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KATALANISCHE KREATIVITÄT


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Bücher - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 12.10.2022
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Bildquelle: Bücher, Ausgabe 6/2022

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Spanien ist pluralidad lingüística, sprachliche Vielfalt, und das zurecht, denn etwa 24 Prozent der im letzten Jahr in Spanien veröffentlichten Titel wurden in den regionalen Sprachen Katalanisch, Galizisch, Baskisch veröffentlicht. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Katalanen zu, weil eine ungewöhnliche Vielzahl an interessanten literarischen Neuerscheinungen aus Katalonien kommt.

Die nordöstliche Mittelmeerregion erstreckt sich von den Pyrenäen an der Grenze zu Frankreich bis nach Valencia im Süden und ist eine literarische Hauptschlagader Spaniens. Hier leben und arbeiten viele Buchmenschen, hier werden literarische Themen erschaffen, die Region, ihre Menschen und insbesondere deren Hauptstadt Barcelona sind Erzählgegenstand vieler Romane, und hier sitzen die großen Verlagshäuser Tusquets, Penguin ...

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... Randomhouse, Lumen, Anagrama. Katalonien ist neben Baskenland, Galizien und Navarra seit 1978 eine historisch autonome Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates, mit zwei offiziellen Sprachen: Spanisch und Katalanisch. Beides sind amtlich anerkannte Sprachen und jeder Katalane spricht Spanisch, aber nicht jeder Spanier, der in Katalonien lebt, spricht auch Katalanisch. Für Gäste aus dem Ausland manchmal verwirrend, ist dies aber wichtig, um zu verstehen, dass katalanische Autorinnen und Autoren sich in zwei Gruppen einteilen lassen. Und zwar in diejenigen, die aus Katalonien stammen, dort überwiegend auch noch leben und darüber hinaus ihre literarischen Schauplätze oft in dieser Region ansiedeln, die aber primär in der Landessprache Spanisch ihre Texte verfassen. Auf der anderen Seite die Gruppe von Literaturschaffenden, auf die all diese Voraussetzungen ebenso zutreffen, mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie in der Regionalsprache Katalanisch schreiben. Dies mag für deutsche Leser oft ein unerhebliches Detail am Rande sein, in Spanien selbst spielt es eine wichtige Rolle. Denn es geht dabei um kulturelle Identität.

Um das genauer zu verstehen, habe ich mich auf Recherchereise in die katalanische Hauptstadt Barcelona begeben und besuche das Institut Ramon Llull – dem Äquivalent zum deutschen Goethe-Institut, – welches explizit für die katalanische Sprache und Literatur zuständig ist. Bei meinem Termin in dem prachtvollen Jugendstil-Palast in der Avenida Diagonal, einem architektonischen Schmuckstück des katalanischen Modernismo, treffe ich Joan de Sola und Ariadna Puiggené, die Direktion des Kulturinstituts. Die beiden erzählen von ihrer Mission, die katalanische Mundart und Literatur zu fördern und weltweit bekannter zu machen. Sie finanzieren Übersetzungen, Universitätsaufenthalte von Dozenten, Lesungen. Sola berichtet, die Zahl katalanischer Bücher, die auch auf Deutsch erschienen sind, wächst stetig, auf der Website des Instituts sind über 400 Titel gelistet. Er ist stolz auf die Tradition und kreative Fülle katalanischer Literatur und erklärt: Die katalanische Sprache geht über die Grenzen des heutigen Kataloniens hinaus. Denn regionale Varianten des Katalanischen werden auch in Valencia, auf den Balearen, bis jenseits der Pyrenäen in Südfrankreich gesprochen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Katalonien im Mittelalter ein eigenständiges, großes Reich über weite Teile des Mittelmeerraumes war, auch katalanische Literatur erblühte weit früher als die Kastilische und erlebte ihren Höhepunkt im 15. Jahrhundert mit beliebten Ritterromanen.

