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KEINE ZEIT ZU 007 STERBEN


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 03.12.2021

Test des Monats

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 7/2021

Ganze 250 Millionen US-Dollar soll der neue Bond gekostet haben bei einem derzeitigen weltweiten Kino-Einspielergebnis von 667 Mio. US-Dollar. Das gibt Hoffnung, dass es auch nach der Daniel-Craig-Ära mit dem berühmtesten Film-Agenten der Welt im Kino weitergehen wird. Denn eins dürfte nun absolut klar sein, dass der 53-jährige Brite, der schon so oft gesagt hat, dass er zu alt für die ganze Action und die obligatorische Oben-ohne-Szene ist, nach insgesamt fünf Bond-Filmen zum letzten Mal einen geschüttelten Vodka-Martini auf der großen Leinwand bestellt haben dürfte. Wo sein Vorgänger Pierce Brosnan noch mit 49 Jahren an „einem anderen Tag gestorben“ ist, Sean Connery mit 41 seine Walter PPK an den 30-jährigen George Lazenby abgegeben hatte, war lediglich Roger Moore mit damals 58 Jahren („Im Angesicht des Todes“, 1985) noch älter als der heutige Craig (Timothy Dalton war 43). Und ...

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... da die Action in den moderneren Filmen nicht gerade weniger geworden ist, lässt sich Craigs Argumentation leicht nachvollziehen. Seit Daniel Craig in „Casino Royale“ (2006) die 007-Rolle übernahm, ist der Stil der Reihe wesentlich rauer, schmutziger und auch ein bisschen authentischer geworden. Das macht die Kämpfe nicht weniger sehenswert, aber man merkt schon einen Unterschied, gerade auch in Hinblick auf die Vorgehensweise der neuen „Bond-Girls“ Paloma (Ana de Armas) und Nomi (Lashana Lynch), deren Kampffähigkeiten Bond in jedweder Hinsicht ausbooten. Wo der alte 007 mit Kabeln würgt oder zusammen mit seinen Gegnern unkontrolliert ein Stockwerk tiefer kracht, führen seine Kolleginnen hochästhetische Tänze auf, deren Bewegungen in jeder Sekunde kontrolliert erscheinen. Hier wird nichts dem Zufall überlassen und zur Freude der Zuschauer hochkarätige Kampfaction geboten. „Hä?!“ entfleucht es Paloma, als Bond – der Mythos – etwas ungelenk hinter der Bar aus dem Scherbenhaufen seiner letzten halsbrecherischen Aktion aufspringt und sich die Glassplitter vom Jacket schüttelt. Sind seine Tage als Top-Agent etwa gezählt, da die neue Generation körperlich wesentlich mehr drauf hat und womöglich besser ausgebildet wurde? Offiziell befindet er sich ja sowieso bereits im Ruhestand und würde seine Tage lieber in seiner Ian Flemmings Jamaika-Haus nachempfundenen Unterkunft mit dem Angeln besonders großer Fische verbringen.

