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Keime – zu Lande, zu Wasser und in der Luft


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 17.01.2022

STALLHYGIENE

Artikelbild für den Artikel "Keime – zu Lande, zu Wasser und in der Luft" aus der Ausgabe 20/2022 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Licht, Luft und ? hoffentlich ? staubfreie Späne ? so lässt es sich gut leben.

Es soll nicht ziehen, aber die Luft soll frisch sein. Eine moderate Luftbewegung – Wissenschaftler empfehlen mindestens 0,2 Meter pro Sekunde – ist gewünscht. Zugluft ist das nicht. Im Gegenteil, gewisse Temperaturunterschiede durch Luftbewegung sind sogar der Gesundheit förderlich. Frischluft stimuliert das Immunsystem. Als Faustregel gilt: Drinnen sollte es so warm (oder kalt) sein wie draußen.

Das Klima muss stimmen in Stallgasse und Box! Dass das nicht unbedingt dasselbe ist, kann man mit einem kleinen Selbsttest ausprobieren. Einfach mal bei geschlossener Boxentür in die Box hocken und den Kopf weit herunternehmen. Jetzt tief einatmen. Duftet es nach Heu? Glückwunsch! Kriechen aber stechende Ammoniakdämpfe in die Nase, hat man einen Eindruck, welcher Schadgasbelastung das Pferd beim Fressen ausgesetzt ist. Und erst recht, wenn es sich nachts auf die Seite legt und keine Chance hat, ...

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... eventuellem Gestank aus dem Weg zu gehen.

Faktoren für gesundes Stallklima

Was macht es denn nun aus, das Stallklima? Verschiedene Komponenten sind relevant, physikalische, chemische und biologische. Während Lufttemperatur, -feuchtigkeit und -bewegung zu den physikalischen Faktoren zählen, sind (Schad-)Gase wie Kohlendioxid, Ammoniak oder Schwefelwasserstoff chemische Einflüsse. Und die Biologie umfasst Bakterien, Viren und – vor allem, weil weit verbreitet im Stall – Schimmelpilze und von ihnen gebildete Giftstoffe (Mykotoxine).

Keimbombe Heunetz: 10.000 Schimmelsporen pro Atemzug.

Atemwege und Schleimhäute sind die Hauptleidtragenden in einem Stall, in dem die Hygiene nur ein „mangelhaft“ bekommen kann. Sie werden einerseits gereizt und transportieren andererseits Giftstoffe oder Allergene (Pollen, Milben kot etc.) in den Körper. Über die Luft wird vieles weitergetragen.

Bereits 1987 haben Wissenschaftler in den USA in einer Versuchsreihe die Luft rund um ein Heunetz mit verschimmeltem Heu untersucht: Im Umkreis von einem Meter befanden sich so viele Pilzsporen in der Luft, dass das Pferd pro Atemzug ca. 10.000 Pilzsporen einatmete.

Der Kampf mit dem Staub

Alles soll sauber sein, aber das ist gar nicht so leicht: Beim Fegen und Einstreuen wird stets Staub aufgewirbelt. Regel Nummer eins: Bei staubenden Arbeiten jeglicher Art sollten möglichst keine Pferde anwesend sein. Am besten: „Raus mit euch auf Paddock, Koppel oder zum Training!“ Ist dies nicht möglich, ist richtiges Lüften das A und O.

Wird die Stallgasse vorher befeuchtet, wird der Staub beim Fegen am Hochwirbeln gehindert und kann gebunden aus dem Stall verbannt werden. Die Einstreu an sich ist ein Thema für sich. Späne oder Stroh auflockern, während das Pferd in der Box steht, ist beispielsweise mehr als ungünstig. Was für das menschliche Auge oft nur nach fiesem Staub aussieht, kann aufgrund größerer Partikel weniger schädlich sein als der Staub aus Kleinstpartikeln, die auf diese Weise aufgeschüttelt und tiefer eingeatmet werden. Wird ein Pferd beispielsweise in seiner Box geputzt, ist die Anzahl aufgewirbelter Keime dreimal so hoch wie beim Misten.

Steht ein Pferd wegen Atemwegsproblemen auf Spänen, rundherum sind aber Strohboxen und nach der Strohund Heufütterung wird gefegt, während der Asthmatiker in seiner Box steht, erzielt man nur einen Bruchteil der angestrebten Wirkung einer Spänebox.

