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Keine Liebe auf den ersten Blick


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 4/2023 vom 18.01.2023

GESELLSCHAFT

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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 4/2023

DREAMTEAMFriedrich Merz, der CDU-Parteichef und Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, ist seit 1981 mit der Juristin Charlotte Merz, 62, verheiratet. Sie ist Direktorin des Amtsgerichts in Arnsberg im Sauerland, wo das Paar auch gemeinsam lebt

Zwölf lange Jahre hatte sich Friedrich Merz aus der Politik verabschiedet. Jetzt ist er mit voller Energie zurück und seit Anfang 2022 CDU-Parteichef und Unions-Vorsitzender. FRAU IM SPIEGEL traf den 67-Jährigen, der zwischen Berlin, Arnsberg im Sauerland und dem Tegernsee in Bayern hin- und her pendelt und drei Kinder sowie sechs Enkel hat, in seinem Büro im Reichstag und sprach mit ihm über sein Leben als Oppositionsführer, aber auch darüber, wie er als Privatmann so tickt.

Herr Merz, war Ihre Politik-Pause für Ihre persönliche Entwicklung wichtig? Für mich war es eine sehr wertvolle Zeit, mal wieder außerhalb der Politik tätig zu sein. Ich bin ja 1989 schon mit einem Beruf erstmalig Abgeordneter geworden. Ich war erst Richter und dann Anwalt. Und ich habe immer gesagt, ich will nicht mein ganzes Leben uneingeschränkt in der Politik verbringen. Kritiker werfen Ihnen gerne

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... Dass ich 2002 nach meiner nicht erfolgten Wiederwahl zum Fraktionsvorsitzenden noch weitere sieben Jahre im Bundestag geblieben bin, und sehr gerne meine Arbeit als einfacher Wahlkreisabgeordneter gemacht habe. Dann hatte ich allerdings das Gefühl, dass meine Wege hier nicht weiterführen. Wir haben in den letzten 20 Jahren sehr wenig Kontakt gehabt. Ich war nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag in einer völlig anderen Welt unterwegs. Und jetzt ist sie aus der Politik ausgeschieden und ich bin zurück – da gibt es aktuell wieder kaum Gelegenheiten. Wir begegnen uns hin und wieder und ich freue mich, sie dann zu sehen.

Sie werden oft als Ehrgeizling oder Stehauf-Männchen bezeichnet. Können Sie sich damit identifizieren? Wahrscheinlich habe ich ein gewisses Durchhaltevermögen. Aber ich habe auch immer viel Rat eingeholt und mich – nicht nur, aber auch – daran orientiert, was meine politischen Freunde für richtig hielten. Meine Frau hat mir 2021 vor der Wahl die entscheidende Frage gestellt: Bist du auch als „einfacher“ Abgeordneter – ohne jede weitere Funktion – ein zufriedener Mensch? Und diese Frage habe ich mit gutem Gewissen mit Ja antwortet.

Trauen Sie sich auch das Kanzleramt zu? Grundsätzlich gilt: Jeder CDU-Parteivorsitzende muss dafür geeignet sein. Die Frage, ob ich mich 2025 zur Wahl stelle, werden meine Partei und ich zur richtigen Zeit beantworten, aber nicht heute. Aktuell beschäftige ich mich ausschließlich damit, die Union wieder so stark zu machen, dass sie überhaupt in die Nähe des Bundeskanzleramtes kommt.

Was würden Sie aktuell denn besser machen als der amtierende Kanzler Scholz? Die Schwächen der Regierung sind im Laufe des Jahres 2022 sehr deutlich geworden. Man muss in solch schwierigen Zeiten Entscheidungen treffen und ein Team führen können. Doch die Regierung fühlt sich nicht als Mannschaft, und der Bundeskanzler hat auch offenbar nicht die Fähigkeit, sie zusam- menzuführen. Das würde ich auf alle Fälle anders machen.

Bekommen Sie in Ihrer aktuellen Funktion als Oppositionsführer überhaupt Schlaf ? Ich versuche, mit 6 bis 7 Stunden auszukommen. Manchmal wird es auch ein bisschen weniger. Aber strikte Disziplin hilft – insbesondere was Alkohol betrifft. Unter der Woche reduziere ich daher meistens bis auf Null. Aber am Wochenende darf es schon ein Bier oder ein Glas Wein sein.

Markus Söder hatte ja als Jugendlicher ein Poster von Franz Josef Strauß im Zimmer hängen. Was hing bei Ihnen? Poster von Popbands. Zum Beispiel „The Who“ oder „ABBA“. Politiker-Bilder hatte ich keine im Zimmer.

Sie gelten als Verfechter von konservativen Werten, wie äußert sich das im Privatleben? Na ja, man muss sich heute offenbar schon ein bisschen dafür erklären, wenn man über 40 Jahre mit derselben Frau verheiratet ist, auf Traditionen Wert legt und auf Familie, Kinder und Enkelkinder schaut und über deren Zukunft nachdenkt. Wenn das konservativ ist, dann bin ich gerne konservativ.

Hat Ihre Frau Ihr Comeback begrüßt? Sie haben ja nun noch weniger Zeit für sie... Es ist auf jeden Fall eine gewaltige Belastung für die Familie. Allerdings haben wir keine Kinder mehr im Haus und meine Frau hat einen Beruf, der sie sehr ausfüllt. Dennoch hätte ich es ohne ihre Zustimmung nicht getan. Hätte ich damit meine Ehe aufs Spiel gesetzt, wäre die Entscheidung anders ausgefallen.