WEIBLICHE PERSPEKTIVEN

Doch wer sind die Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in diesem Herbst nach Frankfurt kommen? Nun, da wären vor allem drei große Autorinnen zu nennen, die in der Regionalsprache Katalanisch schreiben: Maria Barbal, Marta Oriolls, Anna Ballbona. Die große, reife Dame der katalanischen Literatur, Maria Barbal, 1949 in Tremp geboren, arbeitet und lebt als Schriftstellerin und Gymnasiallehrerin in Barcelona und legt gleich zwei gelungene Romane vor: Die Zeit, die vor uns liegt und ihren Welterfolg „Wie ein Stein im Geröll“ in überarbeiteter Neuauflage. Barbal erzählt darin wunderbar leicht und zart von einer Frau, die ihr Leben in einem Alter umkrempelt, in dem andere sich mit dem seit Jahrzehnten eingespielten Status quo ihres Daseins abfinden. In ihrem jüngsten Werk begegnet die verheiratete, ehemalige Lehrerin Elena beim Yoga in Barcelonas Altstadt dem schüchternen verwitweten Armand. Ohne große Erwartungen oder Verpflichtungen kommen sie einander näher und entdecken sich und ihr bisheriges Leben mit neuen Augen – lebensbejahend und mit Leichtigkeit erzählt Maria Barbal von den Höhen und Tiefen des alltäglichen Lebens zweier Menschen auf der Suche nach Befreiung und lässt subtile Momente des Glücks entstehen.

Provokativ, witzig, überaus originell ist der Roman Joyce und die Hühner von Anna Ballbona. Auch hier steht im Mittelpunkt eine Frau, die aus ihrem routinierten Alltag ausbrechen will. Ballbona, Jahrgang 1980, erzählt eine Geschichte über die Absurdität des alltäglichen Lebens, mit Anspielungen an James Joyce, Street Art und eine den Hühnern gewidmete urkomische Philosophie.

Schließlich gehört auch Marta Orriols, geboren 1975 in Sabadell, mittlerweile zu den bekannten Namen der katalanischen Literaturszene. Ihr Roman Sanfte Einführung ins Chaos handelt von einem jungen Paar, dessen Leben durch die Ankündigung eines Kindes ins Wanken gerät. Dani und Marta aus Barcelona stehen symbolisch für eine Generation gut ausgebildeter, nach Selbstverwirklichung strebender junger Menschen, die maximalen Genuss mit maximaler Freiheit kombinieren möchten und durch eine ungewollte Schwangerschaft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Oriolls Sprache ist sezierend genau, schon der erste Satz klingt bedrohlich: „Noch verspürten sie das Bedürfnis, einander so nahe wie möglich zu sein.“, sie dokumentiert, urteilt aber nicht. Ihr klarer, anschaulicher Stil verrät, dass sie bereits Drehbücher verfasst hat. Oriolls arbeitet als freie Kulturjournalistin und lebt mit ihren beiden Söhnen in Barcelona. Ihr erster Roman „Der Moment zwischen den Zeiten“ (dtv, 2000) wurde in 15 Sprachen übersetzt.

Eine neue Entdeckung ist die junge, vielseitige Autorin Irene Solà, deren poetisches Buch Singe ich, tanzen die Berge im März auf Deutsch erschienen ist. Die 32-jährige Videokünstlerin und Dichterin ist in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen aufgewachsen, hat sich von den Mythen aus den katalanischen Bergdörfern – dem Ursprungsland ihrer Vorfahren – inspirieren lassen und damit eine ganz eigene Art von Poesie geschaffen. Die Erzählungen beschreiben Naturphänomene, wechseln in personaler Erzählweise auch mal von verschiedenen Figuren bis hinein in die Sichtweise des Donners und Blitzes, oder der Tiere. Das ist genial und mutig. Indem sie etwa aus der Sicht der Berge das dramatische Geschehen in den Dörfern eher gelassen betrachtet, beschwört sie eine mystische Sicht auf den Kreislauf des Lebens und die Kraft der Natur. Irene Solà wurde für diesen Roman 2020 mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet.