Klassischer Bond

Was James Bond neben seiner brachialen Grobschlächtigkeit, die hervorragend von Hans Zimmers treibenden Soundtrack unterfüttert wird, sonst noch so zu bieten hat, ist eine ganze Menge. So gestaltet sich der Abschiedsfilm als eine Art Best-Of sämtlicher Craig-Bonds. Natürlich gibt es wieder sämtliche obligatorischen Standards des Franchise in überraschenden Variationen: Es wird Vodka-Martini (geschüttelt, nicht gerührt) vor und während einer großen Actionsequenz geext. Der Name ist nach wie vor Bond, James Bond. Es gibt Gadgets von Q (Ben Wishaw), doppeldeutige Anmachsprüche, mit dem legendären Aston Martin DB5 das bekannteste klassische Bond-Auto überhaupt. Der Kalte Krieg flammt durch russische Bösewichter auf. Lyutsfer Safin (Rami Malek) und Blofelds Handlanger Primo (Dali Benssalah) geben herrlich überzeichnete Bösewichte ab, deren Geheimversteck auf einer Insel liegt. In den entscheidenden Momenten feuert 007 seine Walter PPK, greift aber auch in den bislang haarsträubendsten Shootouts der Bond-Geschichte immer wieder auf wesentlich größere Kaliber zurück. Und wenn schon jemand den Agenten in eine Verfolungsjagd verwickelt – egal, ob zu Fuß oder motorisiert – dann kommen von irgendwoher stets noch mehr massive Boliden bzw. Motorräder angesprungen und natürlich … ein Helikopter angeflogen. Eine Schippe geht immer noch oben drauf! In Zeiten digitaler Effekte entstehen inzwischen leider schon ganze Actionsequenzen am Computer, sodass diesen völlig der Nervenkitzel genommen wird. Umso mehr sollte man die waghalsigen Stunts des neuesten Bonds schätzen, die mit echten Autos, echten Stunt-Leuten und enorm viel planerischem Aufwand realisiert wurden. Beispielhaft dafür ist der Motorrad- Sprung in Matera, Italien. Hierfür fuhr Stunt-Fahrer Paul Edmondson eine 65-Grad-Rampe in einem Mordstempo fast senkrecht nach oben, um dann über die Mauerbegrenzung auf die höhere Straßenebene zu springen, um einen Trauerzug mit hunderten Statisten zu umfahren.

SONDEREDITIONEN

Von links nach rechts: Mediabook mit Standard-Blu-ray und Bonusdisc / 2-Disc-Steelbook in einer Blu-ray und einer 4K-Variante / Amazon-exklusive Limited Edition mit 4K-Blu-ray und einem hochwertigen Aston-Martin-Modell

Reale Stunts und Explosionen

Für den filmischen Untergang eines Schiffes wurde ein echter Frachter mit Sprengstoff versehen, während für die Innenaufnahmen ein riesiges Set gebaut wurde, das sich wie eine Waschmaschinentrommel 360 Grad um die horizontale Achse drehen ließ und für diese dramatische Szene fast vollständig unter Wasser gesetzt wurde. Der komplette Straßenzug in Santiago wurde für die El-Nido-Bar-Szene als Studio-Set aufgebaut, in der die ikonisch inszenierte Spectre- Party und deren actionreicher „Rausschmeißer“ stattfinden. Da diese große Sequenz von allen Darstellern das Äußerste abverlangte, durchliefen unter anderem Ana de Armas und Lashana Lynch ein intensives Training, was garantiert länger als die im Film genannten drei Wochen dauerte. Herausgekommen ist ein charmantes Geplänkel voller Spannung, Schönheit und Humor. Apropos Schönheit: „Keine Zeit zu sterben“ dürfte allein schon wegen seiner (zweiten) Eröffnungssequenz in Matera zu den optisch schönsten Bond-ilmen aller Zeiten gehören. Zu dem klassischen Flair gehören selbstredend auch alle liebgewonnenen Nebencharaktere, die „Maskottchen“ der Filmreihe. M (Ralph Fiennes) erhält diesmal eine moralisch zwiespältige Rolle. Ihm wird aber auch die Ehre zuteil, einige der wichtigsten, abschließenden Worte des Films vorzutragen, quasi als Schlussplädoyer des ganzen Bond-Projektes. Auch Dame Judi Dench ist als Bild an der Wand im MI6-Hauptquartier abgebildet. Moneypenny (Naomie Harris) ist wie Q und Felix Leiter eher schmückendes Beiwerk, obwohl es ziemlich cool ist, die 007-Clique zum ersten Mal als Privatpersonen zu erleben. So richtig privat wird es, wenn es um Léa Seydoux‘ Charakter Madeleine sowie um ein weiteres „Bond-Girl“ geht, das unerwartet in das Leben des Spions tritt. Die französischstämmige Psychologin ist der Schlüssel zur Handlung, wird ihr traumatisches Geheimnis (von dem 007 noch nichts ahnt) bereits im winterlichen Prolog offenbart. Als eiskalter Profikiller mit der Lizenz zum töten fällt Bond die Kommunikation mit den beiden Damen sichtlich schwerer als die Bedienung einer Pistole. Selbst das „Zubereiten“ eines Apfels ist schon eine große häusliche Herausforderung für ihn. Bremst diese Form der Weichheit den Anzugträger etwa aus? Keineswegs! Die Motivation haut sogar den Turbogang rein, wenn es darum geht trotz Schusswunden ein ordentliches Rambazamba zu veranstalten. Und der Kontrast zwischen enormer Härte und der neuen Weichheit macht ausgesprochen großen Spaß.