Vorbeugen ist besser als heilen!

Heiß oder kalt, trocken oder feucht, angenehm oder zugig – mit den richtigen Grundvoraussetzungen in einem Pferdestall kann erheblichen Problemen mit der Stallhygiene vorgebeugt werden. Ein feuchter Pferdeatem in kalten Winternächten ist sichtbar und oftmals spürbar. Bis zu 0,3 Liter Wasser können Pferde pro Stunde ausatmen.

Nach absolvierten Trainingseinheiten schwitzen sie, werden in der Waschbox abgespritzt, bekommen dampfendes Mash und erleichtern sich in ihrer Box. Schneller als Mensch denkt, steigt die Luftfeuchtigkeit rasant an. Das Wachstum von Schimmelpilzen an organischem Material beginnt ab einer relativen Luftfeuchte von 70 bis 80 Prozent. Feuchtigkeit ist der Grund, dass Futtermittel nicht in leerstehenden Boxen gelagert werden sollten, denn diese brauchen völlige Trockenheit (s. S. 93).

DAS SAGEN DIE LEITLINIEN

Richtwerte für das Pferdestallklima

Lufttemperatur: Stalltemperatur soll Außentemperatur gemäßigt folgen

Relative Luftfeuchtigkeit: 60 – 80 %

Luftgeschwindigkeit im Tierbereich: ≥ 0,2 m/s

Kohlendioxidgehalt der Luft: < 1.000 ppm

Ammoniakgehalt der Luft: < 10 ppm

Schwefelwasserstoffgehalt der Luft: 0 ppm

lt. Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten vom 9. Juni 2009 (BMEL)

Jenseits der Stallgasse ist die Box der Bereich, in dem sich ein Großteil der Pferde täglich am längsten aufhält. Hier lauert ein für Menschen und Tiere giftiges Gas: Ammoniak. Es entsteht durch die Zersetzung stickstoffhaltiger Substanzen wie Einstreu, Harn und Kot. Verhindern lässt sich die Ammoniakbildung nicht, aber man kann dafür sorgen, dass das Pferd dem Gas nur wenig ausgesetzt wird. Ammoniak reizt nicht nur die oberen Atemwege und steigert die Infektanfälligkeit, es ist ab einem Gehalt von 5.000 ppm (Parts per Million/Anteile pro Million) sogar tödlich. Das Maß für Ställe sollte 10 ppm, das sind 10 Milliliter in einem Kubikmeter Luft, nicht übersteigen: Eine Dauerbelastung kann chronische Atemwegserkrankungen hervorrufen. Menschen nehmen den strengen Geruch ab 4 ppm war – Pferdenasen sind aber wesentlich empfindlicher.

Ammoniak geht nicht nur auf die Lunge, es schadet auch der Hufsubstanz. In Kombination mit Wasser oder mit feuchter Einstreu bildet Ammoniak die Lauge Salmiakgeist. In dieser Form kann es das Hufhorn auflösen und Hufabszesse verursachen. Auch Strahlfäule und die White Line Disease, eine Erkrankung der inneren Hufwand, die entsteht, wenn Bakterien und Pilze durch Risse in der weißen Linie in den Huf eindringen, kann eine Folge von Salmiakgeist sein. Ammoniak als Gas reagiert außerdem mit Tränenflüssigkeit. Das ist der Grund, warum uns bei zu hoher Konzentration des Gases oft die Augen brennen. Und nicht nur das, es greift auch die Schleimhäute der Atemwege an. Die Folge: Infektionen, Reizungen und Husten. In Verbindung mit Feinstaub dringt es außerdem bis tief in die Lunge ein, hin zu den Lungenbläschen. Dort hemmt es die Enzyme, die für die Zellatmung benötigt werden und wirkt zellschädigend. So entstehen chronische Atemwegserkrankungen und Allergien.

Wie umgehen mit Ammoniak?

Neben guter Belüftung steckt in der richtigen Einstreu der Weg zur geringeren Ammoniakkonzentration. Die Mistmatratze ist entgegen aller Erwartungen die beste Lösung. Mit ihr setzt man nämlich auf den Kompostierungsprozess der unteren Schichten durch spezialisierte Mikroorganismen, die das Ammoniak in weitere Bestandteile (u. a. Nitrit) aufschließen und die Bildung von faulgasproduzierenden Keimen verhindern. Dadurch gehen keine giftigen Gase mehr in die Luft über. Fachleute nennen diesen Effekt Nitrifikation. Wer aber bei einer Matratzenstreu voller Inbrunst nicht nur abäppelt und wirklich nasse Stellen entfernt, sondern die Matratze immer wieder aufreißt, vereitelt diesen Effekt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Luftaustausch vertreibt im Sommer Insekten.

