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KAUFBERATUNG | Skoda Scala: Aufsteiger


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auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 28.08.2019

Scala, das bedeutet im Lateinischen „Leiter“ und im Italienischen „Treppe“. Skoda möchte mit dem neuen Kompaktwagen also nach ganz oben. Dort sitzt mit unzähligen Testsiegen bisher meist der VW Golf. Das könnte sich schon bald ändern


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Fotos: R. Sassen

Die bedeutendsten Modelle der Automobilgeschichte waren oft die, die ein neues Format zu erschwinglichen Preisen etablieren konnten. Denken Sie an den Citroën 2CV, an den originalen Mini oder an die archetypischen Kompakt-Vorreiter Autobianchi Primula und VW Golf.

Letzterer muss seit dem Debüt des Skoda Rapid 2012 immer wieder als kompaktes Musterbeispiel für ...

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... Skoda herhalten, wenn die Tschechen in größeren Formaten wildern und dabei auch noch den altbekannten VW-Teilebaukasten nutzen. Der Rapid erfüllte Raumansprüche im Golf-Format, kombinierte diese aber mit Polo-Technik der vorletzten Generation. Im Detail bedeutete dies eine hintere Verbundlenkerachse anstelle der Mehrlenkerkonstruktion in stärkeren Golf-Versionen, eine nicht allzu potente Motorenauswahl und eine kargere Grundausstattung.

Der Scala will steil nach oben

Daran hat sich auch nach der Markteinführung des Rapid-Nachfolgers Scala nicht viel geändert. Die Karosserievielfalt beschränkt sich auf die zuvor „Spaceback“ genannte Kreuzung aus Kombi- und Steilheck, die eher unbeliebte Fließheckversion fiel weg. Achsen, Motoren und Teile der Bodengruppe entsprechen nun endlich der aktuellen Kleinwagen-Baukastenversion MQB-A0. Außen erhielt der in der Form ähnlich gebliebene Wagen scharfkantigere Linien, innen eine ordentliche Basisausstattung.

Was zunächst wie ein unspektakuläres VW-Konzerngewächs wirkt, zeigt sich in Wahrheit wie das perfektionierte Destillat erlesener Kompaktwagen-Zutaten. Der Rapid musste sich dem Golf noch aufgrund eines spürbar simpleren Eindrucks geschlagen geben. Dem Scala attestieren wir dagegen das Potenzial, den Namensgeber der Golf-Klasse vom Thron der Allzweckautos zu stoßen.

Karosserie

Was beim Rapid noch Spaceback hieß, ist beim Scala die einzige Karosserievariante. In jeder Hinsicht ist er größer als ein Golf VII – eine deutliche Stärke

Innenbreite v. / h.: 1455 / 1435 •
Kofferraum: 467–1410 l •
Wendekreis li. / re.: 11,0 / 11,1 m

Grund dafür ist zuerst die Größe. In Länge und Breite überragt der Scala den aktuellen Golf und wirkt auch optisch nicht mehr schmal und stelzbeinig, wie es beim Rapid teils noch der Fall war. Sein Kofferraum schluckt mindestens 467 Liter, ein fünftüriger Golf nur 380. Zum finalen Schlag zückt der Scala die Preiskeule. Der empfehlenswerte 116-PS-Benziner kostet 18550 Euro, ein identisch motorisierter Golf 21365 Euro bei beinahe identischer Grundausstattung. Während der Golf eine Klimaanlage mitbringt, hat der Basis-Scala immerhin LED-Scheinwerfer. Hinzu kommen die bei Skoda günstigeren Extras. Sparfüchse kann der Tscheche also spielend von sich überzeugen.

