Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

KEINE ANGST VOR DEADLINES!


schule - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 22.08.2019

Feste Fristen machen unnötig Stress? Von wegen! Sie können ein echter Freund sein. Wir erklären, wie Deadlines beim Lernen helfen und wie man sie am besten nutzt


Artikelbild für den Artikel "KEINE ANGST VOR DEADLINES!" aus der Ausgabe 4/2019 von schule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: schule, Ausgabe 4/2019

Schon ihr Name klingt bedrohlich: Todeslinien. Als wäre bei ihrem Überschreiten alles vorbei. Doch Deadlines sind besser als ihr Ruf. Vor allem helfen sie uns, Dinge wirklich anzupacken. „Wenn es keine Deadline gibt, werden Aufgaben eher aufgeschoben“, weiß Margarita Engberding aus ihrer Erfahrung zu berichten. Die Psychologin berät an der Universität Münster Studierende, die unter krankhaftem Aufschieben, der sogenannten Prokrastination, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von schule. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2019 von MAGAZIN: Neuer Lehrer, neues Glück – oder im Gegenteil?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MAGAZIN: Neuer Lehrer, neues Glück – oder im Gegenteil?
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von GLÜCK WUNSCH: DER WALKMAN WIRD 40. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GLÜCK WUNSCH: DER WALKMAN WIRD 40
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Klassenreise nach Luxemburg zu gewinnen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Klassenreise nach Luxemburg zu gewinnen
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von EINFACH OFFEN LERNEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EINFACH OFFEN LERNEN
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von LERNEN MIT RÜCKENWIND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LERNEN MIT RÜCKENWIND
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Guter Start: ins neue Schuljahr. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Guter Start: ins neue Schuljahr
Vorheriger Artikel
MEDIENTIPPS: Das Internet wird analog
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel DIE 20 BESTEN LERNTIPPS FÜR LERNFÜR LERNDEUTSCH, MATHE …
aus dieser Ausgabe

... leiden. Nur wenn es eine Deadline gebe, rufe man sich die zeitliche Notwendigkeit von Aufgaben ins Bewusstsein.

Erst eine Frist lässt Schüler also über wichtige zeitbezogene Fragen nachdenken: Wie lange brauche ich für die Vorbereitung des Referats? Wie viele Tage, um den Stoff für die nächste Klausur zu lernen? Wann muss ich mit der Facharbeit anfangen?

Die unbequemen Antworten auf diese Fragen können natürlich ganz schön nervös machen. Doch eine gute Portion Stress kann nicht schaden. Denn unser Gehirn schüttet unter Anspannung bestimmte Botenstoffe wie Noradrenalin aus, die uns aufmerksam und konzentriert machen. Außerdem wirken sie sich auf unsere Wahrnehmung der Umwelt aus: Unwichtiges wird unterdrückt, Wichtiges betont.

Das erleichtert zum Beispiel die Entscheidung, beim Referat ein paar nebensächliche Unterpunkte wegzulassen, sich nicht zu verzetteln. Es kommt allerdings auf das richtige Stressmaß an. Denkt die Schülerin nur noch darüber nach, dass sie bei der Klausur durchfallen wird, lenkt das eher vom Lernen ab. Und Kreativität kann man unter Druck auch nicht erwarten. Das Gehirn ist dann nur noch auf das Bewältigen der Aufgabe fokussiert und spult Standardroutinen ab. Wichtig ist also, dass man rechtzeitig anfängt und nicht alles auf den letzten Drücker erledigt.


„Lehrer sollten klare Ansagen machen, wenn sie Deadlines setzen. Wer sagt, dass eine Aufgabe bis zum Ende des Halbjahres erledigt werden soll, verflüssigt die Notwendigkeit, sich heute oder morgen an die Arbeit zu machen“
Margarita Engberding, Psychologin an der Universität Münster


