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Kawasaki Versys 650 – Suzuki V-Strom 650 XT – Yamaha Tracer 700: Stauseesucher


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 06.08.2020

Leichte Alleskönner: Wer sich für kleines Geld extrem breit aufstellen möchte, kommt an diesen Motorrädern kaum vorbei. Leichtes Handling und ansprechende Fahrdynamik garnieren die Vielseitigkeit. Genau das Richtige für den Alltag und das verlängerte Wochenende.


Artikelbild für den Artikel "Kawasaki Versys 650 – Suzuki V-Strom 650 XT – Yamaha Tracer 700: Stauseesucher" aus der Ausgabe 9/2020 von Motorrad News. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 9/2020

Ausstattung: Wulf / V-Strom 650: Anzug Vanucci, Helm Shoei, Stiefel Louis, Handschuhe Büse Frank / Tracer 700: Anzug Rukka, Helm Scorpion, Stiefel Louis, Handschuhe Büse Tillmann / Vresys 650: Anzug Modeka, Helm LS2, Stiefel Vanucci, Handschuhe Trilobite


Länge läuft: Auf sauberer Linie schraubt sich die V-Strom 650 XT durchs Mittelgebirge ...

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Die Freitagsfrage: Kleine Runde zum Kaffeestopp oder Zweitagestour ins Elsass?


Unter der Woche zur Arbeit oder an die Uni, nach Feierabend ins Kino oder zum Sport. Und Samstagfrüh spontan entscheiden, ob es nur die kleine Runde zum Kaffee-Stopp sein soll oder doch die Zweitages-Tour durch den Elsass. Mit den drei Kandidaten dieses Vergleichs geht fast alles. Und das zu Preisen, die manchem Rechenkönig die Lust auf den Gebrauchtmarkt vergehen lassen.

Das modernste Motorrad der Vergleichsrunde ist die neu aufgelegte Yamaha Tracer 700. Zum aktuellen Jahrgang gezielt modellgepflegt, erfreut sie nun mit einstellbarer Gabel, neuer Verkleidung mit markantem LED-Licht, breiterem Lenker und genial einfach höhenverstellbarer Scheibe. Das rückt die Tracer weiter in die touristische Ecke, dennoch bleibt ihre große Nähe zum sportlichen Stammmodell MT-07 ihr besonderes Kennzeichen.

Ein großer Trumpf ist das Gewicht: Die Tracer 700 wiegt rund 20 Kilo weniger als die Mitbewerber. Die versammelte Sitzposition und das kurze Rahmenheck stehen natürlich nicht für endlose Tagesetappen mit Campinggepäck für drei Wochen. Und die bescheidenen Federwege sowie der breite 180er Hinterreifen zeigen deutlich, dass dieser Crossover zu 101 Prozent auf Asphalt abonniert ist und wenig von klassischen Abenteuer-Tugenden hält.

Eingesperrt: Die V-Strom hat einen echten V-Motor. Und keiner sieht es


Ideal Standard: Die Doppelkolben-Schwimmsättel machen einen guten Job


Praktisch: Die Federvorspannung hinten lässt sich komfortabel regulieren


Offenherzig: Das seitliche Federbein der Versys 650 hat auch einen Stellknebel


Eingebremst: Die griffige Bremsanlage leidet unter der tief eintauchenden Gabel


Alter Herr: Der Kawa-Reihentwin ist eher Schmeichler als Temperamentsspritze


Zum Reisen also doch lieber zur Kawasaki Versys 650 greifen? Riesiger 21-Liter-Tank und breite Polsterlandschaft sprechen dafür. Und der ultrakurze Radstand sowie die sehr softe Grundabstimmung der Federelemente stellen Komfort und Handlichkeit ganz nach oben.

Ein heißer Tipp für Genusstourer – und unsichere Fahrer

Genau richtig für Genusstourer. Und ein heißer Tipp für noch unsichere Piloten, für die einfaches Handling im Fokus steht. Die softe Grundabstimmung sorgt ganz nebenbei dafür, dass die Sitzhöhe bei aufsitzendem Fahrer um ein gutes Stück schrumpft. Piloten ohne Gardemaß fühlen sich auf der Versys 650 sehr sicher.

Dieser Wohlfühlfaktor wird mit nur mittelmäßiger Stabilität bei engagiertem Kurventanz erkauft. Hart gedroschen, gerät das Komfortfahrwerk an seine dynamischen Grenzen. Ganz nebenbei taucht die Gabel beim harten Ankern sehr tief ein, was ABSBremsungen auf griffigem Asphalt etwas kitzelig macht. Aber es ist wohl eine persönliche Grundsatzentscheidung, ob man wild oder entspannt unterwegs sein will.

