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Keine Angst vor neuer Liebe


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I Am - Laura Malina Seiler - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 19.10.2022

Wer einmal verletzt wurde, passt beim nächsten Mal besser auf. Es ist also ganz normal, dass wir uns nach Enttäuschungen desillusioniert zurückziehen. Und manchmal dauert es auch eine ganze Weile, bis wir unser Herz wieder öffnen wollen. Vielleicht tragen wir auch unrealistische Vorstellungen oder negative Glaubenssätze in uns, die uns hemmen, eine neue Partnerschaft aufzubauen. Oder wir sind der Meinung, (noch) nicht gut genug für den anderen zu sein, und glauben, uns Liebe und Zuneigung erst verdienen zu müssen. Die Angst vor Zurückweisung oder einer erneuten Trennung kann uns dann so stark lähmen, dass wir gar nicht erst die Hand ausstrecken oder uns nicht so zeigen, wie wir wirklich sind. Doch unser Herz zu öffnen, heißt immer auch zu verzeihen. Nicht bloß dem anderen, sondern auch uns selbst. Dafür, dass wir in der Vergangenheit zu blauäugig waren oder einer Illusion erlegen sind. Vielleicht ...

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... haben wir uns in eine fixe Idee verrannt oder unser Herz an etwas gehängt, von dem wir eigentlich hätten wissen müssen, dass es uns eines Tages auf die Füße fällt. Egal, was letztlich zu unserem Herz in Ritterrüstung geführt haben mag – Schuldgefühle oder Vorwürfe helfen uns nicht weiter. Wirklich heilsam ist vielmehr der feste Glaube daran, dass wir jederzeit neu beginnen können, ohne ganz von vorn anfangen zu müssen. Rückschritte gibt es demnach also nicht, denn so sehr uns etwas zugesetzt haben mag – es birgt auch die Chance, daran zu wachsen. Eine erlebte Enttäuschung muss nicht per se etwas Schlechtes sein, sondern ermöglicht auch Erkenntnis. Dann nämlich, wenn wir sie als das betrachten, was sie im wahrsten Sinne des Wortes auch ist: die Aufhebung einer Täuschung und somit der Beginn neuer Klarheit. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir mutwillig getäuscht wurden oder uns selbst im anderen getäuscht haben; entscheidend ist, dass wir die Situation selbstkritisch reflektieren und aus ihr lernen. Ein wirklicher Neuanfang beginnt vor allem in uns selbst. Es ist eine heilsame Erkenntnis, dass sich im Außen nichts ändert, wenn sich in unserem Inneren nichts bewegt.

Ein romantisches Kennenlernen schützt uns nicht davor, dass die Beziehung irgendwann in die Brüche geht oder ihr Verlauf anders ist als gedacht. Ebenso ist ein Heiratsantrag auf der Spitze des Mount Everest nicht automatisch der Startschuss einer traumhaften Ehe, die nur Höhenflüge kennt. Es sind eher die kleinen, leisen und bescheidenen Töne, die am Ende Bestand haben.

Einige würden auch die Vorstellung eines Seelengefährten in sich tragen, was dazu führe, dass vielversprechende Partner abgelehnt würden, weil sie nicht ihrer Vision von Liebe entsprächen, meint Logan Ury. „Sie glauben, dass Liebe ihnen widerfährt und dass sie keine Mühe fordert. Wenn doch, dann haben sie wohl den falschen Partner“, so die Buchautorin. Fakt ist aber, dass erfolgreiche Beziehungen immer Arbeit bedeuten und jedes Mal aufs

Neue ein Prozess sind − Höhen und Tiefen mit inbegriffen. Unser Partner kann noch so wunderbar zu uns passen, trotzdem werden auch mal dunkle Wolken aufziehen. Anders gesagt: Liebe ist nicht weniger echt, wenn sie auch mal eine Talfahrt durchlebt.

