülerin Ann-Kathrin Lindner auf den U25-Dressur-Europameisterschaften zum Championatstrainer.

Tina Deuerer ist sechsfache Landesmeisterin der Springreiterinnen in Baden-Württemberg und aktuell Vierte der letzten Deutschen Amazonenmeisterschaften. Seit Jahren ist sie die beste baden-württembergische Springreiterin, die auch international immer wieder Anschluss hat. Sie trainiert mit ihrem Mann Hans-Jürgen Deuerer auf dem Erdbeerhof in Gondelsheim.

Adrian Schmid, Springprofi aus Sauldorf-Boll, international für die Schweiz am Start, führt seit geraumer Zeit junge Springpferde aus dem Stall Deuerer in den Sport.