Inspirationen

Einer der interessantesten Momente ist beiweitem das Wiedersehen zwischen Bond und Blofeld (Christoph Waltz) im Hochsicherheitsgefängnis. Es mögen nur wenige Minuten sein, doch Waltz schafft es, gefesselt und fixiert wie er ist, in solch süffisanten Plauderton zu verfallen, dass Craig wie ein ganz normaler Schauspieler wirkt, der eben seine Zeilen aufsagt. Nun hat sich mit Cary Joji Fukunaga („True Detective“) ein Regisseur gefunden, der mit „Sin Nombre“ (2009) und „Beasts Of No Nation“ (2015) zwei sehr authentische Dramen über Kinder und Jugendliche ablieferte. Auch seine „True Detective“-Staffel bemüht sich sehr um Glaubwürdigkeit und Härte. Wo lässt sich also seine Handschrift in dem von Traditionen bereits sehr festgelegten Bond-Szenario erkennen?

Zum einen schafft es Fukunaga, die äußerst chaotische Action visuell übersichtlich zu gestalten und dabei auch der Ästhetik eine Chance zu geben. Zum anderen lässt sich sein Schaffen insbesondere in der finalen Plansequenz in einem Treppenhaus erkennen. Hier wird ein harter Shootout geboten, der so schmutzig und kräftezehrend ist, dass er an den letzten, selbstzerstörerischen Gang eines gewissen Snake in „Metal Gear Solid 4“ erinnert. Überhaupt gibt es hier sowohl inhaltliche als auch optische Parallelen zu Konamis kultiger Spionage-Reihe. Das bezieht sich beispielsweise auf die futuristische Technik, die von Magnet-Sturz-Bremsern über bionische Augen bis hin zu Nanomaschinen reicht. Auch Safins Basis ist „Metal Gear Solid“-typisch gestaltet, wobei sich dessen Mastermind Hideo Kojima ganz offen auch von früheren „James Bond“-Filmen inspirieren ließ. Und dann wäre da noch die, nennen wir sie „mystische Zauberwald“-Szene in Schottland/Norwegen. In ihr verfällt Bond in den John-Carpenter-Modus, trägt auf einmal einen langen Mantel und eine fette Wumme. Der wabernde Nebel und die ohrenbetäubende Stille werden lediglich von den bedrohlichen Motorengeräuschen der Angreifer und die kurzen Feuergefechte mit „Guerrilla-Bond“ durchbrochen. So brachial und skrupellos hat man ihn noch nie erlebt.

Audio-Spektakel

Dass das Sound-Design zum Besten gehört, was das aktuelle Action-Kino zu bieten hat, kann man sich bei dieser Szene bereits gut vorstellen. Wie weit sind die unsichtbaren Gegner noch entfernt? Kommen sie auf einen zu oder entfernen sie sich? Dazu noch das Knacken der Äste und die lebendigen Waldgeräusche voller Tautropfen, die auf Blätter fallen und sich bewegender Kleintiere. Die deutsche Dolby-Atmos- Abmischung der Blu-ray hat aber noch mehr zu bieten. Wie spielerisch diese ist, zeigt der Shootout in der kubanischen Kneipe. Bond und Paloma kommunizieren während der Party über einen „Knopf im Ohr“. Zuschauer mit einer Dolby-Atmos-Anlage bekommen das Gespräch über die Deckenkanäle direkt in ihr Hirn gepflanzt und alle anderen Geräusche kommen von den Rück-, Seiten- und Front-Lautsprechern. Plötzlich stellt sich bei den Kommunikatonsgeräten eine neue Frequenz ein, über die eine dritte Stimme ganz unterschwellig seltsame Phrasen quasselt, mal präsenter, mal weiter weg. Der Ursprung der Stimme überrascht die Agenten mit einer grandiosen Wendung. Werden Bond und seine Flamme im kugelsicheren DB5 von allen Seiten beschossen, sind die Zuschauer komplett vom Kugelhagel umgeben. Wenn der Wissenschaftler Waldo per Seilzug nach oben befördert wird, entfernt sich sein Schreien auch über den Köpfen der Zuschauer. Das Finale lässt einen stetig zusammenzucken, weil Dynamik und Raumklang zu einem Audio-Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen werden.