Im Innenraum, wo der Rapid noch geizig wirkte, leistet sich der Scala deutlich mehr hinterschäumte Kunststoffe, Geräuschdämmung und noblere Oberflächen. Auch wenn Skoda wie üblich keinen Designpreis verdient, wirkt die Armaturentafel nebst hervorgehobenem Touchscreen ebenso modern wie hochwertig. In der Charakterisierung des Interieurs ließe sich „Scala“ überall durch „Golf“ ersetzen, so nah liegen die Konzernbrüder beieinander. So nah – vermutlich –, dass dem Skoda dann doch eine Sparmaßnahme widerfahren ist, um Respektabstand zum Golf zu halten. So muss zur Lüftungsregulierung im Scala mit Klimaautomatik erst ein Touchscreen-Menü angesteuert werden. Das 520 Euro teure Extra (Serie im Style) ließe sich also noch verbessern. Luxus wie eine elektrische Fahrersitzeinstellung, Leder-Alcantara-Sitze oder Lenkradheizung gibt’s im Scala aber dennoch. Er lässt sich je nach Wunsch richtig edel ausstaffieren. Für diesen Auftritt empfehlen wir übrigens die Adaptivscheinwerfer (860 Euro, 740 im Style), die mit feinen Lichteffekten die Leuchten zu Schmuckstücken machen. Auf der anderen Seite finden wir prima, dass klassische Nutzwert-Extras wie die umklappbare Beifahrersitzlehne (80 Euro), die Wendematte für den Kofferraum (50 Euro) und sogar eine Fahrwerkshöherlegung mit Unterfahrschutz (190 Euro) auch im Scala noch erhältlich sind. Die Fülle an günstigen, aber hochwertigen Extras bewirkt, dass die Kleinwagen-Gene endgültig vergessen werden.

Dieser Eindruck besteht auch bei der Motorenauswahl. Die Vierzylinder gefallen uns am besten. Der 1.6 TDI ist ein kaltblütiger Drehmoment-Schlepper, der knurrig und sparsam seinen Dienst verrichtet, der 1.5 TSI bietet hohe Drehfreude, kräftigen Durchzug und eine Mühelosigkeit, die sich auch auf der Tankrechnung wie- derfindet. Seine 1250 Kilogramm Leergewicht überbieten andere Kompakte um 100 bis 200 Kilo. Das niedrige Gewicht gibt auch dem kleineren Dreizylinder-TSI seine Daseinsberechtigung. Gerade in der Basis wirkt er zwar wenig emotional, doch mit 116 PS und sechs Gängen schnippt der Einliter-Turbo den Tschechen recht lebhaft durch die Stadt.

Umwelt

Der Scala mit der besten Umweltbilanz ist der 1.0 G-Tec und kommt erst zum Jahresende. Die TSI-Benziner sind sparsam und leise, bei einem ganz neuen Modell wäre aber die Abgasnorm Euro-6d (ohne Temp) wünschenswert. Der Diesel zeigt ebenfalls gute Verbrauchswerte, in Zeiten zunehmender Verbreitung von Hybrid- und Elektroautos fällt das recht laute Nageln des 1.6 TDI aber im Vergleich auf. Produziert wird der Scala im tschechischen Stammwerk Mladà Boleslav unter hohen Umweltstandards. Positiv: In der Beschaffung wird hoher Wert auf eine durchgehend nachhaltige Lieferkette bei den Teilelieferanten gelegt.

Thomas Wiesand, Geschäftsführer des Umweltinstituts ÖkoTrend

Benziner Der 1,5-Liter-Vierzylinder im Bild ist sein Geld wert und passt zum großzügigen Scala-Format. Super sparsam!


Diesel 115 PS aus 1,6 Litern reichen im leichten Scala locker aus. Fülliges Drehmoment sorgt für ordentlichen Vortrieb


Langer Radstand, breite Spur, gepaart mit einem relativ geringen Gewicht, das benötigt für guten Komfort eine weiche Federung. Zu weich darf sie aber auch nicht sein, sonst geht der Scala mit seinen 550 Kilogramm Zuladung in die Knie und schaukelt seine Insassen unangenehm durch. Skoda ist den Mittelweg gegangen und hat den Scala eher straff abgestimmt. Solange die Serienbereifung auf 16- oder 17-Zoll-Felgen montiert ist, besitzt er genügend Restkomfort; mit den hübschen 18-Zöllern (ab 330 Euro für Style) wird der Skoda aber bereits ungemütlich. Wer dann noch das 15 Millimeter tieferlegende Sportfahrwerk besitzt, wird trotz der darin enthaltenen Fahrprofilauswahl übel von jeder kleinen Unebenheit ins Rückgrat geboxt. Fazit: bloß nicht!

