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Kena: Bridge of Spirits


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Play5 - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 03.11.2021

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Bildquelle: Play5, Ausgabe 12/2021

ACTION-ADVENTURE | Gigantische Spielwelten, Upgrades noch und nöcher und Einzelspieler-Storys, deren Spielzeit gut und gerne mal an den 70 Stunden kratzt: Wer sich in der heutigen Gaming-Landschaft ein AAA-Spiel kauft, geht oft eine Langzeitbeziehung ein. Was also spielen, wenn man sich ein kurzes, knackiges Erlebnis wünscht, das aber gleichzeitig nicht an der Produktionsqualität spart? Die Antwort lautet Kena: Bridge of Spirits! Denn das Erstlingswerk des Indie-Studios Ember Labs ist ein aufwändig gestaltetes, erfrischend entschlacktes und fair bepreistes Action-Adventure, das man gemütlich an einem Wochenende beenden kann. Wobei man das mit dem „gemütlich“ besser nicht allzu wörtlich nehmen sollte, aber dazu später mehr.

Letzte Reisebegleitung

Bei Kena schlüpft ihr in die Rolle der gleichnamigen jungen Frau, einer Geisterführerin, welche die Seelen gestorbener Menschen auf ihrer letzten Reise ins ...

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... Jenseits begleitet. Die bruchstückhaft erzählte Geschichte führt euch in ein verlassenes Bergdorf, in dem seit einer mysteriösen Katastrophe der Kreislauf des Lebens gestört ist. Giftige Blumen und Pflanzen- Monster ziehen eine Schneise der Verwüstung durch das Land, während die Seelen der Verstorbenen im Diesseits festhängen. Euer Job: herausfinden, was hier passiert ist und den rastlosen Geistern endlich Frieden verschaffen. Da manche der Verstorbenen aber noch ein Hühnchen mit den Lebenden – also auch mit euch – zu rupfen haben, müsst ihr euch während eurer spirituellen Reise auf so manchen harten Kampf gefasst machen.

Bewaffnet mit einem vielseitig einsetzbaren Kristallstab erkundet ihr die Gebiete rund um das Bergdorf, die thematisch an besondere Charaktere angelehnt sind, deren irdische Konflikte ihr aufdecken und lösen sollt. Dazu gibt euch Kena einen bunten Strauß an Action-Adventure-Spielelementen an die Hand, die der Titel zu einem durchweg unterhaltsamen und gelungen spielbaren Mix vereint. Ihr hüpft, klettert, löst kleinere Rätsel mit einer überschaubaren, aber nützlichen Anzahl an magischen Gadgets, und kämpft gegen abwechslungsreiche Feinde. Einen großen Teil des Reizes macht dabei allein die wunderschöne Präsentation des Spiels aus, die tatsächlich hält, was die Trailer versprochen haben: Kena ist wie ein Pixar-Film zum Selberspielen!

Himmlisch schön

Das Spiel ist beeindruckend detailliert, stimmungsvoll beleuchtet, voller knalliger Farben und charmanter Figurendesigns, die euch ein ums andere Mal zum Staunen und Schmunzeln bringen werden. Man sieht dem Spiel deutlich an, dass die Mädels und Jungs von Ember Lab ihr Animationshandwerk und auch die Unreal Engine 4 verstehen. Die vorgerenderten Zwischensequenzen, die ihr an bestimmten Punkten in der Story bewundert, sind von wirklich meisterhafter Qualität und absolut kinoreif, aber auch die Ingame-Grafik kann sich mehr als sehen lassen. Die Spielwelt überzeugt dabei aber nicht nur mit ihrer Optik, sondern ist auch mit zahlreichen Geheimnissen gefüllt, die euch immer wieder zum Erkunden der recht offen gestalteten Areale einladen.

Release the Floofs

Das wichtigste Collectible ist gleichzeitig auch zentrales Spielelement. Schon nach euren ersten paar Schritten im lauschigen Wald trefft ihr auf putzige, kleine Fellknäuel namens Rott, die euch auf Schritt und Tritt verfolgen, sobald ihr sie aus ihren zahlreichen Verstecken gelockt habt. Ganze 100 dieser Tierchen verbergen sich an jeder Ecke der Spielwelt – unter Baumstämmen, in Töpfen, am Ende einer Geschicklichkeitspassage oder als Belohnung für eine gewonnene Bogenschützen-Challenge.

