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KAUFBERATUNG: Bitte recht freundlich


Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

So wie auf unserem Foto läuft die Neuwagenabholung bei Alpina in Buchloe. Warum dabei nicht nur die Kunden strahlen und was die Faszination Alpina noch auszeichnet, klärt unsere Kaufberatung


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Bildquelle: Auto Bild sportscars, Ausgabe 4/2019

BMW Alpina
B5 Biturbo Touring


Burkard Bovensiepen legt bei den Autos seiner Marke Alpina Wert auf einen freundlichen Auftritt. Aus diesem Grund segnet der Chef den positiven Eindruck aller Frontschürzenentwürfe persönlich ab. Gleichzeitig müssen die Aerodynamikteile den enormen Luftbedarf der Kraftmaschinen decken, ohne dabei den Luftwiderstand zu erhöhen. Wer sich fragt, warum wir mit so einem Detail beginnen, wo es ...

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... hier doch um einen Hochleistungssportler wie den Alpina- 5er geht, dem sei gesagt, dass solche Details wichtig sind, um die Marke Alpina zu verstehen. Denn Details sind, neben massiver Leistungssteigerung, eine der Stärken des Kleinserienbauers, der seit 1983 beim KBA als Fahrzeughersteller homologiert ist. Der korrekte Markenname lautet denn auch BMW Alpina.

Fahrt nahm die Alpina-Erfolgsgeschichte 1963 auf. Da präsentierte Burkhard Bovensiepen eine 10-PSLeistungssteigerung für den BMW 1500. Das Basismodell der 1962 vorgestellten „Neuen Klasse“ wirkte mit den 80 Vergaser-PS eher schmächtig, da kam vielen das Leistungsplus für 980 Mark gerade recht.

So fing der Mythos Alpina mit dem BMW-5er-Vorgänger an, und jetzt halten wir (endlich) den Schlüssel für die aktuellste Version des B5 in Händen: ein 608 PS starkes Kombimodell, das sich nicht in einen unbequemen Spagat zwingen muss, um hier ein bisschen komfortabel oder dort etwas sportlich zu sein. Ja, sicher hat der Wagen einen Fahrmodusschalter, mit dem wir mittels elektronischer Vorkonditionierung verschiedene Charakteristika einstellen können. Aber das eigentlich ist genauso unnötig wie an dieser Stelle kompliziert beschrieben. Denn im Benziner B5 wie im Diesel D5 (388 PS/800 Nm) genügt dem versierten Fahrer das Gaspedal, um zwischen den weitgefächerten zwischen den weitgefächerten Talenten hin und her zu wechseln.

Die Gretchenfrage: Benziner oder Diesel?

Weil der BMW Alpina 5er ein derart starkes Stück ist, müssen Sie sich eigentlich nur über zwei Dinge Gedanken machen. Erstens: die Karosserie – wir raten zum praktischeren Kombi. Der wuchtet zwar 105 Extrakilo mit sich herum, ist den Messwerten nach aber kaum langsamer. Dafür bietet er deutlich mehr Nutzwert. Zweitens: das Verbrennungsprinzip – an dieser Stelle tun wir uns mit einer Empfehlung schwer, denn beide Aggregate sind für sich betrachtet über jeden Zweifel erhaben, in ihren Naturellen aber grundverschieden.

Im B5 steckt ein 4,4-Liter-V8-Biturbo-Benziner, der ab 5750 Touren 608 PS auf die Kurbelwelle drückt – das sind 8 PS mehr, als der aktuelle M5 leistet. Und mit 800 Nm Drehmoment schiebt er sogar kräftiger an als der 625 PS starke M5 Competition. Bei Alpina schätzen sie ein hohes Drehmoment zur zügigen Fortbewegung, weil es eine souveränere und gelasse- nere Art des Schnellfahrens ermöglicht als die drehzahlintensive Jagd nach dem PS-Gipfel; verbrauchsgünstiger ist es zudem. Der Erfolg dieses Ansatzes zeigt sich auch darin, dass der B5 ohne klanghemmenden Ottopartikelfilter auf die Straße darf. Trotzdem lässt sich der Achtzylinder bei Bedarf bis 7000 Touren drehen. Und nur, wenn der Drehzahldruck wirklich groß ist, entlässt die Edelstahlauspuffanlage die Achttonmusik mit charakteristischem Bollern und Röhren. Sobald die Vollgasstellung gelupft wird, fällt der Abgastrakt in ein hintergründiges Brabbeln, auch bei (sehr) hohen Geschwindigkeiten. Ruhe sticht Radau, Komfort vor Pose – wieder so ein Alpina-Detail.

