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KARPFEN: MINIBOILIES: KONDITIONIERTE KARPFEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 70/2020 vom 05.06.2020

Unsere Rüssler sind schlauer, als man denken mag! Vor allem an viel beangelten Gewässern lernen sie schnell. Christoph Mühl weicht daher oft von Standard-Ködern ab.


Artikelbild für den Artikel "KARPFEN: MINIBOILIES: KONDITIONIERTE KARPFEN" aus der Ausgabe 70/2020 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Sie sind ein Karpfen und haben die Wahl – was fressen Sie? Den Boilie links kennen Sie bereits, der tut weh. Aber den Köder rechts haben Sie noch nie gesehen, der macht Sie neugierig. Stimmt’s?


Solche Maschinen sind in viel beangelten Gewässern konditioniert, Standard- Größen zu meiden. Minis dagegen fressen sie!


FOTO: R. BRINGMANN

Der dicke Spiegler kommt geradewegs auf meinen Pop- Up zugeschwommen. Wäre das eine Liveaufnahme, und würde ich ...

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... das Material nicht zu Hause vor dem PC sichten, wäre ich in diesem Moment auf dem Weg zur Rute. Mit offenem Mund muss ich ansehen, wie er im letzten Wimpernschlag über die Montage hinweggleitet und ein dahinter liegendes Maiskorn einsaugt. „****!“

Diese Szene gab mir zu denken. Ich hatte Rig und Kamera zwischen zwei versunkenen Bäumen postiert. Anfangs sah man mein Futter (24er Boilies, Pellets, Partikel) vor die Kamera sinken. Einige Minuten später schwamm ein Großteil des Bestandes in diesem Areal, das Futter wurde schnell weniger. Ein Fisch berührte sogar die Kamera beim Fressen, Wahnsinns- Aufnahme. Nur meinem weißen Poppi schenkte keiner wirkliche Beachtung! Ganz im Gegenteil, einige Fische erschraken sich regelrecht vor dem weißen „Etwas“, das dort tanzte. Dieses Erlebnis sorgte bei mir übrigens für die Erkenntnis, dass Pop-Ups im Flachwasser eher kontraproduktiv sind – aber darauf will ich in diesem Artikel nicht weiter eingehen.

Zurück zum Spot. Ich fing einen schönen Spiegler von zehn Kilogramm, dann spielte sich die Szene ab, die ich ganz zu Anfang beschrieben habe. Für mich war diese „Video-Session“ ein Schlüsselerlebnis. Was ich daraus mitnahm? Eine große Frage: Wie kann es sein, dass ein solcher Fisch, der vermeintlich viel fressen muss, um sich zu ernähren, kleine Maiskörner bevorzugt? Dieser Fall ist vorher ganz sicher schon öfter aufgetreten, nur diesmal konnte ich es dokumentieren. Das machte mich stutzig, denn ich war sicher, dass ich mit größeren Ködern selektiver auch große Fische fange. Und wieso biss generell nur ein Fisch auf meinen Poppi, der so schön auffällig vom Grund abstand?

DER LERNEFFEKT

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass die Fische nicht ihre Intelligenz vor dem Haken schützt, sondern die ständige Konfrontation mit gängigen Boiliegrößen und Farben in Verbindung mit schlechter Erfahrung. Stichwort Konditionierung – so wie zum Beispiel der Hund auf das spezielle Pfeifen des Herrchens reagiert. Das heißt, die Fische meiden in manchen (viel beangelten) Gewässern die Standardgrößen (16, 18 und 20 Millimeter) und auch besondere Formen (Pop-Ups), weil diese Köder einfach am meisten Verwendung finden. Die Karpfen wurden durch die Angler darauf konditioniert, diese Köder nicht zu fressen. Hätte ich in der anfangs beschriebenen Situation meinen weißen Pop-Up nicht gewählt, sondern einen Köder, der nicht so viel benutzt wird (wie ein Miniboilie oder ein Maiskorn), hätte ich wahrscheinlich mehr gefangen.

