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KEILER ANLOCKEN: Der Duft der Konkurrenz


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 16.11.2018

Nicht alles rückt der alte FuchsRudi Knaackaus seiner Trickkiste raus. Doch da er das Geheimnis um seine Keiler- Erfolge schon gelüftet hatte, war es nicht mehr so schwer, eine „Gebrauchsanleitung“ für sein Vorgehen zu erfahren.


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Mit Knaacks Trick kommt er wie am Schnürchen


Der reife Keiler im Revier weckt Begehrlichkeiten. Wer würde ihn nicht gern mit der Wunderwaffe anlocken.

FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Wie man im Hintergrund erkennen kann, hat der gewitzte Rudi Knaack schon so manchen Keiler angelockt.


FOTOS: FRANK RAKOW/PAULINE V. HARDENBERG (TROPHÄE)

Wie so häufig im Leben: Der gewitzte Jäger aus der ...

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... Uckermark ist eher durch Zufall darauf gekommen, wie es gelingen kann, Keiler anzulocken. „Bei Dezember-Mond hatte ich einen starken Keiler gestreckt und gleich vor Ort aufgebrochen. Ein jeder, der das schon mal gemacht hat, weiß, was das für eine Asterei ist.“ Als der erfolgreiche Jäger am nächsten Tag den Erlegungsort nochmal aufsuchen wollte, um zu kontrollieren, ob er alles mitgenommen habe, glaubte er, seinen Augen nicht trauen zu können: „Als sei mein Keiler wieder auferstanden, wuselte an derselben Stelle erneut ein mächtiges Schwein herum.“

DES RÄTSELS LÖSUNG

Ungläubig beobachtete der damals 74-Jährige zunächst die Szenerie aus der Entfernung und sah, wie sich dieser Keiler in den Aufbruchresten seines Vorgängers intensiv suhlte: „Wie das Hunde zuweilen auf Aas sehr zum Ärger ihrer Besitzer machen.“ Irgendwann wechselte Rudi dann aber doch vom Fernglas aufs Gewehr und erlegte nur einen Tag später am selben Ort den zweiten Keiler mit über 100 Kilogramm. Mehr aus einer Vorahnung heraus sicherte er sich diesmal die Blase von Keiler Nummer zwei in einem kleinen, verschließbaren Eimer. „Zuhause habe ich dann alte Jagdbücher gewälzt und fand schließlich den Hinweis, dass der Blaseninhalt eines Keilers Rivalen über weite Entfernungen anlockt. Da hat es bei mir Klick gemacht“, lächelt der pfiffige Waidmann mit einem Blitzen in den Augen: „Das musst du jetzt ausbauen, habe ich mir gesagt.“

UNWIDERSTEHLICH

Sein Feldrevier nördlich von Eberswalde in Brandenburg grenzt an große Waldungen. Nur in eine feuchte Schilfpartie von gerade mal zehn Hektar schieben sich bei ihm gern Sauen ein. „Doch da gehe ich grundsätzlich nicht rein“, betont der passionierte Saujäger, „dort sollen die Sauen sich absolut sicher fühlen. Meine Aufgabe ist es, sie dorthin zu lenken, wo ich sie haben will.“ Knaack nutzt dafür geschickt die Vorteile der leicht hügeligen Endmoränenlandschaft seiner uckermärkischen Heimat: „Ich kirre in einem Tal zwischen zwei Hügeln.“ Seit seinem Aha-Erlebnis mit den beiden Keilern hisst er vom halben Mond an eine „Keiler-Duftfahne“. Damit der wertvolle Blaseninhalt möglichst ausdauernd wirkt, benetzt er damit einen Malbaum auf zwei Meter Höhe und tränkt zusätzlich ein Lätzchen mit dem Keiler-Parfüm. Das bindet er genau dort fest, wo er den Keiler hinhaben will. Zusammen mit einer ordentlichen Dosis Buchenholzteer ergibt das so einen „olfaktorischen Hammer“, dem kleine und große Sauen nicht widerstehen können.

Die Schilfpartien in den weiten Feldern von Knaacks Revieren sind ideale Einstandsgebiete für Sauen.


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DIE GEWINNUNG

Dass so ein Brocken vor allem in den Rauschmonaten rasch aufgebrochen werden muss, versteht sich von selbst. „Aber es muss ein Stinker sein, sonst lohnt es sich nicht, den Aufwand mit der Blase zu betreiben“, betont der Uckermärker Waidmann. Die bei Keilern meist prallvolle Blase soll vorsichtig freigelegt werden. Mit Daumen und Zeigefinger den Zugang fest abklemmen und mit einem Querschnitt vorsichtig oberhalb abtrennen. Die Flüssigkeit in einen fest verschließbaren Eimer füllen. Oder den Blaseneingang mit einem Bindfaden fest verschließen. Um mit dem „Keilergold“ sparsam umzugehen, füllt Rudi den Inhalt der Blase in einen Blumenzerstäuber um und verdünnt ihn bei Be darf. Damit parfümiert er in seinen Revieren die wichtigsten Stellen und hofft, dass diese Duftfahne des Rivalen den Rüssel der umherwandernden Bassen erreicht. Manchmal profitieren auch die Nachbarn von diesen Keiler-Duftkirrungen. Der Basse, hinter dem unser 78-jährige Spezialist im Oktober her war, lief seinem Nachbarn vor die Büchse. „Er hatte dann aber doch nur 157 Kilo“, meint Rudi Knaack trocken.

So genüsslich sollen sich die Keiler an den von Knaack präparierten Malbäumen schubbern. Probieren Sie es aus!


FOTO: BILDAGENTUR SCHILLING

Keilergold-Gewinnung

1+2. Vorsichtig die Blase aus den Dünnungen heben. Das Aufbrechen über Kopf erleichtert diesen Vorgang.
3+4. Mit Daumen und Zeigefinger den Zugang vom Dünndarm fest abdrücken und oberhalb vorsichtig durchtrennen. Den Eingang mit einem Bindfaden fest verschließen.
5. Das „Keilergold“ in einem fest verschließbaren (!) Eimer sichern.
6. Verdünnt aus einem Blumenzerstäuber im Revier eingesetzt, hat man etwas länger von dem „Eau de Keiler“.


FOTOS: FRANK RAKOW