Wir müssen nicht perfekt sein oder erst irgendwelche Meilensteine erreicht haben, um eine erfüllte Beziehung beginnen zu können. „Zögerer schieben das Daten auf, weil sie sich dafür nicht hundertprozentig bereit fühlen. Sie wollen mit ihrem besten Ich antreten. Aber niemand fühlt sich je hundertprozentig bereit für etwas“, so Logan Ury. Ihr Rat: Sich nicht vom inneren Kritiker davon abhalten lassen, neue Menschen kennenzulernen oder eine Beziehung zu intensivieren. Selbst wenn sich eine Verabredung im Nachhinein als Panne entpuppt – auch das sind Erfahrungen, die uns letztlich nur weiterhelfen bei der Frage, was wir wirklich wollen und was uns wichtig ist. Denn genau das ist häufig das Problem – wir wissen gar nicht, was uns wirklich erfüllt und welche Eigenschaften und Merkmale wir am anderen tatsächlich schätzen. Hier ist es essenziell, die eigenen Wertvorstellungen einmal genau unter die Lupe zu nehmen und kritisch zu hinterfragen. Ist es wirklich wichtig, dass unser neuer Partner mindestens 1,85 Meter groß ist? Ist es tatsächlich ausgeschlossen, mit jemandem zusammenzuleben, der Wanderurlaub nicht mag, kein Vegetarier ist oder lieber Grunge statt Jazz hört? Es ist nicht falsch, Werte und Prinzipien zu haben, aber wir tun gut daran, diese immer wieder auf Herz und Nieren zu prüfen und uns zu fragen, ob sie tatsächlich etwas mit real empfundenem Lebensglück zu tun haben. Logan Ury ist der Meinung, dass wir bei Dates meist auf die falschen Dinge achten: „Wir unterschätzen nicht nur die Qualitäten, die für langfristige Beziehungen erforderlich sind, wir legen auch zu viel Wert auf völlig unbedeutende Eigenschaften“, sagt sie. Grund dafür sei ein Fehlschluss, den man Fokussierungsillusion nennt. Sprich: Menschen tendieren dazu, Dingen eine übersteigerte Bedeutung beizumessen, wenn sie sich gedanklich stark mit ihnen auseinandersetzen. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn wir großen Wert auf unser Äußeres legen und viel Zeit in die Wahl unserer Garderobe investieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir von unserem Partner in spe eine ähnliche Sorgsamkeit erwarten. Dieses Phänomen lässt sich auf etliche Lebensbereiche adaptieren; beispielsweise auf unseren beruflichen Werdegang, Essgewohnheiten, Hobbys, die Wahl von Reisezielen und so weiter. Ob diese Aspekte jedoch entscheidend sind, wenn es darum geht, eine harmonische Beziehung auf Augenhöhe zu führen, ist fraglich.

WAS IST WIRKLICH WICHTIG FÜR EINE LANGFRISTIGE PARTNERSCHAFT?

„Du musst nicht endlos suchen, bis du endlich jemanden gefunden hast, der die gleichen Hobbys pflegt wie du. Unterschiedliche Interessen gehen in Ordnung, wenn ihr euch gegenseitig den Raum und die Freiheit lasst, diese Hobbys auszuleben“, so Logan Ury. Denn auch das zeichnet ein offenes Herz aus – dass wir den anderen so sein lassen können, wie er ist. Um einen Menschen ins Herz zu schließen, muss er kein Ebenbild von uns sein. Gemeinsamkeiten sind schön, aber keine zwingende Voraussetzung, wenn es dabei lediglich um Äußerlichkeiten geht. Viel wichtiger für eine gelingende Beziehung ist es, nach „wahren Werten“ Ausschau zu halten, etwa nach emotionaler Stabilität. Sie gehört laut Beziehungsforschung nicht nur zu den wichtigsten Merkmalen für eine langfristige Bindung, sondern auch zu den meist unterschätzten. Dabei ist eine stabile Persönlichkeit elementar, um auch dann noch fair und gütig zu reagieren, wenn die Partnerschaft mal ins Wanken gerät. Emotionale Stabilität und auch Güte zeigen sich besonders in Stresssituationen, aber auch im Alltag gibt es Hinweise, ob jemand empathisch und rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umgeht.

All diese Feinheiten, bei denen sich die Persönlichkeit eines Menschen wirklich zeigt, sehen wir aber nur, wenn wir den anderen im realen Leben kennenlernen. Wie der andere wirklich ist – wie es sich anfühlt, ihm gegenüberzusitzen oder neben ihm durch einen Park zu gehen – das bleibt uns verborgen, wenn wir das Kennenlernen vorsichtshalber im virtuellen Raum stattfinden lassen. Ein Ratschlag von Logan Ury lautet deshalb auch, sich vermehrt nach draußen zu wagen, Veranstaltungen zu besuchen (bestenfalls allein) und die Fülle an Möglichkeiten zu nutzen, die angeboten werden. So unsicher oder lustlos wir uns vielleicht fühlen mögen – es lohnt sich, einmal über den eigenen Schatten zu springen. Außerdem macht uns das auch mutiger für die Zukunft.