Die Schmiedefelge im klassischen Alpina-Design reduziert das Gewicht der ungefederten Massen um rund 4 Kilo pro Rad


Die Plakette auf der Mittelkonsole mit fortlaufender Nummerierung unterstreicht den individuellen Charakter


Raumangebot und Polsterung wie im 5er-BMW. Das alpinatypische Lavalinaleder gibt’s ab 7800 Euro


Die Edelstahlabgasanlage gibt sich akustisch weniger auffällig als optisch; dennoch betört der Klang der vier Rohre


Der Bankwinkel des 4,4-Liter-V8 beträgt 90 Grad. Die Kraftenfaltung ist überwältigend, ohne brutal zu wirken. Der Laderaum des Touring ist groß, ein E-Klasse-TModell schluckt aber mehr


Höchst selten lassen sich zwei Tonnen Lebendgewicht so präzise und schnell durch Kurven dirigieren, ohne je mit Tuning-Härte zu nerven


So ist auch der Diesel D5 kein Krawallbruder, aber die hohe Verdichtung von 16:1 vertont den Selbstzündercharakter. Unter Last erwächst daraus ein temperamentvoll stampfender Rhythmus, der selbst Dieselhasser bekehren kann. Denn mit jeder Kurbelwellendrehung wird klar, dass der Reihensechser nur eine Mission hat: alle fahrphysikalischen Widerstände wegzuschieben. Seine 800 Nm ab 1750/min pressen noch vehementer, ungestümer voran als das nominell gleich starke Drehmoment des B5.

In jedem Alpina bekommen Sie ein mit atmungsaktivem Lavalina-Leder bezogenes Lenkrad; die Maximalbelederung des Innenraums würde 12 900 Euro kosten


Blau und Grün sind die Alpina-Farben. Im Sportmodus illustrieren sie das Kombiinstrument entsprechend


Statt Schaltwippen nutzt der Alpina-Fahrer Drucktasten auf der Lenkradrückseite zur manuellen Gangwahl


Die silbernen Lettern verraten auch Auto-Laien, dass hier kein gewöhnlicher BMW 5er Touring vor ihnen fährt


Gemein sind beiden Aggregaten die Achtstufen-Sportautomatik von ZF, der Allradantrieb und die fein eingespurte Mischbereifung, die unter anderem dank Vorderachsquerlenkern nach Alpina-Art etwas ruhiger läuft als auf BMW 5ern. Da, wo unsere Ex-Dauertester M550d und M550i bei hohen Geschwindigkeiten eigentlich sehr gut lagen, spurt der Allgäu-Express noch einen Tick satter – trotz seiner eher komfortorientierten Abstimmung. Handlingseitig wirken die B5-Biturbomodelle dank der serienmäßigen Hinterachslenkung etwas agiler.

Angst vor zu viel Exotik? – Unbegründet

Wer sich bei so viel Potenzial in Supersport-Sphären wähnt, liegt preislich nicht ganz falsch – der günstigste Alpina 5er kostet mindestens 87900 Euro (D5S Limousine); den umfangreicher ausstaffierten Benziner gibt’s ab 112 000 Euro. Und auch die nur von Ihrer Fantasie begrenzten Individualisierungsmöglichkeiten des Interieurs – belederte Tasten und Luftausströmer etwa oder Fußmatten aus Pferdefell – verströmen das Flair des Exotischen. Tatsächlich gibt es in Deutschland 36 Alpina-Stützpunkte, bestellen können Sie Ihr Wunschmodell bei jedem BMW-Händler. Gleiches gilt für den Service: Dank der vernetzten Datenbanken kann Ihnen jeder BMW-Händler helfen, ganz egal wo es Sie auf Ihren (Lust-)Reisen hinverschlägt.

FAZIT

Attila Langhammer

Der B5 Biturbo ist schneller als ein viertüriger AMG GT, weit komfortabler (und schneller) als ein Audi RS 6 – das Wort Benchmark scheint uns angemessen. Der D5 S ist auf hohem Niveau langsamer, aber auch beeindruckend sparsam. Zwei Traumautos für die ganze Familie.


Fotos: E. Fleischmann