Wann aber ist rechtzeitig? Auch bei der Beantwortung dieser Frage hilft eine Deadline, indem sie unsere Zeitwahrnehmung verändert. Denn Zeit können wir nicht messen, dafür haben wir kein Organ. Das führt dazu, dass uns unsere Zeitwahrnehmung manchmal seltsame Streiche spielt – etwa wenn wir in die Zukunft denken. Ähnlich, wie uns ein Berg beim Wandern umso höher erscheint, je müder wir sind, kommt uns die Zeit bis zu einem bestimmten Ereignis umso länger vor, je mehr wir bis dahin noch zu erledigen haben. Unser Verstand übersetzt einfach Aufwand in Zeit. Es fühlt sich für Schüler also ausgerechnet dann so an, als wäre es bis zur nächsten Mathearbeit noch ewig hin, wenn sie noch viel lernen müssen – eher ungünstig. Gut, wenn es eine konkrete Deadline gibt. Denn die kehrt diesen Effekt um, wie die Psychologin Gabriela Jiga-Boy von der Swansea-Universität in Wales mit ihrem Team herausgefunden hat: „Gibt es eine konkrete Frist, kommt einem der Zeitraum bis zu einem Termin umso kürzer vor, je mehr man bis dahin noch zu erledigen hat.“

Die Deadline verzerrt unser Zeitempfinden also so, dass wir anstehenden Aufgaben genug Aufmerksamkeit schenken. Leider verschätzen wir uns trotz dem oft bei der Planung. Das liegt zum einen daran, dass uns die Zeit, die wir letztes Mal für eine ähnliche Arbeit gebraucht haben, in der Rückschau viel kürzer erscheint. Gerade Zeiträume, in denen wir wenig Neues und Aufregendes erlebt haben, etwa weil wir nur langweilig am Schreibtisch gesessen haben, schrumpfen in unserer Erinnerung zusammen. Hinzu kommt, dass wir unvorhergesehene Störungen und scheinbar Nebensächliches oft nicht einplanen. Margarita Engberding empfiehlt daher, größere Aufgaben in einzelne Schritte zu unterteilen, diese zu notieren und sich mehrere Zwischendeadlines zu setzen. Zu jedem Arbeitsschritt sollten die Schüler sich fragen: Was will ich konkret schaffen und woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht habe?


50% DES PENSUMS, DAS MAN SICH VORGENOMMEN HAT, SCHAFFT MAN IM SCHNIT T. DIESE REGEL SOLLTE MAN IN DEN ZEITPLAN EINBERECHNEN – DANN WIRD ES WENIGER STRESSIG!


Bei der endgültigen Planung hilft dann die 50-Prozent-Regel: Man schafft in der vorgesehenen Zeit meist nur die Hälfte von dem, was man sich vorgenommen hat. „Rechnet man das mit ein, wird der Zeitplan realistischer“, sagt Engberding. Wie erfolgreich die Planung dann tatsächlich war, sollte man auf jeden Fall am Ende noch einmal überprüfen. Fürs nächste Mal. Lehrern empfiehlt Margarita Engberding klare Ansagen, wenn sie Deadlines setzen: „Wenn man sagt, dass eine Aufgabe bis zur nächsten Woche oder sogar erst bis zum Ende des Halbjahrs erledigt werden soll, verflflflüssigt sich die Notwendigkeit, sich heute oder morgen an die Arbeit zu machen.“

Besser sind feste Abgabetermine, womöglich sogar mit Uhrzeit. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Eigenmotivation der Schüler unter solch rigiden Vorgaben leidet. Hier kann es helfen, zusätzliche Möglichkeiten der Selbstbestimmung zu nutzen, wie Mark Burgess von der Universität in Liverpool mit Kollegen herausfand. Lehrer können ihre Schüler zum Beispiel dazu ermuntern, für sich selbst Zwischendeadlines zu setzen oder eine persönliche, etwas stringentere Frist festzulegen.

Eltern hingegen rät Engberding zum vorsichtigen Umgang mit Ultimaten. „Gerade bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 setzt man sich sonst schnell pubertären Widerständen und Trotzreaktionen aus.“ Besser ist es, Deadlines gemeinsam auszuhandeln und den Nachwuchs, solange er es mitmacht, beim Zeitmanagement zu unterstützen. So lernen die Schüler von Anfang an, sich zu fragen, wie lange sie für eine Arbeit brauchen werden, ihren Plan am Ende mit der Realität abzugleichen und die Deadline als das zu sehen was sie ist: ein Freund, der – wie jeder Freund – auch manchmal ganz schön nerven kann.


Fotos: gettyimages

Fotos: gettyimages