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KEINE EILE


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 21.08.2019

Seit mehr als 50 Jahren fährt Peter Aulenkamp Ente – aus Überzeugung und mit dem größten Vergnügen. Neben einer „Alltagsente“ geht er mit einem selbst gebauten Cabrio auf Tour. Doch die Ente hat auch ihre Tücken.


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Bildquelle: Landlust, Ausgabe 5/2019

Tankstutzen und Blick unter die Motorhaube


Peter Aulenkamp greift nach links – dort sitzt die Zündung seiner Ente. Ist der Motor kalt, muss er noch rechts den Choke-Hebel ziehen: „Dadurch wird eine Klappe am Vergaser geöffnet und mehr ölhaltige Luft strömt ein“, erläutert er. Zum Starten brauche die Ente ein fetteres Gemisch. Beherzt gibt er Gas. Erst tuckert sie, dann braust sie auch schon los, ...

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... seine Dolly.

Ein zeitloses Exemplar

Die „Dolly“ ist ein Sondermodell aus den 1980er Jahren und wurde in verschiedenen zweifarbigen Lackierungen angeboten. Die Farben sind noch original, betont Peter Aulenkamp. Im Kern ist der Wagen um einiges älter: Manche Teile stammen noch aus den 60er Jahren. „Als Schrotthaufen habe ich die Ente gekauft“, erinnert er sich. Rahmen, Bremsleitungen, Türschweller, alle möglichen Teile musste er daran erneuern. Rost ist der Ente größter Fressfeind. In einer Scheune auf einem Hof im Münsterland hat sich der pensionierte Lehrer eine kleine Werkstatt eingerichtet. Hier lagern Ersatzteile: zwei Motoren, mit oder ohne Getriebe, ein paar Dutzend Kotflügel, Auspuffteile, Bremszubehör, eben was man alles mal gebrauchen könnte. Hilfe hatte er beim Schweißen, ansonsten hat er sich sein Wissen angelesen. Sechs bis acht Enten hat er sich auf diese Weise bereits selbst aufgebaut, so genau weiß er das nicht mehr.

Ente gut …

Zur Ente kam er in seinen ersten Berufsjahren als Lehrer. „Die Überlegung war: Entweder kann ich mir einen Mittelklassewagen kaufen oder zwei Enten, eine davon für meine Frau – wenn ich sie selbst repariere.“ Die Entscheidung war einfach. „Das war ja früher eine Studentenkarre. Die Schüler haben schon gelästert oder Kollegen schräg geguckt.“

Kleiner Flügel: der Türgriff der Ente


Heute hingegen sei die Ente etwas Besonderes und er fährt seine beiden mit Stolz: „Ich erlaube mir anders zu fahren als alle anderen.“ Zwar schaffen es seine Enten auch mit 100 km/h über die Autobahn, aber mehr Spaß mache es, gemütlich über die Landstraße zu fahren – sehen, und ja, auch gesehen werden. Andere Fahrzeuge halten gebührend Abstand und so mancher Kopf dreht sich nach der Ente um. Für größere Strecken hat er auch ein „normales“ Auto auf dem Hof stehen, aber selbst bis an die Costa del Sol in Südspanien ist Peter Aulenkamp bereits mit 24 PS gefahren, mehrfach, kein Problem. Insgesamt käme er auf 300 000 Entenkilometer, meint er.

Die Zeit ist nicht spurlos vorübergegangen, aber der Lack der „Dolly“ ist noch original.


Nachzügler im Entenstall

Seine Dolly war ursprünglich nicht geplant. Es muss etwa zur Jahrtausendwende gewesen sein. Die aktuelle Ente hatte den Geist aufgegeben, nichts mehr zu wollen. Peter Aulenkamp machte sich also an den Nachfolger. Entstanden ist ein Zweisitzer, ein Cabrio, „zusammengebaut aus 1 000 Teilen“. Er hatte dafür nur eine Fotovorlage und alte Entenbauteile. Für alles andere besorgte er sich herkömmliche Bleche und Rohre, schnitt und bog diese in Form, verbrachte einen geschlagenen Sonntag allein damit, die Versteifungen der Heckklappe einzuflexen und so die nötige Krümmung herzustellen. Schließlich hatte er seine Wunschente, ein quietschgelbes Unikat. Die war ihm aber für den Alltag dann doch zu schade. Also musste eine zweite her, und das war die Dolly. Mit dem Entenbau hatte er eigentlich schon abgeschlossen, jetzt ging es wieder von vorne los.

