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Kein Rückzug


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 23.10.2019

Im vergangenen Dezember berichtete Reiter Revue International bereits von geplanten Umsiedlungen von Ställen aufgrund des Braunkohleabbaus. Jetzt setzen sich Betroffene zur Wehr.


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Der Braunkohleabbau macht vor Dörfern nicht halt.


FOTOS: BÄRBEL SCHNELL

Anwohner fordern ihr Grundrecht, den Heimatort nicht verlassen zu müssen. Zu ihnen gehören Marita Dresen, sowie Michael und Andrea Broox (v. l.).


Am 1. Februar legte die „Kohlekommission“ in Berlin ihren Abschlussbericht vor, in dem der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung festgelegt wurde. Ein konkretes ...

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... Kohleausstiegsgesetz lässt zwar noch auf sich warten, dennoch betont die Politik in Deutschland seitdem, der Kohleausstieg sei nun beschlossen.

Schaut man sich im Rheinischen Braunkohlerevier an den Rändern der Tagebaue Hambach und Garzweiler um, ist von diesem Beschluss noch nichts zu spüren. Noch sind die Schaufelradbagger des Kohlekonzerns RWE im Einsatz und verrücken die Tagebaugrenzen immer näher an den Hambacher Wald und an die insgesamt sieben Ortschaften, die der Braunkohle noch weichen sollen. Doch in den Dörfern am Tagebau Garzweiler mehren sich mittlerweile Anwohnerstimmen, die öffentlich auf Garantien pochen, dass die Empfehlungen der Kohlekommission umgesetzt werden – denn dann könnten sie bleiben.

Eines dieser Dörfer ist Kuckum, ein typisches Straßendorf, hinter dessen historischen Hof-Fassaden sich wie Perlen an einer Schnur kleine Pferdeställe, Reitplätze und Pferdeweiden aneinanderreihen. Und weil sich der Lebenstraum von den Pferden am eigenen Haus nicht in eine Neubausiedlung verpflanzen lässt, gehören Marita Dresen sowie Andrea und Michael Boox zu denen, die Anfang Oktober von der Landesregierung und von RWE eine verbindliche Erklärung gefordert haben, dass es keine Zwangsenteignungen für Braunkohle mehr geben wird – und die notfalls bereit sind, vor Gericht einen Präzedenzfall zu schaffen.

Zuhause seit Jahrhunderten

„Das eigene Wohnhaus und den Heimatort aufgeben zu müssen, ist ein gravierender Eingriff in die Grundrechte der Menschen. Dass dies in Zeiten des Klimawandels und Kohleausstiegs für den Abbau klimaschädlicher Braunkohle von diesen verlangt wird, ist absolut nicht mehr zeitgemäß und aus unserer Sicht sogar verfassungswidrig“, sagt Rechtsanwalt Dirk Teßmer, der sie juristisch vertritt. „Meine Familie lebt seit dem siebzehnten Jahrhundert in diesem Haus. Hier waren immer Pferde, früher in der Landwirtschaft, heute als Familienmitglieder“, erzählt Marita Dresen, die ihre beiden Ponys hinter ihrem denkmalgeschützten Hofgebäude hält und sich freut, dass sie vor elf Jahren gleichgesinnte Nachbarn bekommen hat: Damals haben sich nebenan Andrea und Michael Broox den Traum von der eigenen kleinen Pferdezucht verwirklicht. „Wir leisten uns hier Nachbarschaftshilfe unter Pferdeleuten“, beschreibt Dresen. „Andrea gibt meiner Tochter Reitunterricht, wir ziehen ihr den Platz ab, und wenn mal jemand abends nicht da ist, passt der andere auf. Das bekommen wir doch niemals wieder.“

„Natürlich haben wir gewusst, dass irgendwann der Tagebau kommt, als wir den Hof gekauft haben“, sagt Michael Boox. „Aber der Notar hat uns damals gesagt, dass unsere Kinder noch hier in der Kirche heiraten werden. Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell. Umso mehr steht für uns fest, dass wir bleiben wollen. Deshalb möchten wir jetzt klären lassen, ob es überhaupt noch möglich ist, uns wegen des Allgemeinwohls enteignen zu lassen.“

Ein Rechtsgutachten, das der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Sommer veröffentlicht hat, stärkt den Anwohnern ebenso den Rücken wie die wachsende Klimabewegung.

Auf der Homepage www.menschenrecht- vor-bergrecht.de machen die Betroffenen deutlich, wofür sie kämpfen. Dafür, ihre Heimat zu erhalten.