Die Suzuki V-Strom 650, in unserem Test sogar in der kernigen XT-Variante mit robusten Speichenrädern vertreten, wirkt auf den ersten Blick „etwas von gestern”. Ein Eindruck, der sich beim genaueren Hinsehen – und vor allem nach den ersten 20 Kilometern – gründlich umkehrt.

Da geht was: Der leichte Tilman schickt die Versys 650 beherzt ums Eck


Kurzcheck

Blöder Hauptständer: Das starre Zubehörteil verhagelt Frank die Linie


Klar, die V-Strom 650 XT ist noch ein Vertreter der konventionellen Reiseenduro-Philosophie. Zwar fallen die Federwege mit 150 Millimetern auch nicht gerade üppig aus, aber die Federn sind halbwegs straff abgestimmt und solide gedämpft. Dazu steht sie auf Reifen im klassischen Reiseenduro-Format 110/80 R 19 vorne und 150/70 R 17 hinten.

Das große Vorderrad rollt besser über Schlaglöcher, die zurückhaltende Reifenbreite verbessert das Einlenkverhalten. Im Zusammenspiel mit dem längsten Radstand im Testfeld glänzt die V-Strom 650 XT mit Stabilität und Belastbarkeit. Ein verlässlicher Kumpel auf der Langstrecke, manchmal etwas ruppiger und fordernder als die glatter gebügelten Crossovers von Yamaha und Kawasaki. Aber immer mit konkreter Rückmeldung und passenden Reserven für Sozius und Gepäck.

Sparsamer Kraftprotz: Der starke Tracer-700-Twin braucht am wenigsten Sprit


Etwas stumpf: Die dicken Vierkolben-Festsättel könnten bissiger belegt sein


Wo ist er denn? Die Tracer versteckt ihr umständlich einzustellendes Federbein


Suzuki V-Strom 650 und Yamaha Tracer 700 können die Werksangabe knapp toppen. Die Kawasaki Versys bestätigt ihre Papierform auf den Punkt

Nicht zu schlagen: Beim Drehmoment kann die Yamaha ihren Hubraumvorsprung ausspielen

Etwas weniger Leistung durch Umstellung auf Euro 5

Alle drei Motorräder setzen auf Zweizylinder. Die Aggregate von Versys 650 und V-Strom 650 können auf eine lange Historie zurückblicken. Die Nennleistung beider beträgt runde 70 PS, das jüngere Yamaha-Triebwerk war bis letztes Jahr mit 75 PS angegeben. Allerdings ist der Tracer-Motor aktuell bereits auf Euro 5 angepasst, was die Leistung im Fahrzeugschein auf 73 PS sinken ließ.


In Sachen Hubraum, Leistung, Drehmoment und Gewicht ist die Tracer 700 Chef im Ring


Ist aber egal, denn in Sachen Hubraum, Leistung und Drehmoment bleibt die Yamaha Chef im Ring. Dazu gesellt sich das drahtigste Kampfgewicht – die Yamaha bringt beste Voraussetzungen für den Spaß auf der Landstraße mit.

Der Suzuki-Motor ist mit einem Zylinderwinkel von 90 Grad der einzige echte VMotor im Testfeld. Eine vergleichsweise aufwändige Konstruktion, schwerer und teurer in der Herstellung. Aber auch besonders charakterstark.

Über einen Hubzapfenversatz von 270 Grad imitiert der Yamaha-Reihentwin die Zündfolge und das Geräusch eines V2, ohne sich mit dem zusätzlichen Aufwand und Kosten zu belasten. Kawasaki verpasst dem Versys-Reihentwin eine 180-Grad-Kurbelwelle, die beiden Kolben bewegen sich also immer gegenläufig. Was einen guten Massenausgleich ergibt, aber auch nach einer relativ hohen Schwungmasse verlangt. Das sind beides Faktoren, die für einen seidig-glatten Motorlauf sorgen. Also bleibt auch der Motor der Kawasaki dem geschmeidigen Gesamtkonzept der Versys 650 treu.

Abmessungen

Durchgestylt: Organisches Design der Kawa Versys 650 mit breiten Raubtieraugen und Bananen-Schwinge

Doch Adventure: Die V-Strom 650 transportiert das Reiseenduro-Thema auch stilistisch

Crossover: Die zierliche Yamaha Tracer 700 hat viel vom Leichtbau ihrer Schwester MT-07 übernommen

Im Soziusbetrieb kann die Tracer 700 nur als Notbehelf punkten. Das kurze Heck lässt den Beifahrer ängstlich nach vorne krabbeln, die legale Zuladung von maximal 166 Kilo setzt weitere enge Grenzen. Spätestens beim zusätzlichen Gepäcktransport kommen hier selbst schlanke Pärchen in die Bredouille.

Wesentlich geräumiger geht es auf der Hinterbank der Versys 650 zu. Das Polster wirkt einladend und der Fahrzeugschein verspricht 203 Kilo mögliche Zuladung. Also alles bestens? Nicht ganz, denn die komfortbetonten Federelemente geraten bei voller Zuladung an die Grenzen der Dämpfung.