Bei so viel Frauenpräsenz fragt man sich, wo bleiben die Männer? Dieses Jahr haben die berühmten katalanischen Autoren Jaume Cabré und Albert Sanchez Piñol keine Neuerscheinung parat, aber dafür kommt der sehr spannende Autor Quim Monzó nach Frankfurt, das provokative Genie aus Barcelona hat seinen Roman „Benzin“ im Gepäck: Eine witzig-bissige Satire auf einen Maler, der sich plötzlich nicht mehr für Kunst, ja nicht einmal mehr für Frauen interessiert und sich gehen lässt. Eine ironisch-freche Parodie auf das Künstlerdasein, gefangen im Strudel aus Erfolg, Scheitern, persönlichen Krisen, Konkurrenz und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Kulturelle Vielfalt mit Migrationshintergrund verkörpert schließlich die junge Autorin Najat El Hachmi, die ebenfalls auf Katalanisch schreibt, aus einer marokkanischen Einwandererfamilie stammt und im katalanischen Ort Vic aufgewachsen ist. Aufrichtig und mutig erzählt sie in ihrem Roman Am Montag werden sie uns lieben von einem jungen Mädchen marokkanischer Herkunft, das in der Peripherie von Barcelona aufwächst. Ihre Sehnsucht nach Befreiung von den religiösen und kulturellen Zwängen ihres muslimisch geprägten Umfelds lässt sie eine innige Bindung zu einer Freundin eingehen, die in einem liberalen Elternhaus aufwächst und für alles steht, was sie gern wäre: frei, mutig, lebendig. El Hachmi gewährt Einblicke in die Erfahrungen von jungen Frauen aus Einwandererfamilien, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen Schicht und ihrer Herkunft unterdrückt werden – und für ihre Freiheit kämpfen müssen.

All diese Neuerscheinungen sind direkt aus dem Katalanischen ins Deutsche übersetzt worden, worauf die Schrei-benden Wert legen. Für die Direktion des Ramon Llull sind diese literarischen Werke besonders unterstützenswert und bedeutungsvoll für die Region Katalonien. Doch es gibt auch kritische Stimmen, vor allem von den sogenannten spanischen Katalanen, deren Familien aus anderen Regionen nach Katalonien eingewandert sind und im Wesentlichen die Landessprache Spanisch sprechen – das kann verschiedene Gründe haben, laut Behördenangaben identifiziert sich etwa die Hälfte der in Katalonien lebenden Menschen eben doch mit der spanischen Sprache. Für sie ist sie die „Identitätssprache“. Das trifft auf die zweite Gruppe zu, die im Herbst ebenso zur Buchmesse reisen wird, deren Bücher aber primär auf Spanisch verfasst und aus dem Spanischen übersetzt sind.

JUNGE WILDE

Kiko Amat und Miqui Otero sind Freunde. Beide haben neun Jahre lang das Festival Primera Persona in Barcelona organisiert, bei dem sie Künstler aus verschiedenen Sparten in das CCCB Theater nach Barcelona einluden, die ihr künstlerisches Schaffen auf der Basis von eigenen Erfahrungen entwickelt haben und sich unter dem Motto „I am my hero“ darüber austauschen und berichten wollten. Kiko Amat kommt aus den verwegenen Vororten Barcelonas, er kennt die Brutalität von Armut und Gewalt in den betonierten Brennpunktvierteln an der Peripherie. Sein Roman Träume aus Beton erzählt von diesem Vorstadtleben, von Unangepasstheit, Angst und Wahnsinn. Amat beschreibt die Lebensgeschichte von Curro auf zwei Erzählebenen. Die erste wirft einen Rückblick auf seine Kindheit, in der er den gewaltsamen Übergriffen seines Bruders und seines Vaters ausgesetzt war, unter sozialer Armut litt und erste Ticks entwickelt. Die zweite spielt in der Gegenwart in einer psychiatrischen Klinik, deren Insasse er ist, weil er einst im Wahn jemanden mit einem Messer angriff. Diese Verflechtung von latent unterschwelligem Wahnsinn in einem prekären Umfeld und kaputten Familienverhältnissen mit dem voll ausgeprägten Irrsinn des erwachsenen, einst viel zu sensiblen Psychiatriepatienten ist rührend komisch zugleich und sprachlich brillant pointiert herausgearbeitet.

Miqui Otero ist ebenso wie Amat in der Peripherie aufgewachsen, arbeitet als Romancier, Journalist, Fernsehmoderator und ist eine Schlüsselfigur in Barcelonas Kulturszene. Sein Roman Simón, der von einem Jungen handelt, dessen Familie inklusive Onkel und Tante eine Kneipe in Barcelona betreibt, ist mitreißend skurril. Sein Titelheld wächst, sich selbst überlassen, quasi in dieser Kneipe auf, flüchtet sich in Bücherwelten, wird später Luxuskoch und Schürzenjäger. Vor allem die Stadt Barcelona spielt in diesem Familienroman eine Hauptrolle.