Diese kleinen Rätsel sind zwar meist weder sonderlich komplex noch wirklich schwer, aber dadurch, dass ihr meist ein bisschen mehr tun müsst, als nur hinzulaufen und die Tierchen einzusammeln, stellt sich dennoch ein ordentliches Belohnungsgefühl ein. Besonders cool: Auf der PS5 wird eure komplette Fellknäuel-Armee gleichzeitig dargestellt, was die abseits der Monster recht ausgestorbene Spielwelt lebendiger wirken lässt. Auf der PS4 seht ihr nur 20 Rott gleichzeitig. Für noch mehr knuffigen Charme sorgt dann ein zwar reichlich sinnloses, aber dennoch witziges Feature: Mit einer eigens dafür gedachten Währung, die ihr in der Spielwelt einsammelt, kauft ihr jedem eurer Begleiter einen von unzähligen Hüten. Wollten wir nur mal erwähnt haben!

Die Rott helfen euch beim Erkunden, indem sie etwa weit entfernte Hebel umlegen, Kisten für euch schleppen oder Todeszonenherzen reinigen, wodurch die vergifteten Teile der Landschaft in beeindruckenden, nahtlosen Übergängen wieder farbig gemacht werden. Euer nach und nach erweitertes Fähigkeiten-Repertoire erinnert dabei angenehm an The Legend of Zelda: Der Kampfstab dient gleichzeitig als Bogen, mit dem ihr nicht nur kämpfen, sondern auch magische Schalter betätigen könnt.

Später gesellt sich eine Bombe dazu, mit der ihr zerstörte Architektur wiederherstellt und so neue Wege eröffnet. Wirkliche Kopfnüsse oder allzu schwierige Sprungpassagen beinhaltet Kena zwar nicht, aber durch eine sehr gelungene Verstrickung der bekannten und sauber funktionierenden Gameplay-Elemente entsteht ein durchweg unterhaltsamer Spielfluss, sodass im Verlauf des etwa zehn bis fünfzehn Stunden langen Abenteuers keine Langweile aufkommt. Während euch das spaßige Erkundungs-Gameplay also bei der Stange hält, aber selten wirklich herausfordert, sind es überraschenderweise tatsächlich die Kämpfe, bei denen ihr richtig ins Schwitzen kommt.

Die dunkle Seele eines Kriegsgottes am Horizont

Mit den giftigen Pflanzen haben auch jede Menge garstige Monster im Bergdorf Einzug gehalten, die sich euch immer wieder in den Weg stellen. In den Gefechten präsentiert sich Kena als actionreicher Mix aus God of War, Horizon: Zero Dawn und, man mag es bei der bunten Optik kaum glauben, auch einer Prise Dark Souls! Mit eurem Kampfstab verkloppt ihr die Feinde mit zweierlei Angriffen und aus der Ferne feuert ihr Pfeile auf leuchtende Schwachstellen.

Beide Waffen könnt ihr mithilfe eurer Begleiter verstärken: Zu Beginn jedes Gefechts sind die Rott noch ängstlich und verkriechen sich, aber sobald ihr genügend Treffer ausgeteilt oder eingesteckt habt, unterstützen sie euch mit mächtigen Hieben und durchschlagenden Pfeilen. Außerdem braucht ihr die Rott, um Gegnergeneratoren zu zerstören und die spärlich verteilten Heilpflanzen zu aktivieren.

In Kombination mit eurem knappen Lebensbalken und den aggressiven Feinden sorgen die begrenzten Heilmöglichkeiten schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad dafür, dass ihr die gegnerischen Angriffsmuster studieren und euer gesamtes Arsenal verwenden solltet. Zum Glück sind die Feinde abwechslungsreich und gelungen ausbalanciert: Meist bekommt ihr es mit einer Mischung aus Nahkämpfern und Schützen zu tun, die gerne auch noch von Flug- und Sprengmonstern unterstützt werden.

So pariert ihr Schwerthiebe, hüpft in letzter Sekunde über explodierende Feinde und verpasst dem nervigen Fernkämpfer weiter hinten per Zeitlupenfunktion noch in der Luft einen Kopfschuss. Nun ist natürlich nichts davon für sich genommen neu, aber Kena schafft es auch in den Gefechten, die Elemente bekannter Action-Adventures zu einem sehr soliden Mix zu vereinen, der sich wie aus einem Guss spielt. Einziger Nerv-Faktor: Die Kamera und die Lock-on-Mechanik, mit der ihr den Blick auf einen einzelnen Feind fixiert, waren im Test teils noch etwas zickig und unzuverlässig, woran die Entwickler aber offenbar schon arbeiten.

