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KAUFBERATUNG: FLEXIBLER, GÜNSTIGER, BESSER: DAS NEUE VOLL FORMAT


DigitalPHOTO - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 05.04.2019

KAUFBERATUNG | Auf einmal ist sie da: die große Modellvielfalt im Vollformat-Segment – mit und ohne Spiegel. Canon, Nikon, Leica, Sony, Panasonic und Pentax mischen kräftig mit. Und wer zu einem etwas älteren Modell greift, kann bereits für um die 1.000 Euro in den Genuss des großen Sensors kommen. Wir helfen Ihnen bei der Qual der Wahl.


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Bildquelle: DigitalPHOTO, Ausgabe 5/2019

Sony Alpha 7R III Spiegelloses Sony-Topmodell. Vollformat im kompakten Gehäuse mit 42,2 Megapixeln, 5-Achsen-Bildstabilisator und professionellem Autofokussystem.


Canon EOS 5D Mark IV Professionelle, klassische Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor aus dem Jahr 2016. ...

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... Vergleichbare Leistung zur 2018 auf den Markt gekommenen Vollformat-CSC EOS R.


Nikon Z 7 Erstes spiegelloses Vollformatmodell von Nikon. Vorgestellt im August 2018 in Japan. Liefert vergleichbare Performance zur D850.


Panasonic Lumix S1R Spiegelloses Vollformat von Panasonic mit umfangreicher Ausstattung. Der photokina-Coup 2018. Inklusive großer L-Mount-Objektiv-Kooperation mit Leica und Sigma.


Digitale Kameras mit einem Sensor im klassischen Kleinbildformat von 24 x 36 Millimetern liegen in der Gunst vieler Fotografen und Fotografinnen weit vorn. Der große Lichtsammler verspricht nicht nur Vorteile der Aufnahme, sondern soll auch eine bessere Bildqualität und insbesondere eine noch schönere Hintergrundunschärfe im Vergleich zu kleinen Chips wie APS-C oder Micro-Four-Thirds bieten.

Bisheriger Haken: der Preis. Denn in der Regel kosteten neue Vollformatkameras mit Wechselobjektivanschluss ab 2.000 Euro aufwärts. Mit der vor einem Monat vorgestellten Canon EOS RP wird diese unverbindliche Preisempfehlungsgrenze nun erstmals auch bei einer Markteinführung unterboten. 1.499 Euro verlangt der DSLRMarktführer für sein spiegelloses Modell mit XXL-Sensor. Das macht neugierig – und weckt Sehnsüchte. Denn auch, wenn es durchaus viele Aspekte gibt, die für den Kauf einer APS-C-oder Micro-Four-Thirds-Kamera sprechen, als Beispiel seien hier die meist günstigeren Objektivpreise genannt, bleibt das Vollformat in Puncto Bildqualität immer noch die Crème de la Crème. 2019 wird das boomende Segment zudem von Neueinsteiger Panasonic und der auf der photokina 2018 verkündeten L-Mount-Allianz von Leica, Sigma und Panasonic ordentlich befeuert. Zudem sind Canon und Nikon im vergangenen Jahr endlich auch in den Markt der spiegellosen Vollformatkameras eingestiegen. Damit bekam der bisherige Vollformat-Systemkamera-Monopolist Sony plötzlich starke Konkurrenz von allen Seiten. Den Fotografen freut die neu geschaffene Situation, bekommt er doch mehr Auswahl – egal, ob mit klassischen Spiegelreflex-oder spiegellosen Systemkameras. Die Möglichkeiten sind so groß wie nie zuvor.