Hervorzuheben ist noch Cristina Morales, die gerade in diesem Sommer gemeinsam mit ihrer deutschen Übersetzerin Friederike von Criegern den Internationalen Literaturpreis für den Roman Leichte Sprache bekommen hat – für ihre radikale, neue Art zu schreiben. Morales erzählt in ihrem Buch von Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen als geistig behindert kategorisiert wurden und betreut werden sollen. Sie besetzen gemeinsam ein Haus und gründen eine rebellische Wohngemeinschaft. Witzig zu lesen, wie diese Frauen alles zu politisieren scheinen, dabei mit Worten und Begriffen spielen, auch Intimes und ihr Begehren frei und schamlos herausplaudern. Der Roman bewegt sich jenseits von Tabus, thematisiert auch den Tanz als Ausdrucksform, Therapie und Lust zu leben, was damit zusammenhängt, dass Morales selbst eine Tanzcompagnie in Barcelona leitet, die Iniciativa Sexual Femenina.

INTERNATIONALE BESTSELLER

Eine sehr bekannte katalanische Autorin, die ebenfalls aus dem Spanischen übersetzt wird, ist Milena Busquets. Sie ist die Tochter der berühmten, verstorbenen Schriftstellerin und Verlegerin Esther Tusquets, der sie mit ihrem Roman „Auch das wird vergehen“ ein Denkmal gewidmet hat. Ihre Familie gründete den Lumen Verlag in Barcelona, somit ist Busquets im literarischen Umfeld aufgewachsen. Ihr neuer Roman Meine verlorene Freundin erzählt feinfühlig von einer alleinerziehenden, ungebundenen modernen Frau, die der Erinnerung an ihre sehr früh verstorbene Freundin Gemma auf der Spur ist und dabei ihr eigenes Leben reflektiert, Themen wie Freundschaft, Krankheit und Tod neu ordnet. Vor wenigen Wochen ist Milena Busquets‘ Tagebuchband „Las palabras justas“ (dt.: Die schönen Worte) über das erste Corona-Jahr erschienen. Nach Bekunden der 50-Jährigen „ein sehr lebendiges Buch“, in dem es mehr um Liebe und Jugend als um den Tod geht.

Javier Cercas wiederum ist ein Zugezogener unter Katalanen. Geboren in der Extremadura, lebt er in Girona und hat mit seiner Krimi-Trilogie Terra Alta die Stadt Barcelona zum Protagonisten seines Romangeschehens gestaltet. Er hat zahlreiche Preise für sein Werk erhalten, darunter den Premio Nacional de Narrativa 2010 und Premio Planeta 2019 – aber er wurde auch mehrfach zur Zielscheibe für Kataloniens Separatisten. Man warf ihm zur Zeit des Referendums für ein unabhängiges Katalonien 2017 vor, gegen die katalanischen Separatisten zu sein, unter anderem auch, weil er sich für seinen Erfolgsroman „Soldaten von Salamis“ in die Sichtweise eines faschistischen Falange-Führers unter Franco hineinversetzt hatte. Er wurde Opfer von Shitstorms und Hate Speech im Internet, eine Fake-News-Kampagne warf ihm sogar vor, dass er zu einer Militärintervention in Katalonien aufgerufen habe. „Seit vielen Jahren versuchen sie, mich einzuschüchtern, mich zum Weggehen zu bewegen oder mich zum Schweigen zu bringen. Ich werde es nicht tun. Das ist mein Zuhause“, verteidigt Cercas seinen katalanischen Wohnsitz in Girona.

Eines ist nun sicher, die literarischen Werke, Autorinnen und Autoren, die im Herbst zur Frankfurter Buchmesse aus der Region Katalonien anreisen werden, erfüllen definitiv das für den Ehrengast angekündigte Motto der sprachlichen Vielfalt sowie der sprühenden Kreativität.

Nicole Trötzer studierte Germanistik und Romanistik in Hamburg. Sie schreibt als freie Journalistin, übersetzt Texte aus dem Französischen und Spanischen ins Deutsche. Sie spricht fließend Spanisch und fühlt sich unter Katalanen wie eine Süddeutsche unter Plattdeutschsprechenden