Der Rapid hat ein Sportfahrwerk ohnehin nicht nötig, dafür sorgen wie gesagt die ohnehin straffe Auslegung und die relativ direkte Lenkung, die obendrein angenehm zielgenau die Richtung angibt. Im Grenzbereich verpufft nur wenig Querdynamik in Form von Seitenneigung; es wird rasch eine ordentliche Seitenneigung aufgebaut. Der für Fronttriebler typische Drang zum Untersteuern bleibt spürbar, wird aber von der recht steifen Hinterachsabstimmung aufgefangen, die trotz ihrer einfachen Machart das Heck angenehm aktiv in die Spur schickt. Angeblich denkt Skoda zurzeit über einen Scala RS nach, der mit Polo-GTI-Treibsatz 200 PS liefern dürfte – ein schöner Gedanke, aber noch Zukunftsmusik.

Wie sieht er also aus, der perfekte Scala? Beginnen wir mit einem kleinen Detail. Wenn Sie möchten, dass Ihrer so aussieht wie unsere Testwagen auf dem Bild unten, werden zunächst mindestens 210 Euro für das Paket „Image“ fällig, damit wird die Heckscheibe bis zur Kennzeichenmulde verlängert. In dieses Paket integriert sind auch der Dachkantenspoiler und die LED-Heckleuchten mit dynamischem Laufleuchten Laufblinker. Das Paket dürfte zu den am häufigsten gewählten Extras gehören, da schon beim Rapid Spaceback viele das schwarz wirkende Panoramadach mit entsprechendem Dachkantenspoiler bevorzugten. Wer sich auch im Scala für die durchgehende Glasdachoptik entscheidet, findet im Paket „Emotion“ für 1450 Euro (1330 im Style) einen Preisvorteil. Zusätzlich zu den „Image“-Umfängen sind dann nämlich auch die Voll-LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht an Bord. Diese allein kos- ten mindestens 740 Euro, das Glasdach bringt es ansonsten auf 730 Euro. Das zugehörige Elektrorollo rollt sich nach vorn auf – gerade mit Kindern nicht immer ideal. Ein zu öffnendes Schiebedach ist leider nicht zu haben.

Der Scala trägt als erster Skoda einen breiten Markenschriftzug mit einzelnen Lettern. Die Verwandtschaft wird das künftig übernehmen


Getriebe

Skoda gönnt allen Antrieben außer der 95-PS-Version einen sechsten Gang – das gilt auch für den künftigen G-Tec (1.0 TSI Erdgas). Natürlich würden wir uns sechs engere Fahrstufen auch für den kleinen Benziner wünschen, doch entsteht durch den Verzicht ein spürbarer Preisvorteil fürs Basismodell. In der Schaltbarkeit ähneln sich die Fünf- und Sechsgang-Boxen stark, auch wenn Erstere noch einen halben Hauch exakter durch die Kulisse flutscht. Allgemein bewegen wir uns im Scala auf einem hohem Niveau für zielsicheres und wiederstandsarmes Schalten.

Die meisten Scala tragen ab Werk ein gut schaltbares Sechsganggetriebe


Ab einschließlich 116 PS (Serie bei 1.5 TSI) bietet Skoda optional ein Siebengang-DSG für 1800 Euro an. Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet schnell, zielsicher und effizient, nervt aber seit Generationen mit ständig wechselnder Schaltcharakteristik. Mal rüde und mal träge, versucht sich die Software dem Fahrstil des Fahrers anzupassen. Empathie ist leider nicht ihre Stärke. Ein spontanerer, aber sanfter Anfahr-Kraftschluss würde das Zurückrollen in engen Parklücken am Hang und vor allem den berüchtigten VW-DSGRuck nach Einsatz der Start-Stopp-Automatik abmildern.