Steigende Objektivauswahl

Darüber hinaus werden 2019 noch mehr Objektive für die verschiedenen Anschlüsse der Vollformatkameras erscheinen. Sigma hat etwa auf der japanischen Branchenmesse CP+ verkündet, dass sie zahlreiche Art-Objektive nun zusätzlich mit L-Mount, und damit etwa für die Leica SL, die Panasonic S1 und S1R anbieten werden. Panasonic hat ebenfalls weitere Objektive für das L-Bajonett versprochen. Vergleichbares tut sich bei Canon. Hier sollen 2019 insgesamt zwölf Objektive für den RF-Mount für die EOS R und EOS RP zur Verfügung stehen. Nikon plant derweil sechs Z-Mount-Objektive und würde damit sein Portfolio auf neun Modelle für die Z 7 und Z 6 ausbauen. Vollformat-Marktführer Sony baut seinen E-Mount-Fuhrpark ebenfalls aus. Jüngster Spross: das SEL 135mm F1.8 GM. Ein Modell der G-Master-Serie mit erstklassigen Resultaten, wie wir beim Vorabtest feststellen konnten. Hinzu kommen zahlreiche weitere Objektive für Spiegelreflexmount wie Canon EF oder Nikon F. Sowohl direkt von den jeweiligen Herstellern als auch von Anbietern wie Sigma, Tamron oder Tokina.

Neue Modelle, sinkende Preise

Die Möglichkeiten, aber auch die Preisspannen werden sich deutlich erweitern, so dass Vollformatkameras nicht mehr zwingend mit einem hohen Investment verbunden sind – auch wenn dies natürlich weiterhin möglich ist, wenn es die jeweiligen Bedürfnisse oder Wünsche erfordern. Insgesamt eine sehr positive Entwicklung, die das Vollformat ein bisschen in Richtung Massenmarkt entwickeln dürfte. Doch welches Konzept und Modell sollten Sie wählen? Sollten Sie sich direkt auf die neueste Technologie stürzen oder doch zur klassischen Spiegelreflex greifen? Oder wäre der Griff zu einem Vorgängermodell – mit oder ohne Spiegel – am Ende die geschickteste Entscheidung? Immerhin ist beispielsweise eine Sony Alpha 7 für unter 1.000 Euro zu haben. Und zu guter Letzt: Muss es überhaupt Vollformat sein? Auf den kommenden Seiten finden Sie unsere Antworten auf diese und weitere Fragen rund ums Vollformat. So können Sie am Ende sicher sein, dass Sie die richtige Kaufentscheidung getroffen haben.


2019 wird das Jahr des spiegellosen Vollformats! Durch Canon, Nikon und Panasonic kommt viel neue Energie.
Benjamin Lorenz, stv. Chefredakteur, Head of Online und Leiter DigitalPHOTO Testlabor


Eine mittlere Blende von f/9 in Kombination mit der hyperfokalen Distanz maximiert die Schärfe im gesamten Motiv.


Die Nikon D850 ist mit ihrer Auflösung von 45,7 Megapixeln (Bildqualität: 95,50%, DigitalPHOTO-Bestwert) bei Landschaftsfotografen sehr beliebt.


Landschaft in Island | 24mm | 1/40 s | F/9 | ISO 100


Der Vollformatsensor besitzt eine hohe Detailauflösung und einen hohen Kontrastumfang.


Ein Vollformatsensor (englisch: full-frame sensor) besitzt ein Bildformat, das dem des analogen 35-mm-Kleinbildfilms entspricht, also etwa 24 x 36 Millimeter. Hier der Chip der D850.


Zuvor wollen wir allerdings noch einmal grundsätzlich auf die Vorteile des großen Sensors blicken. Dafür haben wir Ihnen vier Gründe für den Kauf der entsprechenden Kamera links zusammengestellt. Sie sollten sich also vorab fragen, ob diese Punkte für Sie von hoher Relevanz sind – oder ob Sie nicht mit einer Kamera mit kleinerem Sensor besser fahren. Denn diese sind im Vergleich immer noch deutlich günstiger. Sowohl was die Kameras an sich als auch was die Objektive angeht. Die Bildqualität der APS-C-und Micro-Four-Thirds-Modelle hat sich in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt.