Mit 10er bis 14er Murmeln angeln wenige. Sie sollten es mal versuchen!


Vor- und Nachteile:

Pro Miniboilie

• werden wenig benutzt (keine negative Konditionierung)
• mehr Boilies bei gleichem Gewicht
• schnellere Lockwirkung durch eine größere Oberfläche (verglichen mit großen Boilies)
• „coole“ Beifänge sind immer drin
• besonders gut an Gewässern mit Futterbeschränkung

Kontra Miniboilie

• höherer Preis (Herstellungs-Mehraufwand)
• begrenzte Weite mit dem Wurfrohr
• viele Beifänge können nerven

WANN MEIDE ICH MINIS?

Deshalb weiche ich mittlerweile von der Norm ab und benutze sehr gern auch Mini-Murmeln. Aber nur in ganz bestimmten Situationen! Ich will Ihnen zuerst beibringen, wann ich sie keinesfalls benutze – das ist auch schnell erklärt. Und zwar an Gewässern, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie voll mit Grundeln, Krebsen und Weißfischen sind. Klar, hier würde ein großer Karpfen auch einen Mini-Köder fressen, aber ehe er ihn überhaupt vors Maul bekommt, stürzen sich die kleineren und schnelleren Arten auf die Häppchen. In diesem Fall setze ich auf harte 24er Kugeln. Hart ist wichtig, denn auch große Köder selektieren kleine Arten nur aus, wenn sie auch „bissfest“ genug sind. Auf einigen meiner Unterwasseraufnahmen sah ich, wie Satzkarpfen immer und immer wieder versuchten, diese harten 24er Boilies zu fressen. Doch sie schafften es einfach nicht, die Kugeln im Schlund mit ihren Schlundzähnen zu zerdrücken. Das Resultat war, dass sie mit dem Fressversuch einige Meter schwammen und den Boilie dann ausspuckten. Durch dieses Verhalten erweiterte sich der Spot um einige Meter. Schaut man sich Fische bis zu einer gewissen Größe an, können diese schon rein anatomisch keine großen Boilies in den Schlund nehmen oder gar durch die Härte mit ihren Schlundzähnen zerkauen. Das wäre so, als würden Sie versuchen, eine große harte Frikadelle in den Mund zu bekommen und diese dann noch zu kauen!


„DAS STICHWORT IST KONDITIONIERUNG. KARPFEN LERNEN!“


Natürlich hat man auf Miniboilies Beifänge – aber oft auch ziemlich coole. Das können Schleien, Barben, Aland oder Döbel sein.


GROSSE VORTEILE

Sind im Gewässer meiner Wahl gefühlt eher wenige Weißfische, Grundeln oder Krebse, ziehe ich Miniboilies aufs Haar. Früher hätte ich das nicht gemacht, ich konnte damals andere Angler nicht verstehen, die kleine Köder nutzten und Beifänge riskierten. Aber nichts ist beständiger als der Wandel. Man ändert auch schon mal seine Meinung! Und es gibt ja auch „coole“ Beifänge – wie große Schleien, Döbel, Welse oder Barben im Fluss.

Kleine Köder sollten Sie mit der Spomb füttern, das Wurfrohr bringt sie oft nicht weit genug raus.


Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass Miniboilies einen großen Vorteil haben, wenn sie in passenden Situationen eingesetzt werden. Sie werden eben wenig gefischt und die Fische sind nicht auf Gefahr konditioniert, wenn sie kleine Kugeln sehen. Und gerade bei kaltem Wasser (wenn die Fische sowieso wenig fressen), oder beim Instant-Angeln (mehr Oberfläche pro Kilo und dadurch höhere Lockwirkung) ergeben Miniboilies für mich absolut Sinn. Den so oft beworbenen „Superboilie“ sehe ich auch in Miniboilies nicht. Denn jedes Gewässer und seine Bewohner sind anders und individuell. Daher wird es wohl nie ein Patentrezept geben. Man muss das Große und Ganze sehen, um die Vorteile perfekt ausspielen zu können!