Besondere Highlights sind die häufig eingestreuten und teils wirklich knackigen Bosskämpfe. Mal bekommt ihr es mit einem überdimensionierten Ritter zu tun, dessen Ausweich-Timing ihr lernen müsst, mal versucht euch ein Assassine mit Teleports und Trugbildern zu verwirren, mal verlangt ein fliegender Bogenschütze schnelle Reflexe und präzises Zielen. Die Abwechslung stimmt also, das Herausforderungsniveau ist überraschend hoch, die Siege dafür umso belohnender.

Wer er sich leichter machen will, kauft im Upgrade-Menü eine kleine, aber wertvolle Anzahl an Fähigkeiten, oder stellt den Schwierigkeitsgrad auf „Storymodus“ um. Auf der niedrigsten Stufe wird das Spiel dann aber fast schon zu einfach, was den Kämpfen einiges von ihrem Reiz nimmt, während der normale Schwierigkeitsgrad vor allem für Gelegenheitsspieler zu heftig werden könnte – hier wäre eine Zwischenstufe wünschenswert, vor allem, weil das Spiel ohnehin eher mit seinem Gameplay als mit seiner Geschichte glänzt.

Große Gefühle zur großen Inszenierung?

Die Story ist damit auch das einzige, was uns an Kena nicht so recht überzeugt hat. Mit seiner grandiosen Animationsfilmoptik und der interessanten Prämisse hätte das Spiel eigentlich viel Potenzial für eine emotionale und bewegende Geschichte geboten, das es aber nie so wirklich ausschöpft. Die wenigen Story-Schnipsel, die euch die Geschichten der Charaktere erzählen, sind zwar toll inszeniert, aber immer recht kurz und kryptisch gehalten. Auf eurer Reise begegnet ihr nur einer Handvoll anderer Figuren, und die sind, genau wie die Protagonistin, nicht besonders gesprächig. Viel zu bereden gäbe es aber ohnehin kaum, denn die Handlung bleibt bis zum Schluss platt und simpel. Immerhin sind die Figuren ordentlich vertont, wenn auch nur auf Englisch. Besonders Kenas Sprecherin macht einen tollen Job, wenn sie denn mal das Wort ergreift.

Die ausdrucksstarken Animationen der Charaktere und der aufwändige Soundtrack sorgen aber trotz der flachen Story dafür, dass euch die Spielwelt und ihre Bewohner in Erinnerung bleiben werden. Die tolle Musik untermalt die Kämpfe mit ordentlich Bombast und beim Erkunden lassen euch die Melodien in die asiatisch geprägte Kultur des Bergdorfes eintauchen. Wer von Kena also vor allem ein filmreif präsentiertes, und trotz wenig eigener Ideen ein hervorragend spielbares Action-Adventure erwartet, dürfte mit dem Titel mehr als glücklich werden. Vor allem zum fairen Preis von knapp 40 Euro eine absolut runde Sache!

STEFAN WILHELM

Meinung

„Kena ist überraschend anspruchsvoll, aber dafür umso besser!“

Stefan Wilhelm Redakteur

Meine Befürchtung vor dem Test, das Spiel würde ein substanzloses und allzu simples Casual-Adventure werden, das primär mit seiner Optik punktet, wurde glücklicherweise komplett widerlegt! Denn hinter der phänomenalen Präsentation verbirgt sich auch noch ein absolut gelungener Mix aus bekannten und beliebten Action-Adventure-Elementen, der mich mit seinen harten Kämpfen kalt erwischt, und dafür umso mehr begeistert hat.

Klar, etwas mehr Anspruch auch außerhalb der Gefechte wäre wünschenswert gewesen. Doch auch so spielt sich das kompakte Spiel durchweg hervorragend, denn kein Gameplay-Element wirkt aufgesetzt und das Fortschrittsgefühl ist gerade deswegen so gelungen, weil sich Kena aufs Wesentliche besinnt. Nur auf der Story-Ebene wurde ich etwas enttäuscht zurückgelassen. Das Spiel gibt sich zwar durchaus Mühe, mich emotional zu berühren, so recht gelingen wollte das jedoch nicht, da Geschichte und Charaktere etwas zu sehr in den Hintergrund verlagert werden. Gameplay und Präsentation sind dennoch so gelungen, dass sie Kena locker über seine zehn- bis fünfzehnstündige Laufzeit tragen, und mich gespannt auf das nächste Projekt des Studios warten lassen!

Pro & Contra

Infos