Neue Modelle kamen derweil aber beispielsweise im letzten Jahr nur im Einsteigersegment auf den Markt. Etwa die Canon EOS 200D oder die Nikon D3500. Auf Nachfolger der Canon EOS 7D Mark II oder der Nikon D7200 warten Fans noch immer. Anders sieht es bei spiegellosen Alternativen aus. Hier hat etwa Fujifilm mit der X-T3 Ende 2018 einen echten Hit gebracht. Im Testlabor kam die üppig ausgestattete CSC (Compact System Camera) auf stolze 94,10 Prozent. Die Bildqualität liegt sogar bei 95,70 Prozent. Dies zeigt exemplarisch das noch immer hohe Potenzial, das in den kleineren Sensoren schlummert. Dank immer besser werdender Signalverarbeitung steigt die Bildqualität stetig an, während das Rauschverhalten sinkt. Mit einem Preis von 1.499 Euro liegt die X-T3 allerdings auch auf gleichem Niveau zur neuen Canon EOS RP, die zwar im Vergleich magerer ausgestattet ist, dafür aber den größeren Sensor mitbringt.

Dank ihm lässt sich etwa in kritischen Lichtsituationen mit mehr Spielraum fotografieren, da die meist größeren Pixel auf dem Vollformatsensor mehr Licht aufnehmen können und zudem der Abstand zwischen den Pixeln (Pixelpitch) großzügiger ausfällt. Ebenfalls spielt der Sensor seine Stärken beim höheren Freistellpotenzial, der stärkeren Hintergrundunschärfe (bei gleicher Offenblende) und beim Bildwinkel aus. Letzteres ist gerade für Landschaftsfotografen oft der ausschlaggebende Grund für den Kauf einer Vollformatkamera, da sie mit kurzen Brennweiten mehr aufs Bild holen können – ohne einen Crop-Faktor in Kauf nehmen zu müssen.

Spiegelreflex-vs. Systemkamera

Bis zur photokina 2018 hatten Sie die Wahl zwischen diversen Spiegelreflexmodellen wie der Nikon D850, der Canon EOS 5D Mark IV oderder Pentax K-1 II oder spiegellosen Sony-Modellen, die der Elektronikriese in den vergangenen fünf Jahren mit beeindruckender Schnelligkeit auf den Markt brachte und damit für gehörigen Wirbel sorgte. Denn während treue Fans zu Beginn der „7er-Revolution” noch eine Zeit auf mögliche CSCs ihrer Marken hofften, wurden sie zunehmend enttäuscht. Mit der Konsequenz, dass immer mehr Fotografen ihre DSLR verkauften und zu Sony wechselten. Des einen Freud, des anderen Leid. So konnte Sony sich innerhalb von fünf Jahren zum Branchenführer im Bereich der Vollformatkameras mausern. Ein Schlag ins Gesicht für Canon und Nikon, die zu lange an ihrer Spiegelreflexstrategie festhielten. Im August und September 2018 änderte sich dies schlagartig. Endlich stellten sie zwei hauseigene spiegellose Alternativen zu ihren DSLRs vor. Zugleich stieg Panasonic überraschend in den Markt ein, die vergleichsweise günstige S1 (2.499 Euro) und professionelle S1R (3.699 Euro; Test ab Seite 30) sind ab sofort verfügbar.

Gerade in der Porträtfotografie spielen Vollformatkameras ihre Stärken aus. Die größere Sensorfläche erlaubt es Ihnen, näher an die Person heranzutreten und in Kombination mit einem lichtstarken Objektiv und einer sehr offenen Blende wie f/2,8 den Hintergrund in eine wunderbare Unschärfe samt Bokeh zu tauchen.