Vor allem die kleinsten Bewohner eines Pferdestalls sind Ammoniakausdünstungen ausgesetzt. Denn je weiter es gen Boden geht, desto höher ist die Konzentration von Ammoniak in der Atemluft. Das trifft vor allem Ponys und Fohlen. Letztere leiden darunter besonders, denn ihre Atemwege befinden sich noch in der Entwicklung, sind also noch nicht voll ausgebildet und dementsprechend anfälliger für Krankheiten. Darüber hinaus liegen Fohlen häufig und befinden sich damit noch näher am Boden, von dem das Ammoniak aufsteigt.

Pauschal lässt sich sagen: Je feiner die Einstreu, desto größer die Oberfläche, auf der sich Mikroorganismen ansiedeln können. Und je mehr Mikroorganismen es gibt, desto stärker wird der Kompostierungsprozess beschleunigt. Einen Haken hat die Sache jedoch: Wird die Mistmatratze nach maximal zwölf Wochen erneuert, steigert sich der Ammoniakgehalt anfangs enorm. Bei guter Pflege, also einer neuen Zehn-Zentimeter ­Schicht Einstreu ein- bis zweimal am Tag, sinkt dieser aber rasch wieder auf ein niedriges Niveau ab.

Die Industrie bietet mittlerweile diverse Einstreualternativen an. Das Problem dabei: Nicht in jedem Pensionsstall kann man ohne Weiteres ein ganz eigenes Einstreukonzept verwirklichen. Es gibt aber auch Stallhygiene-Produkte, die einfach über gängige Einstreu, Stroh oder Späne, gestreut werden, dabei einerseits Flüssigkeit binden und andererseits mit ätherischen Ölen die Luftqualität verbessern. Ein solches Produkt, SHF von Josera, haben wir getestet und der Effekt hat uns voll überzeugt.

Mehr Luft in den Stall

Kann man von Kuhställen lernen? Wer jetzt die Nase rümpft, liegt falsch. In der Nutztierhaltung wird sich viel ums Tierwohl gekümmert, nicht nur weil der Gesetzgeber es verlangt, sondern weil es sich auch auszahlt. Klassische Musik erhöht die Milchleistung, das haben Studien ergeben. Frische Luft erst recht. In vielen modernen Tierställen wird Frischluft vernebelt, um so ein besseres Klima zu bekommen. Man kann sogar ätherische Öle mit durch die großen Luftschläuche schicken, sie binden dann die Schmutzpartikel, die Luft wird sauberer. Im Sommer kann man so einen nahezu fliegenfreien Stall bekommen, berichten Anwender. Aber auch ganz ohne Zusätze kann ein Luftaustausch maßgeblich die Hygiene im Stall verbessern. Fein vernebelt kann die Luft in alle Ecken und Ritzen gelangen. Wer seinen Stall desinfizieren möchte, kann unterschiedliche Mittel dieser Luft zusetzen. Ein jährliches „Großreinemachen“ sollte selbstverständlich sein.

Wasser – so wichtig!

Einer der unterschätzten Grundpfeiler der Pferdegesundheit ist Wasser. Energiereiches Sportmüsli oder getreidefreies Ergänzungsfuttermittel soweit das Auge reicht, in der Sattelkammer die beste Ausrüstung. Pferdebesitzer tun oft alles und noch viel mehr, damit es ihren Vierbeinern blendend geht. Jedes Futtermittel wird streng unter die Lupe genommen. Aber was ist mit dem Ursprung des Lebens? Was ist mit Wasser?

Klar, Pferde brauchen es. Wie jedes Lebewesen. Ein Pferd säuft im Durchschnitt rund fünf Liter je 100 Kilogramm Körpermasse pro Tag, ein Warmblüter also ca. 30 Liter. Wird es gearbeitet, bei Hitze oder hat eine Stute ein Fohlen bei Fuß, steigert sich die Menge um das Doppelte. Blut, Lymphe, Gewebeflüssigkeit und Schleimhaut bauen auf das Element, um lebenswichtige Vorgänge im Körper am Laufen zu halten.

