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Karls engster Vertrauter packt aus: „ ICH SASS IN LAGERFELDS GOLDENEM KÄFIG“


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 16.01.2020

Zwanzig Jahre lang teilte Leibwächter Sébastien Jondeau sein Leben mit dem Modezar, kannte alle Geheimnisse Karl Lagerfelds – und hielt dicht. Nun brach er sein Schweigen über den Mann, der für ihn Bruder, Mutter, Vater, aber auch ein extrem fordernder Boss war


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Rund um die Uhr für Lagerfeld da. Der Designer soll Bodyguard Sébastien Jondeau alle zwei Stunden eine SMS mit Anweisungen geschickt haben


FOTO: PICTURE ALLIANCE

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„KINDER SIND NICHTS FÜR DICH. DAFÜR BIST DU DOCH GAR NICHT DER TYP.“ So redete Karl Lagerfeld Sébastien Jondeau schon mal prophylaktisch jegliche Familienpläne aus. Für ein ...

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„KINDER SIND NICHTS FÜR DICH. DAFÜR BIST DU DOCH GAR NICHT DER TYP.“ So redete Karl Lagerfeld Sébastien Jondeau schon mal prophylaktisch jegliche Familienpläne aus. Für ein Privatleben blieb dem Bodyguard des 2019 verstorbenen Designers ohnehin keine Zeit. Wenn die restlichen Hausangestellten nach Feierabend zu ihren Familien fuhren, wachte „der Pitbull“, wie Karl ihn nannte, im Haus des Couturiers. 98 Prozent seiner Zeit habe er dem Modekaiser gewidmet, so Jondeau. „20 Jahre lang habe ich weder Urlaub gemacht noch mit meinen Freunden zu Abend gegessen, wie ich es mir gewünscht hätte.“ Karl habe alles kontrolliert und sei zuweilen „schwierig“ gewesen. „Er konnte nicht ‚Entschuldigung‘ sagen“, erklärt er und schiebt nach, Karl habe es durch seine Taten aber wiedergutgemacht. „Es war eine außergewöhnliche Zeit, aber zuweilen fühlte ich mich wie in einem goldenen Käfig“, gab der 44-Jährige jetzt in der französischen Wochenzeitung „Paris Match“ zu. Allerdings möchte der Franzose, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs, nicht undankbar erscheinen. Er weiß um das Privileg, Karls engster Vertrauter gewesen zu sein. Mit 15 lernte er Lagerfeld über seinen Stiefvater, der Antiquitäten transportierte, kennen. Der junge Sébastien half beim Ausliefern aus. „Und so bin ich in der rue de l’Université Nummer 51 gelandet, also bei Karl“. Die beiden verstanden sich auf Anhieb.

Als Jondeau 23 war und gerade dabei half, Koffer in Karls Privatjet zu verladen, bot der ihm einen Job an: Als Fahrer, Assistent und Personenschützer. „Ich war verrückt vor Freude“, erinnert er sich. Zuallererst habe er seiner Mutter die News verkündet. Dann kaufte er einen reduzierten Anzug von … Hugo Boss. Später stattete Karl den gut gebauten Hobbyboxer mit Chanel-Modellen aus. Bei der Métiers d’Art-Schau in Hamburg modelte er als herber Matrose, später brachten die zwei sogar gemeinsam eine Kollektion für Karls Label heraus.

Mittlerweile designt das Arbeiterkind selbst für die Marke Lagerfeld. Gelernt hat er nicht an einer Uni oder Modeschule, sondern allein von seinem Mentor: „Ich habe ihn beim Arbeiten beobachtet. Er hat mich beraten.“ Er sei vielleicht nicht der beste Zeichner, gesteht Jondeau, „aber meine Zeichnungen sind so präzise wie die von Karl“. Die beiden entwickelten über die Jahre eine innige Freundschaft – mehr als das. „Mein Bruder, meine Mutter, mein Vater: Karl war alles.“

Umso tiefer trafen Jondeau dessen Krankheit und schließlich sein Tod. Lagerfeld habe sich schon im Sommer 2015 an ihn gewandt und gesagt: „Ich habe ein Problem, ich kann nicht pinkeln“, erzählt er. Kurze Zeit später kam die Diagnose: „Karl litt an Prostatakrebs. Nicht Bauchspeicheldrüsenkrebs, was nach seinem Tod jeder gesagt hat.“ Es folgten zig Arzttermine und immer wieder die Hoffnung, dass er doch noch genesen könne. Als der Designer im Sterben lag, organisierte Jondeau ihm einen Privatjet zur Fashion-Show nach Rom. „Ich wusste, dass es mit ihm zu Ende ging. Aber bis zur letzten Minute habe ich geglaubt, dass er überlebt. Ich habe an seine Unsterblichkeit geglaubt.“ Noch heute bekommt der Pariser regelmäßig zwischen 17 und 18 Uhr Panikattacken – zu dem Zeitpunkt, als er und Karl gewöhnlich das Haus verließen. Doch das traurige Ende der Freundschaft läutet auch eine neue Freiheit ein. Ob er sich vorstellen könne, eine Familie zu gründen? „Das ist die große Frage“, antwortet Jondeau, dessen Freundin Jenna Courtin-Clarins ist, die Erbin des Beauty-Imperiums. In Abwesenheit seines Bodyguards schwärmte Lagerfeld übrigens doch über dessen Papa-Qualitäten: „Er liebt Kinder, er kümmert sich wunderbar.“