In unserem Test lagen die neuen CSCs immer fast gleich auf mit ihren vergleichbaren Spiegelreflexschwestern. Etwa die Nikon Z 7 mit 93,40% gegenüber der D850 mit 95,30% in der Gesamtwertung. Spitzenreiter in Sachen Bildqualität ist – knapp vor der D850 – die Sony Alpha 7R III. Sie kommt auf 95,90% und liegt damit 0,4% über der Profi-DSLR. In Sachen Bildqualität müssen Sie also beim Griff zur kompakten Systemkamera keine Einbußen fürchten. Im Gegenteil, wie unser Test häufig zeigt. Für die Spiegelreflexkamera spricht hauptsächlich der optische Sucher. Er wird bei der CSC durch einen elektronischen ersetzt, was einige als größte Einschränkung gegenüber der DSLR sehen. Doch dank steigender Bildauflösung der elektronischen Pendants und immer schnelleren Wiederholungsraten minimieren sich die Unterschiede. Zugleich treten die Vorteile des E-Suchers in den Vordergrund: Er zeigt vorab exakt das, was Sie ablichten. Inklusive zeitgleicher Anzeige von weiterführenden Informationen wie etwa dem Histogramm. Für uns überwiegen mittlerweile die Vorteile – und auch immer mehr Profis stimmen dieser Meinung zu. So etwa Canon-Ambassador Richard Walch, der den Sucher der EOS R in seinem Test ausdrücklich lobte – auch wenn er uns vorab seine Skepsis verriet, da er bis dato immer mit Canon-Spiegelreflexkameras gearbeitet hat. Doch die Vorteile in der Praxis haben ihn überzeugt. Unser Tipp: Probieren Sie es vor dem Kauf aus und blicken Sie durch den Sucher. Achten Sie zudem auf eine möglichst hohe Anzahl an Bildpunkten. Darüber hinaus sind aktuelle Modelle in der Regel mit besseren E-Suchern ausgestattet.

Preiswerte Vorgänger

Dies führt uns zum letzten Punkt unserer Beratung: dem möglichen Griff zum Vorgängermodell. Am günstigsten kommen Sie aktuell mit der Sony Alpha 7 in den Genuss des großen Sensors. Wir können davon jedoch nur abraten. Denn innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich technologisch so viel getan – etwa beim Autofokus, dem E-Sucher, der Bildqualität –, dass Sie langfristig mit den neuen Modellen deutlich mehr Spaß haben werden. Preisbewusste könnten aber den Kauf von direkten Vorgängern in Erwägung ziehen. Etwa der Sony Alpha 7 II aus dem Jahr 2015. Bei Spiegelreflexmodellen bietet sich der Kauf von direkten Vorgängern eher nicht an, da schon die aktuellen Modelle aus den Jahren 2016 und 2017 stammen.

Letztlich stehen natürlich auch die Modelle von Leica zur Wahl. Denn auch die M-Reihe und die SL bieten einen Vollformatchip. Die jeweiligen Preise der Kameras liegen aber fernab von 5.000 Euro und kommen somit nur für absolute Leica-Enthusiasten infrage. In Sachen Preis-Leistung können die Luxuskameras nicht mit der Konkurrenz mithalten. Auch wenn die Verarbeitung vorzüglich ist und die Marke eine hohe Strahlkraft besitzt. (bl)

Auf Seite 28 finden Sie 12 Spiegelreflex-und 19 Systemkameras mit Vollformatsensor im Direktvergleich sowie unsere drei persönlichen Kauftipps.

SYSTEMKAMERAS IM AUFWIND

Die aktuelle Studie des Photoindustrieverbands PIV illustriert den wachsenden Trend hin zu spiegellosen Modellen. Während klassische Spiegelreflexkameras seit 2014 kontinuierlich in der Gunst der Fotografiebegeisterten sinken, konnten sich die Compact System Cameras – kurz CSCs – bis 2018 auf rund 302.000 Verkäufe in Deutschland steigern. Insgesamt ist der Markt für Wechselobjektivkameras aber weiter rückläufig. Seit 2014 um 38,18 Prozent. Als ein Grund gilt die steigende Smartphonepopularität.


Kompakt und leistungsstark! Die spiegellosen Vollformatmodelle haben klassische DSLRs so gut wie überholt.
Tim Herpers, Test & Technik


2019 wird das Jahr des Vollformats. Neue Modelle von Canon, Nikon und Panasonic bringen viel Energie in den Markt und werden die Anziehungskraft, die der große Sensor seit jeher besitzt, verstärken. Sinkende Preise werden den Trend zum Vollformat weiter befeuern. Sollten Sie zugreifen, dann raten wir Ihnen zum Kauf einer spiegellosen Systemkamera. Sie sind technologisch aktuell das Maß der Dinge und spielen mit ihrem geringen Gewicht und ihren meist kompakten Abmessungen weitere Vorteile gegenüber den DSLRs aus.

