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Kein Plan


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 5/2009 vom 10.05.2009

Sie sind oft schon ziemlich abgeklärt, aber trotzdem nicht richtig aufgeklärt. Beim Thema Verhütung sind viele Jugendliche die Generation „Ich-weiß-nicht-so-genau“.


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In einer Studie der ZeitschriftBravo war es zu lesen: Jeder Vierte der befragten Jugendlichen hielt „Auf passen“ für ein wirkungsvolles Verhütungsmittel. Ein ungesundes Halbwissen stellten auch die Fachleute des Instituts für Jugendforschung in München fest. 20 Prozent ihrer Gesprächspartner zwischen zwölf und 16 Jahren hielten Tampons für ein Verhütungsmittel und 40 Prozent dachten, dass man während der Menstruation ...

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In einer Studie der ZeitschriftBravo war es zu lesen: Jeder Vierte der befragten Jugendlichen hielt „Auf passen“ für ein wirkungsvolles Verhütungsmittel. Ein ungesundes Halbwissen stellten auch die Fachleute des Instituts für Jugendforschung in München fest. 20 Prozent ihrer Gesprächspartner zwischen zwölf und 16 Jahren hielten Tampons für ein Verhütungsmittel und 40 Prozent dachten, dass man während der Menstruation schwanger werden kann.

Aufgeklärt zu sein und über Verhütung Bescheid zu wissen, ist für Jugendliche nicht dasselbe. Zwar sagen 75 Prozent der Zwölfjährigen in der Dr.-Sommer-Studie derBravo , sie seien aufgeklärt. 63 Prozent bestätigen aber auch, sie wüssten nicht gut über Verhütung Bescheid. Eltern sollten sich von coolem, abgeklärten Gehabe also nicht blenden lassen.

Auch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Teenagern zeigt, dass Sexualerziehung trotz der gestiegenen Bemühungen von Schule und Eltern im entscheidenden Moment nicht zuverlässig verantwortungsvoll umgesetzt wird. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kam es bei den Zehnbis 17-Jährigen in den Jahren 2000 bis 2004 zu jährlich 15.000 Schwangerschaften, die etwa zur Hälfte abgebrochen wurden. Neuere Zahlen lassen aber erkennen, dass die Zahl der Abbrüche zurückgeht. Im Jahr 2000 waren es 574 Fälle bei den Unter-15-Jährigen, 2008 sank die Zahl auf 475. Die 15-bis 18-Jährigen ließen im Jahr 2000 5.763 Abtreibungen vornehmen, 2008 waren es noch 4872.

Die meisten verhüten

Trotzdem sind die jetzigen Jugendlichen beim ersten Mal so verantwortungsvoll wie keine Generation zuvor. Das kam bei einem Forschungsprojekt der Uni Nürnberg-Erlangen über das (Un-)Wissen Jugendlicher bei den Themen Sexualität und Verhütung heraus. Vorausgesetzt, das erste Mal wird gemeinsam geplant, verhüten nur 15 Prozent der Jungen und neun Prozent der Mädchen nicht. Bei jüngeren Jugendlichen geschieht das erste Mal häufiger spontan; das ist dann auch meistens der Grund, warum die Verhütung vergessen wird.

Das Nürnberger Forschungsprojekt legt nahe, warum Kin der und Jugendliche trotz Aufklärung im Lehrplan häufig keinen Plan haben: Der Sexualkundeunterricht an den Schulen konzentriere sich auf Fragen der Verhütung und vermeide die Themen, die den Schülern weit wichtiger unter den Nägeln brennen als die Frage nach Kondom oder Pille. Schüler wollen über Liebe und Zärtlichkeit reden, sie wollen wissen, wie man Gefühle zeigen kann, wie andere über Sexualität denken und wie Verhütung und sexuelle Wünsche in der Partnerschaft angesprochen werden können.

Außerdem erkennen Jugendliche oft auch deshalb nicht die Relevanz des Inhalts von Biologie- und Sexualkundeunterricht für das eigene Leben, weil die Inhalte bei ihnen erst einmal unter „benotetes Schulwissen“ ab gespeichert sind. Das führt zu einem Dilemma: Eltern und Schule wollen ja rechtzeitig, „bevor etwas passiert“, ihre Zwölfjährigen mit allem relevanten Wissen versorgen. Doch warum sollen sich die Kinder scheinbar langweilige Details über Verhütungsmethoden merken, wenn das Thema im Moment für sie keine Rolle spielt?