Wie haben Sie sich denn kennengelernt? In Bonn, auf der Examensfeier eines gemeinsamen Freundes. Meine Frau war am Anfang des Studiums und ich im letzten Drittel. Ihre Frau sagt, für sie wäre es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Bei Ihnen auch? Nicht ganz, wir haben uns nach dieser Party einige Tage gar nicht gesehen. Und wie lange hat es dann gedauert, bis Sie wussten, dass Sie die Richtige ist? Relativ schnell, die erste Begegnung ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und dann habe ich mir ihre Telefonnummer besorgt.

„Mit Angela Merkel habe ich wenig Kontakt“

Sie sind schon seit 41 Jahren verheiratet. Wie schützt man da die Liebe vor dem Alltag? Das Wichtigste ist, dass man gegenseitig eine sehr große Offenheit und vor allem gegenseitigen Respekt an den Tag legt. Und dass die Wochenenden nicht schon komplett durchgetaktet sind, sondern dass man Zeit füreinander hat – für gemeinsame Hobbys und Interessen. Aber auch, dass man sich zusammen fortentwickelt. Wir sind heute ja nicht mehr da, wo wir Anfang der Achtzigerjahre waren. Wir hatten das Glück, dass wir uns in die gleiche Richtung weiterentwickelt haben.

Was sind denn Ihre gemeinsamen Hobbys? Wir fahren viel Fahrrad, machen auch größere Radtouren, gehen gern in die Berge und lesen viel. Und wir sind oft mit unseren Kindern und Enkelkindern zusammen.

Sie haben drei Kinder und sechs Enkel. Das klingt nach relativ viel Trubel… Zumindest herrscht dann ein ordentlicher Geräusch-Pegel im Haus. Wir l l nehmen die Enkel auch schon mal mit in den Urlaub, ohne die Eltern. Enkelkinder zu haben, ist ein großes Glück für uns.

Politiker stehen in dem Ruf, gerne recht zu haben. Würde das Ihre Familie bestätigen? Das würde meine Familie auch unabhängig von meinem politischen Mandat bestätigen, weil es eine Berufskrankheit aller Juristen ist.

Haben Sie sonst noch Macken, mit denen Sie Ihre Familie manchmal irre machen?

Ich glaube, die Eigenschaft, die sie als größte Herausforderung empfinden, ist mein Wunsch nach Pünktlichkeit. Ich finde, nur ein gut strukturierter Tag schafft Freiräume.

Wie sieht es mit Talenten im Haushalt aus? Handwerklich: Ja. In der Küche: Nein. Wir haben da eine vernünftige Arbeitsteilung zuhause. Meine Frau ist eine begnadete Köchin. Sie kommt aus dem Saarland und ist geprägt durch die deutsch-französische Küche – da kann ich nicht mithalten. Beim Aufräumen bin ich dann aber wieder gut einzusetzen.

Sie hatten im Sommer einen Unfall. Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich? Ja, ich bin im August gestürzt, dabei habe ich mir das Schlüsselbein gebrochen und mehrere Bänder im Schultergelenk abgerissen. Heute kann ich zum Glück wieder joggen und Fahrrad fahren. Die Platte kommt aber erst in ein paar Monaten raus, ich muss also vorsichtig sein. Skifahren geht daher aktuell leider nicht, weil ich mir mit der Platte keinen Sturz erlauben kann. Aber ich denke, ein bisschen Langlauf wäre möglich. Wir fahren im Winter vermutlich für ein paar Tage in die deutschen Voralpen.

Sie sind leidenschaftlicher Flieger, wie kam es dazu? Das war schon mein Traum, als ich noch ein Schüler war. Damals habe ich mit dem Segelfliegen angefangen, bis es mir von meinen Eltern wieder verboten wurde – ich hatte die Schule etwas vernachlässigt. Danach war ich im Studium, habe früh geheiratet, Kinder bekommen und mich beruflich sehr engagiert. Deshalb habe ich damals eine Vereinbarung mit meiner Frau getroffen: Ich werde den Flugschein erst machen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. So ist es das Jahr 2008 geworden. Aber bis heute habe ich große Freude daran. Besonders, weil meine Frau mittlerweile völlig angstfrei mitfliegt.

War das anfangs nicht so? Nein, sie hatte zunächst große Vorbehalte dagegen, bis sie gemerkt hat, dass es eigentlich ein äußerst sicheres Verkehrsmittel ist. Und natürlich hat sie auch einigermaßen Vertrauen in ihren Mann. Selbst meine Kinder lassen unsere Enkelkinder mit mir mitfliegen.

Gibt es auch eine bestimmte Route, die Sie irgendwann mal fliegen möchten? Meinen großen Traum habe ich mir schon vor vier Jahren erfüllt. Ich bin mit einem Freund in zwei Tagen von Deutschland nach Amerika geflogen. Mit Stopps in Schottland, Island, Grönland, Kanada und bei den Niagarafällen. Finales Ziel war Wisconsin, wo jedes Jahr die größte Airshow der Welt stattfindet. Dort haben wir dann vier Tage lang wie die kleinen Jungs einfach nur staunend an den Himmel geschaut.

SARAH SEITERS