UNERKANNTE KEIME IN DER STALLLUFT

Versuch: Luftaustausch und Keimgehalt

Was kann Frischluft wirklich? Um das herauszufinden, hat Guido Schmitz von der Firma Burdorf Land und Trocknungstechnik einen Versuch in mehreren Ställen gemacht. Luftproben wurden genommen:

• vor dem Ausmisten

• während des Ausmistens

• nach dem Ausmisten

• ein bis zwei Tage nach dem Ausmisten

Nach dem Ausmisten wurden zwei verschiedene Szenarien betrachtet: Einmal wurde der Stall nicht anders als sonst üblich belüftet, das andere Mal sorgte Überdruck durch eine Schlauchbelüftung (in einer für Pferde angenehmen Intensität, ohne dass Zugluft entsteht) dafür, dass das Luftvolumen der Stallgasse zweimal pro Stunde komplett ausgetauscht wurde. Die Luftproben wurden in einem Labor auf ihre Keimlast untersucht. Die Keimkultur entwickelte sich auf einem gängigen Kultur medium (Columbia Agar mit 5% Schafblut). Für Tierhaltung gilt der aus den USA stammende, äußerst strenge Grenzwert von 15.000 Keimen/m 3 als optimal für die Tiergesundheit.

Ergebnis: schockierend!

Die Ergebnisse ähnelten sich alle in ihrer Aussage. Hier Daten aus einem der Ställe:

Vor dem Ausmisten wurden dort annähernd 500.000 Keime/m 3 in der Stallluft nachgewiesen. Der Grenzwert war um mehr als das 33-fache überschritten. „Tiergesundheits-und tierwohlmindernde Auswirkungen sowie Beeinträchtigungen der Gesundheit der Reiterinnen und Reiter sowie des Stallpersonals durch die Keimbelastung“ seien „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten“, schreibt das Labor in seiner Analyse. Das gilt erst recht für den Wert während des Ausmistens mit einem Kleintraktor: 638.000 Keime/m – „es besteht Handlungsbedarf“, so das Laborprotokoll. Der Wert nach dem Einstreuen lag immer noch bei knapp 600.000 Keimen/m , am Morgen des Folgetags dann knapp unter 40.000. Das Pferd in der Box hustete trotzdem.

Nun wurde das Gebläse eingeschaltet, sechs Stunden später die nächste Probe. Ergebnis: 14.618 Keime/m 3 , Punktlandung, „sehr gut“ schreibt das Labor. Eine Woche später wurde ein weiteres Mal gemessen, mittlerweile wieder mit mehr Mist in den Boxen: ein Wert von knapp 26.000, laut Labor „verbesserungswürdig“. Das ist immer noch sehr gut und es sind um ein Vielfaches (gut 95 Prozent) weniger Keime als ursprünglich.

Trinkwasser = Tränkwasser?

Regenwasser, Brunnenwasser oder natürliche Gewässer sind Quellen, aus denen es der Mensch ungern wagt, einen großen Schluck zu nehmen. Verfärbungen und muffiger Geruch lassen die Alarmglocken schrillen. Wenn es um die Tiere geht, geben sich viele robuster. Gefühlt gibt es nur ein Kriterium, das den Pferdehalter interessiert: kein Mist in der Selbsttränke. Aber alte ausgeblichene Maurereimer, Tränken mit Schlieren von grünen Algen oder selbst ein hofeigener Brunnen bergen Gesundheitsrisiken, so praktisch und günstig sie auch sein mögen. Im Brunnenwasser finden sich häufig ungebetene Gäste wie Bakterien oder Ablagerungen von Mangan, Eisen, Sulfaten und Nitrat. Gerade letzteres schädigt den Magen-Darm-Trakt, löst Durchblutungsstörungen durch Blutdruckabfall aus und kann die roten Blutkörperchen verändern, wodurch die Sauerstoffbindung gestört wird. Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, wie dramatisch die Nitratbelastung im Grundwasser in vielen Gebieten ist.