Am liebsten mit Kumpels: Gemeinsam machen Mittelgebirge noch mehr Spaß


Zumindest bei flotter Fahrt schwingt es dann spürbar nach. Da lässt sich auch mit den Stellschrauben an Gabel und Federbein nur bedingt gegensteuern. Immerhin kann die hintere Federvorspannung komfortabel per Handrad angepasst werden. Ein Luxus, den sich auch die Suzuki V-Strom 650 erlaubt, während die Yamaha umständlich nach dem Einsatz eines Hakenschlüssels verlangt.


Komfortgewinn: Versys 650 und V-Strom 650 locken mit luxuriöser Federbeinverstellung per Handrad


Am besten kommt die Suzuki mit Soziusbetrieb und hohen Zuladungen zurecht, ein solider Gepäckträger ist sogar serienmäßig vorhanden. Was je nach Reiseambitionen durchaus bei der Kaufentscheidung ein entscheidender Vorteil sein kann.

Im Gegenzug wirkt die Yamaha sehr puristisch ausgestattet, auch das minimalistische LCD-Cockpit scheint direkt aus Sparta zu kommen. Immerhin kann der Tracer-Fahrer als einziger die Höhe des Windschilds während der Fahrt verstellen. Der Kawa-Kollege muss von vorne zwei Handschrauben lösen, der Suzuki-Reisende sogar zum Schraubenschlüssel greifen.

Fazit

Wulf Unser Testfuchs


Suzuki hält mit der V-Strom 650 XT die Tugenden klassischer Reiseenduros hoch. Ein wenig ungehobelt vielleicht, aber auch das hat seinen Reiz. Die Kawasaki Versys 650 kombiniert das City-verliebte Crossover-Konzept mit allem, was ein einsteigerfreundliches Komfortmotorrad braucht. Und damit taugt die Versys auch für Routiniers auf Entspannungskurs. Die Yamaha Tracer 700 wiederum kombiniert den dicksten Motor mit der geringsten Fahrzeugmasse und lässt den Piloten ständig spüren, dass er auf einem tourentauglichen Ableger der quirligen MT-07 sitzt.

Geringer Verbrauch macht große Reichweiten möglich

Ein erfreuliches Thema sind die Trinksitten der drei Testmotorräder. Rund 4,5 Liter pusten sie auf 100 Kilometern durch die Einspritzventile. Die reiselustige V-Strom kann damit aus ihrem 20-Liter-Spitfass satte 434 Kilometer Reichweite bestreiten. So viel Luft bis zum nächsten Tankstopp sollte selbst ambitionierten Tourenfahrern genügen.

Aber die Kawasaki kann das sogar noch toppen. Sie kann noch einen Liter mehr Kraftstoff bunkern, was mit 457 Kilometern Reichweite belohnt wird. Den kleinsten Tank hat die Yamaha Tracer 700. Dank des günstigsten Verbrauchs im Testfeld reichen aber auch ihre 17 Liter für absolut achtbare 395 Kilometer.

Nah am Wasser: Ein schöner See ist immer ein lohnendes Ziel


Kommen wir zum Ranking. Die Yamaha Tracer 700 hat als Ableger der quirligen MT-07 sehr viele Eigenschaften des Genspenders übernommen, vor allem den konsequenten Leichtbau. In der City und beim Kurvenschwung in Schwarzwald oder Eifel hat die Tracer stets die Nase vorn. Dass der überbreite 180er am Heck nur der Show dient, sei ihr verziehen. Das minimalistische Cockpit stört beim Fahren auch nicht wirklich. Und die eingeschränkten Zuladungsoptionen fallen erst im Sozius-Betrieb unangenehm auf.

Auf der Kawasaki stehen Komfort und gelebte Leichtigkeit im Fokus. Das eigentlich stattliche Gewicht macht sich in der Praxis kaum bemerkbar. Der im Vergleich zur Tracer etwas träger aufspielende Motor enttäuscht allenfalls ambitionierte Kurvenjäger, was sich sinngemäß auch auf die extrakomfortablen Federelemente übertragen lässt. Wer es am liebsten locker und entspannt gehen lässt, sollte sich auf der Versys 650 pudelwohl fühlen.

Sieger der Herzen ist die Suzuki. Weil sie neben den schicken Crossovern noch als echtes, raubeiniges Adventure-Bike durchgeht. Das straffe Fahrwerk und die schmale Bereifung erlauben auf Nebenstrecken einen schnellen Strich. Der aufwändige V2 begeistert mit grummeligem Charme und legt trotz seines konstruktiven Alters viel Temperament vor. Und die beste Reisemaschine ist die V-Strom ohnehin.


Fotos Volker Rost