Ökonomisch und flink, dafür in seiner Charakteristik wankelmütig: das DSG


Für 420 Euro verbaut Skoda ein Digitalkombiinstrument mit allerlei Anzeigen, mit großem Navi ist es serienmäßig. Auch die Analoguhren funktionieren tadellos


Extras

Klasse: Der Scala trägt LED-Scheinwerfer immer serienmäßig. Ab 740 Euro gibt’s Kurvenlicht sowie den Fernlichtassistenten für 410 Euro


Einen Tempomaten haben Ambition und Style immer an Bord, eine Adaptivfunktion kostet für beide 390 Euro. Bestens bedienbar per Lenkstockhebel


Als Ausstattungslinie genügt uns Ambition, Style muss nicht sein. Praktisch: das Ablagepaket mit Tür-Mülleimerchen für 100 Euro. Zu Skodas serienmäßigen „Simply-Clever“-Ideen zählt übrigens neben dem bekannten Eiskratzer im Tankdeckel nun auch ein Wischwassertankverschluss, der gleichzeitig als Gummitrichter dient – genial einfach! Wie Sie rechts sehen, empfehlen wir außerdem das Infotainmentsystem „Bolero“ für 440 Euro (Serie im Style), an das wir unser Smartphone anschließen, um bequem über Apple CarPlay und Android navigieren zu können. Diese Fähigkeit lässt sich auch im Basisradio „Swing“ nutzen, dort kostet die Spiegelfähigkeit aber 150 Euro Aufpreis. Die induktive Ladeschale für stattliche 290 Euro können Sie sich sparen, wenn das Handy ohnehin am Kabel hängt. Achtung:

Sicherheit

Abgesehen von der aktiven Sicherheit – also serienmäßige Fahrassistenz und aktive Insassenschutzsysteme – liefert der erst kürzlich gecrashte Scala im Euro-NCAP-Test großartige Werte.

Es handelt sich bereits um die neuen USB-C-Anschlüsse. Praktisch, aber nicht unumgänglich ist das Digitalkombiinstrument für 470 Euro. Im Vergleich ist das Serienbauteil mit altmodischem Dot-Matrix-Display zwar fast genauso informativ, wirkt aber ungleich altbackener. Zu guter Letzt noch ein Lob für den Scala: Die heutzutage so wichtige Fahrassistenz in Form eines aktiven Spurhalters und eines Notbremsassistenten ist serienmäßig an Bord. Der Totwinkelwarner kostet moderate 410 Euro – den kreuzen wir auch an.

Innenraum

Raumwunder: Trotz 2,05 m Größe, trotz üppiger Sitzpolster und trotz Panoramadach mit geschlossenem Rollo passt der Redakteur gut in den Fond


Mit 467 Liter Laderaumvolumen ist der Scala auch für Urlaubsfahrten in Vollbesetzung gewappnet. Ein aktueller Golf schluckt nur 380 Liter


Infotainment

Unsere Infotainment-Empfehlung: Der Touchscreen des mittleren Systems „Bolero“ ist eindeutig groß und scharf genug, für Navigation sorgt die Smartphone-Spiegelung


In Sachen Bedienung ist die Klimasteuerung vorbildlich sauber gelöst. Das Problem: Es gibt keine Tasten für die Lüftungsdosierung – das geht übers Menü. Sparmaßnahme!


Wie so oft im VW-Konzern können wir in puncto Infotainment am ehesten über das größte Navi „Amundsen“ (1190-1820 Euro, nicht für Active) meckern. Es verzichtet gänzlich auf physische Bedienung, ohne durch seinen Riesen-Touchscreen Vorteile zu bieten. Das Mittelmaß „Bolero“ (440 Euro, Serie im Style) ist unsere klare Empfehlung. Für die Smartphone-Spiegelung per Android Auto und Apple CarPlay ist allerdings ein modernes USB-C-Kabel notwendig. Schon das Serienradio mit etwas kleinerem Display macht im Alltag einen guten Job und ist hervorragend bedienbar.