Wer jetzt denkt, dass wenn das Wasser von unten nicht nutzbar ist, das Wasser von oben Abhilfe schaffen könnte, liegt falsch. Regenwasser ist problematisch, da es von Haus aus frei von Salzen und Mineralstoffen ist, diese kommen erst später auf dem Weg durch Gesteinsschichten hinzu. Der pH-Wert lässt außerdem oftmals zu wünschen übrig, Stichwort „saurer Regen“. Offizielle Stellen wie die Weltgesundheitsorganisation raten deshalb vom Tränken mit Regenwasser ab, denn dies kann zu Demineralisierungen im Körper des Pferdes führen und die Gefahr einer Kontaminierung mit Bakterien, Schwermetallen und Toxinen ist zu groß.

Ammoniak- Belastung beim Misten: Weniger ist oft mehr – also: Matratze erhalten!

Wäre das Wasser primär einwandfrei, kommt das Problem des Auffangens hinzu. Regenrinne, Dächer und Tonnen bieten zu viel Raum für sekundäre Verschmutzungen wie Tierkot, schädliche Stoffe aus den Dächern oder Algen. Der sicherste Weg, um einwandfreies Wasser zu erhalten, ist Trinkwasser zu nutzen, denn dieses durchläuft regelmäßig offizielle Untersuchungen. Ist es für den Menschen unbedenklich, ist es das auch für die Pferde.

Der Teufel lauert im Rohr-Detail

Rohre, Tränken, Schläuche, Wannen – Wasser legt einen großen Weg zurück und begegnet so einigem. Durch zu seltenes Reinigen jeglicher Tränken gelangen Fäkalien, Futterreste und Dreck ins Wasser. Gerade bei größeren Behältnissen, in denen Wasser länger steht, bieten diese Partikel einen perfekten Nährboden für Salmonellen, Hefe-und Schimmelpilze, Algen und somit auch Bakterien. Gelangt altes Futter ins Wasser, beginnt dies zu gären, das Wasser verdirbt. Bilden sich Bläschen ist das ein Indikator für Hefen. Algen sind schnell zu erkennen, einige sind harmlos, andere aber blaugrün und giftig! Salmonellen gelangen oftmals durch Kot von zum Beispiel Vögeln in das Tränkwasser und lösen gerade bei anfälligen Pferden schwere Durchfälle aus. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte also regelmäßig geschrubbt werden!

Rost, Schwermetalle und Schwebstoffe sind noch tückischer: Wer sieht schon, wie eine Wasserleitung von innen aussieht? Oxidiertes Eisen an sich ist nicht schädlich, seine Oberfläche lädt aber Keime dazu ein, sich anzusiedeln.

Oftmals in älteren Ställen verwendete Wasserleitungen aus Kupfer, Zink oder Blei sind zwar nicht eben gesundheitsförderlich, sorgen aber nur in seltenen Fällen für Vergiftungen.

Schwebstoffe, also alles, was das Wasser trübt, wie Staub, Pollen, Heu, Federn, Haare oder Laub, sind selbst nicht immer schädlich. Schwimmen sie aber im Wasser, sind sie ein beliebter Nährboden für Algen und Pilze. Gefährlich wird es, wenn Tierkadaver ins Spiel kommen, denn diese enthalten Botulismus-Toxine und sind hochgiftig.

Jetzt im Winter kein Problem sind heiße Temperaturen und eine hohe Sonneneinstrahlung. Diese Faktoren feuern die Vermehrung von Keimen an. Schließlich noch: Achtung, nicht alle Schläuche, Eimer oder Bottiche sind geeignet für den Kontakt mit Trinkwasser! Weichmacher oder giftige Farben können dem Wasser den Rest geben!

Selbstverständlich müssen nicht nur Selbsttränken, sondern auch Tröge und Heuraufen regelmäßig gesäubert werden. Der Bodensatz in Heuraufen ist ein Tummelplatz für alles, was dem Pferd schaden kann. Gleiches gilt für verdreckte Tröge. Krusten von Kraftfutterresten in den Ecken sollten regelmäßig entfernt werden. Wer immer wieder Mash füttert, sollte das lieber aus Schalen anbieten. Leinsamen, Bestandteil der meisten Mashs, sind gesund, weil sie einen Schleim bilden. Schnell wird dieser Schleim in der Krippe fest, vermengt sich mit Keimen und kontaminiert so jede weitere Futterration, die im Trog landet.