Visueller Glamour

Das durchgängige 2.39:1-Bild (ohne IMAX-Sequenzen/ Formatwechsel) ist eines solch großen Kinoereignisses würdig. Doch wo die Tagsequenzen mit einem knackscharfen, farblich brillanten und kontrastreichen 10/10-Referenz-Bild auftrumpfen, gibt es in den farbgefilterten Nachtoder auch Innenszenen mehr Probleme. Zum Beispiel mit dem Schwarz, das dort manchmal nicht ganz so tief aussieht. Vielleicht wirkt es ja auf der UHD-Blu-ray anders, welche uns allerdings noch nicht vorliegt. Ebenso sitzt die Farbkorrektur bei einigen Sequenzen nicht richtig. Wenn Bond in der 51. Minute eine Wendeltreppe nach oben hastet, wechselt das Colorgrading von Blau-Orange zu einer komplett grünen Beleuchtung, um dann erneut zum blau-orangen Farbcode zurück zu wechseln. Die kubanische Nacht bietet zwar alle möglichen Farblichter, doch hier verfärben sich selbst die schwärzesten Schatten zu einem dunklen Grün. Auch auf dem Frachter zieht das extreme Rot der Innenbeleuchtung den Kontrast in Mitleidenschaft. Einige Fokusschwächen und partielle Unschärfen am Bildrand sind offenbar so gewollt.

Wenn man darauf achtet, ist die Anzahl der im Film vorkommenden Abschiede – z. B. am Grab, am Bahnsteig, in Kuba, auf dem Schiff, im Gefängnis, im Finale – wirklich sehr hoch. Um dies zu kompensieren, werden die Lücken mit Neuerungen gefüllt, als würde die nächste Bond-Generation bereits vorbereitet werden. Auch wenn der Film erneut „nur“ eine Ansammlung von aufsehenerregenden, formschönen Action-Sequenzen ist, so ist es doch ein Fest für jeden Action-Fan. Zudem hat die Craig-Ära im Vergleich zu früheren Bonds auch eine größere Kontinuität ins Spiel gebracht, eine charakterliche Entwicklung eines zuvor nur als Dandy dargestellten Superhelden, die zu den Ereignissen im abschließenden Teil geführt und ihn sogar zur tiefgreifenden, reifen Liebe befähigt hat. Unterhaltsamer und ästhetischer hätte man das gewiss nicht hinbekommen können. Ein gleichsam triumphaler wie würdiger Abschluss eines modernen James Bond, den man zukünftig sicherlich vermissen wird.

BONUS DISC

Die Extra-Blu-ray wirkt angesichts der 37 Minuten Laufzeit ein wenig verschwendet. Dafür belohnt der Inhalt wissbegierige Zuschauer mit einem spannenden Einblick in den Motorrad-Stunt (ca. 12. Min.), einem Behind-The-Scenes-Bericht zu den Stunts (ca. 6 Min.), eine Rundreise zu den vielfältigen, exotischen Schauplätzen des Films (ca. 8 Min.) sowie mit einer eingehenden Betrachtung des glamourösen Filmdesigns (ca. 11 Min.).

FALKO THEUNER

Spionage-Action

OT: No Time To Die L: GB J: 2021 V: Universal Pictures B: 2.39 : 1 T: Dolby Atmos R: Cary Joji Fukunaga D: Daniel Craig, Léa Seydoux, Rami Malek, Lashana Lynch LZ: 164 min FSK: 12 W-Cover: k. A.

VÖ: 16.12.21 × 2 Extras: 5/10