Kleine Köder sind teurer als große (bei Successful Baits kostet ein Kilo 12er Murmeln rund zehn Euro) – das ist aber auch logisch. Denn 100 Gramm 20er sind etwa 18 bis 24 Stück, dasselbe Gewicht 12er Murmeln sind schon 45 bis 50 Stück. Also: Man hat beim selben Gewicht mehr Köder! Welchen Vorteil hat das? Man hält die Fische länger am Spot, braucht also weniger Futter.

Der Ü20-Kilo-Spiegler schwimmt einfach über den Pop-Up hinweg und frisst ein Maiskorn dahinter. Solche Erkenntnisse änderten Christophs Ansichten!


Wann setzt Christoph auf Miniboilies?

• in Gewässern mit geringem Weißfisch- und Krebsbestand
• wenn hoher Angeldruck herrscht
• im Frühjahr
• beim Instant-Angeln

Beifänge minimieren

• Minis füttern, darauf mit einem 24er angeln
• Miniboilie neben den Futterplatz legen
• unauffällige Farben nutzen
• Futter gut verteilen

Wo wir gerade bei Vorteilen sind: Jetzt kommt noch einer.

PARALLELEN ZUR NATUR

Wenn man sich die Nahrung der Karpfen ansieht, fällt schnell auf, dass die Fische eigentlich alle Größen zur Verfügung haben. Sie fressen Tubifex, Schnecken und Muscheln. Auch Krebse in allen Größen und selbst kleinere Fische stehen auf ihrem Nahrungsplan. Also von wirklich klitzeklein bis relativ groß sind alle Größen dabei.

Man sollte sich der natürlich vorkommenden Nahrung anpassen. Auf einer Muschelbank, welche voll ist mit Dreikantmuscheln, könnte man beispielsweise 14er Boilies füttern. Dies würde auch Sinn ergeben, denn die Muscheln sind oft relativ klein. Das Gegenargument ist, das größere Boilies einen Kontrast zu den Muscheln darstellen und somit für die Fische interessanter sind. Was denken Sie darüber? Ich meine, beide Varianten sind zutreffend und bringen Fisch. Aber wir dürfen unsere Konditionierung nicht vergessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fische große Boilies kennen, ist hoch. Daher sehe ich die Miniboilies minimal vorne. Zudem vertrete ich die Ansicht, dass nicht nur die Form und Größe entscheidend ist, sondern auch die Farbe. Genau wie Standardgrößen gibt es eben auch Farben, die oft benutzt werden. So wie mein weißer Pop-Up in der Geschichte zu Beginn. Pop-Ups nutze ich trotzdem noch, aber ganz kleine über einem Teppich aus Mini-Boilies.

GRÖSSENGEFÜHL

Man muss ein Feeling für das Gewässer entwickeln, um herauszufinden, wo welche Boiliegröße Erfolg bringt. Es ist nicht möglich, eine entsprechende Anleitung aufzuschreiben, denn jeder hat eine andere Wahrnehmung und Interpretation für die Dinge. Für mich sind alle Boiliegrößen generell fängig, aber ich weiß grob, wann ich auf welche Größe zurückgreifen muss.

Um dem Ganzen das gewisse Etwas zu geben, mische ich die Boiliegrößen gerne. Mein Ködersponsor Successful Baits hat seit letztem Jahr zum Beispiel Mixed Packs in 16, 18 und 24 Millimetern im Angebot. Dazu kann man noch Miniboilies mischen, um wirklich jede Größe anbieten zu können.

FÜR KARPFEN-SPEZIALISTEN UND ALLE, DIE ES WERDEN WOLLEN …

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FOTO: C. MÜHL

FOTOS: C. MÜHL

FOTOS: C. MÜHL