Futterlagerung – schwieriger, als man glaubt

Duftende Säcke in großer Auswahl finden sich in der Futterkammer – dem Lieblingsplatz der Nagetiere. Vergorenes oder verunreinigtes Futter kann genauso Krankheiten verursachen wie der Kot unerwünschter Untermieter. Um das Futter vor dem Verderben zu schützen, sollten Privatpersonen mit kleinem Pferdebestand keine Megaeinkäufe für einen Jahresvorrat tätigen. Großlieferungen eignen sich eher für Betriebe, die große Mengen innerhalb kurzer Zeit verwerten können.

Futter sollte nicht länger als vier Wochen gelagert werden, anders als viele Mindesthaltbarkeitsdaten vermuten lassen. Denn diese richten sich meist nach den optimalen Lagerungsbedingungen – Trockenheit bei einer Temperatur von 10 bis 15 Grad Celsius ohne Lichteinfluss. Frisch gequetschtes Kraftfutter verdirbt noch schneller, es sollte spätestens nach zwei Wochen verbraucht sein.

Gut auf die eigenen Sinne verlassen kann man sich, um die Qualität des Futters zu überprüfen. Verdorbenes Futter lässt sich am ranzigen Geruch erkennen, außerdem ändert sich mit dem Grad der Verdorbenheit auch die Beschaffenheit: Je schlechter das Futter, desto staubiger ist es. Riecht das Futter ranzig oder sind dunkle Flecken auf dem Korn erkennbar? Dann sollte generell immer der gesamte Inhalt des Sacks oder der Tonne entsorgt werden. Denn spätestens wenn der Schimmel optisch sichtbar ist, ist er durch das gesamte Futter gezogen.

Mit dem Wassertest lässt sich außerdem hervorragend die Getreidequalität überprüfen. Dabei wird ein ganzes Korn in ein Wasserglas gegeben. Gutes und sauberes Getreide wird das Wasser nicht verfärben und zu Boden sinken. Verdorbene Körner hingegen sind leichter und schwimmen, beziehungsweise sinken nicht gänzlich zu Boden. Umfassende Futteranalysen können auch in Laboren wie der Lufa durchgeführt werden.

Für kleinere Bestände ist es ratsam, mehrere kleinere Tonnen zur Lagerung einzusetzen. In die können dann die Papiersäcke gestellt werden, damit sie vor Feuchtigkeit und Nagetieren geschützt sind. Die Papiertüten schützen außerdem vor Weichmachern und anderen Schadstoffen, die bei hohen Temperaturen oft aus Kunststofftonnen austreten. Achtung bei der Wahl der Tonne: In Metalltonnen bildet sich bei hohen Temperaturen oft Kondenswasser im Inneren, was zur Schimmelbildung führen kann. Gut belüftet dagegen sind Holzkisten durch ihre offenporige Beschaffenheit.

Noch etwas: Eine Restfeuchte ist je nach Futtermittel immer enthalten. Deswegen ist regelmäßiges Wenden gegen eine Sporenbildung ratsam. Sollte es doch zu Schimmel kommen, muss immer der gesamte Tonneninhalt entsorgt werden. Gesundheitsschädliche Toxine und Sporen sind eine hervorragende Nahrungsquelle für Futtermilben, die dem Futter nicht nur sämtliche Nährstoffe entziehen, sondern mit ihren Exkrementen Futter und Atemluft verunreinigen. Zerfallene Milbenkotpartikel wirken als Allergene in der Luft und können zu Erkrankungen wie Equinem Asthma führen.

Saftfutter schimmelt noch schneller. Dabei erhöht sich die Luftfeuchtigkeit in dessen unmittelbarer Nähe. Müsli und Getreide also immer getrennt davon lagern, damit es nicht auch verdirbt.

Und das Raufutter?

Heu und Stroh sollten trocken, gut belüftet und nicht zu dunkel gelagert werden. Augenmerk sollte man dabei auch auf die Paletten richten, die die Belüftung von unten garantieren. Bevor frisches Heu hierauf gestapelt wird, sollte man alte Paletten reinigen bzw. desinfizieren. Guido Schmitz von der Firma Burdorf Land und Trocknungstechnik hat sich mit Heulagerung beschäftigt. Dabei stellte sich heraus, dass Rundballen in „top Qualität“, nachdem sie acht Wochen auf einem alten Futtertisch mit gebrauchten Paletten gelagert wurden, bis zu einem Drittel verdorben waren. Schmitz‘ Probenentnahme belegte, dass das Heu, als es auf die Paletten kam, nicht nennenswert verkeimt war. Nach acht Wochen waren aber die unteren Schichten mit Keimen stark belastet, was erst die Laboranalyse zu Tage brachte.