Viele Menschen meinen, sie müssten in Anwesenheit anderer eine tolle Performance abliefern, einen guten Eindruck machen und besonders interessant wirken. Darum geht es aber nicht, wenn man liebenswürdige Menschen kennenlernen möchte. Vielmehr geht es darum, dass beide eine gute Zeit haben, sich wertgeschätzt fühlen und sich mit Offenheit, Neugierde und Respekt begegnen. Ein entscheidender Faktor dafür sei gute Kommunikation, meint Ury. Denn: Wir müssen wieder lernen zuzuhören. „Die meisten Leute hören nur zu, um sofort (sogar während der andere noch spricht) etwas darauf zu erwidern, was heißt, dass wir uns selbst wieder in den Fokus rücken“, so Ury. „Das Ziel ist aber, den anderen zu verstehen, nicht bloß zu warten, bis du endlich wieder an der Reihe bist.“ Ein Schlüssel sei hier, unterstützende statt umschaltende Antworten zu geben. Als Umschalter-Antwort werden Äußerungen bezeichnet, mit denen man das Gespräch wieder auf sich zu lenken versucht. Unterstützer-Antworten hingegen ermuntern den anderen weiterzuerzählen. Sie signalisieren echtes Interesse am anderen und bewirken, dass nicht bloß Geschichten abgespult werden, sondern eine Verbindung entsteht.

GÜTE UND EMOTIONALE STABILITÄT SIND ENTSCHEIDEND

Das ureigenste Bedürfnis eines jeden Menschen ist es, geliebt zu werden. Und zwar nicht als geschönte Version, sondern als wir selbst. Wir wollen nicht nur in unseren hellsten, sondern auch in unseren dunkelsten Stunden angenommen und gestützt werden. Wer den Mut und das Vertrauen aufbringt, sich auch verletzlich zu zeigen, und dies dem anderen ebenso zugesteht, der ist auf dem besten Weg, sich zu öffnen und mit ganzem Herzen zu erfahren, wie schön Liebe tatsächlich sein kann.

Buchtipp!

Gute Beziehungen tauchen nicht einfach auf – sie sind das Ergebnis einer Reihe von Entscheidungen. Die Verhaltensforscherin und Dating-Coachin Logan Ury zeigt in ihrem Buch „Liebe finden“, wie eine Veränderung unserer Denkweise dazu führen kann, eine erfüllte Partnerschaft zu führen (mvg Verlag, 18 Euro).

Q & A MIT LAURA

WIE KÖNNEN WIR UNSER HERZ WIEDER FÜR EINE NEUE LIEBE ÖFFNEN, NACHDEM WIR VERLETZT WURDEN?

Indem wir verstehen, dass es nie die Liebe war, die uns verletzt hat, sondern ein anderer Mensch. Die Liebe verletzt nicht, sie liebt. Und indem wir eine Trennung als unsere größte Chance sehen, alte Verletzungen zu heilen und Überzeugungen abzustreifen, die nicht länger zu uns gehören, und unser Herz vollkommen zu öffnen. Jede Verletzung, die wir erfahren, kann auch zu der Entscheidung führen, uns nicht mehr so behandeln zu lassen und einen neuen Standard für uns zu etablieren. Denn wir werden immer so behandelt, wie wir es selbst auch zulassen – vielleicht ist es also an der Zeit, dein Herz für dich selbst weit aufzumachen und einen Menschen in dein Leben zu lassen, der dich wirklich liebt und wertschätzt.

GIBT ES DINGE, DIE DIESEN NEUANFANG ERLEICHTERN?

In Übergangsphasen und Neuanfängen hat es mir zum einen immer sehr geholfen, einen Coach oder Therapeuten zu haben, der mich begleitet und mir hilft, meine alten Glaubenssätze aufzulösen. Zum anderen würde ich immer empfehlen, dich voll darauf zu konzentrieren, was dich glücklich macht. Mach dir eine Selbstliebe-Liste und schreibe alles darauf, was du gerne mit dir selbst erleben möchtest. Vielleicht eine Städtereise, einen Tanzkurs, einen Meditationskurs … Verbringe Zeit mit dir selbst und schau, wie du dich selbst glücklich machen kannst.