Auf zum Möbeleinkauf, oder doch lieber zu viert in den Urlaub? Skoda wildert mit dem Scala auf dem Golfplatz


Fazit – der bessere Golf

andreas.juengling@auto-test.com

Wir Autojournalisten sind oft schnell bei der Hand, den VW Golf als ständiges Urmeter vergleichend heranzuziehen. Da der Skoda Scala aus demselben Konzern stammt wie der Wolfsburger und diesen zudem räumlich auf kleinerer Plattform austrickst, können wir uns dem Vergleich nicht entziehen. Schon der Vorgänger Rapid nutzte einen ähnlichen Raumvorteil für sich, der Scala baut ihn noch weiter aus und entledigt sich zudem der meisten Nickeligkeiten, die ihn bislang zurückwarfen. Kurzum: mehr Platz als im Golf und ein fast ebenso hochwertiger Auftritt.

Leider ist das Fazit damit noch nicht am Ende. Skoda drückt kräfnicht kräftig auf die Lifestyle-Tube und verpasst dem Scala 18-Zöller, die das zahme Fahrwerk etwas überfordern. Die Klima-Bedienung geriet so erschreckend gut, dass vorsichtshalber doch noch eine wichtige Funktion ins Touchscreen-Reich verbannt wurde – nicht dass er dem Golf zu sehr auf die Pelle rückt. Minimal mehr Feinschliff – etwa beim DSG – würde genügen, um den Scala nahe ans Optimum tragen.

Wertentwicklung

Auch wenn nach der Markteinführung Anfang des Jahres bislang noch eine geringe Modellvielfalt besteht und diese Fahrzeuge obendrein noch kein hohes Alter erreicht haben, zeigen die Schwacke-Ergebnisse gewisse Unterschiede. Zwar sind die rund 57 Prozent im Minimum durchaus ein solides Ergebnis, doch geht der Trend spürbar zum Benziner. Der gut passende 1.5 TSI dürfte sich künftig noch besser schlagen.

Restwert nach 24 Monaten bei 20 000 km/Jahr, segmentspezif. Sonderausstattungsanteil

Autofahrerstudie

Ein guter siebter Rang bedeutet, dass die Skoda-Stützpunkte in Deutschland in allen Hinsichten leicht überdurchschnittlich ausfallen. Was für das Produkt gilt, gilt auch im Service: ein solides Ergebnis ohne starke Höhen und Tiefen in Wartungsarbeit oder Kundenberatung vor Ort.

Der Wenigfahrer

Mit dem quirligen Dreizylinder ist der Scala vollkommen ausreichend motorisiert und bietet trotz Downsizing genügend Elan, damit der Turbolader nicht ständig rackern muss. So bleibt der Verbrauch niedrig. Das beherrscht er besser als die etwas günstigere Basisversion mit 95 PS und nur fünf Gängen; eine sinnvolle Antriebswahl – nicht mehr und nicht weniger.

Empfehlung: 1.0 TSI (116 PS)
Listenpreis: ab 18 550 Euro

Der Vielfahrer …

… greift auch 2019 noch zum Diesel. Der 1.6er TDI mag gebranntes Kind betrügerischer Entwickler-Eltern sein, doch erfüllt er nun ganz offiziell alle nötigen Abgasnormen und ist damit so zukunftssicher wie angenehm im Alltag. Knauser können auf der Landstraße locker Verbräuche im oberen Dreiliterbereich herauskitzeln. Das gibt ein gutes Gefühl.

Empfehlung: 1.6 TDI (116 PS)
Listenpreis: ab 21 500 Euro

Der sportliche Fahrer

Erstaunlich, wie uns der 1.5 TSI im leichten Scala an seinen großen Zweiliter-Bruder aus dem Golf GTI erinnert. Hellwaches Hochdrehen, gepaart mit unerwartet kräftigem Drehmoment und Autobahntempi nördlich der 200 km/h. Klingt unvernünftig, braucht aber im Alltag genauso viel (oder wenig) Sprit wie der schwächere Einliter-Dreizylinder.

Empfehlung: 1.5 TSI (150 PS)
Listenpreis noch unbekannt