Tierische Gesellen

Der Hund als bester Freund des Menschen, die Katze lässt das Mausen (glücklicherweise!) nicht und Schwalben bringen Glück. Auf den ersten Blick haben alle Tiere ihre Daseinsberechtigung im Pferdestall. Aber einige eben nur auf den ersten …

HYGIENE UND DESINFEKTION FÜR IHR PFERD

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Immer wieder und in letzter Zeit vermehrt treten Seuchen wie beispielsweise Herpes oder Druse auf. Aber auch gängige Pferdeerkrankungen wie Mauke, Strahlfäule, Ekzeme, Pilz- und Atemwegsinfektionen u.v.m. bedrohen die Gesundheit und Leistungs fähigkeit der Pferde. Heben Sie den Hygienestandard für Ihre Tiere durch entsprechende Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen! Wir bieten Ihnen mit saltisept®horse ein Produkt, wirksam gegen Viren, Bakterien, Hefen, Pilze und Sporen in vielen Bereichen rund ums Pferd:

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Was zunächst wie eine hilfreiche Symbiose erscheint, wird näher betrachtet zu einer hygienischen Herausforderung. Hunde sollten unter dem Aspekt der Stallhygiene entweder gar nicht mit in den Stall genommen werden oder aber Boxen und Stalltrakte nicht betreten. Sie können Überträger von Dermatophilosen, einer bakteriellen Hauterkrankung, und anderen Krankheiten sein.

Katzen lässt sich der Zutritt zu Boxen oder ganzen Bereichen nur schwer verwehren. Sie sind aber auch sinnvoll, da sie Mäuse und Ratten jagen. Der Urin von Ratten kann unter anderem Leptospiren übertragen, die bei Pferden zu periodischer Augenentzündung führen. Exkremente von Feldspitzmäusen können das tödliche Bornavirus übertragen. Interessant: Feldmäuse selbst tragen das Virus ihr Leben lang ohne Symptome in sich. Kommen Pferd oder andere Einhufer ungewollt mit ihren Exkrementen in Kontakt, bedeutet das jedoch häufig deren Todesurteil. Das mit Tollwut- und Masernerregern verwandte Virus führt zu Verhaltensänderungen, Apathie und Bewegungsstörungen, die in Rückenmarks- und Gehirnentzündungen begründet liegen.

Eine Mutation des Virus wurde im Jahr 2011 bereits beim Menschen nachgewiesen. Entwarnung gibt es aber immerhin in einem Punkt: Eine Übertragung von Mensch zu Pferd oder Pferd zu Pferd, beziehungsweise Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Forschungsstand auszuschließen. Trotzdem muss die Krankheit bei der jeweils zuständigen Behörde gemeldet werden.

Das liebe Federvieh

Tauben, die neben Pferden baden oder Hühner, die mit ihnen in der Box leben komplettieren für viele die perfekte Landidylle. Was auf den ersten Blick vielleicht sogar nützlich erscheint, ist aber äußerst bedenklich. Gefiederte Genossen wie Hühner, Enten oder Tauben sollten auf gar keinen Fall zusammen mit Pferden gehalten werden. Selbst von einer gemeinsamen Nutzung der Weideflächen wird abgeraten. Der Grund auch hier: Milben, die im Gefieder sitzen. Viele Pferdehalter wägen sich in Sicherheit, getreu dem Motto: Ich sehe nichts, also ist auch nichts da. Doch mögen die kleinen Spinnentierchen auch nicht mit bloßem Auge zu erkennen sein, ihre Hinterlassenschaft hat es in sich. Der Kot von Geflügel-Milben kann, von Pferden aufgenommen, allergische Reaktionen und chronische Entzündungen der Atemwege zur Folge haben.

Wer nun auch Schwalbennestern beherzt zu Leibe rücken will – Entwar nung! Schwalben gelten als Glücksbringer und sind zusätzlich Insektenvernichter. Bis zu 2000 Insekten verspeist eine Schwalbe in der Nistzeit am Tag. Beruhigend ist auch, dass ihr Kot für Pferde unbedenklich ist.

Autorinnen

Janne Baumann und Franka Bruchmann

Dass Sauberkeit im Stall wichtig ist, war uns schon vorher bewusst. Wie massiv die Keimbelastung sein kann, hat uns aber geschockt.