Gemütliche Ausfahrt: Peter Aulenkamp ist mit seinen Enten bevorzugt auf den Landstraßen unterwegs.


Schnittig in der Kurve: Die Ente bleibt dank guter Federung fest am Boden – und der Fahrer entspannt.


Gute Kurvenlage

Etwas knifflig wird es beim Anfahren am Berg. Der erste Gang ist nicht synchronisiert, in der Steigung muss Peter Aulenkamp mit Zwischengas fahren – ein bisschen Schwung holen, der zweite Gang zieht nicht, der erste muss wieder rein. Fingerspitzengefühl ist hier gefragt. Ansonsten schalte es sich mit der Revolverschaltung aber ganz locker: Hier ein bisschen ziehen, dritter Gang – da ein wenig drücken, vierter Gang. Tempo 70 fühlt sich an wie 110, durch das geöffnete Vinylverdeck weht einem der Wind um die Nase. Die Ente schnattert nicht, sie schnurrt. Deutlich zieht sie sich in die Kurven, bleibt dabei aber fest am Boden. „Das liegt an der guten Federung“, erklärt Peter Aulenkamp. „Jedes Rad ist einzeln aufgehängt, und die haben einen langen Hebelweg.“ Deswegen steigen einem kleine Schläge auf der Fahrbahn auch nicht bis in den Kopf. Der Fahrkomfort ist tadellos.


„Der 2CV ist so unendlich häßlich, wie seine Technik ausgeklügelt ist.“
Testbericht L’Auto-Journal 1951


„Zusammengebaut aus 1 000 Teilen“: Cabrio-Unikat mit angeknöpftem Verdeck und abnehmbaren Seitenfenstern


Der Teufel im Detail

Es sind die Details, in denen die Ente eigensinnig bleibt. Der Wagenheber mit Kurbel zum Beispiel mutet praktisch an, zwei Werkzeuge in einem: Ein Ende löst die Radmuttern, das andere wird zum Ankurbeln mittig in das Lüfterrad gesteckt. Früher, bei den 6-Volt-Anlagen, habe er das im Winter öfter gebraucht, berichtet Peter Aulenkamp. Dabei komme es aber darauf an, die Kurbel richtig zu positionieren und mit dem Kopf auf Abstand zu bleiben: „Wenn die zurückschlägt – und das tut sie! – kann man sonst hinterher zum Zahnarzt gehen.“ Oder die Klappfenster: Einst ersonnen, um ohne Blinker der französischen Straßenverkehrsordnung durch das Anzeigen der Abbiegeabsicht per Handzeichen Genüge zu tun. Gummihalter halten die hochgeklappte Fensterhälfte an Ort und Stelle – „sonst schlägt die einem bei der Fahrt runter und gegebenenfalls auf die Finger“. Peter Aulenkamp kann über die Eigenheiten seiner Pappenheimer lachen: „Die Ente ist ein kleines Miststück. Aber ich mag sie trotzdem!“ Vielleicht auch gerade deshalb.

DIE ENTENDAME

„Kauf dir endlich mal ein gescheites Auto“, bekam Elke Engelhardt in ihren frühen Entenjahren immer wieder zu hören. Und so beherzigte sie schließlich diesen Rat und kaufte sich etwas Solides – nur um fortan ihre gute alte Ente zu vermissen. „Ich habe mich immer nach Enten umgesehen, es ließ mich doch nicht los“, erinnert sie sich. 2005 fand sie ihre Charleston in einer Garage in Meppen, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Einige Reparaturen waren fällig, so hat die Ente etwa ein neues Verdeck bekommen und der obligatorische Rost musste entfernt werden. Elke Engelhardt fährt ihre 33-jährige Charleston nur im Sommer und besitzt nebenbei noch ein Vernunftauto, wie sie es nennt. „Aber wenn ich mich in die Ente setze und losfahre, geht es mir gut und die Welt ist in Ordnung.“ Das könne halt nur die Ente schaffen.

Ente im Festtagskleid: Modell „Charleston“in der Eleganz der 20er Jahre