Beim ersten Mal: Jugendliche von heute verhüten so verantwortungsbewusst wie keine Generation vor ihnen.


Foto: Billy Boy

Safer Sex

Die Gefahr von Aids ist im Bewusstsein der Jugendlichen nicht fest verankert. Auch wenn der Verlauf inzwischen verzögert werden kann, führt Aids früher oder später zum Tod – das sollten Jugendliche früh verstehen. Die Krankheit ist auch deshalb so gefährlich, weil man den Betroffenen das Virus nicht ansieht, oft weiß der Infizierte selbst nichts davon. Erst etwa drei Monate nach einer Ansteckung ist eine Infektion nachweisbar. Beinahe die Hälfte der Jugendlichen macht sich über eine HIV-Ansteckung beim Sex keine Gedanken oder weiß auch nicht richtig, wie man sich wann schützen kann. Bei Aufklärung über Safer Sex besteht hoher Beratungsbedarf. Es herrscht große Unsicherheit darüber, wie genau man sich mit HIV infizieren kann. Das Klischee, Aids beträfe vor allem Homosexuelle, ist bei Jugendlichen noch immer in den Köpfen: Jeder Zehnte glaubt das, so die Dr.-Sommer-Studie derBravo .

Doch es geht nicht nur um Aids, auch Hepatitis B wird beim Sex übertragen, ebenso Herpes genitalis, verschiedene Warzenarten, Erkrankungen durch Pilze sowie Chlamydien und Trichomonaden, außerdem Viren, die für das Entstehen des Gebärmutterhalskrebses verantwortlich sind. Dass das feuchtwarme Milieu beim Sex ein gutes Klima für eine Ansteckung bietet, sollten Jugendliche wissen. Keime befinden sich in unterschiedlicher Konzentration in verschiedenen Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret, Speichel). Im Blut sind sie am höchsten, aber auch im Sperma und in der Vaginalflüssigkeit finden sich viele Krankheitserreger. Ziel von Safer Sex, zum Beispiel mit Kondomen, ist es, bei einem Infektionsrisiko den Kontakt mit Körperflüssigkeiten zu vermeiden.

Die Behandlungsmöglichkeiten für viele der möglichen Krankheiten sind gut, aber oft erkennt man die Symptome nur schlecht. Wer denkt bei grippeähnlichen Anzeichen gleich an eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit? Diese Symptome können darauf hindeuten: Geschwüre, Bläschen und auffallendes Jucken im Genitalbereich, anhaltende Un terleibsschmerzen und un ge wöhnlicher Ausfluss bei Mädchen, Brennen beim Wasserlassen und eitriger Ausfluss aus der Harnröhre bei Jungen.

Kondome schützen

Wie wichtig Kondome für das Thema Safer Sex sind, auch wenn es sich ohne schöner anfühlen mag, – darüber müssen Eltern mit ihren Heranwachsen den sprechen. Sicherheit geht hier vor Gefühl. Je unbefangener die Eltern mit dem Thema umgehen, desto selbstverständlicher werden auch die Jugendlichen mit ihrem Partner darüber sprechen können. Denn immer noch ist es oft so, dass zwar ein Kondom parat liegt, wenn „es“ passiert, Jungs dann aber aus Unwissenheit oder Unerfahrenheit Angst haben, „schlapp“ zu machen, und Mädchen sich nicht trauen, die Verwendung des Gummis konsequent einzufordern.

Empfehlungen der Eltern an ihre Kinder, beim Sex Kondome zu nehmen, sind zurückgegangen, fand die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heraus. Das ist ein Hinweis da rauf, dass der Aids-Schutzgedanke im Gespräch mit den Kindern wieder in den Hintergrund tritt. Ein Fehler. Auch wenn die Zahl der HIV-Neuinfektionen insgesamt zurückgegangen ist, birgt Nichtwissen ein großes Risiko. Jugendliche sollten auch in formiert sein, bei welchen Sexualpraktiken (zum Beispiel Analsex, Oralverkehr) ein höheres Risiko vorliegen kann. Für viele Eltern heißt das, sich selbst erst mal schlau machen zu müssen. Umfassende Infos gibt es unterwww.gib-aids-keine-chance.de

Aufgeklärt: Ihr Wissen über Sex und Verhütung holen sich viele Jugendliche aus Zeitschriften. Klassiker in dem Segment istBravo .


Foto: irisblende.de