DREI HEISSE KAUFTIPPS: UNSERE SPIEGELLOSEN EMPFEHLUNGEN FÜR EINSTEIGER, AUFSTEIGER UND PROFIS

Moderne Technik, kompaktes Gewand. Wir stellen Ihnen unsere drei aktuellen und persönlichen Favoriten aus dem Segment der Vollformatkameras ohne Spiegel vor. Denn auch, wenn klassische Spiegelreflexkameras weiter ihre Berechtigung und das Alleinstellungsmerkmal des optischen Suchers haben, würden wir Neueinsteigern zur CSC raten.

Canon EOS RP Brandneu und mit unter 1.500 Euro eine Vollformat-CSC zum Knallerpreis. Test in DigitalPHOTO 6/19.


Nikon Z 6 Auf dem Ausstattungsniveau der Z 7. Mit 24,3 MP aber niedriger auflösend. Dafür günstiger. 92 Prozent in der Gesamtwertung.


Sony Alpha 7R III Hochauflösendes Spitzenmodell im Sony-Line-Up mit 42,2 MP und aktuell beste Vollformat-Systemkamera. Unser Testurteil: super!


4 GRÜNDE FÜR DEN KAUF EINER VOLLFORMATKAMERA

Der Sensor mit Kleinbildabmessungen hat seit jeher seinen Reiz. Doch lange war er durch seinen hohen Preis professionellen Fotografen vorbehalten. Dank einer größeren Auswahl und sinkende Preise ist die Gelegenheit zum Kauf einer Kamera mit Vollformatsensor jetzt günstiger denn je.

1Die im Vergleich größere Sensorfläche erlaubt es den Herstellern, größere Pixel und größere Abstände (Pixelpitch) zwischen ihnen zu konstruieren. Es gilt: je größer der Pixel, desto lichtempfindlicher die Kamera. Zudem ist dadurch das Rauschverhalten tendenziell niedriger. Ein Beispiel: Der Pixelpitch der 24,3-MPNikon Z 6 liegt bei 5,92 μm. Die 24,2-MP-APS-C-DSLR-Nikon D7200 besitzt hingegen einen Pixelpitch von 3,89 μm und ist folglich weniger lichtempfindlich und rauschanfälliger.

2Die meist hohe Anzahl der Bildpunkte und die oft bessere Auflösung der Vollformatsensoren bietet im Gegensatz zu kleineren Bildchips ein höheres Freistellpotenzial. Das ist gerade bei der flinken Sportfotografie von Vorteil, wenn Sie im Nachhinein den Bildausschnitt zuschneiden und damit verdichten wollen.

3Mit einem Vollformatsensor und den passenden Objektiven können Sie mit Blende f/2,8 oder noch lichtstärkeren Modellen das Motiv viel besser vom Hintergrund trennen, als es mit den kleineren APS-C-oder Micro-Four-Thirds-Sensoren möglich wäre. Dies eröffnet Ihnen gestalterisch mehr Möglichkeiten. Gerade für Porträtaufnahmen – auch von Tieren – bieten sich Vollformatkameras an.

4Für Landschaftsfotografen, die mit sehr kurzen Brennweiten arbeiten, haben Vollformatsensoren den großen Vorteil, dass sich der Bildwinkel nicht verkleinert. 18mm sind 18mm. So können Sie nah an ein Objekt im Vordergrund, wie eine Blumenwiese, herangehen und zugleich die dramatische, weite Perspektive der Szene einfangen. Würden Sie das Motiv mit APS-C oder MFT ablichten, müssten Sie den Verlängerungsfaktor in Kauf nehmen. Der Bildwinkel würde sich durch den „Crop” entsprechend verkleinern.

