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Kein Bild einfach nur so


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 15.09.2021

Bernd Schirmer | Gemäldeartige Montagen

Artikelbild für den Artikel "Kein Bild einfach nur so" aus der Ausgabe 4/2021 von DOCMA. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DOCMA, Ausgabe 4/2021

Zum ersten Mal aufgefallen ist uns Bernd Schirmer beim DOCMA Award 2019. Zum Thema „Remix Culture“ hatte er eine Serie von acht außergewöhnlichen Motiven eingereicht. Seine von klassischen Gemälden inspirierten Montagen erweitern die historischen Sujets auf augenzwinkernde Art in Richtung Surrealismus. Meint man auf den ersten Blick das Motiv zu (er)kennen, stellt sich auf den zweiten Blick heraus, dass eine ganz andere Geschichte erzählt wird. Visuell erinnern die Bilder an goldgerahmte Gemälde vergangener Jahrhunderte – technisch handelt es sich dabei jedoch um eine Ansammlung fotografierter Elemente, die mit Photoshop zu komplexen Arrangements montiert sind.

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... des niederländischen Malers anzusehen, nutzten wir eine Pause bei den Vorarbeiten. Bernd, der als Wettbewerbssieger schon vor Ort war, schloss sich uns an und erzählte beiläufig, er verbringe viele seiner Wochenenden damit, in den Hauptstädten Europas Kunstausstellungen wie diese zu besuchen. Ganze Tage streift er durch die Sammlungen und hält in seinem Notizbuch Skizzen und Ideen für eigene Projekte fest.

Was ihn dabei besonders begeistert, ist die Sicht der Maler auf die Dinge. „Man hat den Eindruck“, erklärt er, „man würde den Fotografen der Vergangenheit bei der Arbeit zuschauen. Für mich besonders spannend ist, wie sie mit Farben arbeiten und wie sie ihr Licht gestalten.“

Diese eher handwerkliche Betrachtungsweise der Motive ist durch Bernds Jugend geprägt. Bevor er sich für einen Berufsweg in der Wirtschaft entschied, verbrachte er seine Zeit bevorzugt mit Malen und Zeichnen. „Damals hat mich vor allem fasziniert, wie man mit einem einzigen Bild eine komplexe Geschichte erzählen kann,“ erinnert er sich. „Auch heute noch bin ich bei jedem Gemälde auf der Suche nach der Geschichte, einer dahinter liegenden Botschaft oder einer tieferen Bedeutung, die sich in der Symbolik verbirgt.“

… zum Bildermacher

Nach über 20 Jahren Jahren, in denen sich sein Leben fast nur um seine verschiedenen Unternehmen drehte, fand Bernd vor einiger Zeit wieder den Weg in die Welt der kreativen Bildproduktionen.

„Erst entdeckte ich die Möglichkeiten, die Photoshop dem Maler in mir bot. Doch ich erkannte schnell, wie stark die sich erweitern, wenn man die Fotografie mit einbezieht.

Das Bild mit dem Titel Circe war eine meiner ersten Großproduktionen. Hier habe ich mit dem Fotografen Sascha Safdar-Götz zusammengearbeitet. Die komplexe Fototechnik, die wir für die Aufnahmen benötigten, war mir damals noch nicht so vertraut. Circe ist in der Entstehung relativ typisch für meine Art vorzugehen:

Ich kombiniere dabei gerne Mythologisches und reale Historie. Inspiriert hatte mich das Gemälde „Battle of Trafalgar“, das der britische Maler Clarkson Stanfield dreißig Jahre nach der historischen Seeschlacht als Auftragswerk anfertigte. Es hängt noch heute im Londoner United Services Club in der Pall Mall – dem Club, der es 1 835 bei Clarkson in Auftrag gab.

Ich habe eine große Leidenschaft für Segelschiff-Modelle dieser Zeit und schon eine ganze Reihe von ihnen selbst zusammengebaut. Darunter ist auch eins der ‚Victory‘ von Admiral Nelson, die in dieser Schlacht eine wichtige Rolle spielte. Die Möglichkeit, mit meinen Modellen einen Teil des Schlachtgeschehens nachzuempfinden, bildete den Ausgangspunkt für das Bild. Als ich den Raum, in dem wir dann das Model aufgenommen haben, zum ersten Mal sah, hatte ich die Idee, die Schlacht auf dem Gemälde mit der mythologischen Geschichte der Circe zu verbinden, die in Homers Odyssee die Rolle einer verführerischen Zauberin spielt und dafür sorgt, dass Odysseus den Seeweg zurück nach Hause findet.“

Symbolik

Bei all seinen Bildern ist Bernd wichtig: Sie sollen neben einer sofort sichtbaren Geschichte auch satirische oder metaphorische Elemente enthalten, die man als Betrachter erst auf den zweiten Blick entdecken kann.

Aber wie funktioniert das Spiel mit den tieferen Bedeutungsebenen? Bernd erklärt seine Überlegungen am Beispiel des Blashorns im Circe- Motiv: „Das Blashorn als Symbol für den ‚Schofar‘, die Posaune, die eine zentrale Rolle bei der Eroberung Jerichos spielt, wo die Israeliten mit ihrem Dröhnen die Mauern zum Einsturz bringen. Im Kontext des Bildes steht das Horn für den Untergang der Schiffe und ihre Zerstörung. Das Horn der Circe ist übrigens nur eines von mehreren bedeutungsträchtigen Symbolen, die Bernd ins Bild eingearbeitet hat.“

Vor dem Foto kommt die Planung …

Die zeitraubendste Phase ist für Bernd die Planung der Fotoaktionen. Steht die Bildidee einmal in ihren Grundzügen, muss er sich auf die Suche nach den passenden Zutaten begeben. Zunächst braucht er einen geeigneten Ort für die Aufnahmen. Auf den ist er angewiesen, da er selbst kein Studio besitzt, in dem er die oft historischen Settings in Ruhe aufbauen könnte. Am Produktionstag sollten dann auch möglichst viele der Requisiten, die mit ins Bild müssen, am Set sein. Hier legt er viel Wert auf authentische Gefäße und Teller, dekoratives Obst und Blumen, Kerzenleuchter, Vorhänge, Lampen, historische Kostüme oder zumindest hochwertige Repliken, zeitgenössische Möbel, Münzen, Waffen, Stoffe, Skulpturen oder Wandschmuck. Und dann ist da natürlich auch noch das Personal. Models, die vom Typ her zu der Idee passen, wollen gefunden und gebucht werden. Auch funktioniert so ein Projekt meist nicht ohne den Einsatz einer erfahrenen Visagistin und zumindest einer Fotoassistenz.

Bis alle Details durchgeplant sind, vergehen oft mehrere Monate. Die Aufnahme selbst ist dann aber so gut vorbereitet, dass meist nur ein Tag für die eigentliche Produktion nötig ist. Der vergeht mit Aufbauen, Einkleiden, Schminken, Fotografieren und wieder Abbauen sehr schnell.

… danach die Überarbeitung

Mehrere Wochen, meist zwischen sechs und acht, verbringt Bernd dann mit der Ausarbeitung des Motivs. Das klingt nach übermäßig viel Zeit, doch sie ist nötig. Eine erste brauchbare Umsetzung steht oft schon nach ein, zwei Tagen.

Alles, was dann bis zur x-ten Version der Ausarbeitung folgt, sind Variationen und Korrekturen. So entwickelt sich das Bild ganz langsam, bis das Ergebnis in allen Details auch vor einem kritischen Auge Bestand hat.

MEHR INFOS:

www.byesphotography.com