SUPER-VOLLFORMAT DIE GFX-SERIE VON FUJIFILM

Fotos: Hersteller, Adobe Stock

Auf der photokina 2016 stellte Fujifilm seine neue Mittelformat-Serie GFX vor. Den Auftakt machte die GFX50S mit 51,4 Megapixeln und einem vergleichsweise niedrigen Preis von 5.500 Euro. Zeitgleich kamen hochauflösende Objektive von Fuji auf den Markt.

Zwei Jahre später, auf der photokina 2018, erweiterte Fujifilm seine erfolgreiche Reihe um die GFX50R. Mit etwas kompakteren Abmessungen, einem erneut niedrigeren Preis von rund 4.500 Euro und elektronischem Messsucher soll sie unter anderem und insbesondere Reportagefotografen begeistern. Uns hat das Modell in jedem Fall überzeugt. In DigitalPHOTO 03/19 kam sie auf 87,40 % in der Gesamtwertung. Auflösung, Farben und Dynamikumfang sind schlichtweg top. Im Rahmen der Vorstellung auf der Foto-Leitmesse in Köln wurde der große Mittelformatchip von Fujifilm kurzerhand als „Super-Vollformat” bezeichnet – als pfiffige Antwort auf die während der photokina neu vorgestellten Vollformatkameras und der damit einhergehenden Frage, ob Fujifilm in das boomende Segment mit ihren X-Modellen einsteigen könnte. Zugleich zauberte man als zusätzlichen Coup mit der GFX100 ein Modell mit 100 Megapixeln aus dem Hut, das 2019 auf den Markt kommen soll. Ein echtes Statement. Mit mehr Auflösung als die Leica S3 und einem deutlich geringeren Bodypreis von 10.000 Euro will Fujifilm noch mehr Bewegung in das Marktsegment bringen. Die S3 von Leica kostet rund 18.600 Euro und löst 64 Megapixel auf. Zwei weitere Alternativen mit XXL-Sensor gibt es von Pentax. Die 645Z (51,4 MP) und 645D (40 MP). Beide liegen aktuell bei einem Preis von rund 6.000 Euro.

DIE NEUE L-MOUNT-ALLIANZ

Die auf der photokina 2018 offiziell verkündete Kooperation von Leica, Sigma und Panasonic wird das L-Bajonett, das die Leica SL, CL und TL2 sowie die Panasonic Lumix S1R und S1 besitzen, ab diesem Jahr ordentlich befeuern.

Leica Camera, Panasonic und Sigma wollen mit der Allianz eine kundenfreundliche Lösung schaffen, die beliebige Kombinationen der APS-C-und Vollformatkameras aller drei Hersteller mit deren Objektiven zulassen soll. Egal, in welcher Kombination – praktisch alle Qualitäts-und Funktionsmerkmale der unterschiedlichen Systeme sollen vollständig erhalten bleiben. Der L-Mount soll den Fotografen somit ein weites, nahezu unbegrenztes Spektrum kreativer Möglichkeiten bieten. Der L-Mount-Durchmesser von 51,6 Millimetern eignet sich sowohl für den Einsatz an Kameras mit Vollformatsensor als auch für Kameras mit einem APS-C-Sensor. L-Mount-Objektive sind mit beiden Kameratypen kompatibel. Das sehr kurze Auflagemaß von nur 20 mm sorgt für eine geringe Distanz zwischen Objektiv und Sensor. Somit kann auf aufwendige Retrofokus-Konstruktionen verzichtet werden und Optiken können kompakter ausgelegt werden. Zudem lassen sich Adapter für Objektive mit anderen Bajonettanschlüssen problemlos einsetzen.

Die standardisierte L-Mount-Kontaktleiste sorgt für die Kommunikation zwischen den elektronischen Komponenten in Objektiv und Kamera – inklusive der Übermittlung digitaler Korrekturwerte aus dem Objektiv und der Installation von Firmware-Updates auf Objektiven. Zudem ist das Bajonett aus Edelstahl und vier Flanschsegmenten gefertigt, so dass es auch stärkeren Belastungen standhalten soll.


Fotos: Hersteller, Zffoto/Adobe Stock

Grafik: Ines Peichär; Quelle: Photoindustrie Verband PIV

Fotos: Adobe Stock, Hersteller